„Es gibt wohl keinen anderen Bereich des Deutschunterrichts, zu dem seit Mitte der achtziger Jahre derart viele methodische Vorschläge, Tipps und Rezepte publiziert worden sind wie zur Lyrik im Unterricht.“ Dieser Aufschwung lässt sich vor allem damit erklären, dass man versuchte, der oft negativen Einstellung der Schüler und auch der Lehrer, entgegenzuwirken. Besonders hat das Prinzip des produktions- und handlungsorientierten Unterrichts Eingang in dem früher sehr analyselastigen Lyrikunterricht genommen.
Mit diesem Thema haben sich schon sehr viele Autoren eingehend beschäftigt, doch nie kam man zu einem eindeutigen Ergebnis. Der Problematik hat sich besonders Korte sehr ausführlich in seinem kurzen Aufsatz Lyrik im Unterricht gewidmet. Er spricht dort aktuelle, wie auch historische Problematiken in Bezug auf den analytischen Umgang mit Lyrik an. Auch er macht mehrere Lösungs- beziehungsweise Verbesserungsvorschläge, was auf die Uneinigkeit oder auch Ratlosigkeit bezüglich des Problems der überholten analytischen Verfahrensweisen hindeuten könnte. Spinner und Waldmann, deren Werke zur Didaktik im Deutschunterricht die wohl größte Anerkennung genießen, haben sich dieser Problematik zwar auch schon gewidmet, doch keinesfalls in ausführlicher Weise.
Aus diesem Grunde soll der analytische Umgang mit Lyrik und dessen Problematiken zum Mittelpunkt dieser Ausarbeitung werden. Hierzu werden zuerst die Inhalte des Lehrplans bezüglich der Lyrik erläutert und versucht zu erklären. Um eine weitere Basis zu liefern, werden im Anschluss die Legitimation und die allgemeinen Lernziele des Lyrikunterrichtes in Auswahlen dargestellt und schon hier kritisch betrachtet. Im Anschluss befindet sich eine Vorstellung des klassisch hermeneutischen Zugriffes auf Lyrik und diese beinhaltet auch eine mögliche Vorgehensweise bei deren Durchführung. Sehr ausführlich wird im Nachfolgenden auf Probleme der analytischen Verfahrensweise eingegangen, um danach alternative, didaktische Zugriffe auf die Lyrik vorzustellen und auch bei diesen kritisch abzuwägen. Hierzu wurden zum Einen der handlungs- und produktionsorientierte und zum anderen der rezeptionsorientierte Zugriff ausgewählt. Am Ende kommt es zu einem Vergleich zwischen dem historischen und dem gegenwärtigen Lyrikunterricht. Es wird dargestellt, inwiefern die ganzen Zweifel am analytischen Verfahren in Wirklichkeit berechtigt sind und inwiefern schon mögliche Verbesserungen stattgefunden haben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.) Die Lyrikanalyse im Lehrplan
2.) Die Legitimation und die didaktischen Lernziele des Lyrikunterrichts
3.) Analytischer Umgang mit Lyrik
3.1) Mögliche Probleme des analytischen Umgangs mit Lyrik
3.2) Mögliche Alternativen zum analytischen Lyrikunterricht: Produktions und rezeptionsorientierte Zugriffe auf Lyrik
4.) Ein kleiner Rück- und Ausblick: Der moderne Lyrikunterricht
5.) Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Problematik des analytischen Umgangs mit Lyrik im Deutschunterricht und beleuchtet die Notwendigkeit, diesen durch alternative didaktische Ansätze wie produktions- und rezeptionsorientierte Methoden zu ergänzen, um die Motivation der Schüler zu steigern und eine einseitige, analyselastige Herangehensweise zu überwinden.
- Analyse der Vorgaben und Lernziele für den Lyrikunterricht in Lehrplänen.
- Kritische Auseinandersetzung mit dem klassisch hermeneutischen, analytischen Verfahren.
- Erörterung von Problemen wie Schülermotivation und Abwehrhaltungen gegenüber Lyrik.
- Vorstellung produktionsorientierter und rezeptionsorientierter Alternativzugriffe.
- Vergleich zwischen historischem und modernem Lyrikunterricht.
Auszug aus dem Buch
3.1) Mögliche Probleme des analytischen Umgangs mit Lyrik
Nach einer kurzen Vorstellung des analytischen Verfahrens fällt auf, dass ein persönliches Einbringen von Schülerintentionen nicht im Vordergrund stehen kann und dass besonders aus dieser Tatsache heraus viele Probleme entstehen könnten. Starke Kritik am analytischen Verfahren übt Waldmann: „Ein literarischer Text wird von seinem Autor nicht geschrieben, um analysiert, sondern um gelesen und verstanden zu werden.“ Analytische Verfahrensweisen seien auf jedes wissenschaftliche Kriterium „anwendbar“.
Die meisten Schüler der Oberstufe haben in ihrer Unterstufenzeit schlechte Erfahrungen im Umgang mit Lyrik gesammelt, sie haben also eine Art Abwehrhaltung gegenüber dem Lyrikunterricht aufgebaut und diese gilt es für den Lehrer erst einmal zu überwinden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Problemstellung des Lyrikunterrichts erläutert, insbesondere die Dominanz analytischer Verfahren und das Ziel, alternative didaktische Zugriffe zu beleuchten.
1.) Die Lyrikanalyse im Lehrplan: Dieses Kapitel untersucht die im hessischen Lehrplan verankerten Lernziele für den Lyrikunterricht von der fünften bis zur zwölften Klasse.
2.) Die Legitimation und die didaktischen Lernziele des Lyrikunterrichts: Hier werden Gründe für die Behandlung von Lyrik und die übergeordneten pädagogischen Ziele wie Identitätsfindung und Sprachreflexion dargelegt.
3.) Analytischer Umgang mit Lyrik: Es wird das hermeneutische Verfahren als klassischer fachdidaktischer Zugriff auf lyrische Texte vorgestellt und in seine methodischen Schritte zerlegt.
3.1) Mögliche Probleme des analytischen Umgangs mit Lyrik: Dieses Kapitel analysiert die Schwachstellen der rein analytischen Methode, insbesondere die resultierende Demotivation der Schüler.
3.2) Mögliche Alternativen zum analytischen Lyrikunterricht: Produktions und rezeptionsorientierte Zugriffe auf Lyrik: Es werden alternative Methoden diskutiert, die Eigeninitiative und Emotionen der Lernenden in den Mittelpunkt stellen.
4.) Ein kleiner Rück- und Ausblick: Der moderne Lyrikunterricht: Ein historischer Rückblick und eine Einschätzung der gegenwärtigen Situation des Lyrikunterrichts in der Schule.
5.) Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Notwendigkeit einer Kombination verschiedener didaktischer Zugriffe zusammen, um den Lyrikunterricht zeitgemäß und motivierend zu gestalten.
Schlüsselwörter
Lyrikunterricht, Deutschunterricht, Literaturdidaktik, Lyrikanalyse, produktionsorientierter Unterricht, rezeptionsorientierter Unterricht, Hermeneutik, Schülermotivation, Lehrplan, Bildungsstandards, Literaturgeschichte, Sprachreflexion, Gedichtinterpretation, didaktische Ansätze, Literaturvermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den methodischen Ansätzen und Herausforderungen des Lyrikunterrichts im Fach Deutsch und sucht nach Wegen, den Unterricht attraktiver zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Lyrikanalyse im Lehrplan, die didaktische Begründung des Lyrikunterrichts sowie den Vergleich zwischen analytischen, produktionsorientierten und rezeptionsorientierten Unterrichtsformen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Problematik der einseitigen, analyselastigen Lyrikvermittlung aufzuzeigen und durch didaktische Alternativen eine Steigerung der Schülermotivation zu erreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fachdidaktischen Analyse und Literaturrecherche, die verschiedene Positionen zur Lyrikdidaktik kritisch gegenüberstellt und abwägt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Lehrplänen, die Erläuterung des hermeneutischen Verfahrens, die Problematisierung der rein analytischen Lehre sowie die Vorstellung motivierender Alternativmethoden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Lyrikdidaktik, Schülerorientierung, methodische Vielfalt und moderne Unterrichtsgestaltung charakterisieren.
Warum wird im Dokument so stark auf das "hermeneutische Verfahren" eingegangen?
Das hermeneutische Verfahren wird als der klassische, kognitiv-analytische Standardzugriff beschrieben, der in der Schulpraxis dominiert, aber gleichzeitig als Ursache für Abwehrhaltungen bei Schülern identifiziert wird.
Welche Bedeutung haben die "produktionsorientierten" Ansätze für den Autor?
Der Autor sieht in produktionsorientierten Ansätzen, wie dem eigenen Verfassen von Gedichten, ein wirkungsvolles Mittel, um Schüler aktiv am Lernprozess zu beteiligen und das theoretische Handwerkszeug spielerisch zu vermitteln.
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- Christin Köhne (Autor), 2006, Didaktik des Lyrikunterrichts, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161934