Das Auftreten von in der Literatur genannten Vor- und Nachteilen des Jahrgangsübergreifenden Lernens in einer Berliner Grundschule


Praktikumsbericht (Schule), 2008

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Schulprofil

3. Hauptteil
3.1 Entwicklung des Jahrgangsübergreifenden Lernen seit 1992
3.2 Warum ist Lernen in altersheterogenen Gruppen besser als in altershomogenen Gruppen?
3.3 Vorteile von Jahrgangsübergreifenden Lerngruppen
3.4 Nachteile von Jahrgangsübergreifenden Lerngruppen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Vom 1. September bis 26. September 2008 führte ich ein berufsfelderschließendes Praktikum an der G-Grundschule in Berlin durch. Gleich zu Beginn wurde mir mitgeteilt, dass ich aktiv am Unterricht teilnehmen würde, damit die Zeit des Praktikums für mich interessant und lehrreich werde. Trotzdem wurde es mir gestattet, in einigen Stunden dem Unterricht nur durch Beobachtung zu folgen. Während der vier Wochen begleitete ich eine Klasse, ungeachtet welches Unterrichtsfach die Schüler hatten. Somit habe ich drei Lehrerinnen und eine Erzieherin kennen gelernt.

Bereits vor Beginn des Praktikums stellte ich mir einige Fragen zu der kommenden Zeit. Vor allem wollte ich wissen, inwieweit meine eigene Grundschulzeit mit der der heutigen Zeit übereinstimmt. Als ich zwischen 1994 und 2000 die Grundschule besuchte, gab es überwiegend Frontalunterricht. Jeweils zwei Schüler saßen an einer Bank mit Blickrichtung zur Tafel, Lehrertisch und Lehrer[1]. Alles wurde gemeinsam erarbeitet und individuelle Förderung der Schüler gab es zumindest an meiner Grundschule relativ selten. Dies hat sich, wie während meines Praktikums schnell feststellen konnte, stark gewandelt. Immer drei bis vier Schüler saßen an einer Tischgruppe und erledigten je nach bereits erreichtem Niveau unterschiedliche und individuelle Aufgaben. Auch gab es keine zusätzlichen Erzieher in meiner Grundschulzeit in jeder Klasse oder zumindest in einigen Stunden. Andere Dinge haben sich nicht allzu stark verändert. So zum Beispiel die Klassenstärke. Meine ehemalige Grundschulklasse hatte zwischen 22 und 25 Schüler, die Klasse während meines Praktikums 23. Auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis ist genauso persönlich wie zu meiner Zeit.

Zu meinen Aufgaben zählte es, darauf zu achten, dass die Schüler sich ruhig verhalten und aktiv dem Unterricht folgen. Das Anwenden von Lob und Strafe, z.B. Ermahnungen, gehörte ebenfalls dazu. Bei Stillarbeiten konnte ich mich einzelnen Schülern zuwenden, die entweder Hilfe bei der Bearbeitung der jeweiligen Aufgabe brauchten oder die ihr Ergebnis kontrolliert haben wollten. Somit war es mir möglich, jeden einzelnen Schüler und seine Stärken und Schwächen kennen zu lernen.

Insgesamt habe ich viel gelernt während meines Praktikums. Vor allem war es interessant das Phänomen „Schule“ aus der Lehrerperspektive zu betrachten.

2. Schulprofil

Die G-Grundschule liegt an der Südseite des H-Sees und ist bereits über 100 Jahre alt. Aus der Gründerzeit stammen das Hauptgebäude, die Hort-Villa und das Hausmeisterwohnhaus. Mittlerweile sind zwei Häuser hinzugekommen, die mit Klassenräumen ausgestattet sind. In einem dieser Gebäude befinden sich jedoch inzwischen die Mensa und der Hort. Die Räume und Flure sind hell, groß und werden durch die verschiedensten Kunstarbeiten der Schüler gestaltet. Auch auf den zwei Schulhöfen ist genug Platz für die ca. 430 Schüler. Vor drei Jahren wurden diese Höfe nach dem Motto „Grün macht Schule“ umgestaltet. Sowohl Spielplätze mit einer Kletterwand als auch Fußball- und Basketballmöglichkeiten in einem eingezäunten Bereich bieten Gelegenheit für die Schüler, zu spielen und sich zu erholen. Die vielen Bäume und Grünpflanzen schaffen eine gute Atmosphäre um sich wohlzufühlen, egal ob bei Lehrern, Schülern, Erziehern oder Eltern.

Die Schüler stammen aus 32 verschiedenen Nationen, v.a. aus Russland, Ukraine, Israel, die gemischt in den Klassen unterrichtet werden. Die Eltern können zwischen jüdischem, katholischem oder evangelischen Religionsunterricht bzw. Lebenskunde für ihre Kinder wählen. Auch der Umgang mit den neuen Medien wird an der Schule ab der ersten Klasse groß geschrieben. So gibt es Computerräume und teilweise Computer in den Klassenräumen. Im Rahmen des Modellversuchs „Schule in eigener Verantwortung“ findet der Englischunterricht ab der ersten Klasse statt. Es besteht ein enger Kontakt zu einer Schule in Amerika, sodass den Fünft- und Sechstklässlern jedes Jahr die Möglichkeit gegeben wird an einem Austausch teilzunehmen. Wie an vielen Schulen sind auch hier die verschiedensten Arbeitsgemeinschaften vorhanden, wie zum Beispiel Chor, Computer, Instrumentalausbildung, Tanz, Ballspiele, Survival oder Schulhofgestaltung. Nach der Schule werden die Schüler entweder abgeholt oder vom Hort betreut. Seit 2005/06 werden sie bis halb zwei unentgeltlich vom Hort der Schule aufgenommen.[2]

Seit diesem Schuljahr (2008/09) findet für die erste und zweite Klasse der G-Grundschule das Jahrgangsübergreifende Lernen statt. Die Klassen der zweiten Jahrgangsstufe wurden geteilt und mit den Schulanfängern gemischt. Während meines Praktikums war ich ausschließlich in der Klasse JÜL 4, die aus zehn Erstklässlern und 13 Zweitklässlern besteht. In der ersten Praktikumswoche jedoch befanden sich nur die Zweitklässler in der Schule, da die Erstklässler erst am Freitag, den 5. September 2008 eingeschult wurden.

3. Hauptteil

3.1 Entwicklung des Jahrgangsübergreifenden Lernen seit 1992

Das Prinzip des Jahrgangsübergreifenden Lernen (JÜL) gibt es in Berlin bereits seit 1992. Die erste Schule die JÜL durchführte ist die Clara-Grunwald-Grundschule, die sich auf die Montessori-Pädagogik stützt. 1992 wurden hier unterschiedliche Klassen zu einem Jahrgang gemischt. Elf Jahre später wurde der Schulversuch abgeschlossen und die Grundschule bekam die „Anerkennung als [eine Schule] besonderer pädagogischer Prägung.“ Auch die Peter-Petersen-Grundschule (Jenaplan-Schule) begann 1994/95 einen ähnlichen Versuch, der wiederum erfolgreich abgeschlossen werden konnte und 2002 ebenfalls die „Anerkennung [...] als Grundschule besonderer pädagogischer Prägung“ erhielt. Zwischen 1997 und 2002 folgten weitere 18 Schulen diesen beiden Beispielen.

Seit 2004/05 wurde gemäß § 30 Abs. 2 der Grundschulverordnung die flexible Schulanfangsphase an allen Berliner Grundschulen eingerichtet. Diese sieht zumindest eine Mischung der Jahrgänge eins und zwei vor. Jedoch ist es den Schulen erlaubt auch außerhalb der Schulanfangsphase bis zu drei Jahrgangsstufen zu mischen.

Zu Beginn dieses Schuljahres (2008/09) führen 265 von 379 (ca. 70%) öffentlichen Grundschulen in Berlin Jahrgangsübergreifendes Lernen in der Schulanfangsphase durch.[3]

3.2 Warum ist Lernen in altersheterogenen Gruppen besser als in altershomogenen Gruppen?

Vielen Skeptikern entgeht bei dem Gedanken an JÜL, dass es nicht nur in JÜL-Klassen Schüler unterschiedlichen Niveaus gibt, sondern bereits in altershomogenen Klassen. Es gibt Schüler, die schnelle, mittlere oder langsame Fortschritte machen. Weiterhin gibt es in den meisten Klassen einige wenige Schüler die individuelle Förderung benötigen, da sie zum Beispiel ADS, ADHS, Dyskalkulie, Lese-Rechtschreib-Schwäche, etc. haben. Somit steht fest, dass jeder Lehrer im Unterricht und darüber hinaus differenzieren muss, um jedem Schüler gerecht zu werden und das bei „Alters- und (augenscheinlicher) Leistungshomogenität“[4]

Bei JÜL gibt es genau das gleiche Problem. Jedoch können hier die Vorteile der altersheterogenen Gruppen genutzt werden, die ich im nächsten Punkt aufführen werde.

Ein weiterer Grund, warum Unterrichten in altersheterogenen Klassen von Vorteil ist, betrifft den Fakt, dass spätestens nach der Schulzeit - meist schon eher – jeder mit Menschen unterschiedlichen Alters konfrontiert werden wird. Sei es im Studium, in der Berufsausbildung, auf der Arbeit oder auch in der Freizeit. Da ist es von Vorteil wenn der Umgang mit älteren oder jüngeren Mitmenschen so früh wie möglich erprobt wird.[5]

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit gelten Personenbezeichnungen für beide Geschlechter.

[2] Andreas Grimm, u.a.: Schulprogramm G-Grundschule.

[3] Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung: Bildung für Berlin, Die flexible

Schulanfangsphase, Förderung durch individuelles, gemeinsames und jahrgangsübergreifendes Lernen. Berlin, 2008. S. 10-11.

[4] Sabine Herzig, Anke Lange: So funktioniert jahrgangsübergreifendes Lernen. Mühlheim an der Ruhr, 2006. S.10.

[5] Sabine Herzig, Anke Lange: So funktioniert jahrgangsübergreifendes Lernen. Mühlheim an der Ruhr, 2006. S.10.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Auftreten von in der Literatur genannten Vor- und Nachteilen des Jahrgangsübergreifenden Lernens in einer Berliner Grundschule
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Zentrum für Lehrerbildung)
Veranstaltung
Berufsfelderschließendes Praktikum: Lernort Schule
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V161630
ISBN (eBook)
9783640777150
ISBN (Buch)
9783640777082
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
JüL, Jahrgangsübergreifendes Lernen, Grundschule, Praktikum, Praktikumsbericht
Arbeit zitieren
Bianca Reinisch (Autor), 2008, Das Auftreten von in der Literatur genannten Vor- und Nachteilen des Jahrgangsübergreifenden Lernens in einer Berliner Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161630

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