Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, was US - amerikanische Jugendgangs sind und durch welche sozialen Mechanismen sie sich konstituieren. Dabei sollen die US - amerikanischen Jugendgangs als ein mögliches Beispiel für die Vergesellschaftung abweichenden Verhaltens betrachtet werden. Anhand ihres Beispiels kann eine Vielzahl von Devianztheorien veranschaulicht werden , zumal es sich bei ihnen um ein vielschichtiges und äußerst heterogenes Phänomen handelt. Wenngleich die Forschungsergebnisse zu diesem Thema durchaus zahlreich vorhanden sind, so existiert doch bis heute keine allgemeingültige Definition von Jugendgangs. Am Beispiel dieses Phänomens lässt sich ebenfalls gut nachvollziehen, welche Konsequenzen die wissenschaftliche (und alltägliche) Interpretation und Definition von Verhaltensmustern als „normal“ oder „abweichend“ für den institutionellen, politischen und ökonomischen Bereich haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Jugendgangs als Beispiel einer devianten Gruppe
1.1 Grundlegende Fragestellung
1.2 Der Begriff der Devianz
1.3 Definition und Charakteristiken von US-amerikanischen Jugendgangs
2 Theorien jugendlicher Gangs
2.1 Zur Auswahl der präsentierten Theorien
2.2 Makro- und Mesosoziologische Ansätze
2.2.1 Robert K. Mertons Anomietheorie
2.2.2 Sozialökologischer Erklärungsansatz
2.3 Gruppendynamische und Mikrosoziologische Erklärungsansätze
2.3.1 Jugendliche Gangs als deviante Subkultur
2.3.2 Jugendgangs als Diffential Association / Opportunity-Theorie
2.4 Labeling-Ansatz
3 Fazit
4 Verwendete Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen US-amerikanischer Jugendgangs als Beispiel für abweichendes Verhalten und analysiert die sozialen Mechanismen ihrer Konstituierung anhand klassischer soziologischer Theorien.
- Analyse des Begriffs der Devianz im soziologischen Kontext
- Darstellung makrosoziologischer Erklärungsmodelle (Anomie, Sozialökologie)
- Untersuchung mikrosoziologischer und gruppendynamischer Prozesse (Subkultur, Differential Association)
- Kritische Betrachtung der Fremdzuschreibung durch den Labeling-Ansatz
- Diskussion der Implikationen für sozialpädagogische Interventionen
Auszug aus dem Buch
1.3 Definition und Charakteristiken von US - amerikanischen Jugendgangs
Wie weiter oben bereits erwähnt, ist der Begriff der Gang beziehungsweise dessen Gehalt umstritten. So konstatieren Covey, Menard und Franzese: „Most fundamentally, there is no consensus about what constitutes a gang, as opposed to a subculture or a group of individuals. Several terms have been used to refer to gangs, and the term gang has been broadly applied to a variety of different collections or aggregates of individuals.“. Angesichts dieser Schwierigkeiten sei hier eine phänomenologisch orientierte Definition von Jugendgangs vorgeschlagen. Jugendgangs seien entsprechend der Definition von Miller als: „(...) a self-formed association of peers, bound together by mutual interests, with identifiable leadership, well-developed lines of authority, and other organizational features, who act in concert to achieve a specific purpose which generally includes the conduct of illegal activity and control over a particular territory, facility, or type of enterprise.“ , beschrieben. Diese ebenfalls sehr weitläufige Definition sei durch einige (auf dieser Definition basierenden) demografische Charakteristiken ergänzt: Die durchschnittlichen Mitglieder einer Gang sind afro-amerikanischer oder hispanischer Herkunft und zwischen 12 und 22 Jahren alt, der größte Anteil ist 17 oder 18 Jahre alt. Die Größe einer Gang steht häufig in Relation zur Einwohnerzahl der Stadt, in der sie agiert und liegt im Schnitt bei ca. 180 Mitgliedern, wobei besonders spezialisierte Gangs (beispielsweise sog. Drug Trafficking Gangs) eine sehr viel kleinere Mitgliedschaft aufweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Jugendgangs als Beispiel einer devianten Gruppe: Einführung in das Thema, Klärung des Devianzbegriffs und Definition sowie Charakterisierung von US-amerikanischen Jugendgangs.
2 Theorien jugendlicher Gangs: Theoretische Auseinandersetzung mit der Entstehung von Gangs, unterteilt in makrosoziologische, mikrosoziologische und labeling-theoretische Ansätze.
3 Fazit: Zusammenfassende Reflexion über die Erklärungsgehalte der Theorien und deren Bedeutung für die sozialpolitische und pädagogische Praxis.
4 Verwendete Literatur: Verzeichnis der herangezogenen Handbücher, Monographien und Aufsätze.
Schlüsselwörter
Jugendgangs, Devianz, Anomietheorie, Sozialökologie, Subkultur, Differential Association, Labeling-Ansatz, soziale Kontrolle, Jugendkultur, Delinquenz, soziale Identität, Normlosigkeit, soziale Segregation, US-amerikanische Gesellschaft, Gruppendynamik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert US-amerikanische Jugendgangs als ein Phänomen abweichenden Verhaltens und untersucht, durch welche soziologischen Mechanismen diese Gruppierungen entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Definition von Devianz, die Rolle von Lebenswelten in Armenvierteln sowie die Bedeutung von gruppeninternen Lernprozessen und externen Etikettierungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, eine Vielzahl von Devianztheorien anhand des Beispiels Jugendgangs zu veranschaulichen und deren Eignung zur Erklärung dieses heterogenen Phänomens kritisch zu prüfen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und dem Vergleich verschiedener soziologischer Erklärungsmodelle, von der Anomietheorie bis zum Labeling-Ansatz.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in makrosoziologische Ansätze (Merton, Sozialökologie), mikrosoziologische Ansätze (Subkultur, Differential Association) und den Labeling-Ansatz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Devianz, Subkultur, Anomie, Labeling, soziale Segregation und Identitätskonstruktion geprägt.
Wie bewertet der Autor die Anomietheorie von Robert K. Merton in Bezug auf Gangs?
Der Autor erkennt Mertons Erklärung für die Diskrepanzsituation von Gangmitgliedern an, weist jedoch darauf hin, dass die Theorie an ihre Grenzen stößt, wenn es um die Erklärung der konkreten Gruppenbildung geht.
Welche Rolle spielt die soziale Ökologie bei der Entstehung von Gangs?
Die sozialökologische Theorie erklärt die Entstehung durch die Segregation in ethnisch homogenen Armenvierteln, wo Jugendliche durch die räumliche Umgebung und Gewalterfahrungen zur Bildung von Gangs neigen.
Was bedeutet der "Labeling-Ansatz" im Kontext der Gang-Forschung?
Dieser Ansatz betrachtet eine Gang nicht primär durch objektive Merkmale, sondern als soziales Konstrukt, das durch die Fremdzuschreibung des Labels "Gang" durch Institutionen und Mehrheitsgesellschaft erst konstituiert wird.
Welchen praktischen Nutzen zieht der Autor aus seiner theoretischen Analyse?
Er schlussfolgert, dass erfolgreiche Maßnahmen nicht nur beim Individuum ansetzen dürfen, sondern durch sozialpolitische Investitionen in Bildung und Stadtentwicklung flankiert werden müssen.
- Arbeit zitieren
- Magister André Keil (Autor:in), 2006, Theorien zu US-amerikanischen Jugendgangs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161416