Das Berichtswesen bildet das Rückgrat einer effektiven Unternehmenssteuerung und ist ein zentrales Element des modernen Controllings. In einer zunehmend komplexen und globalisierten Wirtschaft, wie sie insbesondere für innovative Medizintechnikunter-nehmen mit internationalen Standorten typisch ist, steigen die Anforderungen an die Qualität, Aktualität und Nachhaltigkeit von Managementinformationen stetig. Dies betrifft nicht nur die finanzielle Steuerung, sondern umfasst auch ökologische und soziale Aspekte, die im Rahmen von ESG-Reporting und regulatorischen Vorgaben wie der CSRD immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Wie Müller (2019) herausstellt, ist die Gestaltung des Berichtswesens dabei stets an die individuellen Gegebenheiten des Unternehmens anzupassen. Insbesondere für Unter-nehmen, die sich in etablierten Marktsegmenten bewegen und gleichzeitig neue Geschäftsfelder erschließen wollen, ist ein flexibles und skalierbares Reporting-System unerlässlich. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Integration digitaler Tools und die Automatisierung von Berichtsprozessen die Effizienz und Aussagekraft des Controllings erheblich steigern können.
Vor diesem Hintergrund verfolgt die vorliegende Arbeit das Ziel, ein zukunftsorientiertes und nachhaltiges Reporting für ein international tätiges Medizintechnikunternehmen zu konzipieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Grundlagen des Berichtswesens, die Differenzierung und Auswahl geeigneter Berichtstypen sowie die Entwicklung und Berechnung relevanter Kennzahlen unter der Berücksichtigung der Anforderungen an Nachhaltigkeit und Digitalisierung.
Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- Formelverzeichnis
- 1 Einleitung
- 1.1 Problemstellung und Zielsetzung
- 1.2 Aufbau der Arbeit
- 2 Grundlagen des Berichtswesens
- 2.1 Definition und Bedeutung des Berichtswesens im Controlling
- 2.2 Gestaltungsprinzipien eines effektiven Reportings
- 2.3 Informationsbreite und -tiefe im Reporting unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit
- 3 Berichtstypen im operativen Controlling
- 3.1 Standardberichte: Zielsetzung und Einsatzzwecke
- 3.2 Abweichungsberichte: Zielsetzung und Einsatzzwecke
- 3.3 Bedarfsberichte: Zielsetzung und Einsatzzwecke
- 3.4 Weitere Berichtstypen im Reporting
- 4 Kennzahlensystem im Medizintechnikunternehmen: Steuerung, Kontrolle und nachhaltige Unternehmensführung
- 4.1 Finanzorientierte Kennzahlen für das Medizintechnikunternehmen
- 4.1.1 Ertrags- und Rentabilitätskennzahlen
- 4.1.2 Liquiditäts- und Finanzkennzahlen
- 4.1.3 Kostenstruktur- und Effizienzanalysen
- 4.2 Nicht-finanzorientierte Kennzahlen und Nachhaltigkeitsindikatoren
- 4.2.1 Ökologische Kennzahlen
- 4.2.2 Soziale Kennzahlen
- 4.2.3 Governance-bezogene Kennzahlen
- 4.3 Grenzen und Herausforderungen bei der Kennzahlenauswahl
- 4.1 Finanzorientierte Kennzahlen für das Medizintechnikunternehmen
- 5 Praxisbeispiel: Umsetzung im Medizintechnikunternehmen
- 5.1 Auswahl und Begründung der zentralen Kennzahlen
- 5.2 Integration in das Berichtswesen
- 5.3 Nutzen und Mehrwert für die Unternehmenssteuerung
- 5.4 Gesamtbewertung der Kennzahlen
- 6 Fazit und Ausblick
- Anhang
- Anhang 1: Entwurf eines zukünftigen Kennzahlensystems in Excel
- Anhang 2: Präsentation an den Vorstand
- Anhang 2.1 - Einführungsfolie
- Anhang 2.2 - Zentrale finanzielle Kennzahlen 2025
- Anhang 2.3 - Nachhaltigkeits- und ESG-Kennzahlen
- Anhang 2.4 - Integration in das Berichtswesen
- Anhang 2.5 - Fazit & Ausblick
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, ein zukunftsorientiertes und nachhaltiges Reporting für ein international tätiges Medizintechnikunternehmen zu konzipieren. Dabei werden die Grundlagen des Berichtswesens, geeignete Berichtstypen sowie die Entwicklung und Berechnung relevanter Kennzahlen unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Digitalisierung in den Mittelpunkt gestellt.
- Grundlagen und Prinzipien des Berichtswesens im Controlling.
- Differenzierung und Anwendung verschiedener Berichtstypen (Standard-, Abweichungs- und Bedarfsberichte).
- Auswahl und Berechnung finanzorientierter Kennzahlen für Medizintechnikunternehmen.
- Integration von nicht-finanzorientierten Kennzahlen und Nachhaltigkeitsindikatoren (ESG).
- Herausforderungen und Grenzen bei der Kennzahlenauswahl und -integration.
- Praktisches Beispiel der Umsetzung eines Kennzahlensystems in der Medizintechnik.
Auszug aus dem Buch
2.3 Informationsbreite und -tiefe im Reporting unter Berücksichtigung der Nachhaltigkeit
Die Dimensionen Informationsbreite und Informationstiefe sind zentrale Kriterien für die Qualität und Wirksamkeit des Berichtswesens. Die Informationsbreite umfasst die Vielfalt der im Reporting berücksichtigten Themenfelder und Unternehmensbereiche. Sie reicht von traditionellen Finanzdaten über Leistungskennzahlen bis hin zu Informationen aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (ESG) (Loibner, 2022). Die Informationstiefe beschreibt den Detaillierungsgrad der bereitgestellten Informationen und entscheidet darüber, ob Berichte eher aggregiert oder sehr granular ausgestaltet sind (Weber, 2002).
Im modernen Controlling wird gefordert, dass das Berichtswesen nicht nur vergangenheitsorientierte Finanzdaten, sondern auch zukunftsgerichtete und nicht-finanzielle Informationen integriert (Horváth, 2012). Loibner (2022) hebt hervor, dass die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten wie CO2-Emissionen, Ressourcenverbrauch oder sozialen Kennzahlen die Steuerungsfähigkeit und Transparenz von Unternehmen maßgeblich verbessert. Bereits in den 2020er Jahren wurde deutlich, dass Nachhaltigkeitsaspekte nicht mehr als freiwillige Ergänzung, sondern als integraler und verbindlicher Bestandteil des Berichtswesens zu betrachten sind. Mit der Einführung der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist die Nachhaltigkeitsberichterstattung auf die gleiche Ebene wie die klassische Finanzberichterstattung gehoben worden und für zahlreiche Unternehmen verpflichtend geworden (International Group of Controlling, 2020).
Die Herausforderung liegt darin, eine ausgewogene Balance zwischen Übersichtlichkeit und Detailtiefe zu finden. Während das Management häufig auf aggregierte Kennzahlen angewiesen ist, benötigen Fachbereiche oft detaillierte Analysen auf Produkt-, Prozess- oder Standortebene (Weber & Linder, 2003). Zu viele Details können jedoch die Übersichtlichkeit beeinträchtigen und die Entscheidungsfindung erschweren (Küpper, 2013). Ein nachhaltigkeitsorientiertes Reporting verlangt zudem eine hohe Datenqualität und eine konsistente Verknüpfung von finanziellen und nicht-finanziellen Steuerungsgrößen. Nur so lassen sich Zielkonflikte, Synergien und Auswirkungen nachhaltiger Maßnahmen auf die Unternehmensperformance transparent machen (Horváth, 2012). Die Integration von Nachhaltigkeitskennzahlen in das bestehende Berichtswesen erfordert daher nicht nur neue Erfassungs- und Auswertungsprozesse, sondern auch eine Anpassung der IT-Systeme und eine enge Zusammenarbeit zwischen Controlling, Nachhaltigkeitsmanagement und weiteren Unternehmensbereichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung eines modernen, nachhaltigen Berichtswesens für Medizintechnikunternehmen ein und legt die Problemstellung sowie das Ziel der Arbeit dar, ein zukunftsorientiertes Reporting zu konzipieren.
2 Grundlagen des Berichtswesens: Dieses Kapitel erläutert die Definition und die fundamentalen Gestaltungsprinzipien eines effektiven Berichtswesens, einschließlich der Anforderungen an Informationsbreite, -tiefe und die Integration von Nachhaltigkeitsaspekten.
3 Berichtstypen im operativen Controlling: Es werden verschiedene Berichtstypen im operativen Controlling vorgestellt, darunter Standardberichte, Abweichungsberichte und Bedarfsberichte, sowie deren spezifische Zielsetzungen und Einsatzzwecke.
4 Kennzahlensystem im Medizintechnikunternehmen: Steuerung, Kontrolle und nachhaltige Unternehmensführung: Dieses Kapitel befasst sich mit der Auswahl und Anwendung finanzorientierter sowie nicht-finanzorientierter Kennzahlen, einschließlich ESG-Indikatoren, zur ganzheitlichen Steuerung eines Medizintechnikunternehmens. Es werden auch Grenzen und Herausforderungen bei der Kennzahlenauswahl diskutiert.
5 Praxisbeispiel: Umsetzung im Medizintechnikunternehmen: Hier wird anhand eines konkreten Beispiels die praktische Implementierung eines integrierten Kennzahlensystems in einem Medizintechnikunternehmen beschrieben, einschließlich der Auswahl, Begründung und Integration der zentralen Kennzahlen in das Berichtswesen.
Schlüsselwörter
Berichtswesen, Controlling, Kennzahlensystem, Medizintechnik, Nachhaltigkeit, ESG-Reporting, Finanzkennzahlen, Nicht-Finanzkennzahlen, Digitalisierung, Standardberichte, Abweichungsberichte, Bedarfsberichte, Unternehmenssteuerung, Transparenz, Effizienz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und Implementierung eines integrierten Kennzahlensystems für die nachhaltige Unternehmenssteuerung in einem Medizintechnikunternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind das Berichtswesen, Controlling, Kennzahlensysteme, Nachhaltigkeit (ESG), Digitalisierung und die spezifischen Anforderungen der Medizintechnikbranche.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, ein zukunftsorientiertes und nachhaltiges Reporting für ein international tätiges Medizintechnikunternehmen zu entwickeln, das finanzielle und nicht-finanzielle Kennzahlen unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit und Digitalisierung integriert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verfolgt einen konzeptionellen Ansatz, der theoretische Grundlagen des Berichtswesens mit der praktischen Entwicklung und exemplarischen Anwendung eines Kennzahlensystems in einer Fallstudie kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Grundlagen des Berichtswesens, verschiedene Berichtstypen, die Entwicklung eines Kennzahlensystems für Medizintechnikunternehmen (finanzielle und nicht-finanzielle Kennzahlen) und ein Praxisbeispiel zur Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Berichtswesen, Controlling, Kennzahlensystem, Medizintechnik, Nachhaltigkeit, ESG-Reporting, Finanzkennzahlen, Nicht-Finanzkennzahlen, Digitalisierung, Unternehmenssteuerung, Transparenz, Effizienz.
Warum ist die Berücksichtigung von ESG-Kriterien für Medizintechnikunternehmen besonders wichtig?
ESG-Kriterien sind wichtig, weil sie nicht nur regulatorisch gefordert sind (z.B. durch CSRD), sondern auch für die Wettbewerbsfähigkeit und Reputation von Unternehmen in einer innovationsgetriebenen und regulierten Branche entscheidend sind.
Welche Herausforderungen ergeben sich bei der Auswahl von Kennzahlen?
Herausforderungen umfassen die Vermeidung von Informationsüberflutung, die Sicherstellung der Datenqualität und Vergleichbarkeit nicht-finanzieller Kennzahlen, das Management von Zielkonflikten und die Verknüpfung mit übergeordneten Unternehmenszielen.
Welche Arten von Berichten werden im operativen Controlling unterschieden?
Im operativen Controlling werden hauptsächlich Standardberichte, Abweichungsberichte und Bedarfsberichte unterschieden, die jeweils spezifische Zielsetzungen und Einsatzzwecke haben.
Wie trägt die Digitalisierung zur Effektivität des Berichtswesens bei?
Die Digitalisierung ermöglicht eine effiziente Verarbeitung großer Datenmengen, automatisierte Analysen, flexible Anpassung von Berichten und eine verbesserte Visualisierung durch Tools wie Dashboards und Business-Intelligence-Lösungen, was die Transparenz und Entscheidungsfindung erheblich steigert.
- Citar trabajo
- Lynn Matthay (Autor), 2025, Integriertes Kennzahlensystem für nachhaltige Unternehmenssteuerung in einem Medizintechnikunternehmen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1622668