Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, aufzuzeigen, inwiefern theaterpädagogische Methoden die Fähigkeit zur Perspektivübernahme und damit das moralische Lernen im Ethikunterricht fördern können. Dazu wird zunächst der theoretische Rahmen abgesteckt, indem die einschlägigen Kompetenzen des Ethiklehrplans sowie zentrale Theorien zur moralischen Entwicklung und zur Theaterpädagogik vorgestellt werden. Im Anschluss werden ausgewählte Übungen aus dem Seminar beschrieben und im Hinblick auf ihre Wirkung auf Empathie, Reflexion und Urteilsfähigkeit analysiert. Abschließend erfolgt eine didaktische Einordnung, die die Chancen und Herausforderungen theaterpädagogischer Methoden im schulischen Alltag diskutiert und deren Potenziale für die Unterrichtspraxis aufzeigt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theoretischer Rahmen
- Die Handlungsorientierung als Teil der Neuen Lernkultur
- Die Kompetenzen nach Anita Rösch
- Theorie Theaterpädagogik
- Theaterpädagogische Praxis
- Übung 1: Kennenlernrunde
- Übung 2: Standbild gesellschaftlicher Probleme
- Übung 3: Rollenspiel / Szenisches Spiel nach Zeitungsartikel
- Didaktische Analyse
- Zu Übung 1
- Zu Übung 2
- Zu Übung 3
- Fazit und Ausblick
- Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern theaterpädagogische Methoden die Fähigkeit zur Perspektivübernahme und somit moralisches Lernen im Ethikunterricht fördern können. Im Zentrum steht die Analyse, wie praktische Übungen zur Entwicklung ethischer Kompetenzen beitragen und welche theoretischen Grundlagen dies stützen.
- Förderung der Perspektivübernahme im Ethikunterricht
- Analyse theaterpädagogischer Methoden
- Bezugnahme auf die Neue Lernkultur und Kompetenzorientierung
- Erörterung der Theorien von Brecht und Boal
- Didaktische Einordnung und praktische Anwendung von Übungen
Auszug aus dem Buch
Theorie Theaterpädagogik
Die Theaterpädagogik eröffnet für den Ethikunterricht einen besonderen methodischen Zugang, da sie nicht nur kognitive, sondern auch emotionale und soziale Dimensionen des Lernens einbindet. Durch das Einnehmen fremder Rollen, das Nachspielen von Konfliktsituationen und die anschließende Reflexion entstehen Lerngelegenheiten, in denen Schülerinnen und Schüler Perspektivübernahme praktisch erproben können. Theater im Unterricht ist damit nicht bloß eine ästhetische Übung, sondern kann als didaktisches Instrument zur Förderung ethischer Kompetenzen verstanden werden.
Ein zentraler Bezugspunkt ist dabei Bertolt Brecht und sein Konzept des „epischen Theaters“. Brecht (1967) betonte in seinem Werk „Schriften zum Theater" die Bedeutung der Verfremdung (Verfremdungseffekt), um Gewohnheiten des Denkens und Handelns aufzubrechen. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sollten nicht passiv miterleben, sondern aktiv reflektieren und moralische Fragen erkennen.
„Einen Vorgang oder einen Charakter verfremden heißt zunächst einfach, dem Vorgang oder dem Charakter das Selbstverständliche, Einleuchtende zu nehmen und über ihn Staunen und Neugier zu erzeugen. [...] Verfremden heißt also Historisieren, heißt Vorgänge und Personen als vergänglich darzustellen“ (Brecht 1967, S 301). Überträgt man dieses Prinzip auf den Unterricht, wird deutlich, dass Theaterpädagogik gerade darin Potenzial entfaltet, Schülerinnen und Schüler zur kritischen Distanznahme und zur Reflexion über eigenes und fremdes Handeln zu befähigen.
Daran anknüpfend entwickelte Augusto Boal (2016) das Konzept des „Theaters der Unterdrückten“, das explizit auf die Befähigung zur Handlungsfähigkeit abzielt. Boal verstand Theater als einen demokratischen Raum, in dem Menschen alternative Handlungsweisen erproben und gesellschaftliche Strukturen kritisch hinterfragen können. Für den Ethikunterricht bedeutet dies, dass Schülerinnen und Schüler im Rollenspiel nicht nur unterschiedliche Perspektiven einnehmen, sondern auch Handlungsmöglichkeiten erproben, die über theoretisches Wissen hinausgehen.
Ein zentraler Gedanke bei Boal ist, dass Theater nicht der bloßen Unterhaltung oder der passiven Rezeption dienen darf, sondern als Mittel gesellschaftlicher Aufklärung und Veränderung verstanden werden muss. Boal (2016, S. 20) betont, dass es ihm „nicht darum ging, das Publikum zu einem wichtigen Ereignis zu mobilisieren [...], sondern um theoretische und praktische Aufklärungsarbeit“. Damit grenzt er sich klar vom traditionellen, bürgerlichen
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz der Theaterpädagogik für die Förderung ethischer Kompetenzen, insbesondere der Perspektivübernahme, im Kontext der Neuen Lernkultur im Ethikunterricht dar und skizziert den Aufbau der Arbeit.
Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Neuen Lernkultur mit ihrem Fokus auf Handlungsorientierung und beleuchtet detailliert die 14 ethischen Kompetenzen nach Anita Rösch, wobei die Perspektivübernahme als Schlüsselkompetenz hervorgehoben wird.
Theorie Theaterpädagogik: Hier werden die theoretischen Fundamente der Theaterpädagogik für den Ethikunterricht dargelegt, insbesondere durch die Konzepte des „epischen Theaters“ von Bertolt Brecht (Verfremdungseffekt) und des „Theaters der Unterdrückten“ von Augusto Boal, die beide auf aktive Reflexion und Handlungsfähigkeit abzielen.
Theaterpädagogische Praxis: Dieses Kapitel beschreibt drei im Seminar erprobte theaterpädagogische Übungen – eine Kennenlernrunde, Standbilder zu gesellschaftlichen Problemen und ein Rollenspiel nach Zeitungsartikel – hinsichtlich ihres Ablaufs und ihrer Zielsetzung, ohne diese bereits didaktisch zu bewerten.
Didaktische Analyse: Die didaktische Analyse ordnet die zuvor beschriebenen Übungen in den Kontext des Ethikunterrichts ein und untersucht, wie sie Empathie, Reflexionsfähigkeit und moralische Urteilsbildung fördern, basierend auf den Modellen von Rösch, Meyer, Brecht und Boal.
Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass theaterpädagogische Methoden vielfältig zu moralischem Lernen beitragen, insbesondere zur Perspektivübernahme, und betont die Relevanz einer strukturierten Integration dieser Methoden in den Unterricht; der Ausblick schlägt weitere Forschungsfelder und Anwendungen vor.
Schlüsselwörter
Moralisches Lernen, Perspektivübernahme, Empathie, Theaterpädagogik, Ethikunterricht, Kompetenzorientierung, Neue Lernkultur, Handlungsorientierung, Bertolt Brecht, Augusto Boal, Rollenspiel, Standbild, Didaktik, Reflexion, Urteilsfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Diese Arbeit untersucht, wie theaterpädagogische Methoden effektiv im Ethikunterricht eingesetzt werden können, um moralisches Lernen, insbesondere durch die Förderung der Perspektivübernahme, zu unterstützen und zu vertiefen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind moralisches Lernen, Empathieförderung, Perspektivübernahme, die Didaktik des Ethikunterrichts, die Neue Lernkultur, Handlungsorientierung und die Anwendung spezifischer theaterpädagogischer Methoden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, inwiefern theaterpädagogische Methoden die Fähigkeit zur Perspektivübernahme und damit moralisches Lernen im Ethikunterricht fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch pädagogische und philosophische Theorien (u.a. Meyer, Rösch, Brecht, Boal) und einer didaktischen Analyse konkreter theaterpädagogischer Übungen, die im Rahmen eines Seminars erprobt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den theoretischen Rahmen der Neuen Lernkultur und der Kompetenzen nach Anita Rösch, die Theorie der Theaterpädagogik mit Bezug auf Brecht und Boal, die Beschreibung konkreter theaterpädagogischer Übungen sowie deren detaillierte didaktische Analyse im Kontext des Ethikunterrichts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie moralisches Lernen, Perspektivübernahme, Empathie, Theaterpädagogik, Ethikunterricht und Handlungsorientierung charakterisieren die Arbeit.
Wie trägt Bertolt Brechts "episches Theater" zur Theaterpädagogik bei?
Brechts Konzept des "epischen Theaters" und insbesondere der Verfremdungseffekt fördern die kritische Distanznahme und Reflexion über eigene und fremde Handlungen, indem sie Gewohnheiten des Denkens und Handelns aufbrechen und moralische Fragen aktiv erkennen lassen.
Welche Rolle spielt Augusto Boals "Theater der Unterdrückten" für den Ethikunterricht?
Boals "Theater der Unterdrückten" zielt darauf ab, die Handlungsfähigkeit zu befähigen, indem es Lernenden ermöglicht, im Rollenspiel alternative Handlungsweisen zu erproben und gesellschaftliche Strukturen kritisch zu hinterfragen, was über rein theoretisches Wissen hinausgeht.
Wie unterscheidet sich die "Neue Lernkultur" von der "Alten Lernkultur"?
Die "Alte Lernkultur" war primär kognitiv-inhaltlich und rezeptiv, während die "Neue Lernkultur" handlungsorientiertes, erfahrungsbasiertes Lernen fördert, bei dem Wissen in Handlungssituationen erprobt und reflektiert wird.
Welche konkreten Übungen wurden im Seminar zur Theaterpädagogik erprobt?
Im Seminar wurden drei Übungen erprobt: eine Kennenlernrunde, Standbilder zu gesellschaftlichen Problemen und ein Rollenspiel bzw. szenisches Spiel basierend auf einem Zeitungsartikel.
- Arbeit zitieren
- Khaled Omayrat (Autor:in), 2025, Moralisches Lernen durch Perspektivübernahme. Theaterpädagogik und Empathieförderung im Ethikunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1618273