Entwicklungsrisiko: Armut

Zur Förderung von Resilienz in der Grundschule


Hausarbeit, 2007
7 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung - Entwicklungsrisiko: Armut

2 Resilienz als Widerstandsfähigkeit gegenüber Entwicklungsrisiken

3 Zur Förderung von Resilienz in der Grundschule

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung - Entwicklungsrisiko: Armut

Was von Gesellschaftsforschern, Pädagogen, Soziologen u. a. seit langem problematisiert wird und durch die Entdeckung der so genannten Neuen Unterschicht jüngst zum bundesweiten medialen und politischen Diskurs avancierte, ist nun wieder einmal mit Fakten belegt worden. Die Armut in der Bundesrepublik Deutschland wächst kontinuierlich, wobei zunehmend Kinder und Jugendliche davon betroffen sind.

Wie bereits im ersten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung (von 2001) und in den letzten Kinder- und Jugendberichten (1998 und 2002) dargestellt, zeigt auch der aktuelle, zweite Armuts- und Reichtumsbericht, dass immer mehr Kinder und Jugendliche, der gegen- wärtigen OECD-Skala nach, in als Armut zu bezeichnenden Verhältnissen leben. Aufgrund dieser Entwicklung in Verbindung mit der abnehmenden Altersarmut wird aktuell von einer Infantilisierung der Armut gesprochen (vgl. RKI 2005, S. 98). Laut einer aktuellen Studie der Arbeiterwohlfahrt (AWO) leben je nach Armutsdefinition zwischen 13 und 19 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in relativer Armut, d. h., dass sie und ihre Familien ihr Leben mit weniger als der Hälfte des statistischen Durchschnittseinkommens bestreiten müssen. Von extrem hohem Armutsrisiko sind zudem Kinder aus Ein-Eltern-Familien, aus Familien mit mehr als vier Kindern und aus Familien mit Migrationshintergrund betroffen (vgl. Holz & Puhlmann 2005, S. 3). Die Auswirkungen der Armut auf die Heranwachsenden sind dabei auf den meisten Ebenen ihres täglichen Lebens vorzufinden. So leben sie in kleineren und schlechter ausgestatteten Wohnungen, ihr Wohnumfeld bietet weniger Spiel- und Freizeit- möglichkeiten, sie fahren seltener in Urlaub, erhalten weniger Taschengeld und können sich kostenintensive Kleidung, Hobbys, Freizeitmittel und -aktivitäten häufig nicht leisten (vgl. RKI 2005, S. 98). Äußerst intensiv erfahren betroffene Kinder und Jugendliche ihre Armut im unabwendbaren Vergleich mit Gleichaltrigen aus besser gestellten Elternhäusern. „Als beson- ders schmerzlich [werden] die geringeren finanziellen Mittel [empfunden], wenn sie mit in- nerfamiliären Konflikten und Ausgrenzungserfahrungen in der Gleichaltrigengruppe, z. B. im Freundeskreis, in der Schule oder in Vereinen, einhergehen“ (ebd.). Zu derartigen Ausgren- zungserscheinungen kommt es zwangsläufig, da es für betroffene Familien kaum möglich ist, Defizite, wie das fehlende Kinderzimmer und Einschränkungen bei Kleidung und Spielzeug, zu kompensieren. Zudem schlägt sich die Armut in schlechteren Noten und häufigerem Sitzen bleiben der Betroffenen nieder. Im Grundschulalter ist die gesundheitliche Verfassung armer und nicht-armer Kinder noch relativ ähnlich. Mit zunehmendem Alter entwickeln arme Ju- gendliche jedoch einen eher bedenklichen Medienkonsum, nehmen unregelmäßiger Mahlzei- ten ein und haben häufiger Gewichtsprobleme und früheren Kontakt zu Suchtmitteln als ihre besser gestellten Altersgenossen (vgl. Holz & Puhlmann 2005, S. 5f).

Arme Kinder und Jugendliche, „[…] wachsen [folglich] in einem belasteten und belastenden Umfeld auf, das ihnen begrenzte Handlungs- und Entwicklungsspielräume verschafft“ (vgl. ebd., S. 8), was letztlich negative Auswirkungen auf ihr Selbstkonzept, ihre Gesundheit etc., also auf ihre Entwicklung im Allgemeinen, hat.

2 Resilienz als Widerstandsfähigkeit gegenüber Entwicklungsrisiken

Armut stellt somit einen zentralen Risikofaktor für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen dar und ist laut Holz und Puhlmann (2005, S. 8) die wichtigste Variable zur Vorhersage bzw. Bestimmung der Lebenslage von Kindern.

In sehr vielen Fällen führen die Armut und die damit verbundenen Entwicklungsrisiken auch zu negativen Entwicklungsverläufen mit Ausprägungen wie schlechte Schulleistungen, feh- lende soziale Integration, negatives Selbstkonzept, gesundheitliche Beeinträchtigungen (Seh- und Sprachstörungen, Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung, psychomotorische, emoti- onale und soziale Störungen, aber auch Übergewicht, Drogenmissbrauch etc.), und letztend- lich zur sozialen Deprivation (vgl. ebd., S. 10ff und RKI 2005, S. 99f). Diesen schlechten Prognosen zum Trotz wachsen viele Kinder, die von Armut und dem erhöhten Entwicklungs- risiko betroffen sind, „[…] zu erstaunlich kompetenten, leistungsfähigen und stabilen Persön- lichkeiten heran“ (Wustmann 2004, S. 14). Das Phänomen, dass Kinder scheinbar unbeein- flusst von den erschwerten Entwicklungsbedingungen einen normalen, also ihren finanziell besser gestellten Altersgenossen ähnlichen, Lebensweg gehen, wird in der Fachsprache als Resilienz bezeichnet. Ende der 1990er Jahre wurde Resilienz „[…]als die Fähigkeit zur erfolg- reichen Anpassung, positiven Funktionsfähigkeit oder Kompetenz trotz eines hohen Risiko- status, trotz chronischer Belastung oder trotz schwerwiegender oder langandauernder Trauma- tisierung“ bzw. „[…] operationalisiert als das positive Ende der Verteilung von Entwick- lungsergebnissen in einer Stichprobe mit hochrisikobelasteten Probanden“ beschrieben (Egeland et al. 1993, S. 517, zitiert nach: Göppel 1999, S. 174). Eine aktuelle Definition lie- fert Wustmann (2004, S. 18): „Resilienz meint eine psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern gegenüber biologischen, psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken.“ Das allgemein große Interesse an dem Phänomen der Resilienz hat jüngst zu verstärkter For- schungsarbeit in den verschiedensten Fachdisziplinen, wie z. B. der Entwicklungs-, Gesund- heits- und Persönlichkeitspsychologie, der Heil- und Sonderpädagogik, geführt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Entwicklungsrisiko: Armut
Untertitel
Zur Förderung von Resilienz in der Grundschule
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
Aufwachsen von Kindern heute und die Arbeit in Bildungseinrichtungen des Elementar- und Primarbereichs
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
7
Katalognummer
V162021
ISBN (eBook)
9783640759040
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bei dieser Aurarbeitung handelt es sich um eine 'kurze' Hausarbeit von fünf vollgeschriebenen Seiten + Literaturangaben.
Schlagworte
Entwicklungsrisiko, Armut, Kinder, Kinderarmut, Jugendarbeitslosigkeit, Neuen Unterschicht, Armuts- und Reichtumsbericht, Infantilisierung der Armut, RKI, AWO, Armutsdefinition, relative Armut, Armutsrisiko, Ein-Eltern-Familie, Migrationshintergrund, Holz & Puhlmann, Auswirkungen der Armut, Widerstandsfähigkeit, Resilienz, Entwicklungsrisiken, negatives Selbstkonzept, Drogenmissbrauch, Übergewicht, Phänomen, Resilienzforschung, Präventionsarbeit, Diagnostik, Göppel, signifikante Bedrohung für die kindliche Entwicklung, erfolgreiche Bewältigung dieser belastenden Lebensumstände, resilient, Förderung von Resilienz, Grundschule, GS, Grundschüler, Kauai-Studie
Arbeit zitieren
M.Ed. Georg Rabe (Autor), 2007, Entwicklungsrisiko: Armut, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162021

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