Dem Faktor Patient, oder auch Nutzer des Gesundheitssystems, wird in der gesundheitlichen Versorgung eine immer wichtigere Rolle zugeschrieben. In Bezug auf eine immer älter werdende Bevölkerung (vgl. Eisenmenger et al. 2006), einer erhöhten Prävalenz von chronisch degenerativen Erkrankungen (vgl. Tautz 2002) und der Verbreitung von Gesundheitsinformationen über das Internet (vgl. Schmidt-Kaehler 2005) verändert sich infolgedessen auch immer mehr die Kommunikation innerhalb der Arzt-Patienten-Beziehung. Folglich ist dieses Thema aus Public-Health-Perspektive, besonders im Zusammenhang mit möglichen primärpräventiven Ansätzen, von enormer Bedeutung.
Inwieweit sich der Prozess der zunehmenden Informationsflut von Gesundheitsinformationen auf die Gesellschaft und insbesondere auf die Arzt-Patienten-Beziehung in Deutschland auswirkt, soll in dieser Arbeit evaluiert werden.
Hierzu wird im zweiten Kapitel eine kurze Einführung über die definitorische Grundlage von E-Health gegeben um ein fundamentales Verständnis der hier beschriebenen Thematik darzulegen. Im Anschluss (Kapitel 3) wird die Korrelation zwischen dem sich wandelndem Gesundheits- und Krankheiskonzept und der Kommunikation in der Arzt-Patienten-Beziehung erläutert und an einem Schaubild (Abbildung 2) dargestellt. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit der Gesundheitskommunikation im Internet. Zu diesem Punkt werden die sozioökonomische Störfaktoren, die Vorteile versus Nachteile und die Qualitätsstandards ,der internetgestützten Gesundheitskommunikation, sowie der Stellenwert des Internets in der Gesellschaft diskutiert, um im Anschluss einen Experten-Ausblick auf das hier evaluierte Themenfeld zu geben (Kapitel 5). Abschließend (Kapitel 6) wird aus Public-Health-Perspektive ein Fazit abgegeben und ein möglicher Forschungsansatz, der die gegenwärtigen Dynamiken in Bezug auf die Arzt-Patienten-Beziehung, aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist E-Health?
3. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient vor dem Hintergrund sich wandelnder Gesundheits- und Krankheitskonzepte in der Gesellschaft
4. Health Communication und das Internet
4.1. Sozioökonomische Störfaktoren bei der Internetnutzung
4.2. Stellenwert der Gesundheitskommunikation in der Gesellschaft
4.3. Vor- versus Nachteile der Gesundheitskommunikation im Internet
4.4. Wie können hochwertige Qualitätsstandards gewährleistet werden?
5. Aussichten aufgrund der Delphi-Methode
6. Zusammenfassung und Konsequenzen
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit evaluiert, wie die zunehmende Informationsflut im Internet das deutsche Gesundheitssystem beeinflusst und inwieweit sie die Kommunikation innerhalb der Arzt-Patienten-Beziehung verändert. Ziel ist es, aus einer Public-Health-Perspektive zu beleuchten, wie diese Dynamik zu einer partnerschaftlichen Beziehung und einem gestärkten Patienten-Empowerment beitragen kann.
- Einfluss des Internets auf die Kommunikation zwischen Arzt und Patient
- Sozioökonomische Störfaktoren bei der Internetnutzung
- Qualitätssicherung und Zertifizierung medizinischer Informationen im Netz
- Die Rolle des Internets als Instrument zur Förderung der Gesundheitskompetenz
- Delphi-Expertenprognosen zur zukünftigen Arzt-Patienten-Beziehung
Auszug aus dem Buch
4.4. Wie können hochwertige Qualitätsstandards gewährleistet werden?
In den Jahren zwischen 1996 und September 2001 wurden 79 empirische Studien zu dem Thema ‚Qualität von Gesundheitsinformationen und Services für Patienten im Internet‘ veröffentlicht, von denen 55 (70%) zu dem Ergebnis gekommen sind, dass die aufgeführten Informationen hinter den geforderten Qualitätsanforderungen zurückblieben sind (vgl. Köhler & Eysenbach 2002; Schmidt-Kaehler 2003). Dieses Ergebnis steht jedoch in einem paradoxen Zusammenhang mit der Einschätzung der Nutzer, denn „nach einer Studie von Harris Interactive [...] (2002) halten 71 % der deutschen Gesundheitssurfer Gesundheitsinformationen im Internet für vertrauenswürdig“ (Schmidt-Kaehler 2003, S. 37). Diese Diskrepanz zwischen Vertrauen und qualitativen Beiträgen im Internet kann bei den Nutzern zu gravierenden Fehlinformationen führen, so dass die Arzt-Patienten-Beziehung gestört wird.
Um einen hochwertigen Qualitätsstandard bei medizinischen Informationen im Internet gewährleisten zu können, bedarf es einer zertifizierten und regulierten Struktur (vgl. Hebenstreit & Güntert 2001), die Informationen an den Nutzer verständlich, verlässlich und übersichtlich weiter gibt. Die Health On Net Foundation (HON) ist eine der ersten Organisationen, die versucht einheitliche Standards und Kriterien zur Qualitätssicherung aufzustellen. Diese schweizerische Initiative vergibt unter Beachtung ethischer Richtlinien das so genannten HON-Logo an Gesundheitsanbieter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die wachsende Bedeutung des Patienten und die veränderte Kommunikation durch das Internet dar und definiert das Ziel der Arbeit aus Public-Health-Sicht.
2. Was ist E-Health?: Dieses Kapitel definiert den Begriff E-Health als technologische und inhaltliche Schnittstelle zwischen Medizin und Internet sowie als neues Denkmodell in der Gesundheitsversorgung.
3. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient vor dem Hintergrund sich wandelnder Gesundheits- und Krankheitskonzepte in der Gesellschaft: Der Wandel von kurativer zu präventiver Medizin erfordert ein neues Verständnis der Arzt-Patienten-Beziehung, in der beide Seiten als Experten (Innen- und Außenwelt) agieren.
4. Health Communication und das Internet: Dieser Hauptteil analysiert die Internetnutzung, soziale Unterschiede, Vor- und Nachteile sowie die Notwendigkeit von Qualitätsstandards für Gesundheitsinformationen.
5. Aussichten aufgrund der Delphi-Methode: Basierend auf Expertenbefragungen wird ein Ausblick auf die nächsten 5-10 Jahre gegeben, wobei eine zunehmende partnerschaftliche Arzt-Patienten-Beziehung prognostiziert wird.
6. Zusammenfassung und Konsequenzen: Das Fazit fasst zusammen, dass das Internet das Patienten-Empowerment fördert, weist aber auf die Notwendigkeit nationaler und internationaler Qualitätsstandards hin.
7. Literaturverzeichnis: Hier werden alle in der Arbeit verwendeten Quellen und Internetverweise aufgeführt.
Schlüsselwörter
E-Health, Gesundheitskommunikation, Arzt-Patienten-Beziehung, Internet, Public Health, Empowerment, Qualitätsstandards, Gesundheitsinformationen, Patientenautonomie, Prävention, Online-Gesundheit, Telemedizin, Gesundheitsberatung, Sozioökonomische Faktoren, Patientenbeteiligung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Internet als Informationsmedium die Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten im deutschen Gesundheitssystem beeinflusst.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind E-Health, die sich wandelnden Gesundheitskonzepte der Gesellschaft, die Qualität von Online-Gesundheitsinformationen und die Rolle des Internets für Empowerment.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu evaluieren, wie eine internetgestützte Gesundheitskommunikation eine partnerschaftliche Arzt-Patienten-Beziehung fördern kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Prognosen verwendet?
Die Arbeit nutzt die Ergebnisse der Delphi-Methode, bei der führende Experten zu Thesen über die Zukunft der Arzt-Patienten-Beziehung befragt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert Sozioökonomische Störfaktoren bei der Internetnutzung, den Stellenwert der Gesundheitskommunikation sowie Vor- und Nachteile der Informationssuche im Netz.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind E-Health, Patienten-Empowerment, Gesundheitskommunikation und die Neugestaltung der Arzt-Patienten-Beziehung.
Welche Diskrepanz besteht laut der Arbeit bei der Nutzung von Gesundheitsinformationen im Netz?
Es besteht ein Paradoxon: Nutzer vertrauen Internetinformationen zu einem hohen Grad (71%), während zahlreiche Studien zeigen, dass viele Informationen qualitativ hinter den Anforderungen zurückbleiben.
Welche Rolle spielt die Health On Net Foundation (HON) in diesem Kontext?
Die HON ist eine Organisation, die durch die Vergabe eines Qualitätssiegels (HON-Logo) versucht, einheitliche Standards und ethische Richtlinien für Gesundheitsanbieter im Internet zu etablieren.
- Citation du texte
- B.A. PH Sebastian Sauer (Auteur), 2007, Health Communication in the course of time, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162285