Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Communications - Specialized communication

Sprache als Werkzeug der Verständigung oder als Mittel der Konstruktion von Wirklichkeit? Eine Gegenüberstellung von Platon und Gadamer

Title: Sprache als Werkzeug der Verständigung oder als Mittel der Konstruktion von Wirklichkeit? Eine Gegenüberstellung von Platon und Gadamer

Seminar Paper , 2001 , 14 Pages , Grade: sehr gut (1)

Autor:in: Martin Rafailidis (Author)

Communications - Specialized communication
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Philosophie Platons kann in vielen Bereichen als der Grundstein unserer heutigen Welterklärung gesehen werden. Das erklärt auch die Plausibilität, die seine Argumente weit über zweitausend Jahre nach seinem Schaffen für uns heute noch haben. Genauso verhält es sich mit dem Bereich der Sprache. Nach Platon verwendet der Mensch die Sprache als „Werkzeug“ zum Benennen und um sich verständigen zu können. Dies scheint auf dem ersten Blick eine unumstößliche Tatsache zu sein, nach der sich auch in den Wissenschaften viele Modelle der Kommunikation und der Sprache richten. Dabei läuft man jedoch Gefahr die Sprache wie einen Gegenstand von den Menschen abzukoppeln, gerade so, als ob man sie, eben wie ein „Werkzeug“, aus der Hand legen könne. Dagegen spricht sich Hans-Georg Gadamer aus, indem er betont, daß man „immer schon von der Sprache umgriffen [ist]“ (Gadamer,1986, S.149). Man ist also immer schon „in Sprache“, was erhebliche Konsequenzen für unsere Vorstellung von „Realität“ hat. Aus der Sicht Gadamers ist Sprache kein Werkzeug, mit dem wir die gegebene Welt ordnen und mit ihr umgehen, sondern Sprache ist vielmehr überhaupt dafür verantwortlich, daß wir uns eine Welt vorstellen können.
In diesem Text sollen nach einigen biographischen Angaben genau diese beiden Vorstellungen der Sprache gegenübergestellt werden. Dabei versuche ich zunächst, den Argumentationsweg Platons anhand einer Textstelle aus dem „Kratylos“ nachzuzeichnen. Anschließend soll das Verständnis Gadamers in Bezug auf Sprache erläutert werden. Nach einem Vergleich der beiden Positionen versuche ich abschließend noch einen Bezug zu den weiterführenden Ergebnissen, auf die wir im Laufe des Seminars2 gekommen sind, herzustellen. Dabei soll auch meine eigene Position erkennbar werden.

Excerpt


Gliederung

1. Einleitung

2. Biographie

2.1 Platon

2.2 Hans-Georg Gadamer

3. Sprache und Wirklichkeit

3.1 Sprache bei Platon

3.2 Sprache bei Gadamer

4. Vergleich Platon und Gadamer

4.1 Erkenntnis

4.2 Wahrheit

5. Abschließende Bemerkungen

6. Literaturangaben:

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das unterschiedliche Verständnis von Sprache bei Platon und Hans-Georg Gadamer. Während bei Platon Sprache primär als instrumentelles Werkzeug zur Benennung und Verständigung fungiert, betrachtet Gadamer sie als konstitutives Element, durch welches Wirklichkeit überhaupt erst hervorgebracht wird. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, welche Auswirkungen diese gegensätzlichen Auffassungen auf die Wahrnehmung von Erkenntnis und Wahrheit haben.

  • Die instrumentelle Sprachauffassung Platons im Kontext der Ideenlehre.
  • Die existenzielle Sprachphilosophie Gadamers als konstruktiver Ansatz.
  • Gegenüberstellung von Wahrheit als Zielobjekt versus Wahrheit als sprachlich vermittelter Deutungshorizont.
  • Analyse der konstruktivistischen Perspektive auf mediale Wirklichkeitsdarstellungen.
  • Kritische Reflexion der Rolle der Sprache im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gesellschaft.

Auszug aus dem Buch

3.1 Sprache bei Platon

Die entscheidenden Stellen über Platons Verständnis von Sprache finden sich im Kratylos von 387a-388d (Platon, 1991, Band 3, S.119-123). Sprechen ist für Platon zunächst eine Handlung wie jede andere auch. Doch um sie als diejenige Handlung erkennen zu können, die sie ist, muß sie ihrer Natur nach erfolgen. Platon verdeutlicht dies folgendermaßen:

SOKRATES: Also auch die Handlungen gehen nach ihrer eigenen Natur vor sich, und nicht nach unserer Vorstellung. Wie wenn wir unternehmen etwas zu schneiden, teilen, sollen wir dann jedes schneiden wie wir wollen und womit wir wollen? Oder werden wir nur dann, wenn wir jedes nach der Natur des Schneidens und Geschnittenwerdens, und mit dem ihm angemessenen schneiden wollen, nur dann es wirklich schneiden und auch einen Vorteil davon haben, und die Handlung recht verrichten, wenn aber gegen die Natur, dann es verfehlen und nichts ausrichten? (387a)

Doch was bedeutet naturgemäß? Um diese Frage beantworten zu können, muß man sich Platons erkenntnistheoretische Grundannahmen vor Augen führen: Platon setzt voraus, daß die Wahrheit über die Beschaffenheit der Dinge schon immer in uns steckt. Der Mensch hat vor seiner Geburt die ganze Wahrheit erfahren und im Leben diese jedoch wieder vergessen. Nur durch richtiges Nachdenken können wir die Wahrheit gewissermaßen wiederfinden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Hinführung zum Thema und Abgrenzung der Sprachauffassungen von Platon und Gadamer.

2. Biographie: Kurzbiographien von Platon und Hans-Georg Gadamer zur Einbettung ihrer philosophischen Hintergründe.

3. Sprache und Wirklichkeit: Detaillierte Analyse der sprachphilosophischen Ansätze, wobei Platons instrumenteller Ansatz Gadamers hermeneutischem Konstruktivismus gegenübergestellt wird.

4. Vergleich Platon und Gadamer: Synoptische Gegenüberstellung der Positionen hinsichtlich der Begriffe Erkenntnis und Wahrheit.

5. Abschließende Bemerkungen: Zusammenfassende Reflexion, insbesondere zur Anwendung der konstruktivistischen Theorie auf mediale Kommunikation.

6. Literaturangaben: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Sprachphilosophie, Platon, Gadamer, Wirklichkeitskonstruktion, Ideenlehre, Hermeneutik, Sprachverständnis, Erkenntnistheorie, Wahrheit, Instrumentelle Sprache, Konstruktivismus, Sprachmythologie, Hermeneutischer Zirkel.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit vergleicht zwei grundlegend verschiedene philosophische Perspektiven auf das Wesen der Sprache: die klassische, instrumentelle Sichtweise Platons und die moderne, konstruktivistische Sichtweise Hans-Georg Gadamers.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die Philosophie der Sprache, die Erkenntnistheorie, die Hermeneutik sowie die Analyse von Wirklichkeitskonstruktionen im medialen Kontext.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu ergründen, ob Sprache lediglich ein neutrales Werkzeug zur Benennung der Welt ist oder ob sie als maßgebliches Medium fungiert, das Wirklichkeit für den Menschen überhaupt erst erzeugt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine hermeneutische Gegenüberstellung, indem er zentrale Textstellen aus Platons „Kratylos“ analysiert und diese mit Gadamers Thesen aus „Wahrheit und Methode“ vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die biografischen Grundlagen der Denker geklärt, bevor die jeweiligen Sprachmodelle detailliert analysiert und hinsichtlich ihrer Konsequenzen für Erkenntnis und Wahrheit verglichen werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Sprache als Werkzeug, Ideenlehre, hermeneutischer Zirkel, Wirklichkeitskonstruktion und das geschichtliche Vorverständnis.

Wie bewertet der Autor Gadamers Konstruktivismus in Bezug auf die Medien?

Der Autor sieht in Gadamers Ansatz eine gewinnbringende Methode, um mediale Berichterstattung kritisch zu hinterfragen, da sie dazu zwingt, den eigenen Deutungshorizont und die relative Natur von „Wahrheit“ zu reflektieren.

Welchen Kritikpunkt äußert der Autor gegenüber Gadamer?

Der Autor kritisiert, dass Gadamers Fokus auf die Sprache als gesellschaftliches Konstituens der Wirklichkeit die Erfahrungswelt des individuellen Bewusstseins nicht vollständig abdeckt, und zieht hierfür ergänzend die Systemtheorie von Niklas Luhmann heran.

Excerpt out of 14 pages  - scroll top

Details

Title
Sprache als Werkzeug der Verständigung oder als Mittel der Konstruktion von Wirklichkeit? Eine Gegenüberstellung von Platon und Gadamer
College
LMU Munich  (Institut für Kommunikationswissenschaften München)
Course
Sprache, Wirklichkeit, Medienwirklichkeit
Grade
sehr gut (1)
Author
Martin Rafailidis (Author)
Publication Year
2001
Pages
14
Catalog Number
V16193
ISBN (eBook)
9783638211123
ISBN (Book)
9783656887256
Language
German
Tags
Sprache Werkzeug Verständigung Mittel Konstruktion Wirklichkeit Eine Gegenüberstellung Platon Gadamer Sprache Wirklichkeit Medienwirklichkeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Martin Rafailidis (Author), 2001, Sprache als Werkzeug der Verständigung oder als Mittel der Konstruktion von Wirklichkeit? Eine Gegenüberstellung von Platon und Gadamer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16193
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  14  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint