"Dark Water" von Suzuki - eine Analyse


Hausarbeit, 2010
16 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Dark Water
2.1. „Dunkle Wasser“ am Land
2.2. „Flaschenpost“ im Meer

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Wasser ist ein Mysterium und obwohl wir Menschen glauben es zu kennen, birgt es viele Geheimnisse und Gefahren in sich. Man kann das Meer auch wie ein Buch sehen, dass in sich verschlossen Erinnerungen aus alten Tagen birgt, wie z.B. die Überreste der Titanic. Doch genauso gut, birgt es vielleicht die Historie von Orten, die für uns bis in alle Ewigkeiten nichts weiter als Legenden sein werden, so wie Atlantis. Das Meer kann uns wirklich so viele Geschichten erzählen und einige spült es Bruchstückhaft ans Land. Und da setzte Kôji Suzukis „Dark Water“ an, mit den Treibgut, das an Land gespült wird und die Geschichten seiner Besitzer oder seiner Finder erzählt.

Auf Schaurige Art und Weise spinnt er das Wasser in seine Geschichten ein, so z.B. erzählt er die Geschichte von einer Tasche, deren Besitzerin, seit Jahren in einem Wassertank liegt. Er schreibt von Yachten, die vollkommen verlassen auf dem Meer treiben und deren Besitzer fast vollkommen spurlos verschwunden sind. So unterschiedlich die Geschichten in „Dark Water“ auch sind, sie zeigen immer wieder ein und dasselbe auf, dass Wasser mit seiner Tiefe nicht nur dunkler wird, sondern auch mysteriöser, geheimnisvoller und gefährlicher wird, sogar für erfahrene Seemänner. Doch bei seinen Geschichten, lässt Kôji Suzuki immer noch genug Spielraum für die Fantasie des Menschen, was bei ihm den waren Horror ausmacht, denn er inszeniert nur Geschickt das, was in uns die tiefsten und schlimmsten Ängste auslösen kann. Er hinterlässt das Gefühl als würde man durch einen Augapfel aus einer Flasche beobachtet werden.

2. Dark Water

2.1. Dunkle Wasser am Land

Die Kurzgeschichte „Dunkle Wasser“, trägt nicht nur den gleichen Namen wie das Buch selbst, es ist auch die einzige Geschichte aus diesem Werk, welche verfilmt wurde und für die Kôji Suzuki ein für sich selbst stehendes Drehbuch schrieb. Doch viel hat er nicht geändert, nur das Ende ist bei beiden Geschichten vollkommen verschieden.

In der Geschichte geht es um die Allein Erziehende Mutter Yoshimi, die mit ihrer Tochter in einen Plattenbau zieht. Dort bemerkt sie Recht zeitig, dass etwas nicht stimmt, vor allem als eine Tasche die sie gefunden hatte, immer wieder auf mysteriöse Weise am Fundort auftaucht, obwohl diese weggeworfen wurde. Um ihre Tochter zu beschützen, hinterfragt sie die die Geschehnisse die sich um die Tasche und ihrer Besitzerin dreht. Dabei findet sie die Wahrheit heraus, die vor zwei Jahren in den tiefen des Wassertanks, der das Haus mit Wasser versorgen soll, verschwunden war.

Was sich in jeder Art und Weise, vom Anfang bis Ende durch die Ganze Geschichte zieht, ist das Wasser, welches aus dem Wassertank stammt, oder der Wassertank selbst, der hoch oben auf dem Haus thront. Diese Zeichen bereiten den Leser darauf vor, sich selbstbewusst zu machen, dass Wasser und der Wassertank selbst die Lösung für das Rätsel sind, welches sich in der Geschichte auftut. „Yoshimi Matsubara setzte abrupt ihr Wasserglas vom Mund ab. Aus einem unbestimmten Gefühl heraus hob sie es gegen das Neonlicht und ließ es etwas über ihrer Augenhöhe kreisen. An der Wasseroberfläche waren einige Bläschen zu sehen; außerdem entdeckte Yoshimi unzählige tanzenden Staubpartikel, die zwischen den Bläschen zu hängen schienen.“1 Dies sind die ersten Sätze der Kurzgeschichte. Man erlebt bereits hier eine Andeutung auf die dunklen Wasser. Dunkel kann als etwas Schlechtes impliziert werden, genauso wie Staub und Dreck im Wasser, nicht als reinlich oder positiv bewertet werden kann.

Zu diesem Zeitpunkt deutet noch nichts darauf hin, dass es etwas gibt, das verloren scheint, außer der Ehe Yoshimis, aus der ihre Tochter ging. Die einzige die momentan als verloren gelten könnte, wäre Yoshimi selbst, die nichts mehr von Männern wissen will, weil sie sich von ihnen einfach nur verlassen fühlt. „…-von Männern hatte sie ein für alle Mal die Nase voll. Während ihres zweijährigen Zusammenlebens hatte sie sich von ihrem Mann nicht ein einziges Mal beschützt gefühlt. Vor viereinhalb Jahren hatten sie sich getrennt; ein Jahr später war die Scheidung rechtsgültig gewesen.“2 Das es aber nicht um Yoshimi direkt geht, die seelisch wohl aus der Welt gefallen ist, in der es mehr als nur sie und ihre Tochter gibt, erfährt der Leser als Yoshimi mit ihrer Tochter auf das Dach des Hauses geht um Wunderkerzen zu verbrennen. Als sie zurück wollen, bemerken beide die Tasche, die neben dem Wassertank liegt. Begeistert, wie es wohl einfach in der Natur der Kinder liegt, rennt Yoshimis Tochter zu der Tasche, die wie folgt beschrieben wird. „Die Tasche war ein billiges Vinylding, mit einem Kitty-Motiv auf der Seite. Der hellrote Kunststoff…“3 Wie es in Yoshimis Natur liegt, nimmt sie ihrer Tochter die Tasche weg, die sie gerne behalten würde, was sie ihrer Mutter mehr als deutlich zeigt. Doch Yoshimi sieht die Tasche als Abfall, was die Worte „billig“ und „Vinylding“ nur mehr unterstreichen.

Wie es sich nun für einen Verantwortungsbewussten und ehrlichen Menschen gehört, bringt Yoshimi die Tasche zum Hausmeister, der sie zu den Fundsachen in seinem Büro legen soll. Doch bevor er die Tasche dort ablegt und sie somit nicht mehr das Problem für Yoshimi ist, sieht er nach was sich in der Tasche befindet. Der Inhalt der Tasche ist wieder ein Hinweis auf den Wassertank, denn es handelt sich um Badewannen Spielzeug. Damit also diese Unheimliche Tasche schneller aus ihren Gedanken und denen ihrer Tochter, verschwindet, schlägt Yoshimi dem Hausmeister vor einen Zettel aufzuhängen, damit der Besitzer der Tasche schnell wieder zu seinem Eigentum finden kann. Doch der Hausmeister merkt da schon an, das die Tasche ein Fundstück bleiben wird, da er scheinbar schon eine Ahnung hat, wem diese Tasche gehören könnte. Als er Yoshimis Tochter dann anbietet, dass sie die Tasche haben kann, wenn sich keiner findet, lehnt Yoshimi aber weiterhin ab, weil ihr immer noch nicht wohl dabei ist. Und so kommt es wie es kommen muss, die Tasche landet nach einigen Tagen, in denen der Besitzer nicht auftaucht, im Müll. Beim Leser wird hierbei der Anschein erweckt, dass diese Tasche eine Art Eigenleben führt, indem der Autor die Tasche im Müll platziert und Yoshimi die Person ist, die sie dort „findet“. Die Vermutung, dass die Tasche Yoshimi verfolgt, erhärtet sich, als sie wieder mit ihrer Tochter Wunderkerzen auf dem Dach anzünden will, weil es das letzte Feuerwerk für den Sommer ist. „In dem Moment, als sie den Türknauf anfasste, um die Tür nach draußen zu öffnen, beschlich Yoshimi eine schreckliche Vorahnung. Etwas Rotes flackerte vor ihrem geistigen Auge vorbei. Als sie die Tür aufstieß, schaute sie unwillkürlich nach Rechts. Sofort fiel ihr Blick auf einen Gegenstand, als hätte sie gewusst, dass er dort war.“4 Yoshimi ahnte hierbei bereits, dass die Tasche wieder da sein würde, wo sie diese schon einmal gefunden hatte. Und tatsächlich fand sie die Tasche wieder an derselben Stelle, was nicht nur für Yoshimi als mysteriös sondern auch absurd erscheint. Aufgrund dieser Tatsache verleiht Yoshimi der Tasche ein Eigenleben, indem sie meint, dass die Tasche „zurück auf das Dach gefunden“5 hat.

Mysteriös wird die Geschichte, als Yoshimis Tochter in der Badewanne sitzt und dort scheinbar Selbstgespräche mit jemanden Namens „Mi“ führt. Wieder wird anhand dieser Szene eine Verbindung zum Wassertank geschaffen, doch dieses Mal, wird auf geisterhafte Weise sogar erklärt warum der Wassertank so eine immense Bedeutung hat. „ >> Ikuko, was machst du denn da? Komm raus. << Ikuko saß so in der Wanne, dass sie der Tür den Rücken zuwandte, als sie ihrer Mutter antwortete. >>Meine Freundin ist so gerne ganz allein in der Badewanne. Sie kommt nie, nie heraus. <<“6 Wenn man den Wassertank nun als große Badewanne sieht, so lässt sich vermuten, dass in eben diesem etwas schwimmt, das den Wassertank nicht aus eigener Kraft verlassen kann. Andererseits kann man diese Aussage auch so verstehen, dass dieses geisterhafte Wesen, mit dem Ikuko spricht, nicht aus dem Wasser rauskommt und somit auch immer alleine in der Badewanne ist. Das im Wassertank aber wirklich eine Mädchenleiche ist, erfährt der Leser erst zum Schluss, als Yoshimi scheinbar hinter das Geheimnis von dem verschwundenen Mädchen, das zu einer Familientragödie führte, kommt. Das Mädchen das vor zwei Jahren spurlos verschwand hieß Mitsuko, sie ist nicht nur das Mädchen mit dem Ikuko sprach sondern auch die Besitzerin der roten Tasche, die Yoshimi und ihre Tochter gefunden hatten. Das Mädchen ist in soweit nun aus der Welt gefallen, dass sie sich nicht mehr auf menschlichen Wege verständigen machen kann. Sie muss andere Wege finden um auf sich und den Wassertank aufmerksam zu machen. Dies versucht sie nun scheinbar mit der roten Tasche die immer wieder ihren Weg auf das Dach zurück findet und durch Ikuko der sie sagt, dass nicht aus der Badewanne kann und auch ganz alleine da ist. Ikuko gibt diesem Mädchen in der Badewanne sogar eine Gestalt, damit sie diese ansprechen kann und auch für ihre Mutter visualisierbar ist. „Auf dem Wasser in der cremefarbenen Wanne schwamm eine Wasserschüssel aus Plastik. In der Schüssel befand sich ein nasses kleines Handtuch, das wie eine Säule emporragte. Es sah ein bisschen aus wie eine Jizo-Statue am Straßenrand, aber eine, die den Kopf zur Seite geneigt hatte.“7

Ein weiterer Beweis für das kleine Geistermädchen, kommt noch in derselben Nacht, als Yoshimi wach wird und ihre Tochter nicht mehr neben ihr liegt. Fast schon panisch sucht sie nach ihrer Tochter in der Wohnung, doch sie findet Ikuko nicht. „Nachdem sie im Wohnzimmer und im Essbereich nachgesehen hatte, wollte Yoshimi gerade ins Bad schauen, doch das Licht dort war aus; Ikuko war offensichtlich nicht darin. Im gleichen Augenblick hörte Yoshimi jemanden mit kleinen Schritten draußen durch den Korridor laufen.“8 Nun könnte man aus rein Psychologischer Sichtsagen, dass Yoshimi in der Angst um ihre Tochter einfach die Schritte eingebildet hat. Von dieser Angstangetrieben sieht Yoshimi nach, woraufhin sie auch noch bemerkt, dass sie wohl vergessen hatte die Tür zu verschließen. Dadurch werden ihre Ängste noch mehr bestärkt, weswegen sie aus der Wohnung zum Fahrstuhl stürmt, der auch noch in diesem Moment bis zur obersten Etage fährt. Deswegen vermutet sie, dass ihre Tochter hoch gefahren ist um diese rote Tasche zu holen, doch dabei vergisst sie vollkommen, dass ihre Tochter von der Größe her nicht in der Lage den Knopf für den obersten Stock zu drücken. Ohne das zu bedenken, folgt Yoshimi ihrer vermeintlichen Tochter und fährt ebenfalls mit den Fahrstuhl, der vorerst einen Halt im ersten Stock macht. Dort allerdings wartet niemand auf Fahrstuhl, was den ersten Gruselmoment in der Geschichte hervorheben soll. Doch in derselben Szene verstärkt sich das Gruselszenario noch.

„Warum denn hier?, fragte sie sich, riss sich jedoch zusammen. Sie würde sich nie daran gewöhnen, spät abends oder nachts mit dem Aufzug zu fahren; es war ihr zu unheimlich. Die Fahrstuhltür öffnete sich, doch es stand niemand davor. […] Als die automatische Tür sich zu schließen begann, trat Yoshimi rasch zurück. Sie war sich ziemlich sicher, dass sich unmittelbar vor dem endgültigen Zuschnappen der Tür irgendetwas oder irgendjemand rasch in die Kabine stahl. Vielleicht bildete sie es sich auch nur ein, aber plötzlich schien es in dem engen Fahrstuhl kälter zu werden. Sie war nicht mehr allein- irgendetwas war mit ihr im Aufzug.“9

Dieses Etwas, dass nun in den Fahrstuhl geschlüpft sein könnte, könnte hier bei der Geist des verschwunden Mädchens sein, welches ruhelos durch den Haus geistert, weil sie keine Beerdigung bekam und somit auch nicht ihre letzte Ruhestätte.

[...]


1 Suzuki Kôji, Dark Water, S. 15, Wilhelm Heyne Verlag, München, 2004 4

2 Suzuki Kôji, Dark Water, S. 18, Wilhelm Heyne Verlag, München, 2004

3 Suzuki Kôji, Dark Water, S. 22, Wilhelm Heyne Verlag, München, 2004

4 Suzuki Kôji, Dark Water, S. 31f., Wilhelm Heyne Verlag, München, 2004

5 Suzuki Kôji, Dark Water, S. 33, Wilhelm Heyne Verlag, München, 2004

6 Suzuki Kôji, Dark Water, S. 35, Wilhelm Heyne Verlag, München, 2004

7 Suzuki Kôji, Dark Water, S. 34, Wilhelm Heyne Verlag, München, 2004

8 Suzuki Kôji, Dark Water, S. 36, Wilhelm Heyne Verlag, München, 2004

9 Suzuki Kôji, Dark Water, S. 38, Wilhelm Heyne Verlag, München, 2004

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
"Dark Water" von Suzuki - eine Analyse
Hochschule
Universität Erfurt
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V161942
ISBN (eBook)
9783640767175
ISBN (Buch)
9783640767281
Dateigröße
724 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dark, Water, Suzuki, Analyse
Arbeit zitieren
Christine Hirsch (Autor), 2010, "Dark Water" von Suzuki - eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161942

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