Arm trotz Arbeit?! In diesem Satz scheint zunächst ein Widerspruch zu stecken. Armut: Damit assoziieren die meisten Menschen Obdachlose, Arbeitslose, Rentner und Alleinerziehende, also im Wesentlichen Personengruppen, die nicht erwerbstätig sind und deshalb nicht genug Geld zum Leben haben. Dass es aber auch Menschen gibt, die mit und trotz Arbeit arm sind, registrieren nicht nur in Deutschland recht Wenige als real existierendes Problem. Viele gehen wie selbstverständlich davon aus, dass Jemand, der arbeiten geht, auch genug finanzielle Mittel zum Leben zur Verfügung hat.
Armut trotz Erwerbstätigkeit, dieses im Amerikanischen als „working poor“ bezeichnete Phänomen, ist vor allem durch den US-amerikanischen Journalisten und Pulitzer-Preisträger David K. Shipler mit dessen Buch „The working poor“ (Shipler, 2005) geprägt und weltweit bekannt geworden. Shipler schildert den Alltag von erwerbstätigen Armen am Beispiel von einfachen Industriearbeitern, Servicekräften oder Erntehelfern in den USA. Inzwischen ist deutlich geworden: Das Phänomen „working poor“ ist kein ausschließlich US-amerikanisches Problem, sondern eines, das auch in den europäischen Wohlfahrtsstaaten vorzufinden ist. Dabei ist die Betrachtung der von Shipler beschriebenen hart arbeitenden, aber schlecht bezahlten Arbeitskräfte allerdings nur eine von vielen Seiten der „Armut von Erwerbstätigen“ (Lohmann, 2007, S. 11).
Ziel dieser Facharbeit ist es, zunächst einen Überblick darüber zu geben, was nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen heute unter „working poor“ in Deutschland zu verstehen ist. Zunächst wird dazu der Begriff „working poor“ selbst erläutert. Danach werden verschiedene Determinanten von Armut trotz Erwerbstätigkeit erörtert. Anhand eines Praxisbeispieles werden Auswirkungen von Armut trotz Erwerbstätigkeit dargelegt.
Nach der dann folgenden Darstellung und Diskussion unterschiedlicher Lösungsansätze zur Bekämpfung von „Armut trotz Erwerbstätigkeit“ folgt abschließend das Fazit mit einem Ausblick auf zukünftig anzugehende Problem- und Fragestellungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Working poor“ – Eine Annäherung an den Begriff
3. Determinanten von Armut trotz Erwerbstätigkeit
3.1 Der Einfluss der Sozio-Demografie
3.1.1 Faktor Alter
3.1.2 Faktor Geschlecht
3.1.3 Faktor Bildung
3.2 Der Einfluss des Haushalts
3.3 Der Einfluss der Erwerbstätigkeit
3.3.1 Faktor Teilzeitjob
3.3.2 Faktor Niedriglohn
3.3.3 Faktor Selbstständigkeit
4. Auswirkungen der Erwerbsarmut gezeigt an einem Praxisbeispiel
5. Lösungsansätze
5.1 Erhöhung der individuellen Löhne
5.1.1 Mindestlöhne
5.1.2 Existenzsichernde Lohnsubventionen
5.2 Erhöhung des Haushaltseinkommens
5.2.1 Bedingungsloses Grundeinkommen
5.2.3 Erwerbsförderung von Frauen
5.2.4 Bildungs- und Qualifizierungsoffensive
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen „Armut trotz Erwerbstätigkeit“ in Deutschland, analysiert die zugrunde liegenden Determinanten und diskutiert verschiedene politische Lösungsansätze, um die Einkommenssituation betroffener Haushalte zu verbessern.
- Definition und wissenschaftliche Einordnung des Begriffs „Working poor“
- Einflussfaktoren wie Sozio-Demografie, Haushaltskontext und Erwerbsform
- Analyse der Auswirkungen anhand eines konkreten Praxisbeispiels
- Diskussion von Lösungsansätzen: Individuelle Lohnerhöhungen vs. Erhöhung des Haushaltseinkommens
- Bedeutung von Bildung und Qualifizierung als Präventionsstrategie
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Armut trotz Arbeit?! In diesem Satz scheint zunächst ein Widerspruch zu stecken. Armut: Damit assoziieren die meisten Menschen Obdachlose, Arbeitslose, Rentner und Alleinerziehende, also im Wesentlichen Personengruppen, die nicht erwerbstätig sind und deshalb nicht genug Geld zum Leben haben. Dass es aber auch Menschen gibt, die mit und trotz Arbeit arm sind, registrieren nicht nur in Deutschland recht Wenige als real existierendes Problem. Viele gehen wie selbstverständlich davon aus, dass Jemand, der arbeiten geht, auch genug finanzielle Mittel zum Leben zur Verfügung hat.
Armut trotz Erwerbstätigkeit, dieses im Amerikanischen als „working poor“ bezeichnete Phänomen, ist vor allem durch den US-amerikanischen Journalisten und Pulitzer-Preisträger David K. Shipler mit dessen Buch „The working poor“ (Shipler, 2005) geprägt und weltweit bekannt geworden. Shipler schildert den Alltag von erwerbstätigen Armen am Beispiel von einfachen Industriearbeitern, Servicekräften oder Erntehelfern in den USA. Inzwischen ist deutlich geworden: Das Phänomen „working poor“ ist kein ausschließlich US-amerikanisches Problem, sondern eines, das auch in den europäischen Wohlfahrtsstaaten vorzufinden ist. Dabei ist die Betrachtung der von Shipler beschriebenen hart arbeitenden, aber schlecht bezahlten Arbeitskräfte allerdings nur eine von vielen Seiten der „Armut von Erwerbstätigen“ (Lohmann, 2007, S. 11).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der erwerbstätigen Armen ein und verdeutlicht, dass das Phänomen entgegen der allgemeinen Wahrnehmung auch in modernen europäischen Sozialstaaten existiert.
2. „Working poor“ – Eine Annäherung an den Begriff: In diesem Kapitel wird dargelegt, dass keine allgemein gültige Definition existiert und das Phänomen im Kontext von Haushaltseinkommen und existenzsichernden Lohnniveaus betrachtet werden muss.
3. Determinanten von Armut trotz Erwerbstätigkeit: Es werden die verschiedenen Einflussfaktoren analysiert, darunter sozio-demografische Aspekte, der Einfluss des Haushaltstyps sowie spezifische Formen der Erwerbstätigkeit wie Teilzeit, Niedriglohn und Selbstständigkeit.
4. Auswirkungen der Erwerbsarmut gezeigt an einem Praxisbeispiel: Anhand eines realen Fallbeispiels wird illustriert, welche materiellen und immateriellen Konsequenzen Armut trotz Erwerbstätigkeit für die Betroffenen im Alltag hat.
5. Lösungsansätze: Dieses Kapitel vergleicht verschiedene Strategien zur Armutsbekämpfung, differenziert zwischen der Erhöhung individueller Löhne (z.B. Mindestlohn) und der Stärkung des Haushaltseinkommens.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von Bildung als zentralem Instrument zur langfristigen Prävention gegen Armut.
Schlüsselwörter
Armut trotz Erwerbstätigkeit, Working Poor, Niedriglohn, Erwerbsarmut, Haushaltseinkommen, Mindestlohn, Lohnsubventionen, Sozio-Demografie, Arbeitsmarkt, Bildungsabschluss, Sozialpolitik, Existenzsicherung, Armutsrisikoschwelle, Teilzeitbeschäftigung, Beschäftigungsinitiative.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der „Armut trotz Erwerbstätigkeit“, also Menschen, die trotz einer Anstellung nicht genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die Ursachen (Determinanten) von Armut trotz Arbeit, die Auswirkungen auf die Lebenssituation und die Diskussion politischer sowie ökonomischer Lösungsansätze.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu geben, die Einflussfaktoren aufzuzeigen und Ansätze zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Betroffenen zu erörtern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Der Autor führt eine Literaturrecherche und eine Analyse von Fachartikeln durch, ergänzt durch ein leitfragengestütztes Experteninterview und ein Interview mit einer betroffenen Person.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Einflussfaktoren (Alter, Geschlecht, Bildung, Haushaltstyp) und die verschiedenen Formen der Erwerbsarmut sowie konkrete Lösungswege wie Mindestlöhne oder Grundeinkommensmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Erwerbsarmut, Working Poor, Niedriglohn, Lohnsubventionen, soziale Sicherung und Bildungsförderung.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von rein theoretischen Abhandlungen?
Durch die Integration eines Experteninterviews mit einer Koordinatorin einer Beschäftigungsinitiative und eines persönlichen Interviews mit einer Betroffenen erhält die Arbeit einen starken Praxisbezug.
Welche Rolle spielt die Bildung in der Argumentation des Autors?
Bildung wird als eine der nachhaltigsten Präventionsmaßnahmen gegen Armut angesehen, da sie die Chancen am Arbeitsmarkt verbessert und den Zugang zu besser bezahlten Stellen ermöglicht.
- Citation du texte
- Marius Beckermann (Auteur), 2009, Arm trotz Arbeit - das Phänomen der "working poor", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161769