…eine ‚Performance’, die eng gefasste Aufführungsbegriffe in vieler Hinsicht strapazieren könnte, war es doch eigentlich mehr ‚ein meditativer Diaabend’ – wie schon im Programm zu lesen war, weiters wurde angekündigt: ‚Es wird gesungen, getanzt und selbstverständlich getrunken. Und alles ist überlagert von einer bedingungslosen Liebe zum Rabtal.’ Ist das schon bzw. noch Theater? Nach Erika Fischer-Lichtes Überlegungen zum Aufführungsbegriff : ja, natürlich. Ihre vier Thesen (Medialität, Materialität, Semiotizität, Ästhetizität) wurden mit Hinblick auf neue Formen der Aufführung und Theaterkunst entwickelt und bieten sich somit für das Freischwimmerfestival, das heuer unter dem Motto ‚Schock’ stand, geradezu an. Es werden Jahr für Jahr innovative Zugänge zu einer alten Kunst gesucht und bei den Rabtaldirndln wurden sie auf jeden Fall auch gefunden.
Inhaltsverzeichnis
1. Rabtaldirndln – AUFPLATZEN
1.1 Medialität
1.2 Materialität
1.3 Semiotizität
1.4 Ästhetizität
Zielsetzung & Themen der Analyse
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die Performance „Rabtaldirndln – AUFPLATZEN“ auf Basis der theoretischen Überlegungen von Erika Fischer-Lichte zu analysieren, um zu untersuchen, wie die Inszenierung durch gezielte ästhetische Strategien auf das Publikum wirkt.
- Anwendung des vier-Thesen-Modells nach Erika Fischer-Lichte (Medialität, Materialität, Semiotizität, Ästhetizität).
- Untersuchung der Interaktionsformen zwischen Akteuren und Publikum.
- Analyse des Wahrnehmungsprozesses und der Repräsentation im performativen Kontext.
- Reflexion über die Rolle der Ästhetik des Performativen im Theater.
- Diskussion über die Möglichkeiten der Aufführungsanalyse.
Auszug aus dem Buch
Semiotizität
Die Wahrnehmung bringt erst Bedeutungen hervor. Assoziationen drängen sich uns, während des Stückes auf, ganz unkoordiniert, jedem/r die seinen/ihren. Worauf sich konzentrieren hängt ab vom woran denken. Das ist laut Fischer-Lichte die Ordnung der Präsenz.
Konzentriert man sich bewusst auf die fiktive Figur, die der Schauspieler (auch) verkörpert, wäre das die Ordnung der Repräsentation. Wir nehmen in Bezug auf den semiotischen Leib, die fiktive Welt und eine bestimmte Symbolische Ordnung wahr. Die Bedeutungen, die so hervorgebracht werden sind relativ vorhersehbar. Anspielung im Stück: ‚Das Foto ist natürlich gestellt, aber das ist egal, es geht um das Symbol.’
Kommt es zum Umspringen zwischen beiden Ordnungen, erfolgt ein Bruch, eine Art Schwellenzustand. Einerseits kann festgestellt werden, wie willkürlich die eigenen Gedanken abschweifen, andererseits wird bewusst eingelenkt. Der Wahrnehmungsprozess steht plötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, nicht die Wahrnehmung selbst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Rabtaldirndln – AUFPLATZEN: Einführung in die Performance und ihre Einordnung in den theoretischen Kontext von Erika Fischer-Lichtes Aufführungsbegriff.
1.1 Medialität: Untersuchung der Raumgestaltung und der aktiven Einbindung des Publikums zur Auflösung der vierten Wand.
1.2 Materialität: Analyse der physischen Präsenz der Akteure und der Bedeutung ihres Auftretens für das Zusammenspiel mit dem Publikum.
1.3 Semiotizität: Analyse des Wahrnehmungsprozesses und der Wechselwirkung zwischen der Ordnung der Präsenz und der Ordnung der Repräsentation.
1.4 Ästhetizität: Betrachtung der ästhetischen Erfahrung und der durch die Aufführung erzeugten Spannung zwischen Realität und Bühne.
Schlüsselwörter
Rabtaldirndln, AUFPLATZEN, Performance, Erika Fischer-Lichte, Aufführungsanalyse, Medialität, Materialität, Semiotizität, Ästhetizität, Theater, Performatives, Wahrnehmung, Schwellenzustand, Präsenz, Repräsentation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Performance „AUFPLATZEN“ der Gruppe Rabtaldirndln unter Einbeziehung der theoretischen Thesen von Erika Fischer-Lichte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf die vier Thesen von Erika Fischer-Lichte: Medialität, Materialität, Semiotizität und Ästhetizität im Kontext moderner Theaterkunst.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Ziel ist es, die spezifischen Strategien zu identifizieren, mit denen die Rabtaldirndln ihr Publikum „schocken“ und die Grenzen des klassischen Aufführungsbegriffs dehnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Aufführungsanalyse angewandt, die auf den von Erika Fischer-Lichte entwickelten Thesen zur Ästhetik des Performativen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der vier genannten Thesen, wobei konkrete Beobachtungen aus dem Aufführungsbesuch als Belege dienen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Performativität, Aufführungsbegriff, Publikumsinteraktion und ästhetische Wahrnehmung geprägt.
Wie gehen die Rabtaldirndln mit der vierten Wand um?
Sie setzen auf eine intimere Raumgestaltung und direkte, teils provokante Aufforderungen an das Publikum, um die Barriere zwischen Bühne und Zuschauer aktiv abzubauen.
Was versteht die Autorin unter einem „Schwellenzustand“ in der Semiotizität?
Es handelt sich um den Bruch zwischen der Ordnung der Präsenz und der Ordnung der Repräsentation, bei dem der Wahrnehmungsprozess selbst in den Fokus rückt.
Warum wird die „Ästhetische Erfahrung“ hier nicht als „nett“ bezeichnet?
Die Erfahrung wird als fordernd beschrieben, da sie den Zuschauer permanent zwischen Realität und Bühnengeschehen hin- und herwirft und somit mehr verlangt als bloße Gefälligkeit.
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- Sandra Folie (Author), 2009, Rabtaldirndln - Aufplatzen: eine Aufführungsanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161824