Beweis einer ewigen Entität als Gott fungierendes Wesen durch die Quantenmechanik in der Interpretation eines monistischen Idealismus im Allbewusstsein


Seminararbeit, 2010
47 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Simultanität zwischen einer ewigen und zeitlichen Entität
1) Boethius Definition
2) Die Unzeitlichkeit einer ewigen Entität - Gegenwärtigkeit und Simultanität

II Probleme und Konsequenzen der Simultanität zwischen einer zeitlichen und ewigen Entität
1) Beziehung zwischen einer ewigen Entität und einem zukünftig Kontingenten Ereignis
2) Übersetzung von einer ewigen in eine zeitliche Abfolge
3) Problem des kreativen freien Willens
4) Problem der direkten Kommunikation
5) Definition der ewigen Entität im Vergleich zur klassischen Gottesdefinition

III Quantenphysik, ein Lösungsansatz
1) Die klassische Physik und ihre Grundsätze - Bisherige Annahmen zur Simultanität
2) Quantenphysik - eine kurze Einführung
3) Vergleich der Quantentheorie mit der klassischen Physik

IV Der monistische Idealismus - eine mögliche Interpretation der Quantenphysik
1) kurze Vorstellung des Idealismus allgemein bezüglich der Problematik der Simultanität
2) Der monistische Idealismus - ein Grundkonzept

V Quantenansatz des monistischen Idealismus zur Schaffung einer Simultanität zwischen einer endlichen und einer zeitlichen Entität
1) Das Allbewusstsein als ewige Entität und im Gottesverständnis dieser
2) Das neue Verständnis der Simultanität und Kommunikation zwischen einer ewigen und einer zeitlichen Entität
3) Konsequenzen des Allbewusstseins in einer Gottesfunktion

Quellenverzeichnis

In dem Aufsatz „Ewigkeit“ von Elenore Stump und Normann Kretzmann wird die Existenz einer ewigen Entität neben einer zeitlichen Entität anhand der Relativitätstheorie von Albert Einstein erläutert und versucht eine Kommunikation anhand dieses „Bildes“ zu ermöglichen. Dies lässt sich als eine Art Kommunikation zwischen Gott und den Menschen darstellen und ausführen. Jedoch tauchen in der Kommunikation und über die dazu notwendige Simultanität vom Menschen zu einer ewigen Entität einige Probleme auf, die sich mit der normalen klassischen Physik, wie der von Einstein nicht lösen und beschreiben lassen. Um die Kommunikation und das bezügliche Verhalten empirisch getreu nach zustellen benötigt man eine neue Auffassung der Physik, die Quantenmechanik. Die Quantenmechanik ermöglicht uns an schweren Stellen der Simultanität zwischen einer ewigen und einer zeitlichen Entität neue Interpretationen und Erklärungen zu finden und erschafft so ein neues Bild für den Aufbau einer ewigen Entität.

Erst einmal soll jetzt jedoch die eigentliche Simultanität, zum genaueren Verständnis, erläutert werden.

I Simultanität zwischen einer ewigen und zeitlichen Entität

1) Boethius Definition

Ausgehend von Boethius Definition der Ewigkeit gelangt man zu folgender wichtiger Aussage: „Ewigkeit ist der vollständige und vollendete Besitz unbegrenzten Lebens auf einmal“1. Daraus abzuleiten sind vier Bestandteile einer Definition, die sich für das weitere Vorgehen im Text als wichtig erweisen.

Als erstes muss festgehalten werden, dass alles was ewig ist, auch etwas Lebendiges ist, da sich die Definition auf unbegrenztes Leben bezieht. An dieser Stelle kann man also nicht davon ausgehen, dass eine Zahl oder etwas Abstraktes, wie die Wahrheit ewig sind, auch wenn wir sie vielleicht als etwas immer währendes oder etwas ohne Anfang und Ende bezeichnen würden.2

Als zweites ist herauszustellen, dass dieses angesprochene Leben, als ewiges, nicht begrenzt sein kann. Es kann also kein Anfang und kein Ende aufweisen und besitzen. Somit ist die Existenz dieses Lebens von unendlicher Dauer und in jede erdenkliche Richtung unbegrenzt. Zudem ergibt sich an dieser Stelle aus dem Begriff des unbegrenzten, der Begriff der Dauer. Dieser lässt ein ewiges Leben also stetig dauern und macht es von Dauer erfüllt.

Das Leben in dem ewigen Existenzmodus ist jedoch nicht nur von Dauer, sondern auch von Unzeitlichkeit charakterisiert. Dies erklärt die Bezeichnung „der vollständige Besitz auf einmal“. Denn wenn man davon ausgeht, dass eine ewige Entität zeitlich ist und somit nicht gegenwärtig sein kann, sondern in der Vergangenheit oder Zukunft, dann wäre sie entweder nicht mehr oder noch nicht im Besitz ihres vollständigen Lebens.

Somit ist Ewigkeit als Existenzmodi nicht auf die Zeit reduzierbar. Jedoch kann aus dieser nicht reduzierbaren Eigenschaft der Ewigkeit nicht darauf geschlossen werden, dass diese ewige Entität nicht mit der Realität der Zeit unvereinbar wäre. Somit entsteht eine scheinbare Inkohärenz, die sich erst mal mit der Definition von Boethius nicht auflösen lässt.

2) Die Unzeitlichkeit einer ewigen Entität - Gegenwärtigkeit und Simultanität

Es wurde bisher geklärt, dass die Ereignisse im Leben einer ewigen Entität nicht in irgendeiner Form von Abfolge angeordnet werden können. Dies hängt damit zusammen, dass das Leben einer ewigen Entität als unzeitlich definiert wurde. Somit können auch im Hinblick auf das gesamte Leben einer ewigen Entität kein zeitliches Leben und kein zeitliches Ereignis, auch im Hinblick auf früher oder später, sein bzw. existieren. Ansonsten würde dies dazu führen, dass die ewige Entität selbst wieder ein Teil einer Zeitfolge wäre.

Jedoch muss hier unterschieden werden, denn obwohl die ewige Entität selbst nicht Teil einer zeitlichen Abfolge werden darf, ist es nicht auszuschließen, dass eine Art Beziehung oder auch Kommunikation zu anderen Entitäten bestehen kann. Somit könnte diesem ewigen Leben eine Art (Eigenschaft / Teil der Definition) zugesprochen werden, auf der eine Simultanität und Beziehung zu anderen Dingen oder anderen Leben aufbauen kann. Und dadurch, dass die ewige Entität als Leben definiert wurde, hat oder ist sie auch Leben, sei es nun vollständig oder nicht. Dadurch kann man im Bezug auf ihr Leben in einem gewissen Sinn von „gegenwärtig“ und einer gegenwärtigen Existenz sprechen (jedoch sollte sie immer als ewig gegenwärtig betrachtet werden). Sobald das Leben einer ewigen Entität nicht nur in einem einzelnen Ereignis besteht, oder man es nicht in Beziehung zu einem Ereignis oder der Zeit bringen kann, müssen wir eine ewige Entität oder ein ewiges Leben als eines der Relata in eine simultane Beziehung setzten. Denn es ist unter anderem durch eine gewisse Form von Gegenwärtigkeit anzunehmen, dass die ewige Entität in Beziehung zu anderem treten kann und nicht komplett isoliert existiert.

Anwendbarkeit des Begriffs der Simultanität

Eine ewige Entität beschreibt ein Leben und ist unzeitlich und dauernd, somit besitzt sie eine Existenz. Diese Existenz besteht in einer gewissen Form von Gegenwärtigkeit und beschreibt so eine gegenwärtige Existenz. Wenn etwas ewig existiert, dann ist es. Der Definition nach ist Existenz in diesem Zusammenhang eine Dauer ohne Abfolge. Somit hat diese Art der Existenz nicht existiert, noch wird sie existieren. Sie existiert nur, also nur in einer ewigen Form von Ewigkeit, die sich gegenwärtig ausdrückt. Die Art der Gegenwart in der die ewige Existenz sich befindet, ist demnach jedoch nicht die zeitliche Gegenwart. Diese Gegenwart ist, nach der vorherigen Definition von Ewigkeit, auch nicht punktförmig, sondern ausgedehnt. Dies liegt an der Voraussetzung, dass die Ewigkeit den Begriff der Dauer impliziert.

Um jedoch einer ewigen Entität eine Beziehung in Art einer Simultanität mit irgendetwas anderem zuschreiben zu können, muss sie kohärent charakterisiert werden, damit wir sie nicht als gänzlich zeitlich verstehen.

Eine Simultanität zwischen zwei zeitlichen Entitäten, also im üblichen temporalen Verständnis wird wie folgt verstanden: Sie ist die Existenz oder das Stattfinden zu ein und derselben Zeit.

(T-Simultanität)

Somit könnten wir daraus hervorgehend eine Simultanität zwischen zwei ewigen Entitäten formulieren: Existenz oder Stattfinden zu ein und derselben ewigen Gegenwart.

(E-Simultanität)

Simultanrelation zwischen zwei verschiedenen Relata:

Das Interesse des Aufsatzes „Ewigkeit“ liegt hier jedoch bei einer Beziehung zwischen einer ewigen und einer zeitlichen Relata. Diese Beziehung muss kohärent charakteristisch sein, damit überhaupt eine Verbindung bestehen kann. Damit der Aufbau einer Beziehung zwischen einer zeitlichen und einer ewigen Entität überhaupt als möglich angesehen werden kann, muss man wieder von einer Simultanität ausgehen.

Im ersten Teilabschnitt wurden die Gattungen der Simultanität in ihrer Definition so gewählt, dass man in beiden Fällen von ein und demselben „etwas“ ausgegangen ist. Im ersten Fall handelte es sich um eine Beziehung der gleichzeitig existierenden zwischen zwei zeitlich vorkommenden Entitäten und im zweiten Fall um eine Beziehung zwischen zwei ewigen Entitäten. Somit ist dasselbe „etwas“ in einem Fall Zeit und im anderen Fall ewige Gegenwart. Benötigt wird jedoch für eine Beziehung zwischen einer ewigen und zeitlichen Entität eine Simultanität, die zwischen diesen verschiedenen Existenzmodi bestehen kann. Diese neue Konstruktion muss jedoch den verschiedenen Teilkonstruktionen folgen und auf ihnen aufbauen. Man kann an dieser Stelle den Ausdruck „auf einmal“, der in beiden fest und gleich beschrieben wird, vorerst präzisieren. Dies erfordert erst mal den Ausdruck: „Zu ein und demselben ___“, also irgendeine Form in der etwas Zeitliches zu ein und demselben existieren kann wie etwas Ewiges. Anschließend muss die Leerstelle mit einem einzelnen Existenzmodus spezifiziert werden, in dem beide Relata zusammen existieren bzw. stattfinden können.

Relativität der Gleichzeitigkeit

„Ereignisse, die an verschiedenen Orten stattfinden und in einem Bezugsrahmen gleichzeitig sind, werden in einem anderen Bezugsrahmen, der sich relativ zum ersten bewegt, nicht gleichzeitig sein“3

Dieses Zitat von Einstein bezeichnet die Relativität der Gleichzeitigkeit, welche im Text mit einem simplen Beispiel beschrieben wird. In diesem Beispiel wird ein Zug von zwei Blitzen getroffen, die von jeweils zwei Beobachtern in einer anderen Abfolge gesehen werden. Die andere Abfolge wird hervorgerufen durch die unterschiedlichen Positionen in denen sich die beiden Beobachter befinden. Der eine Beobachter steht außerhalb des Zuges und der andere sitzt im Zug. Dadurch, dass sich der Zug bewegt, sieht der Beobachter im Zug den einen Blitz, der vorne in den Zug einschlägt, vor dem zweiten Blitz, der hinten in den Zug einschlägt, einschlagen. Der Beobachter von außen sieht jedoch beide Blitze gleichzeitig einschlagen, da er sich außerhalb des fahrenden Bezugssystems „Zug“ aufhält. Somit schlagen sowohl beide Blitze gleichzeitig und nicht gleichzeitig in den Zug ein. Es lässt sich nicht entscheiden, welcher Beobachter die „Wahrheit“ sieht bzw. im Recht ist.

Wenn wir dieses Beispiel für den Beweis einer Relativität in der Zeit nach Beobachtern aufführen und in unsere (T-Simultanität) zeitliche Simultanität einbauen, kann diese wie folgt interpretiert werden: Blitze treten zur selben und nicht zur selben Zeit auf. Diese Aussagen können sowohl wahr, als auch falsch sein.

An dieser Stelle scheint eine Inkohärenz zu entstehen. Dies wird dadurch hervorgerufen, dass die Leerstelle in der Definition unserer zeitlichen Simultanität mit ein und derselben Zeit gefüllt wird, also von der Simultanität von zwei zeitlichen Entitäten handelt. Zeit wird jedoch als einzelner, einheitlicher Existenzmodus verstanden. Die Theorie von Einstein versteht die Zeit an dieser Stelle anders. Wir gehen also nicht mehr von einer einheitlichen und feststehenden Zeit als Existenzmodus aus, sondern wir verstehen die Zeit nun als relative Größe. Somit benötigt die zeitliche Simultanität eine kompliziertere Definition, als die, die wir bisher verwendet haben. Diese wird wie folgt festgelegt: Existenz oder Stattfinden zur selben Zeit im Bezugsrahmen eines gegebenen Beobachters.

Hierbei wird nun die scheinbare Inkohärenz durch die Relativierung der Zeit auf einen Bezugsrahmen eines bestimmten Beobachters aufgehoben.

Im weiteren Verlauf tritt die Fragestellung auf, ob die Blitze wirklich gleichzeitig auftreten oder nicht. Jedoch lässt sich dies nicht konkret beantworten, denn die Frage scheint von einem Merkmal der Realität zu handeln. Es existiert aber nach den vorherigen Feststellungen kein solch eindeutiges Merkmal der Realität. Und es gibt genauso wenig einen Zustand des absoluten Gleichzeitig-Seins. Das Vorliegen einer Relation wird durch den Bezugsrahmen auf einen Beobachter und den Standpunkt des Beobachters bestimmt. Nach Einsteins Theorie ist auch kein privilegierter Beobachter festzustellen bzw. vorhanden. Ausgehend von dieser Theorie ist die Simultanität irreduzibel relativ in Bezug auf den Beobachter und dessen Bezugsrahmen. Dasselbe gilt somit immer auch für die Zeit. Somit existiert hier kein einheitlicher Existenzmodus.4

Ewig- zeitliche Simultanität (ET-Simultanität)

Die Simultanität zwischen einer ewigen und zeitlichen Entität muss nun auf ein und dieselbe Gegenwart Bezug nehmen und diese ist nicht die zeitliche Gegenwart. Es ist an dieser Stelle zu beachten, dass wir es mit einer Simultanität von zwei Existenzmodi zu tun haben und somit müssen wir auch in der Definition von jeweils zwei Beobachtern und Bezugsrahmen ausgehen.

Aus der Annahme für die Definition einer ewig - zeitlichen - Simultanität wird nun angenommen, dass x und y Ereignisse und Entitäten beschreiben. Anhand dessen gilt, dass x und y genau dann simultan sind, wenn gilt:

1) Entweder x oder y ist zeitlich (oder umgekehrt).
2) Für einen Beobachter A in einem ewigen Bezugsrahmen sind x und y beide gegenwärtig; Entweder x ist ewig gegenwärtig und y zeitlich oder umgekehrt.
3) Für einen Beobachter B in einem der unendlich vielen zeitlichen Bezugsrahmen sind x und y beide gegenwärtig; Entweder x wird als ewig gegenwärtig und y als zeitlich gegenwärtig festgelegt oder umgekehrt.

Die zweite Bedingung sorgt dafür, dass eine zeitliche Entität bzw. ein zeitliches Ereignis von einem ewigen Beobachter wahrgenommen werden kann. Die dritte Bedingung hingegen stellt sicher, dass eine ewige Entität bzw. ein ewiges Ereignis von einem zeitlichen Beobachter als ewig gegenwärtig wahrgenommen werden kann. Zusätzlich ist durch die Definition festgelegt, dass wenn x und y simultan sind, dann ist y weder früher noch später zu x. Jedoch wurde in der Definition als Ausgangspunkt der ewigen Entität auch festgelegt, dass x und y nicht zeitlich simultan sein können. Somit können ewig und zeitlich nicht zu ein und derselben Zeit eines Beobachters existieren. (Jedoch ist die Simultanität natürlich als symmetrisch anzusehen).

Weiter lässt sich aus unserer Festlegung nicht der Schluss ziehen, dass wenn x und y simultan sind und x auch zu z simultan ist, dass dann auch y und z simultan sind. Sowie nicht gegeben sein muss, dass wenn x und y zeitlich simultan sind, dass x und z dann auch zeitlich simultan sein müssen.5

Anschließend kann nun wieder von einem Newtonschen Konzept der absoluten Zeit ausgegangenen werden, ausgehend von der Annahme, dass sich menschliche bzw. zeitliche Beobachter meist ein und denselben Bezugsrahmen teilen. Somit sind zeitliche Entitäten genau dann koexistent, wenn es eine Zeit gibt, in der sowohl die eine, als auch die andere Entität existieren. Hingegen ist bei der ewigen Entität hier eine Unterscheidung zu treffen. Wenn etwas ewig existiert, also seine Existenz unendlich ausgedehnt ist, ist seine Existenz immer vollkommen realisiert. Deshalb ist das gesamte Leben einer ewigen Entität mit jeder zeitlichen Entität zu jeder Zeit koexistent, in der diese existiert. Aus zeitlichem Standpunkt betrachtet ist die Gegenwart mit der gesamten unendlichen Ausdehnung des Lebens der ewigen Gegenwart simultan. Aus dem ewigen Standpunkt hingegen ist jede Zeit als Gegenwart zu betrachten und koexistiert mit dem ganzen der unendlichen, unzeitlichen Dauer der ewigen Entität.

II Probleme und Konsequenzen der Simultanität zwischen einer zeitlichen und ewigen Entität

Der bisherige Beweis, dass eine Kommunikation zwischen einer ewigen und einer zeitlichen Entität möglich wäre, führt unter anderem zu der Deutung der Erschaffung einer möglichen Kommunikation zu einem Gott, der als ewige Entität definiert wäre. Diese Form Gottes in einer ewigen Entität würde nämlich der allgemeinen Gottesbeschreibung weitläufig folgen. Unsere ewige Entität wäre natürlich ewig und sie wäre möglicherweise durch die Kommunikation mit uns in ihrer ewigen Gegenwart immer mit allem zeitlichen simultan, also allwissend. Durch diese Allwissenheit wäre die ewige Entität auch in einem gewissen Maß auch immer allgegenwärtig. Dieser Zusammenhang liegt m.E. unter anderem in der Motivation des Textes über die Simultanität.6

Jedoch treten hierbei in der Anwendung und Konsequenz der Simultanität zwischen der zeitlichen und ewigen Simultanität und Kommunikation Probleme auf, die wir uns nun etwas genauer anschauen.

1) Beziehung zwischen einer ewigen Entität und einem zukünftig kontingenten Ereignis

Der Einfachheit halber übernehmen wir an dieser Stelle das Beispiel aus dem Aufsatz Ewigkeit“ von Elenore Stump und Normann Kretzmann, der die Problematik anhand von Nixons Tod beschreibt. Hierbei tritt eine Inkohärenz auf. Denn Nixons Tod wird für einen zeitlichen Beobachter erst in dem Moment, in dem der Tod Nixons eintritt wahrgenommen und für die ewige Entität ist Nixon schon in ihrer ewigen Gegenwart tot. Nixon lebt also in der zeitlichen Gegenwart, jedoch weiß die ewige Entität, dass Nixon in der ewigen Gegenwart tot ist. Für die ewige Entität wäre ohne zeitliche Abfolge Nixon auch zugleich in ihrer ewigen Gegenwart tot und lebendig. Somit ist Nixon in der ewigen Gegenwart der ewigen Entität sowohl tot, als auch lebendig.

Der Aufsatz „Ewigkeit“ von Elenore Stump und Normann Kretzmann versucht die Problematik zu lösen, in dem verdeutlicht wird, dass Nixon selbst eine zeitliche Entität darstellt und somit nicht in der ewigen Gegenwart selbst lebt, sondern in einer zeitlichen. In der zeitlichen Gegenwart ist Nixon nie zugleich tot und lebendig, sondern nur in der „Wahrnehmung“ der ewigen Entität. Somit sind nur für die ewige Entität die Ereignisse gleichzeitig und simultan, nicht jedoch Nixons Leben und Tod selbst. Es wird nun daraus folgend die Behauptung aufgestellt, dass Nixons Tod für uns in der Zeit wirklich ein zukünftiges Ereignis ist und für eine ewige Entität wirklich ein gegenwärtiges Ereignis ist. Jedoch gibt es keine zwei objektiven Realitäten, die dieses Szenario beschreiben würden. Diese Kohärenz wird gelöst, indem der Begriff der Ewigkeit impliziert, dass es eine objektive Realität gibt, die zwei Modi wirklicher Existenz enthält, in denen zwei unterschiedliche Arten von Dauer, durch zwei irreduzibel verschiedene Arten von Maß gemessen werden, Zeit und Ewigkeit. Somit hängt die Zukünftigkeit von Nixons Tod davon ab von welcher Art von Entität das Ereignis in Beziehung gesetzt wird, zeitliche oder ewige.

Jedoch erweist sich dieser Lösungsansatz nicht gerade als optimal, da wir rückgreifend auf die Relativität der Zeit nach Einsteins Beweisführung für jeden einzelnen Betrachter eine andere Objektivität voraussetzten könnten. Dies gilt auch unter der Annahme, dass man meistens den gleichen Bezugsrahmen hat im Vergleich zur ewigen Entität. Wenn der Bezugsrahmen sich in kleinere Abweichungen der relativen Zeitwahrnehmung aufspaltet, gibt es keine Objektivität im klassischen Sinne mehr und es könnten keine eindeutigen Aussagen mehr gebildet werden. Selbst wenn wir dieses Kriterium ausschließen, stehen uns in der Objektivität der Bezugsrahmen der ewigen Entität und der der zeitlichen Entität gegenüber, welche uns vorerst nicht stört. Jedoch sobald wir eine Simultanität mit dem Zweck der Möglichkeit einer Beziehung oder Kommunikation fordern, stehen wir vor der Aufgabe, dies mit zwei völlig verschiedenen Bezugsrahmen und somit Objektivitäten zu meistern. Wie kann an dieser Stelle eine Kommunikation überhaupt möglich werden, wenn jeder von seinem Bezugsrahmen ausgeht und die Objektivität des anderen nicht kennt - eine Kommunikation bzw. Beziehung zwischen zwei verschiedenen Bezugsrahmen einer Objektivität würde uns vor eine Menge Probleme stellen.

Zudem bleibt die Frage offen, wie viele solche Bezugsrahmen es geben könnte, die ähnlich anders zu unserem zeitlichen reagieren, wie die ewige Entität. Eröffnet sich dann für jedes uns unbekanntes Bezugssystem eine eigenständige abgetrennte Objektivität von der unseren? Hier entstehen also sehr viele Fragen, die es noch zu klären gibt und die wir vorerst mit einer bloßen Simultanität, dem Text nach, nicht beantworten können.

2) Übersetzung von einer ewigen in eine zeitliche Abfolge

Die nächste Problematik die sich eröffnet hängt damit zusammen, dass die ewige Entität in ihrer Gegenwart keinerlei zeitliche Abfolge besitzen darf, und somit auch kein früher und später. Wenn wir jedoch eine Verbindung anhand der Simultanität in Form einer Beziehung oder gar Kommunikation annehmen, weil wir z.B. die ewige Entität als Gott einstufen, dann bleibt eine Frage der Übersetzung der zeitlichen Abfolge in eine ewige Gegenwart und umgekehrt offen. Wenn wir hier eine zeitliche Abfolge haben, dann nimmt die ewige Entität diese immer gegenwärtig wahr, somit geht quasi die Reihenfolge unserer Handlungen verloren. Anhand unseres Beispiels ausgedrückt hat die ewige Entität Nixons Geburt, seine Hochzeit, seinen Tod etc. immer gleichzeitig gegenwärtig und kann keine Abfolge über diese Ereignisse besitzen.

Nun stellt sich die Frage einer einteilenden Abfolge der ewigen Entität, welche nicht zeitlich ist bzw. mit einer zeitlichen zusammenhängt. Denn es wird eine Art Abfolge zur Einteilung der Geschehnisse notwendig, wenn ich zum einen die ewige Entität als Gott beschreiben möchte, der unter anderem mit uns kommuniziert und alles weiß (also auch die Reihenfolge in Bezug auf unsere Leben kennt) und zum anderen eine sinnvolle Verbindung in Bezug auf eine Beziehung hergestellt werden soll, zwischen der zeitlichen und der ewigen Entität. Sonst würde nämlich der Beweis einer möglichen Simultanität überflüssig werden.

Es gibt eventuell eine Art Vorstellung von Abfolgen in der die ewige Gegenwart alle Ereignisse gegenwärtig besitzt und in ein nummeriertes Zahlensystem einordnen kann. Somit würde sie Nixons Geburt, Hochzeit und Tod zwar immer gegenwärtig haben, jedoch wissen, dass die Geburt mit der Abfolgen- Ziffer eins beschrieben ist und so weiter. Jedoch ist dies nicht ohne weiteres zu bewerkstelligen, denn wie lässt sich Zeit erkennen. Zeit lässt sich im Raum durch Veränderungen identifizieren. In einem schwarzen Raum „gefüllt“ von immer denselben Teilchen mit denen nichts geschieht ließe sich keine Zeit ausmachen. Deshalb würde diese Abfolge der ewigen Entität fast wieder Zeit beanspruchen, auch wenn sie somit alle Zeit auf einmal wahrnehmen würde, aber sie wäre sich in ihrer ewigen Gegenwart einem früher und später und somit auch einer zeitlich Abfolge bewusst bzw. darin sogar fast eingeordnet.

Somit kann die Frage einer Art der Übersetzung von zeitlichem in ewiges hier vorerst nicht konkret beantwortet werden.

3) Problem des kreativen freien Willens

Wenn wir nach der Definition von Ewigkeit davon ausgehen, dass eine ewige Entität in Simultanität mit jeglicher zeitlichen Entität die Informationen unseres Handeln nicht in einer Abfolge erhält, sondern immer alles in ihrer ewigen Gegenwart besitzt und somit auch weiß, dann ist nicht mehr ganz klar, ob man dem Menschen, also der zeitlichen Entität an diesem Ausgangspunkt noch einen freien Willen zusprechen kann. Denn egal wie wir handeln, egal was wir tun, alles ist schon in der Gegenwart der ewigen Entität vorhanden. Somit weiß einerseits die ewige Entität immer schon was passiert bzw. in nicht zeitlichem Kontext ausgedrückt: die ewige Entität hat alles Wissen und alle Informationen unseres zeitlichen Daseins immer gegenwärtig. An dieser Stelle eröffnet sich die Frage: Wenn eine ewige Entität bzw. eine Art Definition von Gott immer schon alles gegenwärtig hat, was für uns erst zeitlich folgen muss, in wie weit sind wir dann von diesem Wissen determiniert? Oder nach der Gottesdefinition ausgedrückt: Wenn Gott allwissend ist, was haben wir dann noch für einen Handlungsspielraum?

Man kann nun davon ausgehen, dass wir als zeitliche Entitäten dennoch einen freien Willen besitzen und uns somit frei für etwas entscheiden und die ewige Entität einfach alle unseren freien Entscheidungen schon kennt. Jedoch ist alles schon in einem gewissen Maße „vorherbestimmt“, weil die ewige Entität alles schon weiß und kennt. Dennoch könnten wir an dieser Stelle von einem möglich freien Willen in unserem Handeln sprechen. Wir müssten an dieser Stelle nur berücksichtigen, dass durch diese „Vorherbestimmtheit“ die freie Entwicklung und die Kreativität enorm eingeschränkt werden. Wir entscheiden zwar frei, aber dadurch, dass die ewige Entität diese Entscheidung schon kennt, sind wir quasi durch das Wissen der ewigen Entität in unserer Entscheidung durch uns selbst determiniert, auch wenn die Entscheidung von der ewigen Entität unabhängig geschieht.

Ein weiteres vielleicht im Moment nicht ganz so gravierend erscheinendes Problem eröffnet sich, wenn wir von der Allwissenheit der ewigen Entität als Gott ausgehen. Denn wenn Gott in seiner ewigen Gegenwart nur all das weiß, was passiert ist, passiert und passieren wird, dann weiß er nicht automatisch um die Möglichkeiten, die wir als zeitliche Entitäten hatten bzw. sogar vielleicht nicht, welche Entscheidungsauswahl wir uns unbewusst oder bewusst gestellt hatten. (Die Frage nach dem Wissen über eine unbewusste oder bewusste Entscheidung hängt natürlich von der Art der Beziehung ab, welche sich durch die Simultanität eröffnen ließe. Wir haben aber keine konkrete Art der Beziehung, nur physisch oder auch psychisch usw., festgelegt und es lässt sich an dieser Stelle nicht mehr darüber sagen).

Hierdurch geraten wir an einen Punkt, in dem die ewige Entität vielleicht alles weiß, was wirklich passiert, jedoch fehlt ihr nach unserer bisherigen Definition das Wissen über die Möglichkeiten, die sich währenddessen parallel abspielen. Somit weiß diese nicht um das Potential unseres Handelns, sondern nur über das Ergebnis. Auch wenn an dieser Stelle darauf hinzuweisen ist, dass die Tragweite dieser Feststellung davon abhängt, wie wir Allwissend definieren, muss festgehalten werden, dass dem hier festgelegten Gott die Möglichkeiten in seiner Art von Allwissenheit (hier) verloren gehen und somit auch sein Handlungsspielraum und seine Kreativität enorm von unserem Tun und Handeln eingeschränkt werden - was so erst mal einer normalen Gottesvorstellung widerspricht.

4) Problem der direkten Kommunikation

Wir haben den Beweis einer möglichen Simultanität betrachtet, um die Kommunikation oder eine andere Art von Beziehung zwischen einer ewigen und einer zeitlichen Entität zu ermöglichen. Jedoch stellt sich nun die Frage nach einer Art der Kommunikation. Da wir in Bezug auf eine ewige Entität immer als eine Möglichkeit der Beschreibung bzw. Definition eines Gottes ausgehen, wäre ein gutes Beispiel für die Kommunikation das Beten. Wir beten als in unserem zeitlichen Dasein zu einem Gott in einem ewigen Dasein und bitten ihn z.B. darum, dass unsere Mutter die Operation am nächsten Samstag gut übersteht.

Hier laufen nun einige angesprochene und einige neue Probleme zusammen. Als erstes fällt uns die Problematik aus Punkt zwei wieder auf, in der es um die Übersetzung der zeitlichen Abfolge ging. Wie kann Gott nun wissen, wann wir zeitlich für welches zeitliche Ereignis der Operation beten? Wie ordnet die ewige Entität den Kontext des Betens in ihrer ewigen Gegenwart ein. Andererseits ergibt sich das Problem, dass Gott in seinem Allwissen immer schon unsere Wünsche kennen muss und genauso weiß was folgt und dies macht das Beten im eigentlichen überflüssig. An dieser Stelle könnte man argumentieren, dass Gott in seiner ewigen Gegenwart immer weiß, dass wir beten und dies erst so in sein Wissen einbeziehen kann. Jedoch eröffnet dies auch weitere Probleme, denn wie hat die ewige Entität nun in unserem zeitlichen Dasein einen bestimmten Handlungsspielraum bzw. Gott kennt auch in seiner Gegenwart all sein Handeln auf einmal. Wie ist die Übersetzung dieser Handlung wieder zurückführend ins zeitliche möglich? Wann weiß unserer Bezugsrahmen der Zeit, wann eine Handlung eintritt, die von einer ewigen Gegenwart ausgelöst für immer gegenwärtig vorhanden ist. Natürlich kann man sich vorstellen, wie die ewige Entität alles zeitliche in einer Gegenwart schon weiß und immer gegenwärtig hat, jedoch wie kann man diesen Bezugsrahmen übersetzen? Wie kann man das Ergebnis einer Handlung oder ähnlichem in der zeitlichen Realität einbringen?

[...]


1 Vgl.: Elenore Stump & Norman Kretzmann; Eternity (dt.: Ewigkeit); The Journal of Phylosophy, Volume LXXVIII, No. 8, August 1981.

2 Elenore Stump & Norman Kretzmann; Eternity (dt.: Ewigkeit); The Journal of Phylosophy, Volume LXXVIII, No. 8, August 1981; Deutsche Version, Seite: 164, Zeile: 6-7.

3 Elenore Stump & Norman Kretzmann; Eternity (dt.: Ewigkeit); The Journal of Phylosophy, Volume LXXVIII, No. 8, August 1981; Deutsche Version, Seite: 171, Zeile: 12 - 16 (Einstein).

4 Ein weiteres bzw. bekannteres Experiment (Gedankenexperiment) von Einstein handelt bezüglich der Relativität von zwei Beobachtern ausgehend von einer Kabine mit installierter Lichtquelle, die während der Bewegung, die bei der Kabine hervorgerufen wird, permanent leuchtet. Ein Beobachter befindet sich nun in und ein anderer außerhalb der Kabine. Zwei Möglichkeiten stehen nun zur Wahl. Nach der ersten nimmt die mit ihrer Lichtquelle bewegte Kabine den Äther mit, nach der zweiten nicht. Der Innenbeobachter würde in beiden Fällen keinen Unterschied feststellen, denn das Licht breitet sich nach allen Seiten mit der gleichen Geschwindigkeit aus. Anders verhält es sich beim Außenbeobachter. Er würde beobachten, dass das Licht sich in die Bewegungsrichtung der Kabine schneller als die Normalgeschwindigkeit ist, während es entgegen der Bewegungsrichtung langsamer ist. Die Lichtgeschwindigkeit hängt bei ihm von der Bewegung der Lichtquelle ab. „Wenn wir, so lässt sich weiter folgern, eine Geschwindigkeit erreichen könnten, die größer ist als die des Lichtes, so müssten wir einem Lichtsignal entkommen und bereits ausgesandte Lichtquellen einholen können…“(Einstein & Infeld, 180) (Vgl. Klaus Fischer, Einstein; Verlag Herder, Spektrum Meisterdenker, Freiburg im Breisgau, 2004; Seite 76 - 80).

5 Die Nowtonsche Zeit besagt, dass wir uns alle in einem absoluten Bezugsrahmen der Zeit aufhalten und so einen Bezugsrahmen teilen bzw. es nur einen Bezugsrahmen gibt. Diese Zeit geht konstruiert von einem Bezugssystem, mit Hilfe dessen man sich die Lage eines beliebigen Punktes im Raum mit drei Zahlen beschreiben kann, aus. Dieses Bezugssystem stellt den konstruierten Raum dar. Um Ergebnisse in diesem isolierten Verfahren zu bestimmen wird eine konstruierte Zeit aus Zeitintervallen bestehend eingeführt. (Diese Konstruktionen verkörpern den Ausgangspunkt der Nowtonischen Raum- Zeit- Beschreibung). (Vgl.: J ü rgen Audretsch; Die sonderbare Welt der Quanten; Verlag C.H. Beck oHG, M ü nchen, 2008; Seite: 14 - 18.)

6 Vgl.: Andre`Mercier; God, World, and Time; Peter Lang AG, Berne, 1996. Nick Huggett; Everywhere and Everywhen - Adventures in Physics and Philosophy; Oxford University Press, New York, 2010.

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Details

Titel
Beweis einer ewigen Entität als Gott fungierendes Wesen durch die Quantenmechanik in der Interpretation eines monistischen Idealismus im Allbewusstsein
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
47
Katalognummer
V161725
ISBN (eBook)
9783640753123
ISBN (Buch)
9783640753291
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Quantenmechanik, Klassische Physik, Kommunkiation zwischen ewgier und zeitlicher Entität, monistischer Idealismus, materialistischer Realismus, Allbewusstsein, Bewusstein, Monismus
Arbeit zitieren
Anna - Vanadis Faix (Autor), 2010, Beweis einer ewigen Entität als Gott fungierendes Wesen durch die Quantenmechanik in der Interpretation eines monistischen Idealismus im Allbewusstsein , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161725

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