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Die Erinnerung an den Nationalsozialismus in der BRD 1949 - 1989

Title: Die Erinnerung an den Nationalsozialismus in der BRD 1949 - 1989

Term Paper , 2006 , 25 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nico Sudmann (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
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Summary Excerpt Details

In den europäischen Gedächtniskulturen kommt dem Zweiten Weltkrieg eine Schlüsselposition zu. Die zerrissenen Gesellschaften stehen nach 1945 vor der großen Aufgabe, eine Neukonstituierung vornehmen zu müssen. Oft steht im Zentrum dieses Neufindungsprozesses ein Widerstandsmythos, der geholfen hat, die traumatischen Ereignisse des Krieges zurückzudrängen. Solche Mythen haben einen großen Anteil gehabt, die Völker zu einen und ein friedliches Europa zu begründen. Kritische Auseinandersetzungen mit der Vergangenheit erfolgten erst später, nach einer solchen Konsolidierungsphase, meist auch erst von nachfolgenden Generationen initiiert. Einen Sonderstatus in diesem Prozess hat Deutschland als Land der Täter, bzw. seine beiden Teile, die BRD und die DDR. Während in der SBZ die Erinnerung frühzeitig von Seiten der Sowjet-union ideologisch gesteuert und auf diese Weise die Bevölkerung von der Vergangen-heit entlastet wird, ist man in der BRD von Anfang an gezwungen, das geschichtliche Erbe zu integrieren. Trotzdem bildeten sich natürlich auch in Westdeutschland vielseitige Entlastungsstrategien heraus.
Die vorliegende Arbeit hat, wie der Titel impliziert, das Ziel, einen Überblick über die Erinnerungskultur in der BRD bezüglich ihrer NS-Vergangenheit zu geben. Eine tiefgehende Analyse aller Facetten der Erinnerung würde den hier zur Verfügung stehenden Rahmen sprengen, zumal der Begriff „Erinnerung“ sehr komplex ist und auf alle Berei-che des gesellschaftlichen Lebens bezogen werden kann. Kunst und Literatur, Politik und Wissenschaft, privates und gesellschaftliches Leben - prinzipiell kann jede Form von Öffentlichkeit Ausdruck und Indiz für die Art und Weise sein, wie sich eine Nation ihrer Vergangenheit vergewissert. Aus diesem Grund fällt es schwer, eine Auswahl dessen zu treffen, was als Quelle für Aussagen über die Erinnerungskultur in Deutschland herangezogen werden sollte. Neben politischen Debatten, juristischen Prozessen, der Feier von Gedenktagen und anderen öffentlichen Formen des Umgangs mit der NS-Vergangenheit soll auch die Historiographie der BRD in die Betrachtungen einbezogen werden. Denn gerade die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozi-alismus spiegelt deutlich die Entwicklung in der Erinnerungskultur in Deutschland wi-der. Im Falle der DDR ist die enge Verknüpfung und Einengung der Geschichtsschreibung mit und durch das Zentralkomitee überdeutlich.[…]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Meistererzählungen und Dammbrüche

3. Die Erinnerung an den Nationalsozialismus in der BRD 1949-1989

3.1. Zwischen Verdrängung und Erinnerung

3.2. Der Nationalsozialismus vor Gericht

3.3. Generationenkonflikt und zweite Verdrängung

3.4. Perspektivenwechsel

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit gibt einen strukturierten Überblick über die Entwicklung der Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland bezüglich der nationalsozialistischen Vergangenheit im Zeitraum von 1949 bis 1989. Ziel ist es, den Wandel von anfänglichen Entlastungsstrategien und Verdrängungsmechanismen hin zu einer kritischeren und pluralistischeren Auseinandersetzung aufzuzeigen.

  • Entstehung von Meistererzählungen in der unmittelbaren Nachkriegszeit
  • Die Rolle der Justiz bei der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit
  • Generationenkonflikte als Motor für den erinnerungskulturellen Wandel
  • Wandel der medialen und wissenschaftlichen Perspektiven auf NS-Verbrechen
  • Bedeutung von Gedenkorten und öffentlichen Diskursen für die Identitätsbildung

Auszug aus dem Buch

3.1. Zwischen Verdrängung und Erinnerung

Was die Geschichtsschreibung der ersten Jahre bezüglich des Holocaust in der BRD angeht, urteilt Ulrich Herbert jedoch hart und konstatiert, dass der Begriff „Verdrängung“ für diese Zeit unzureichend sei.18 Die Ursachen hierfür sind vielseitig. Besonders in akademisch ausgebildeten Kreisen waren die Verquickungen mit dem NS-Regime groß. Sowohl auf die Seite der Autoren wie auch die Seite der potenziellen Rezipienten trifft diese Feststellung zu. Für die „ehrwürdige“ Geschichtswissenschaft war jedoch auch ihr Selbstverständnis von Bedeutung. Wie Martin Broszat zeigt, stellten Massenexekutionen und Gaskammern für die an erhabene Geschichtsideen gewöhnte Sprache des Historismus einen krassen Stilbruch dar.19 Erschwerend kam hinzu, dass nahezu allen Nachkriegsberichten ein Verdacht der alliierten und jüdischen Propaganda anhaftete. Die wenigen jüdischen Berichte über Massenmorde wurden dementsprechend oft mit der Aussage relativiert, dass Krieg immer schrecklich sei. Die klassische Verdrängung zeigte sich darin, dass eigene punktuelle Erfahrungen mit der Verfolgung von Juden, die ja die meisten Menschen in Deutschland gemacht hatten, nicht in den Gesamt zusammenhang dieser Berichte eingeordnet wurden.

Auch Historiker, die ganz offensichtlich in keiner Weise Sympathien für den Nationalsozialismus hegten, wollten sich nicht einem Thema nähern, das unter dem Zwielicht der Propaganda und der Denunziation stand und dessen Quellen von den Alliierten kontrolliert wurden. Schließlich neigten auch diejenigen Rezipienten der 50er Jahre, die über die Massenvernichtung informiert waren, nicht dazu, sich öffentlich mit diesem unrühmlichen Bereich der jüngsten Geschichte auseinanderzusetzen, sondern vielmehr dazu, die stille Lehre aus dem Erlebten zu ziehen und sich zukünftig für eine Demokratisierung einzusetzen.20

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der deutschen NS-Vergangenheit für die nationale Erinnerungskultur und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.

2. Meistererzählungen und Dammbrüche: Dieses Kapitel analysiert theoretisch die Entstehung entlastender Mythen nach 1945 und deren sukzessive Dekonstruktion in europäischen Gesellschaften.

3. Die Erinnerung an den Nationalsozialismus in der BRD 1949-1989: Der Hauptteil untersucht chronologisch die Phasen der Erinnerungsarbeit in Westdeutschland, von der frühen Verdrängung über juristische Prozesse bis hin zum Wandel durch die 68er-Generation.

3.1. Zwischen Verdrängung und Erinnerung: Hier wird der Umgang der frühen Bundesrepublik mit der NS-Vergangenheit in Wissenschaft und Gesellschaft kritisch beleuchtet.

3.2. Der Nationalsozialismus vor Gericht: Das Kapitel thematisiert die Rolle der Justiz und juristischer Verfahren bei der Konfrontation mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.

3.3. Generationenkonflikt und zweite Verdrängung: Die Analyse konzentriert sich auf die Konfrontation der Nachkriegsgeneration mit ihren Eltern und die Auswirkungen des Generationenkonflikts.

3.4. Perspektivenwechsel: Dieses Kapitel behandelt die veränderte Erinnerungspraxis der 80er Jahre sowie die zunehmende Bedeutung der Alltagsgeschichte und Opferperspektive.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die kontinuierliche Spannung zwischen Verdrängung, aktiver Erinnerung und der Gefahr der Relativierung.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, BRD, Erinnerungskultur, Verdrängung, Holocaust, Geschichtsschreibung, Meistererzählungen, Generationenkonflikt, 20. Juli 1944, Vergangenheitsbewältigung, Zeitgeschichte, Opferperspektive, Identitätsbildung, Historikerstreit, Gedenkkultur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Entwicklung der Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland im Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1949 und 1989.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Konzepte von Meistererzählungen, Verdrängungsstrategien, der Einfluss juristischer Prozesse sowie der Wandel der Geschichtskultur durch den Generationenwechsel.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, einen Überblick über die Phasen der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit zu geben und zu zeigen, wie sich das kollektive Gedächtnis von einer anfänglichen Tabuisierung hin zu einer differenzierteren Auseinandersetzung wandelte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, die sich auf fachwissenschaftliche Literatur und erinnerungskulturelle Debatten stützt, um die Wandlungsprozesse in der westdeutschen Gesellschaft nachzuzeichnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Analyse, die von der frühen Nachkriegszeit über die 60er und 70er Jahre bis hin zum Perspektivenwechsel der 80er Jahre reicht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Verdrängung, Erinnerungskultur, Aufarbeitung, Holocaust, Opferperspektive und Identitätsfindung.

Welche Rolle spielten die Gerichtsverfahren für die Erinnerung?

Juristische Prozesse wie der Remer-Prozess oder Auschwitzprozesse fungierten als wichtige Katalysatoren, um eine verbindliche Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen zu erzwingen und die Geschichtswissenschaft zur Aufdeckung zu motivieren.

Wie wirkte sich die 68er-Generation auf die Erinnerungskultur aus?

Die 68er-Generation konfrontierte die Elterngeneration mit der unbewältigten Vergangenheit, was zu einem Bruch mit alten Autoritäten und einem neuen kritischen Interesse führte, auch wenn sich die Auseinandersetzung teils in abstrakten Theorien verlor.

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Details

Title
Die Erinnerung an den Nationalsozialismus in der BRD 1949 - 1989
College
University of Münster  (Institut für Didaktik der Geschichte )
Course
Europäische Geschichte als Gegenstand und Problem der Geschichtsdidaktik
Grade
1,3
Author
Nico Sudmann (Author)
Publication Year
2006
Pages
25
Catalog Number
V162078
ISBN (eBook)
9783640759866
ISBN (Book)
9783640760220
Language
German
Tags
Bernd Schönemann Monika Flacke Etienne Francois BRD Erinnerung Nationalsozialismus Meistererzählung Dammbruch 2. Weltkrieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nico Sudmann (Author), 2006, Die Erinnerung an den Nationalsozialismus in der BRD 1949 - 1989, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162078
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