Kinder wachsen mit zahlreichen Medien auf, dazu zählen Fernseher, Handy, Computer, CD-Player, Spielkonsole usw. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen und deutet auf den hohen Stellenwert der Medien für Kinder hin. Zu den Medien, die Kinder häufig nutzen, gehört auch das Radio, um dieses Medium soll es in dieser Arbeit gehen. Denn „Hörfunk [ist] weiterhin ein idealer Vermittler von Informationen und Materialien für Kinder und wird es genau so sicher auch bleiben“. Damit das Radio diesem Anspruch gerecht werden kann liegt es nahe, kindgerechtes Radio zu senden. In Deutschland existieren einige Kinderhörfunkformate, die sich in ihrer Qualität stark voneinander unterscheiden. Was die Qualität einer Kinderradiosendung ausmacht, wird im Laufe dieser Arbeit herausgestellt.
Eingangs sei gesagt, dass die Forschungslage hierzu defizitär ist und deutlich weniger Aufmerksamkeit findet als ‚Kinder und Fernsehen’ oder ‚Kinder und Neue Medien’.
Ziel dieser Arbeit ist, zum einen dem Medium Kinderhörfunk mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, zum anderen Kriterien für eine mediendidaktische Analyse des Kinderhörfunks zu entwickeln und diese an konkreten Beispielen anzuwenden. Es wird den Fragen nachgegangen, was ein didaktisch hochwertiges Kinderradioprogramm theoretisch bieten sollte und inwieweit diese Kriterien in der Praxis erfüllt werden. Die Zielgruppe sind Kinder im Alter zwischen drei und dreizehn Jahren.
Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Eingangs werden die Situation des Kinderhörfunks sowie der Kinderhörfunk aus Sicht der Mediennutzungsforschung betrachtet. Hierzu werden die KIM-Studie 2006, eine Untersuchung zum Medienumgang Sechs- bis 13-jähriger und die JIM-Studie 2007, die den Medienumgang Zwölf- bis 19-jähriger untersucht, herangezogen sowie das Buch „Hörfunknutzung von Kindern“.
Im Anschluss folgt die Erarbeitung einer mediendidaktischen Analyse für den Kinderhörfunk anhand der Schwerpunkte ‚Kompetenzvermittlung’, ‚Musik’, ‚Nachrichten’, ‚Sendungsformat’, ‚Mitmachaktivitäten’, ‚Werbung’ und ‚Internetpräsenz’. Davon ausgehend wird ein Analysekatalog erstellt, anhand dessen Kinderhörfunkprogramme untersucht werden können.
Dieser Katalog wird auf die Kinderradioprogramme „Lilipuz“ und „Bärenbude“, sowie den Sender „Radio Teddy“ übertragen, um diese auf ihre didaktische Qualität zu prüfen und zu vergleichen.
Am Ende werden die wesentlichen Ergebnisse zusammengefasst, bewertet sowie mögliche Forschungsansätze für weitere Untersuchungen vorgeschlagen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kinderhörfunk in Deutschland
2.1. Hörfunkangebote für Kinder
2.1.1. Kinderhörfunk der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
2.1.2. Kinderhörfunk des privaten Hörfunks/der Offenen Kanäle/ des nichtkommerziellen Lokalfunks
2.1.3. Kinderradiosender
2.2. Kinder und Radio aus Sicht der Mediennutzungsforschung
2.2.1. Haushaltsausstattung und Gerätebesitz
2.2.2. Medienbindung und Medienfunktion
2.2.3. Radionutzung
2.2.4. Lieblingsthemen
2.2.5. Medienpraktische Erfahrungen
3. Mediendidaktische Analyse
3.1. Kinderhörfunk und Kompetenzvermittlung
3.2. Kinderhörfunk und Musik
3.3. Kinderhörfunk und Nachrichten
3.4. Kinderhörfunk und Sendungsformat
3.5. Kinderhörfunk und Mitmachaktivitäten
3.6. Werbung und Internetpräsenz
3.7. Analysekatalog
4. Praktische Anwendung der Mediendidaktischen Analyse am Beispiel der Kinderhörfunkprogramme „Lilipuz“ und „Radio Teddy“
4.1. WDR 5: Lilipuz
4.2. Radio Teddy
4.3. Mediendidaktische Analyse
4.3.1. Lilipuz und Bärenbude
4.3.2. Radio Teddy
4.3.3. Vergleich
5. Fazit
6. Literatur
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, dem Medium Kinderhörfunk mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, mediendidaktische Analysekriterien für Kinderradioangebote zu entwickeln und diese Kriterien anhand ausgewählter Fallbeispiele in der Praxis zu überprüfen. Die Untersuchung fokussiert sich auf Kinder im Alter von drei bis dreizehn Jahren und analysiert, inwiefern didaktisch hochwertige Programme theoretische Anforderungen erfüllen.
- Aktuelle Situation des Kinderhörfunks in Deutschland
- Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen
- Entwicklung eines mediendidaktischen Analysekatalogs
- Vergleichende Analyse der Programme "Lilipuz", "Bärenbude" und "Radio Teddy"
- Didaktische Bedeutung von Mitmachaktivitäten und Nachrichten für Kinder
Auszug aus dem Buch
3.1. Kinderhörfunk und Kompetenzvermittlung
Das Hören ist für Kinder elementar, je jünger sie sind desto wichtiger die Wahrnehmung über den Hörsinn. Das Ohr ist das erste Sinnesorgan, das sich bei Ungeborenen entwickelt und ist bereits nach sechs Monaten voll funktionstüchtig. Geräusche, Töne und Klänge sind daher ungemein wichtig für Kinder, und dass noch bis weit ins Grundschulalter hinein. Kinder muss man dabei unterstützen, Geräusche und Klänge richtig einzuordnen, zu erkennen und voneinander unterscheiden zu können. Kinderhörfunk könnte hier einen wichtigen Beitrag leisten. Kinder müssen sich auf das Gehörte konzentrieren, und sie werden zudem zu eigenen Assoziationen veranlasst, da zugehörige Bilder fehlen und somit der kindlichen Fantasie überlassen sind. Wichtig für ein Hörkompetenz förderndes Kinderradioprogramm ist „das Spielen mit Sprache, mit Worten, [mit] Lautmalereien, Gedichte[n], Klänge[n] und Töne[n]“. Die Radiomacher müssen also darauf achten, dass sie in ihren Hörspielen, Moderationen etc. die Sprache je nach Thema, Charakter, Situation etc. überhöht, verfremdet oder fast schon übertrieben bearbeitet gestalten, damit die Kinder interessiert und konzentriert bleiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Stellenwert des Mediums Radio für Kinder, weist auf die defizitäre Forschungslage hin und definiert das Ziel sowie die Zielgruppe der Arbeit.
2. Kinderhörfunk in Deutschland: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die aktuelle Hörfunklandschaft für Kinder in Deutschland, differenziert nach öffentlich-rechtlichen und privaten Angeboten, und beleuchtet die Nutzung aus medienwissenschaftlicher Sicht.
3. Mediendidaktische Analyse: Hier werden theoretische Analysekriterien anhand von Schwerpunkten wie Kompetenzvermittlung, Musik, Nachrichten und Formaten entwickelt, die in einen Analysekatalog münden.
4. Praktische Anwendung der Mediendidaktischen Analyse am Beispiel der Kinderhörfunkprogramme „Lilipuz“ und „Radio Teddy“: Das Kapitel wendet den erstellten Analysekatalog auf konkrete Programme des WDR und Radio Teddy an, um deren didaktische Qualität zu vergleichen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen, bewertet die didaktische Qualität der untersuchten Sender und schlägt Ansätze für die zukünftige Forschung vor.
Schlüsselwörter
Kinderradio, Hörfunk, Mediendidaktik, Mediennutzung, Kompetenzvermittlung, Lilipuz, Bärenbude, Radio Teddy, Medienpädagogik, Hörspiele, Kindernachrichten, Medienkompetenz, Kindermedien, Radiosozialisation, didaktische Analyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Medium Kinderhörfunk aus didaktischer Perspektive, analysiert aktuelle Angebote in Deutschland und bewertet deren Qualität anhand spezifischer Kriterien.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Kompetenzvermittlung durch Radio, die Musikauswahl, die Gestaltung von Nachrichten für Kinder, sowie der Einfluss von Mitmachaktivitäten, Werbung und Internetpräsenz auf die didaktische Qualität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, Analysekriterien für eine mediendidaktische Untersuchung zu entwickeln und diese an Praxisbeispielen zu testen, um zu klären, was ein didaktisch hochwertiges Kinderradioprogramm ausmacht.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Autorin kombiniert eine Literatur- und Studienauswertung (z.B. KIM- und JIM-Studien) mit einer eigenen mediendidaktischen Analyse, basierend auf einem selbst erstellten Analysekatalog, der auf konkrete Radioprogramme angewendet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme des Kinderhörfunks in Deutschland, eine theoretische Herleitung der Analysekriterien und deren praktische Anwendung auf die Sendungen "Lilipuz", "Bärenbude" und "Radio Teddy".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kinderradio, Medienpädagogik, Kompetenzvermittlung, didaktische Analyse und Radiosozialisation.
Wie schneiden die WDR-Programme im Vergleich zu Radio Teddy ab?
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass "Lilipuz" und "Bärenbude" aus didaktischer Sicht wertvoller sind, da sie auf intensives Zuhören und pädagogische Konzepte setzen, während bei "Radio Teddy" kommerzielle Interessen und ein klassisches Formatradio-Konzept dominieren.
Warum ist die Medienforschung zum Kinderhörfunk laut der Autorin defizitär?
Die Autorin stellt fest, dass das Medium Radio wissenschaftlich weniger Aufmerksamkeit erhält als Fernsehen oder Internet und daher ein Mangel an aktuellen Publikationen zum spezifischen Bereich des Kinderhörfunks besteht.
- Quote paper
- Kati Kletzel (Author), 2008, Zur Analyse ausgewählter Kinderradiosendungen aus didaktischer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162139