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Interaktives Fernsehen. Entstehen und Erleben von parasozialen Interaktionen und Beziehungen zwischen Rezipienten und Protagonisten bei interaktiver Filmrezeption

Title: Interaktives Fernsehen. Entstehen und Erleben von parasozialen Interaktionen und Beziehungen zwischen Rezipienten und Protagonisten bei interaktiver Filmrezeption

Diploma Thesis , 2000 , 178 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Holger Schramm (Author)

Communications - Research, Studies, Enquiries
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Einleitung und Problemstellung

Es zeichnet sich ein Wechsel von der Massenkommunikation zu verschiedenen Formen technischer Individualkommunikation ab. Schon im Verlauf des dualen Rundfunksystems ist eine zunehmende Zersplitterung der Adressaten von Massen zu Zielgruppen erkennbar. Mit der Digitalisierung wird sich dieser Prozeß zugunsten einer Individualisierung der bisherigen Massenkommunikation fortsetzen.
Aus dem passiven Zuschauer früherer Fernsehjahre soll künftig ein aktiver User werden, der die verschiedenen Formen der Mediennutzung seinen individuellen Bedürfnissen anpaßt (Bleicher, 1995, S. 70).

Dieses Zitat birgt eine Reihe von Behauptungen und steht beispielhaft für die aktuelle Diskussion um die Zukunft der Medienlandschaft und der Massenkommunikation. Richtig ist sicherlich die Beobachtung einer zunehmenden Fragmentierung der Zuschauer seit Einführung des dualen Rundfunksystems. Ebenfalls kann der Trend zu einer verstärkten Individualkommunikation nicht geleugnet werden. Ob sich allerdings dieser Trend aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung fortsetzen wird, ob tatsächlich die Individual-kommunikation nach und nach die ‚Oberhand‘ gegenüber der Massen-kommunikation gewinnen wird (vgl. hierzu: Hoffmann-Riem & Vesting, 1994; Wehner, 1997) und ob die neuen (interaktiven) Medien die traditionellen Medien ersetzen oder vielleicht doch nur ergänzen werden (vgl. hierzu: Harms & Voermanek, 1994; Schmid & Kubicek,
1994), kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht kategorisch geklärt werden. Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang auch erforderlich, mit neuen Kategorien, Modellen und Begrifflichkeiten zu arbeiten. Berghaus (1997) stellt hierzu fest:

[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Problemstellung

2. Theorie und Forschungsstand

2.1 Interaktion, Interaktivität und interaktives Fernsehen

2.1.1 Zu den Begriffen der Interaktion und Interaktivität

2.1.2 Definition und Formen interaktiver Medien

2.1.3 Interaktives Fernsehen

2.1.3.1 Versuch einer begrifflichen Annäherung

2.1.3.2 Forschung und empirische Befunde

2.2 Parasoziale Interaktionen und Beziehungen zu Fernsehakteuren

2.2.1 Definition und Wesensbeschreibung

2.2.2 Vergleich mit nicht-medialen (parasozialen) Interaktionen und Beziehungen

2.2.3 Überblick über die wichtigsten empirischen Befunde

2.2.4 Parasoziale Interaktionen als interaktionistisches Modell von Fernsehrezeption

2.2.5 Alternativer Ansatz für die Erklärung von parasozialen Interaktionen: Affective Disposition Theory

2.3 Verbindung der Theoriefelder: Parasoziale Interaktionen beim interaktiven Fernsehen unter Berücksichtigung der Affective Disposition Theory

2.3.1 Affective Disposition Theory: Ergänzung oder Ersatz für die Erklärung parasozialer Interaktionen?

2.3.2 Parasoziale Interaktionen bei interaktiver Rezeption

2.3.3 Hypothesen und Forschungsfragen

3. Methodisches Vorgehen

3.1 Rahmenbedingungen

3.2 Forschungsdesign

3.3 Operationalisierung

3.3.1 Unabhängige Variablen

3.3.2 Abhängige Variablen

3.3.3 Weitere hypothesen-relevante Variablen

3.4 Beschreibung des Stimulus-Materials

3.5 Beschreibung der Stichprobe

3.6 Erhebungssituation und Durchführung der Untersuchung

4. Ergebnisse

4.1 Überprüfung der Voraussetzungen des Forschungsdesigns

4.2 Einbeziehen von weiteren Moderatorvariablen

4.3 Deskriptive Ergebnisse

4.3.1 Persönlichkeitsmerkmale

4.3.2 Mediennutzung

4.3.3 Bewertung des Protagonisten

4.3.4 Sozio-emotionales Filmerleben

4.4 Hypothesenprüfung

4.5 Exploration und Prüfung der Forschungsfragen

4.6 Ergebnisse im Überblick

5. Interpretation

6. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit eine interaktive Rezeption von narrativen, fiktionalen Fernsehangeboten das Entstehen und Erleben parasozialer Interaktionen und Beziehungen zwischen Rezipienten und Protagonisten beeinflusst. Dabei werden theoretische Modelle der Massenkommunikation mit Konzepten der Interaktivität verknüpft, um zu klären, ob technische Gestaltungsmöglichkeiten beim interaktiven Fernsehen das sozio-emotionale Erleben steigern oder eher behindern.

  • Wirkung von Interaktivität auf die parasoziale Interaktion (PSI)
  • Verbindung von Affective Disposition Theory und PSI-Forschung
  • Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf das interaktive Rezeptionserleben
  • Empirische Analyse von Nutzerverhalten bei interaktiven Filmangeboten

Auszug aus dem Buch

1.1.2 Definition und Formen interaktiver Medien

Kellerer (1993) definiert ‚interaktive Medien‘ nach einer umfassenden Bedeutungsanalyse von Literatur- und Expertendefinitionen folgendermaßen (S. 40):

Interaktive Medien ermöglichen es Individuen mittels technischer Schnittstellen, Kommunikationsvorgänge aufzunehmen oder zu aktivieren und sie im Hinblick auf Geschwindigkeit, Struktur und/oder Inhalt zu beeinflussen. Ihre Kommunikationspartner sind andere Individuen, eine Organisation oder das Medium selbst, an das Kommunikationsvorgänge delegiert wurden. Die Einflußmöglichkeiten der Beteiligten können sich nach Grad und Art unterscheiden.

Diese Definition geht über die sonst üblichen Definitionsversuche hinaus, indem sie bereits berücksichtigt, dass die betreffenden Medien tatsächlich nur die Möglichkeit zur Interaktivität bereitstellen und dass sie ohne entsprechende Nutzung per se noch nicht interaktiv sind. Des weiteren sind technische Schnittstellen ein Kriterium für interaktive Medien, da ansonsten der Leserbrief, der in einer Zeitung abgedruckt wird, diese ebenfalls zum interaktiven Medium machen würde (was aber ausgeschlossen werden soll). Ebenfalls ausgeschlossen aus der Definition wird die herkömmliche Form des Fernsehens, bei welcher der Rezipient per Fernbedienung (= technische Schnittstelle) aus einem größeren Angebot aus Sendern auswählen kann. Denn bei dieser Auswahl des Medienangebotes bestimmt der Rezipient zwar den Sender, beeinflusst aber nicht den Inhalt des betreffenden Programms. Dieses ist jedoch bei Videotext und Video-On-Demand der Fall, wo der Rezipient bestimmt, zu welchem Zeitpunkt er welche Informationen bzw. Medieninhalte rezipiert. Diese Medien fallen somit unter den Definitionsbegriff.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Problemstellung: Einführung in die Problematik des Medienwandels hin zur Individualisierung und Formulierung der zentralen Forschungsfrage bezüglich der Auswirkung von Interaktivität auf das parasoziale Erleben.

2. Theorie und Forschungsstand: Umfassende theoretische Fundierung zu Interaktion, Interaktivität und parasozialen Beziehungen unter Einbeziehung der Affective Disposition Theory.

3. Methodisches Vorgehen: Detaillierte Dokumentation des experimentellen Forschungsdesigns zur Untersuchung der Rezeptionsphänomene bei interaktivem Fernsehen mit 428 Versuchspersonen.

4. Ergebnisse: Darstellung der deskriptiven Befunde, Überprüfung der methodischen Voraussetzungen sowie Auswertung der Hypothesenprüfungen.

5. Interpretation: Gesamtschau der Befunde im Kontext der theoretischen Überlegungen, insbesondere hinsichtlich der Frage, ob Interaktivität das sozio-emotionale Erleben tatsächlich fördert.

6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflexion zur Zukunft des interaktiven Fernsehens und weiterer Forschungsnotwendigkeiten.

Schlüsselwörter

Interaktives Fernsehen, Interaktivität, Parasoziale Interaktion, Parasoziale Beziehung, Affective Disposition Theory, Mediennutzung, Rezeptionserleben, Fernsehrezeption, Nutzerverhalten, Medienpsychologie, Fiktionale Unterhaltungsangebote, Empathie, Involvement.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen interaktiver Gestaltungsmöglichkeiten bei fiktionalen Fernsehformaten auf das sozio-emotionale Erleben und die parasoziale Interaktion der Zuschauer.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Definition von Interaktivität bei Medien, die psychologische Forschung zu parasozialen Interaktionen (PSI) sowie die theoretische Verknüpfung dieser Bereiche mit der Affective Disposition Theory.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die zentrale Frage lautet, inwieweit eine interaktive Rezeption von narrativen fiktionalen Fernsehangeboten das Entstehen und Erleben von parasozialen Interaktionen und Beziehungen zwischen Zuschauern und Protagonisten beeinflusst.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor stützt sich auf ein computergestütztes Experiment mit 428 Probanden, bei dem die Interaktivität bei einem fiktionalen Krimi variiert wurde, ergänzt durch eine detaillierte theoretische Literaturarbeit.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil umfasst eine tiefgehende Auseinandersetzung mit Kommunikationsmodellen, die statistische Auswertung der experimentellen Daten und die Interpretation der Ergebnisse hinsichtlich der hemmenden oder förderlichen Effekte von Interaktivität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Interaktives Fernsehen, Parasoziale Interaktion, Affective Disposition Theory und sozio-emotionales Filmerleben charakterisieren.

Welche Rolle spielt die "Affective Disposition Theory" in diesem Kontext?

Sie dient als alternativer Erklärungsansatz, um die affektive Bindung des Zuschauers an Protagonisten und das daraus resultierende Mitfiebern oder Spannungsempfinden psychologisch besser abzubilden als rein deskriptive PSI-Modelle.

Was ist das wichtigste Ergebnis bezüglich der Interaktivität?

Die Untersuchung zeigt überraschend, dass Interaktivität entgegen der Erwartung das sozio-emotionale Filmerleben eher behindern kann und parasoziale Prozesse bei passiver Rezeption stärker ausgeprägt sind.

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Details

Title
Interaktives Fernsehen. Entstehen und Erleben von parasozialen Interaktionen und Beziehungen zwischen Rezipienten und Protagonisten bei interaktiver Filmrezeption
College
Academy of Music and Arts Hanover  (Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung)
Grade
1,0
Author
Holger Schramm (Author)
Publication Year
2000
Pages
178
Catalog Number
V161
ISBN (eBook)
9783638101189
Language
German
Tags
Interaktives Fernsehen Interaktivität Filmrezeption parasoziale Interaktionen Affective Disposition Theory Experiment
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Holger Schramm (Author), 2000, Interaktives Fernsehen. Entstehen und Erleben von parasozialen Interaktionen und Beziehungen zwischen Rezipienten und Protagonisten bei interaktiver Filmrezeption, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161
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