Grin logo
de en es fr
Boutique
GRIN Website
Publier des textes, profitez du service complet
Aller à la page d’accueil de la boutique › Travail Social

Zur ambivalenten Beziehungsdynamik von Sucht

Titre: Zur ambivalenten Beziehungsdynamik von Sucht

Mémoire (de fin d'études) , 1997 , 72 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Harms Waldmann (Auteur)

Travail Social
Extrait & Résumé des informations   Lire l'ebook
Résumé Extrait Résumé des informations

Das Menschen-gesellschaftliche Leben erfordert zum einen definitiv die Beziehungsaufnahme, zum anderen bleibt die geheime Sehnsucht nach der unerfahrbaren, einer bisher nicht dagewesenen, also in diesem Sinne nicht abhängigen und ungekannten Existenz des Einzelnen.

Diese Sehnsucht drückt sich heute in vielfältigen Formen gesuchter oder erlebter Grenzerfahrungen über kulturelle, soziale und mentale Unterschiede hinaus aus. - Die Erfahrung als solche ist eine individuelle, denn sie wird jeweils allein gemacht; deshalb hat sie isolierenden Charakter und stellt keine solide Grundlage für ein über die Erlebnisgrenze des Einzelnen hinausreichendes Beziehungsangebot dar.

Im menschlichen Erleben der heutigen Zeit entsteht zunehmend eine Dynamik, die sich zwischen Individualerlebnis und Beziehungskonstrukt bewegt, wobei letzteres eben die Hinwendung zum Anderen, zum Fremden, zum Nicht-Eigenen unbedingt erfordert und damit in völligem Gegensatz zum Individualerlebnis steht. Das Individualerlebnis erfährt nun im Zuge zunehmender Isolations- und Vereinzelungserscheinungen in der Gesellschaft eine symbolische Verstärkung.

Die oben benannten Vorgänge, Beobachtungen und Erfahrungen werden in den einzelnen Kapiteln literarisch bearbeitet um dem gewählten Arbeitstitel „Zur ambivalenten Beziehungsdynamik von Sucht“ gerecht zu werden. Ziel ist es, die Sichtweise des Begriffs der Sucht abzuwandeln und vielleicht eine neue Dimension für ihr Verständnis zu eröffnen. Das von der Sucht beeinflusste menschliche Beziehungsgeschehen wird eingehend untersucht, und die Bedeutung des Themas Sucht in seiner gesamtgesellschaftlichen Dimension dargestellt.

Den Begriff der Ambivalenz wird sowohl im psychologischen Sinne für »einander entgegen gesetzte Gefühle«, als auch im Sinne von »Doppelwertigkeit« und »Zwiespältigkeit« verwendet. Ein Hauptaugenmerk soll dabei auf die im Suchtgeschehen etablierten Widersprüche gerichtet werden, die letztlich den Zwiespalt im Beziehungsgeschehen des Menschen ausmachen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Konstitution von Beziehung

2.1. Darstellung des Subjekt-Objekt-Verhältnisses

2.2. Das Eltern-Kind-Verhältnis und seine Bedeutung für die Beziehungsfähigkeit des Menschen

2.3. Das Mensch-Welt-Verhältnis als Sozialisationsleistung

2.4. Lust und Unlust als Antagonismus

3. Zur Pathogenese von Sucht

3.1. Zur Definition von Sucht

3.1.1. Etymologischer und philosophischer Ansatz

3.1.2. Psychologischer Ansatz (nach S.Scheerer)

3.1.2.1 Der Ansatz der Objektbeziehungs-Theorie

3.1.3. Ableitung und Folgerung

3.2. Sucht und der Krankheitsbegriff

3.2.1. Sucht als abweichendes Verhalten

4. Der Süchtige als Objekt

4.1. Rauscherleben als Abtrennung der Wirklichkeit?

4.1.1. Subjektivität des Rauscherlebens

4.2. Sehn-Sucht

4.3. Droge und Ritual

5. Die süchtige Beziehungsgestaltung

5.1. Objektfixierung und Isolation

5.2. Symbiose

5.3. Co-Abhängigkeit

6. Narzißmus als Form moderner Selbst-Sucht

7. Drogen, Sucht und Tabu

8. Der Begriff der psychischen Krankheit

9. Zur Therapierbarkeit von Sucht

9.1. Sucht-Hilfe im Sucht-System

9.1.1. Sucht-Hilfe als Form der Hilfs-Sucht

9.2. Soziale Arbeit als Entwicklungshemmung

9.3. Eine produktive Hilfe-Konzeption

9.3.1. Abgewandeltes Klärungsmodell für Veränderungsprozesse

9.3.2. Mögliche Lern- und Handlungsalternativen

10. Schlusswort – Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ambivalente Beziehungsdynamik bei Suchterkrankungen. Ziel ist es, den Begriff der Sucht jenseits klassischer Stigmatisierungen neu zu definieren und als Symptom gesamtgesellschaftlicher Bedingungen sowie als individuelle Bewältigungsstrategie im Spannungsfeld zwischen Subjekt und Objekt zu analysieren.

  • Beziehungsdynamiken zwischen Individuum und Gesellschaft
  • Die Sucht als Ausdruck von Ambivalenz und Identitätsstörung
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbegriff in der Psychiatrie
  • Interdependenz von Suchtverhalten und Co-Abhängigkeit
  • Konzepte für eine produktive, systemübergreifende Suchthilfe

Auszug aus dem Buch

3.1.1. Etymologischer und philosophischer Ansatz

Schon die Abstammung des Wortes Sucht legt das vornehmlich krankhaft abweichende nahe: Das alt- und mittelhochdeutsche Substantiv »suht« (Krankheit) ist eine ablautende Bildung zu dem Verb »sioh« bzw. »siech« (krank sein). Erst das neuhochdeutsche Sprachgefühl hat das etymologisch undurchsichtige Wort mit dem Sinngehalt des Suchens verknüpft. (Duden/Etymologie, 1963: 694). Mag das Suchen hedonistisch motiviert sein (positive psychische Effekte im Rauscherleben), dominieren im Fliehen destruktive Momente (so Betäubung mit dem Ziel der Realitätsflucht). Der Suchende protestiert mit der Intensivierung seiner Gefühlserlebnisse zugleich gegen eine ihn nach seinem Gefühl zu sehr einengende oder zu sehr beschneidende Realität und Normalität. Der Fliehende betäubt oder zerstört die in ihm lagernden psychischen Energien in einer Art Identifikation mit dem »Angreifer«. Dieser ist hierbei die subjektiv zu verarbeitende Realität des Fliehenden. Ein Bewußtsein von der eigenen Realität wird geschaffen, welches u.U. in einen Zwang zur Flucht mündet. Das lust- und genußvolle Suchen als taxierendes Sehnen, schlägt um in fliehende Abwehr mit kompensatorischem Charakter.

"Die Erfüllung eines solchen Triebes wie der Sucht kann nicht wirklich entworfen werden", schreibt die amerikanische Literaturwissenschaftlerin A. Ronell bei der Analyse von Heideggers »Sein und Zeit«. "Während sie auf die Unmittelbarkeit des Verlangens antwortet, kommt sie als Überfall aus dem Hinterhalt an. (...) Das süchtige Dasein bringt ein Unverständnis mit sich, als ob dieser Mangel zum Dasein hinzugefügt worden wäre. Während das Dasein auf der Flucht und sich-vorweg-ist ohne Zeit zum Denken, hat sich das Inder-Welt-Sein in Haltlosigkeit (inertia) verloren, weil es nur an das, was ihm zur Verfügung steht, gebunden ist. Dies ist der Ort, an dem das Inder-Welt-Sein der radikalen Unzulänglichkeit begegnet, während es beginnt, sich realer Möglichkeiten zu verschließen." (Ronell, 1994: 56).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Spannungsfeld zwischen Individualerlebnis und Beziehungskonstrukt als Ausgangspunkt der Suchtproblematik.

2. Zur Konstitution von Beziehung: Untersuchung der Grundlagen menschlicher Beziehungsfähigkeit und der Subjekt-Objekt-Konstituierung.

3. Zur Pathogenese von Sucht: Kritische Analyse der Suchtdefinition sowie des medizinischen Krankheitsbegriffs im gesellschaftlichen Kontext.

4. Der Süchtige als Objekt: Erläuterung des Rauscherlebens und der Sehn-Sucht als Formen der Abgrenzung von der Realität.

5. Die süchtige Beziehungsgestaltung: Darstellung pathologischer Beziehungsmuster wie Symbiose und Co-Abhängigkeit.

6. Narzißmus als Form moderner Selbst-Sucht: Untersuchung der Ich-Bezogenheit als historisches Ergebnis gesellschaftlicher Spaltungen.

7. Drogen, Sucht und Tabu: Analyse des Umgangs mit Drogen als gesellschaftlich organisiertes Tabu.

8. Der Begriff der psychischen Krankheit: Reflexion über die Rolle der Psychiatrie bei der gesellschaftlichen Ausgrenzung.

9. Zur Therapierbarkeit von Sucht: Hinterfragung der klassischen Suchthilfe und Entwurf alternativer, produktiver Konzepte.

10. Schlusswort – Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Ambivalenz als Chance für menschliche Entwicklung.

Schlüsselwörter

Sucht, Beziehungsdynamik, Objektbeziehungstheorie, Suchthilfe, Co-Abhängigkeit, Narzißmus, Subjekt-Objekt-Verhältnis, Psychische Krankheit, Ambivalenz, Sozialisation, Identität, Sucht-System, Selbstwahrnehmung, Rauscherleben.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Diplomarbeit untersucht die ambivalente Beziehungsdynamik bei Abhängigkeitserkrankungen und hinterfragt dabei kritisch, wie Sucht durch gesellschaftliche Bedingungen entsteht und aufrechterhalten wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf die Schnittpunkte zwischen Sucht, menschlichen Beziehungen, Sozialisation, narzisstischen Störungen sowie den Methoden der Sozialarbeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist eine Neudefinition des Suchtbegriffs als symptomatische Reaktion auf eine entfremdete Gesellschaft und die Entwicklung alternativer Ansätze für die Suchthilfe.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der psychoanalytische Theorien, systemtheoretische Überlegungen und philosophische Diskurse zu einer Synthese vereint.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Sucht als Subjekt-Objekt-Problematik, die Rolle des Narzissmus in der modernen Gesellschaft sowie die verfestigten Strukturen in der bestehenden Drogenhilfe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Sucht, Ambivalenz, Beziehungsdynamik, Narzissmus, Co-Abhängigkeit und Suchthilfe.

Wie bewertet der Autor den Begriff "Sucht" als Krankheit?

Der Autor steht dem Krankheitsbegriff kritisch gegenüber und betrachtet Sucht eher als ein systemkonformes, gesellschaftlich produziertes Symptom, das zur Aufrechterhaltung bestehender Ordnungsmuster dient.

Warum spielt das Konzept der "Co-Abhängigkeit" eine so wichtige Rolle?

Co-Abhängigkeit wird als Ausdruck einer tiefen gesellschaftlichen Verstrickung gesehen, bei der nicht nur der Süchtige, sondern auch sein soziales Umfeld an der Aufrechterhaltung des suchtzentrierten Systems beteiligt ist.

Fin de l'extrait de 72 pages  - haut de page

Résumé des informations

Titre
Zur ambivalenten Beziehungsdynamik von Sucht
Université
Alice Salomon University of Applied Sciences Berlin AS  (FB Sozialarbeit / Sozialpädagogik)
Cours
Projektseminar: »Gesellschaft und Abhängigkeitserkrankungen« im Schwerpunktbereich I
Note
1,0
Auteur
Harms Waldmann (Auteur)
Année de publication
1997
Pages
72
N° de catalogue
V1622
ISBN (ebook)
9783638110068
ISBN (Livre)
9783638686563
Langue
allemand
mots-clé
Beziehungsdynamik Sucht Abhängigkeitserkrankungen« Ambivalenz Co-Abhängigkeit Suchthilfe Sozialarbeit Suchtkrankenhilfe Krankheitsbegriff Krankheit Veränderung Subjekt Objekt Objektbeziehung Sozialisation Droge Ritual Objektfixierung Symbiose Narzissmus Tabu Veränderungsprozess Entwicklungshemmung Objektbeziehungs-Theorie Rausch
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Harms Waldmann (Auteur), 1997, Zur ambivalenten Beziehungsdynamik von Sucht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1622
Lire l'ebook
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
  • Si vous voyez ce message, l'image n'a pas pu être chargée et affichée.
Extrait de  72  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Expédition
  • Contact
  • Prot. des données
  • CGV
  • Imprint
  • Révoquer le contrat