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Schreiben nach Auschwitz

Zur Sagbarkeit des Unsagbaren

Titre: Schreiben nach Auschwitz

Dossier / Travail de Séminaire , 2008 , 25 Pages , Note: 1,3

Autor:in: Sascha Ackermann (Auteur)

Romanistique - Divers
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Résumé Extrait Résumé des informations

Auschwitz, Holocaust, Shoah: der akribisch geplante, sorgfältig verwaltete, arbeitsteilig organisierte und im Kollektiv ausgeführte Massenmord an den europäischen Juden ist ob seiner
Dimensionen, seiner grausamen Details und Strategien und seiner perfiden inneren Logik singulär. Das Geschehen ist so unfassbar, erscheint oftmals so irreal, dass ein Begreifen – ja
selbst nur: ein Glauben – schwer fällt.

Welche Rolle kann und soll Literatur dabei spielen, das Geschehen der Nachwelt glaubhaft und zumindest annähernd begreifbar zu machen?
Wie kann Shoahliteratur der Irrealität des Geschehens und den Abwehrinstinkten der Rezipienten begegnen? Können Menschen, die die Schrecken von Ausschwitz erlebt haben, überhaupt eine gemeinsame Sprache mit Außenstehenden und Nachgeborenen finden? Was
hätte die übergroße Zahl jener Zeugen zu berichten, die keine Möglichkeit mehr hatten, Zeugnis abzulegen? Und gibt es überhaupt angemessene Formen der literarischen Ästhetisierung, oder
gilt das Diktum Theodor W. Adornos, wonach „nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben barbarisch” sei?

Diese Fragen stellt und erläutert der Autor und skizziert dann mögliche Antworten und Lösungen auf der Grundlage des Berichts „Se questo è un uomo” aus der Feder des italienischen Auschwitzüberlebenden Primo Levi (Kapitel vier). Diesem dezidiert literatur- und sprachwissenschaftlichen Teil sind zwei hinführende Kapitel vorangestellt, die die Relevanz der soeben aufgeworfenen Fragen plausibilisieren: In Kapitel zwei thematisiert der Autor die tieferliegende Zweckebene der Konzentrationslager innerhalb
des Systems der nationalsozialistischen Herrschaft, da, so die Argumentation, nur so verständlich werde, warum und in welchem Ausmaß in Auschwitz das „gesamte Leben nach dem Gesichtspunkt der größtmöglichen Quälerei systematisch durchorganisiert” war (Hannah
Arendt). Kapitel drei skizziert die Unfassbarkeit und Irrealität des Geschehens: Es erinnert an das Erlebte Primo Levis und verdeutlicht so die Herausforderungen, die eine literarische Verarbeitung darstellt.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Kontext und Agenda

1.2 Primo Levi, Zeuge von Auschwitz

2. Das System Auschwitz

2.1 Die Fabrikation von Leichen

2.2 Funktionen und Logik des Lagers

2.3 Die Vernichtung der Person

3. Primo Levi: Alltag im Lager

3.1 Behandlung als Vieh und anonymes Stückgut

3.2 Unzureichende Nahrung und Kleidung bei harter Arbeit

3.3 Überlebensstrategien, die Solidarität zerstören und Opfer korrumpieren

3.4 Allgegenwärtige Beschimpfungen, Schläge und Selektionen

3.5 Besonders perfide Schikanen und intime Demütigungen

3.6 Unwissenheit, Willkür und Sinnlosigkeit

3.7 Eine absurde Welt aus Geboten und Verboten

3.8 Der totale Orientierungsverlust

4. Schreiben nach Auschwitz: Zur Sagbarkeit des Unsagbaren

4.1 Unsagbarkeit

4.1.1 Die Aporie des unvollständigen Zeugen

4.1.2 Die Unglaubwürdigkeit des Berichtes und die Abwehr der Rezipienten

4.1.3 Das Fehlen einer gemeinsamen Sprache

4.1.4 Das Problem der angemessenen Ästhetisierung

4.2 Sagbarkeit

4.2.1 Nähe und Distanz

4.2.2 Identifikation und Empathie

4.2.3 Metaphern und Analogien der Unsagbarkeit

4.2.4 Relativierung von Auschwitz?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der literarischen Aufarbeitung der Shoah. Ausgehend vom Bericht „Se questo è un uomo“ von Primo Levi analysiert die Arbeit die spezifische Logik des Konzentrationslagers sowie die daraus resultierende Schwierigkeit, das Erlebte für Außenstehende in verständlicher Weise zu vermitteln, ohne dabei die Ungeheuerlichkeit der Ereignisse zu verharmlosen.

  • Die Funktion und Logik von Konzentrationslagern als Instrumente totaler Herrschaft.
  • Die systematische Vernichtung der menschlichen Persönlichkeit im Lageralltag.
  • Die Aporie des Zeugnisses zwischen „Unsagbarkeit“ und dem Wunsch nach Kommunikation.
  • Methoden der literarischen Ästhetisierung, die Nähe und Distanz bei der Schilderung des Grauens wahren.

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Die Aporie des unvollständigen Zeugen

„Nicht wir, die Überlebenden, sind die wirklichen Zeugen...Wir Überlebenden sind nicht nur eine verschwindend kleine, sondern auch eine anormale Minderheit: wir sind die, die aufgrund von Pflichtverletzung, aufgrund ihrer Geschicklichkeit oder ihres Glückes den tiefsten Punkt des Abgrunds nicht berührt haben. Wer ihn berührt...hat, konnte nicht mehr zurückkehren, um zu berichten. Vielmehr sind sie, die ‘Muselmänner’, die Untergegangenen die eigentlichen Zeugen, jene deren Aussage eine allgemeine Bedeutung gehabt hätte....Die Untergegangenen hätten, auch wenn sie Papier und Bleistift gehabt hätten, niemals Zeugnis abgelegt, weil ihr Tod schon vor der Vernichtung ihres Körpers begonnen hatte. Wochen und Monate vor ihrem Ableben hatten sie bereits die Fähigkeit der Beobachtung, der Erinnerung, des Abwägens und des Ausdrucks verloren. Jetzt sprechen wir, als Bevollmächtigte, an ihrer Stelle.” (Levi 1990:83-84)

Levi und den anderen Zeugen fehlen also - bei allem Horror ihres Leidens - zwangsläufig zwei Erfahrungen, die absolut charakteristisch und konstitutiv für die Erfahrungen der übergroßen Mehrzahl der Internierten war: Das Vegetieren als „Muselmann”, also als Nicht-Mensch und reines Reaktionsbündel; und schließlich der Gang in die Gaskammer und der Todeskampf mit dem Gift.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung kontextualisiert die Shoah und führt in die zentrale Fragestellung ein, wie Literatur das unfassbare Geschehen von Auschwitz der Nachwelt begreifbar machen kann.

2. Das System Auschwitz: Dieses Kapitel thematisiert die Funktionsweise und die tieferliegende Zweckebene der Lager als Laboratorien totaler Herrschaft, die darauf abzielten, den Menschen in seiner Individualität zu vernichten.

3. Primo Levi: Alltag im Lager: Anhand des Berichts von Primo Levi wird der Lageralltag detailliert beschrieben, insbesondere die systematische Erniedrigung, Entmenschlichung und der totale Orientierungsverlust der Häftlinge.

4. Schreiben nach Auschwitz: Zur Sagbarkeit des Unsagbaren: Der Hauptteil analysiert die Möglichkeiten der Ästhetisierung, die Problematik der Aporie des Zeugen sowie die Verwendung von Metaphern, um das historisch Einmalige und „Unsagbare“ der Shoah literarisch darstellbar zu machen.

Schlüsselwörter

Auschwitz, Shoah, Primo Levi, Zeugenschaft, totale Herrschaft, Lageralltag, Ästhetisierung, Unsagbarkeit, Identifikation, Empathie, Muselmann, Grauzone, Literaturwissenschaft, Erinnerung, Entmenschlichung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie literarische Texte, insbesondere der Bericht von Primo Levi, das Grauen der Shoah verarbeiten und kommunizieren können, ohne dabei das Unaussprechliche dieser Erfahrungen zu verfälschen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind die Logik des nationalsozialistischen Lagersystems, die systematische Vernichtung der menschlichen Persönlichkeit sowie die sprachphilosophischen Probleme bei der Vermittlung traumatischer Erfahrungen.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine Ästhetisierung gelingen kann, die einerseits der Singularität von Auschwitz gerecht wird und andererseits beim Rezipienten Empathie weckt, ohne das Grauen zu bagatellisieren.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literatur- und sprachwissenschaftliche Herangehensweise, ergänzt durch historische und philosophische Analysen (u.a. unter Einbezug von Hannah Arendt und Giorgio Agamben).

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Analyse des Lagersystems, eine Schilderung des Lageralltags durch Primo Levi und eine anschließende Untersuchung der Möglichkeiten und Grenzen der literarischen „Sagbarkeit“ des Schreckens.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Auschwitz, Zeugenschaft, totale Herrschaft, Ästhetisierung, die „Grauzone“, Entmenschlichung und die Aporie des unvollständigen Zeugen.

Welche besondere Rolle spielt die „Grauzone“ bei der Untersuchung der Opfer?

Die „Grauzone“ bezeichnet das von Levi und Agamben beschriebene Phänomen, dass das Lagersystem Opfer dazu zwang, an ihrer eigenen Unterdrückung mitzuwirken, wodurch klare moralische Unterscheidungen zwischen Opfern und Tätern erschwert werden.

Wie illustriert das Kapitel „Der Gesang des Odysseus“ die Kommunikationssituation?

Dieses Kapitel dient als Beispiel dafür, wie ein Moment der kulturellen Erinnerung im Lager eine Brücke schlägt, die analog zu der Kommunikationsbeziehung zwischen dem schreibenden Autor und dem Leser steht: Es verdeutlicht die Notwendigkeit, das Erlebte für andere verständlich zu machen.

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Résumé des informations

Titre
Schreiben nach Auschwitz
Sous-titre
Zur Sagbarkeit des Unsagbaren
Université
University of Freiburg  (Romanisches Seminar)
Cours
Hauptseminar Literaturwissenschaft „Schreiben nach der Shoah”
Note
1,3
Auteur
Sascha Ackermann (Auteur)
Année de publication
2008
Pages
25
N° de catalogue
V161990
ISBN (ebook)
9783640756759
Langue
allemand
mots-clé
Auschwitz Holocaust Shoah Literatur Schreiben Ästhetisierung Überlebende Auschwitzüberlebende Levi Adorno
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Sascha Ackermann (Auteur), 2008, Schreiben nach Auschwitz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161990
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Extrait de  25  pages
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