Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Philosophie

Die Nahtoderfahrung und Schopenhauer

Ein metaphysischer Deutungsversuch

Titel: Die Nahtoderfahrung und Schopenhauer

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2025 , 55 Seiten

Autor:in: Florian Heinze (Autor:in)

Philosophie
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit dokumentiert eine frühe Phase eigenständiger Auseinandersetzung mit dem Werk Arthur Schopenhauers. Die Arbeit entwickelt eine systemimmanente Deutung von Nahtoderfahrungen im Rahmen der Philosophie Schopenhauers. Ausgangspunkt ist die Primärlektüre der Parerga und Paralipomena; die empirische Basis bilden ausgewählte, das Phänomen breit untersuchende Studien. Die entwickelte Deutung wurde mithilfe von Die Welt als Wille und Vorstellung auf Plausibilität geprüft. Der vorliegende Deutungsversuch beansprucht keine Beweiskraft, sondern bleibt ein spekulativer, interpretativer Ansatz.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

  • 1 Einleitung
  • 2 Das Phänomen der Nahtoderfahrung
  • 3 Der Tod bei Schopenhauer
    • 3.1 Schopenhauers Todesphilosophie
    • 3.2 Auflösung des individuellen Bewusstseins beim Tode
  • 4 Deutung der Nahtoderfahrung in Schopenhauers System
  • 5 Grundeigenschaften des Willens in Nahtoderfahrungen
    • 5.1 Zeit- und Raumlosigkeit
    • 5.2 Gefühl von Frieden
    • 5.3 Allwissenheit im Rahmen von Nahtoderfahrungen
    • 5.4 Göttliche Entitäten und bereits verstorbene Personen
    • 5.5 Terminale Übersetzung
  • 6 Kritische Diskussion
    • 6.1 Negativ erlebte Nahtoderfahrungen
    • 6.2 Über das Geistersehen
    • 6.3 Seltene Einzelfälle und methodische Einordnung
  • 7 Literaturdiskussion
    • 7.1 Allgemeine Einordnung
    • 7.2 Cherry: Self, Near-Death and Death (1984)
    • 7.3 Lawton: The Metaphysics of Near-Death Experience (2008)
      • 7.3.1 Lawtons Ansatz: Überblick und Gegenüberstellung
      • 7.3.2 Zusammenfassung und Verortung gegenüber meiner Untersuchung
      • 7.3.3 Kritische Betrachtung
    • 7.4 Zusammenfassung der hier behandelten Literatur
    • 7.5 Unterscheidung und Relevanz meines Deutungsversuches
    • 7.6 Ausblick
  • 8 Literatur- und Quellenverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit entwickelt eine systemimmanente Deutung von Nahtoderfahrungen im Rahmen der Philosophie Schopenhauers. Ausgangspunkt ist die Primärlektüre der Parerga und Paralipomena; die empirische Basis bilden ausgewählte, das Phänomen breit untersuchende Studien. Die entwickelte Deutung wurde mithilfe von Die Welt als Wille und Vorstellung auf Plausibilität geprüft. Die Nahtoderfahrung lässt sich dabei als Grenzphänomen deuten, in dem sich im Rahmen einer höchst subjektiven, durch den Intellekt vermittelten Übersetzung Grundeigenschaften dessen zeigen, was Schopenhauer dem Willen als Ding an sich zuschreibt. Dieses vom Autor entwickelte Philosophem wird „terminale Übersetzung“ genannt.

  • Systemimmanente Deutung von Nahtoderfahrungen im Kontext von Schopenhauers Philosophie.
  • Vergleich empirischer Merkmale von Nahtoderfahrungen mit Grundeigenschaften des Schopenhauerschen Willens.
  • Deutung der veränderten Zeitwahrnehmung, räumlicher Entgrenzung und des Friedens als Auflösungserscheinungen des Intellekts.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle negativ erlebter Nahtoderfahrungen und alternativen Deutungen.
  • Einführung und Begründung des Philosophems der „terminalen Übersetzung“.
  • Verortung des Deutungsversuchs im Vergleich zur bestehenden Forschungsliteratur.

Auszug aus dem Buch

Das Phänomen der Nahtoderfahrung

Zunächst möchte ich auf das allgemeine Wesen einer Nahtoderfahrung eingehen und das Phänomen in seinen Grundzügen beschreiben. Der Nahtod ist ein Phäno-men, welches Menschen während bestimmter Phasen des klinischen Todes erle-ben können. Das wissenschaftliche Interesse daran ist noch vergleichsweise jung. Erst durch das 1975 erschienene Buch Life after Life des US-amerikanischen Psy-chiaters und Philosophen Raymond A. Moody, der sich systematisch mit Nahtod-erfahrungen auseinandersetzte, gewann das Phänomen auch wissenschaftlich an Bedeutung. Typische Situationen, in denen Menschen von Nahtoderfahrungen be-richtet haben, sind Momente, in denen sie laut moderner Medizin bereits als tot galten, etwa bei einer Operation, in deren Verlaufe sie wiederbelebt werden muss-ten. Obwohl sie klinisch für tot befunden wurden, berichten Betroffene von Nah-toderfahrungen, im Rahmen derer sie Reize und Eindrücke wahrnehmen, was dem Konzept des Todes diametral entgegensteht. Im Folgenden sollen nun die Charak-teristika typischer Nahtoderfahrungen beschrieben werden. Dazu stütze ich mich auf durch wissenschaftliche Studien gewonnene Erkenntnisse, um eine möglichst solide empirische Grundlage für meine weitere Untersuchung zu schaffen. In der Regel berichten Menschen, die einen Nahtod erlebt haben, vom Verlassen ihres eigenen Körpers, so gibt es zum Beispiel einige Berichte von Betroffenen, die angaben, sich selbst im Operationssaal liegend zu sehen, während das Kranken-hauspersonal versucht hat, sie wiederzubeleben. Einige berichten sogar vom Ver-lassen unserer Realität. Oft sind solche Erfahrungen verbunden mit einem Gefühl von Frieden, Zeitlosigkeit und Wärme. Manche Betroffene berichten davon, mit einem alles einnehmenden weißen Licht konfrontiert zu werden und unendliche Liebe zu spüren. Andere wiederum berichten von längst verstorbenen Verwand-ten, die ihnen im während des Nahtodes wahrgenommenen Jenseits begegnen. Manche berichten auch von Begegnungen mit ihrem Schöpfer, so ist einigen Be-troffenen die von ihnen verehrte Gottheit erschienen. Häufig schaffen Nahtoder-fahrungen im erkennenden Intellekt der Betroffenen also ein Gefühl von Frieden und „Angekommensein“.

Im Folgenden sollen nun empirische Untersuchungen des oben von mir allgemein beschriebenen Phänomens kurz zusammengefasst werden. In der am 15.12.2001 in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichten Studie „Near-death experience in survivors of cardiac arrest: a prospective study in the Netherlands" untersuch-ten die Forscher Pim van Lommel, Ruud van Wees, Vincent Meyers und Ingrid Elfferich in einer prospektiven Langzeitstudie 344 Patienten, die nach einem Herzstillstand erfolgreich reanimiert worden waren. Von diesen berichteten 62 Patienten, also 18%, von einer Nahtoderfahrung, wobei 41 davon ein beson-ders tiefes Erlebnis hatten. Die berichteten Inhalte reichten von der Erfahrung des eigenen Todes über die Trennung vom Körper, das Durchschreiten eines Tun-nels, die Begegnung mit verstorbenen Verwandten bis hin zum Sehen eines hellen Lichts oder einer Lebensrückschau.

Was diese Studie so bedeutsam macht, ist weniger die Häufigkeit solcher Erleb-nisse, sondern vielmehr die empirisch nicht erfassbare Qualität der Erfahrungen. Die Autoren konnten keinerlei Korrelation zwischen den Nahtoderfahrungen und medizinischen Faktoren wie Sauerstoffmangel, Medikamentengabe oder Dauer der Bewusstlosigkeit feststellen. Dies stellt viele der gängigen neurobiologischen Erklärungsansätze infrage. Besonders bemerkenswert ist der dokumentierte Fall eines Patienten, der detailliert schildern konnte, wie ihm während klinischer Be-wusstlosigkeit im Operationssaal die Zahnprothese entnommen und wohin sie ge-legt wurde, eine Szene, die er physisch eigentlich nicht hätte wahrnehmen können.

Zusammenfassung der Kapitel

Kapitel 1 Einleitung: Stellt die Forschungsfrage, wie Nahtoderfahrungen im Rahmen von Schopenhauers Philosophie gedeutet werden können, und beschreibt den systemimmanenten Deutungsversuch.

Kapitel 2 Das Phänomen der Nahtoderfahrung: Beschreibt die allgemeinen Charakteristika von Nahtoderfahrungen anhand empirischer Studien und anekdotischer Berichte, einschließlich positiver und negativer Erlebnisse sowie deren Nachwirkungen.

Kapitel 3 Der Tod bei Schopenhauer: Skizziert Schopenhauers Todesphilosophie, insbesondere seine Ansichten über das Erlöschen des individuellen Bewusstseins und die Rolle des Willens als Ding an sich.

Kapitel 4 Deutung der Nahtoderfahrung in Schopenhauers System: Entwickelt die Hauptthese, dass Nahtoderfahrungen als Übergangsphänomen beim Zurückfallen des Intellekts in den Willen gedeutet werden können, und führt das Philosophem der „terminalen Übersetzung“ ein.

Kapitel 5 Grundeigenschaften des Willens in Nahtoderfahrungen: Analysiert detailliert spezifische Merkmale von Nahtoderfahrungen wie Zeit- und Raumlosigkeit, das Gefühl von Frieden, Allwissenheit und Begegnungen mit Entitäten im Kontext der Schopenhauerschen Willensphilosophie.

Kapitel 6 Kritische Diskussion: Reflektiert mögliche Einwände gegen die Deutung, insbesondere bezüglich negativ erlebter Nahtoderfahrungen und seltener Einzelfälle, und grenzt sich von Schopenhauers Ausführungen zum „Geistersehen“ ab.

Kapitel 7 Literaturdiskussion: Verortet den eigenen Deutungsversuch im Vergleich zur bestehenden Literatur, insbesondere zu den Ansätzen von Christopher Cherry und David Lawton.

Schlüsselwörter

Nahtoderfahrung, Schopenhauer, Metaphysik, Wille, Intellekt, principium individuationis, terminale Übersetzung, Zeitlosigkeit, Raumlosigkeit, Frieden, Allwissenheit, Todesphilosophie, empirische Studien, Deutungsversuch, Bewusstsein

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der metaphysischen Deutung von Nahtoderfahrungen im Rahmen der Philosophie Arthur Schopenhauers.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Philosophie Schopenhauers, die empirischen Phänomene von Nahtoderfahrungen und deren interpretative Verknüpfung sowie die Konzepte von Wille, Intellekt und individuellem Bewusstsein.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu untersuchen, wie sich das Phänomen der Nahtoderfahrung im Rahmen von Schopenhauers Philosophie deuten lässt, und dabei das Philosophem der „terminalen Übersetzung“ zu entwickeln.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verfolgt einen systemimmanenten, interpretativen Deutungsversuch auf Basis der Primärlektüre von Schopenhauers Spätschriften und ausgewählter empirischer Studien.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Schopenhauers Todesphilosophie erläutert, Nahtoderfahrungen als Übergangsphänomen gedeutet und deren Kernmerkmale (wie Zeitlosigkeit, Frieden, Allwissenheit) im Licht von Schopenhauers Willensphilosophie analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Nahtoderfahrung, Schopenhauer, Metaphysik, Wille, Intellekt, terminale Übersetzung, Zeitlosigkeit, Raumlosigkeit, Frieden, Allwissenheit.

Was versteht der Autor unter "terminaler Übersetzung"?

Der Autor versteht darunter ein Philosophem, das Nahtoderfahrungen als phänomenale Übersetzungen jener Grundeigenschaften des Willens deutet, die dem sich auflösenden Intellekt im Moment des klinischen Todes zuteilwerden.

Wie deutet die Arbeit die Phänomene der Zeit- und Raumlosigkeit bei Nahtoderfahrungen?

Die Arbeit deutet Zeit- und Raumlosigkeit als subjektive Eindrücke, die entstehen, weil Raum und Zeit als Erkenntniskategorien des Intellekts beim Auflösungsprozess desselben ihre Geltung verlieren.

Welche Rolle spielt Schopenhauers Begriff des "Willens" in der Deutung?

Der Wille wird als das Ding an sich, das eigentliche Wesen der Welt und der Daseinsgrund verstanden, in den das individuelle Bewusstsein beim Tode zurückfällt und dessen Grundeigenschaften sich in Nahtoderfahrungen spiegeln.

Warum werden negativ erlebte Nahtoderfahrungen in der Deutung nicht als Widerlegung betrachtet?

Negativ erlebte Nahtoderfahrungen werden als Ausdruck der individuellen Auflösung des Willens gedeutet, wobei der Weg zum letztendlichen Ziel, dem leidlosen Willen, subjektiv unterschiedlich empfunden werden kann.

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Nahtoderfahrung und Schopenhauer
Untertitel
Ein metaphysischer Deutungsversuch
Autor
Florian Heinze (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2025
Seiten
55
Katalognummer
V1622954
ISBN (PDF)
9783389153550
ISBN (Buch)
9783389153567
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schopenhauer Nahtoderfahrung Metaphysik Willensmetaphysik Philosophie Tod Todesphilosophie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Florian Heinze (Autor:in), 2025, Die Nahtoderfahrung und Schopenhauer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1622954
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  55  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum