Eine Frau erfährt, dass sie schwanger ist – gewünscht oder befürchtet. Mit einem Mal geschieht vieles gleichzeitig. Ängste, Hoffnungen und Zweifel kommen auf. Wer möchte nicht gesund sein und ein gesundes Kind zur Welt bringen? Die schwangere Frau geht zu einem Gynäkologen, bei dem verschiedene Untersuchungen durchgeführt werden. Die Frage, ob das Kind gesund ist, bleibt.
An diesem Punkt setzt die vorgeburtliche Untersuchung – Pränataldiagnostik genannt – ein. Durch verschiedene Untersuchungen wird die Lage, der Reifegrad und die Organausbildung des Fötus festgestellt. Sollten dort Auffälligkeiten auftreten, kann die Frau weitere pränatale Untersuchungen durchführen lassen, um zu erfahren, ob bei dem Fötus eine Beeinträchtigung vorliegt. Doch was geschieht, wenn in der Pränataldiagnostik eine Behinderung festgestellt wird? In was für einer Situation befinden sich die Betroffenen und welche Möglichkeiten haben sie?
In der vorliegenden Hausarbeit werde ich mich mit diesen Fragen beschäftigen und untersuchen, ob die Diagnose „Behinderung“ Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben von behinderten Menschen hat.
Ich werde mich auf die Behinderung „Down Syndrom“ konzentrieren. Die Gründe hierfür liegen zum einen in der guten Diagnostizierbarkeit während der Schwangerschaftsvorsorge und zum anderen in dem vergleichsweise „normalen“ Familienleben, welches trotz Down Syndrom möglich ist. Trotzdem entscheiden sich knapp 90% der Frauen in den Industrienationen bei der Diagnose Down Syndrom für eine medizinisch indizierte Abtreibung.
Unter dem Punkt 2 werde ich den Behinderungsbegriff „Down Syndrom“ erläutern, sowie die Ursachen und Symptome darstellen. Anschließend werde ich die gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Down Syndrom vorstellen. Grund dafür ist die Einigkeit unter Sonderpädagogen, dass Behinderung nicht eine Kategorie darstellt, die dem einzelnen behinderten Menschen zukommt, sondern vielmehr ein Resultat der Gesellschaft ist. Denn „krank ist, wer krank ist. Behindert ist, wer behindert wird und hinderlich ist.“
Der medizinische Fortschritt der pränatalen Diagnostik geht stetig voran. Die momentan üblichen vorgeburtlichen Untersuchungen mit ihren medizinischen, rechtlichen und praktischen Aspekten werde ich im dritten Punkt vorstellen. Unter Punkt 4 möchte ich einen Schritt weiter gehen und das Lebensrecht von Menschen mit Behinderung diskutieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Down Syndrom
2.1. Begriffsdefinition
2.2. Symptome und Ursachen
2.3. gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Down – Syndrom
3. Pränatale Diagnostik
3.1. Medizinische Aspekte
3.2. Rechtlicher Kontext
3.2.1. Rechtlicher Kontext der Pränataldiagnostik
3.2.2. Rechtlicher Kontext bei Schwangerschaftsabbruch
4. Lebensrecht von Menschen mit Behinderung
4.1. Ethischer Ansatz nach Singer
4.1. Die präferenz – utilitaristische Position Singers
4.2. Personenstatus nach Singer
4.3. Nichtfreiwillige Euthanasie
4.2. Kritische Stellungnahme zum Ansatz Singers
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der pränatalen Diagnostik auf das gesellschaftliche Leben von Menschen mit Behinderung, mit einem besonderen Fokus auf das Down-Syndrom und die ethischen Kontroversen um den Philosophen Peter Singer.
- Medizinische und rechtliche Aspekte der Pränataldiagnostik
- Gesellschaftliche Akzeptanz und Integration von Menschen mit Down-Syndrom
- Ethische Debatte um Lebensrecht und Personenstatus
- Kritik an utilitaristischen Positionen zur Euthanasie
Auszug aus dem Buch
4.1. Die Praktische Ethik nach Peter Singer
„ Der Kern der Sache ist freilich klar: Die Tötung eines behinderten Säuglings ist nicht moralisch gleichbedeutend mit der Tötung einer Person. Sehr oft ist sie überhaupt kein Unrecht.“36
Dieses Zitat entstammt Singers Buch „Praktische Ethik“ und verdeutlicht seine Position zum lebensunwerten Leben. Er modifizierte den klassischen Utilitarismus zu einer präferenz – utilitaristischen Position. Doch bevor diese Position erläutert werden kann, möchte ich den klassischen Utilitarismus in Grundzügen vorstellen.
Der klassische Utilitarismus, welcher von Bentham begründet worden ist, verfolgt die Maxime „Tu, was Glück vermehrt und Leiden vermindert.“37 und steht somit für die Vermehrung von Lust und die Verringerung von Unlust. Die Vertreter sehen eine Handlung dann als richtig an, wenn sie ebensoviel oder noch mehr Zuwachs an Glück für alle Betroffenen bedeutet, als dies eine alternative Handlung tun würde. Die Vernunft spielt eine große Rolle bei Entscheidungen und wird vom Standpunkt des unparteiischen Beobachters aus gesehen. Handlungen werden danach beurteilt, in welchem Rahmen sie dazu beitragen, die Ziele zu fördern.38
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der pränatalen Diagnostik bei Down-Syndrom ein und formuliert das Ziel, die Auswirkungen der Diagnose auf das gesellschaftliche Leben zu untersuchen.
2. Down Syndrom: Das Kapitel definiert das Down-Syndrom medizinisch, beschreibt die Ursachen sowie Symptome und beleuchtet die aktuelle gesellschaftliche Akzeptanz der Betroffenen.
3. Pränatale Diagnostik: Es werden die verschiedenen medizinischen Untersuchungsmethoden sowie der rechtliche Rahmen der Pränataldiagnostik und des Schwangerschaftsabbruchs in Deutschland erläutert.
4. Lebensrecht von Menschen mit Behinderung: Dieses zentrale Kapitel diskutiert die umstrittene ethische Position von Peter Singer zum Lebensrecht behinderter Menschen und stellt eine kritische Stellungnahme dazu auf.
5. Fazit: Das Fazit distanziert sich von utilitaristischen Tötungstheorien und unterstreicht die Notwendigkeit, das Recht auf Leben unabhängig vom Gesundheitsstatus zu wahren.
Schlüsselwörter
Down Syndrom, Pränatale Diagnostik, Ethik, Peter Singer, Utilitarismus, Lebensrecht, Behinderung, Nicht-Personen, Euthanasie, Schwangerschaftsabbruch, Integration, Medizinischer Fortschritt, Personenstatus, Diskriminierung, Gesellschaftliche Akzeptanz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Folgen der pränatalen Diagnostik, insbesondere im Hinblick auf das Down-Syndrom.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die medizinischen Möglichkeiten der Pränataldiagnostik, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Behinderung und die ethische Debatte um das Lebensrecht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob die Diagnose „Behinderung“ die gesellschaftliche Akzeptanz beeinflusst und wie ethische Ansätze wie die von Peter Singer kritisch zu bewerten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und eine kritische Auseinandersetzung mit ethischen Grundsatztexten sowie rechtlichen Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Down-Syndrom definiert, die diagnostischen Verfahren erläutert, der rechtliche Kontext in Deutschland dargestellt und Peter Singers Thesen zur Euthanasie kritisch hinterfragt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Down-Syndrom, Pränataldiagnostik, Utilitarismus, Lebensrecht, Personenstatus und gesellschaftliche Integration.
Wie bewertet die Autorin die pränatale Diagnostik?
Sie bewertet den medizinischen Fortschritt grundsätzlich positiv als Informationsmöglichkeit für Eltern, warnt jedoch vor den gesellschaftlichen Konsequenzen, die zu einem enormen Druck führen können.
Welche Verbindung zieht die Autorin zwischen Singer und dem Nationalsozialismus?
Die Autorin stellt fest, dass Singers Argumentation zur Tötung von „Nicht-Personen“ beunruhigende Parallelen zur NS-Ideologie aufweist, die „lebensunwertes Leben“ legitimierte.
- Citation du texte
- Katja Trümper (Auteur), 2008, Down Syndrom: eine aussterbende Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161730