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Harry Frankfurts Essay 'On Bullshit' als sprachkritischer Ansatz?

Title: Harry Frankfurts Essay 'On Bullshit' als sprachkritischer Ansatz?

Term Paper , 2007 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Matthias Billen (Author)

German Studies - Miscellaneous
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Soziale Kontakte zu anderen Menschen und die Nutzung der vielfältigen, sich inflationär
steigernden Medienflut führen zu einer Masse von Kommunikationssituationen und Tex-
ten, die vom Rezipienten kaum noch zu bewältigen sind. Gespräche mit Passanten auf der
Straße, der ,,Small-Talk" im Büro, die tägliche Zeitungslektüre, die Nutzung des Internets,
des Radios oder des Fernsehers, die Werbung in Zeitschriften und das Gespräch mit dem
Ehepartner gehören zu den grundlegendsten Formen der Kommunikation bzw. der Infor-
mationsaufnahme und medialen Unterhaltung. Die Aufzählung der Situatio-
nen/Ereignisse/Medien, durch welche sich der Zuhörer und Leser mit Aussagen und Tex-
ten konfrontiert sieht, kann beliebig fortgeführt werden. Viele dieser Formen der Kommu-
nikation und Information erscheinen für den Rezipienten als wichtige, gehaltvolle und re-
levante Sachverhalte. Doch treffen die vielen Aussagen, welche in den verschiedenen
Formen der Kommunikation getroffen werden, wirklich zu und ist es überhaupt von Rele-
vanz, dass diese Aussagen getroffen werden bzw. dass ihnen ein Wahrheitsgehalt imma-
nent ist?
Dieser Frage geht Harry Frankfurt in seinem Essay ,,On Bullshit" nach, indem er versucht,
eine Definition für den Begriff ,,Bullshit" zu finden (Frankfurt 2006). Grundlegende These
Frankfurts ist, dass es in den verschiedenen Formen der Kommunikation Aussagen gibt,
deren Wahrheitsgehalt, seien sie wahr oder unwahr, völlig irrelevant ist. Diese gegenüber
der Korrektheit ihres Inhalts indifferenten Aussagen bezeichnet er als ,,Bullshit".

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Bullshit“ nach Harry Frankfurt

3. Was ist Sprachkritik?

4. Empirische Überprüfung

4.1 Gerhard Schröder in der Berliner Runde 2005

4.2 Referenzschreiben

4.3 Walter Kempowski im „Spiegel“

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Konzept des „Bullshits“ nach Harry Frankfurt hinsichtlich seiner Anwendbarkeit auf die linguistische Sprachkritik. Ziel ist es zu analysieren, ob Frankfurts Definition über eine ausreichende Trennschärfe verfügt, um Kommunikationssituationen und Texte hinsichtlich ihres Gehalts an leeren Phrasen und deren Intentionen zu beurteilen.

  • Analyse des „Bullshit“-Begriffs als kommunikatives Phänomen
  • Grundlagen und Anforderungen einer linguistisch begründeten Sprachkritik
  • Überprüfung der Theorie anhand aktueller politischer Fernsehdiskussionen
  • Dekodierung und Analyse indirekter Sprechakte in Referenzschreiben
  • Untersuchung von medialen Darstellungen individueller Lebenslagen

Auszug aus dem Buch

4.1 Gerhard Schröder in der Berliner Runde 2005

Bei der Rezeption politischer Fernsehdiskussionen muss beachtet werden, dass eine „grundsätzliche Polyfunktionalität sprachlicher Äußerungen (...) bei politischen Sprachhandlungen eine besondere Relevanz“ hat (Holly 1990: 54). Aus der Konstruierung einer Gesprächs- bzw. Diskussionsrunde im politischen Fernsehtalk lässt sich daraus das Bild zweier Ebenen ableiten: Die Ebene der offenen Diskussion und konkret getroffener Aussagen sowie die zweite Ebene, welche die von den Politikern intendierte Wirkung ihrer Aussagen umfasst. I.d.R. handelt es sich bei dieser Wirkung um politische Werbung. Nicht nur für Linguisten ist klar erkennbar, dass die Wirkungsabsicht, diese „medienspezifische Textsorte als `Diskussion´ zu inszenieren“ (Holly et al. 1986: 2), ein häufiges Element politischer Kommunikation darstellt. Durch das Konzept der Inszenierung kann das Verhalten von Politikern in politischen Fernsehdiskussionen wie der „Berliner Runde“ zielführend untersucht werden. Eine Untersuchung einer politischen Diskussion ohne „Öffentlichkeitsbezug“ (vgl. Petter-Zimmer 1990: 11) wäre hingegen im Rahmen des Inszenierungskonzeptes sinnlos, da politische Werbung lediglich durch den Kontakt zu Wählern funktioniert.

Die beiden folgenden, exemplarisch ausgewählten Ausschnitte aus der „Berliner Runde“ können dazu dienen, diesen Öffentlichkeitsbezug zu veranschaulichen: Schröders Auftritt in diesem Polittalk wurde von führenden Medienvertretern als scheinbare „Selbstberauschung oder Autosuggestion“ (Helmut Markwort, in: Marks 2005) bzw. „bizarr und beinahe schon komisch“ (Nikolaus Brender, in: Soboczynski 2005) qualifiziert. Dies wirft die Frage auf, welche Aussagen Schröders zu einer solchermaßen negativen Beurteilung führten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der inflationären Medienflut ein und präsentiert die Forschungsfrage, ob Frankfurts „Bullshit“-Konzeption zur linguistischen Sprachkritik nutzbar gemacht werden kann.

2. „Bullshit“ nach Harry Frankfurt: Dieses Kapitel definiert den „Bullshit“-Begriff als inhaltlose Phrasen, bei denen der Wahrheitsgehalt für den Sprecher zweitrangig gegenüber der Intention der Täuschung ist.

3. Was ist Sprachkritik?: Es wird ein Verständnis von Sprachkritik als konstruktive Arbeit entwickelt, die kommunikative Konflikte erkennt und bewertet, ohne dabei in utopische Verhaltensentwürfe zu verfallen.

4. Empirische Überprüfung: In diesem Hauptteil wird das „Bullshit“-Konzept auf drei verschiedene Textarten angewendet: politische Reden, Arbeitszeugnisse und journalistische Reportagen.

4.1 Gerhard Schröder in der Berliner Runde 2005: Die Analyse politischer Inszenierung zeigt, wie Schröder durch den Einsatz politischer Hochwertwörter versucht, den Wahrheitsgehalt seiner Aussagen zu verschleiern.

4.2 Referenzschreiben: Hier wird untersucht, wie indirekte Sprechakte und verschlüsselte Codes in Arbeitszeugnissen als linguistisches Problem fungieren, das sich dem simplen „Bullshit“-Modell entzieht.

4.3 Walter Kempowski im „Spiegel“: Dieser Abschnitt analysiert die Kommunikation eines Schwerkranken und zeigt, dass auch flapsige oder inhaltlich widersprüchliche Äußerungen keine Täuschungsabsicht verfolgen müssen, sondern appellativen Charakter haben.

5. Fazit: Das Fazit kritisiert die Fixierung des „Bullshit“-Konzepts auf Täuschung und fordert eine Einbeziehung der Rolle des Rezipienten für eine umfassendere sprachkritische Analyse.

Schlüsselwörter

Sprachkritik, Bullshit, Harry Frankfurt, Kommunikation, Politische Sprache, Diskursanalyse, Inszenierung, Sprechakttheorie, Referenzschreiben, Semantik, Pragmatik, Sprachbrauch, Medienkultur, Wahrheitsgehalt, Täuschungsabsicht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit der philosophischen „Bullshit“-Theorie von Harry Frankfurt auf die linguistische Sprachkritik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von politischer Kommunikation, dem Verständnis von Arbeitszeugnissen als verschlüsselte Texte und der medialen Darstellung persönlicher Lebenskrisen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die kritische Überprüfung der Trennschärfe und Anwendbarkeit des „Bullshit“-Konzepts bei der linguistischen Bewertung realer Kommunikationssituationen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es werden Ansätze der linguistischen Pragmatik, der Sprechakttheorie sowie Modelle zur Analyse politischer Inszenierungen angewandt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden drei spezifische Textbeispiele – Gerhard Schröders Auftritt in der „Berliner Runde“, ein Referenzschreiben und ein „Spiegel“-Artikel über Walter Kempowski – linguistisch analysiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Sprachkritik, Bullshit, Kommunikationskonflikt, Inszenierung und Sprechakt.

Wie bewertet der Autor die „Bullshit“-Konzeption nach Frankfurt?

Der Autor erkennt den Wert des Konzepts für die Medienkritik an, sieht jedoch eine Schwachstelle in der starken Fixierung auf die Täuschungsabsicht des Sprechers.

Warum wird das „Bullshit“-Konzept als unzureichend für Arbeitszeugnisse erachtet?

Weil in Zeugnissen eine komplexe, verschlüsselte Kommunikation stattfindet, bei der die Aussagen nicht inhaltsleer sind, sondern im Rahmen fachspezifischer Codes eine präzise, wenngleich indirekte Bedeutung transportieren.

Welche Rolle spielt der Empfänger der Kommunikation laut Autor?

Der Autor bemängelt, dass Frankfurt die Rolle des Rezipienten vernachlässigt, da für eine vollständige Analyse auch die Intentionen und Bedürfnisse des Empfängers berücksichtigt werden müssen.

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Details

Title
Harry Frankfurts Essay 'On Bullshit' als sprachkritischer Ansatz?
College
University of Trier
Grade
1,3
Author
Matthias Billen (Author)
Publication Year
2007
Pages
20
Catalog Number
V162178
ISBN (eBook)
9783640779840
ISBN (Book)
9783640780549
Language
German
Tags
Harry Frankfurts Essay Bullshit Ansatz
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Billen (Author), 2007, Harry Frankfurts Essay 'On Bullshit' als sprachkritischer Ansatz?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162178
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