Die Architektur von Fußballstadien hat nachweislich Einfluss auf Zuschauerzahlen, Atmosphäre und die wirtschaftliche Entwicklung von Profivereinen. Empirische Studien zeigen, dass monofunktionale Fußballstadien (ausschließlich für Fußball ausgelegt) im Vergleich zu multifunktionalen Arenen deutlich höhere Zuschauerzahlen und Mehreinnahmen generieren. So belegt Maennig (2013), dass reine Fußballarenen durchschnittlich 2800 Zuschauer mehr pro Saison verzeichnen – ein Plus von rund 10,7 %. Langfristig steigert der sogenannte „Arena-Effekt“ die Zuschauerzahlen sogar um durchschnittlich 47600 pro Saison. Verantwortliche betonen zudem qualitative Vorteile wie bessere Akustik, Spielfeldnähe und intensivere Stimmung.
Vor diesem Hintergrund verfolgt Hertha BSC seit den 1990er-Jahren das Ziel, ein eigenes Fußballstadion zu errichten. Bereits im Zuge der Bewerbung Berlins für die Olympischen Spiele 2000 wurde über Alternativen zum Olympiastadion diskutiert. Hertha plädierte damals für ein reines Fußballstadion auf dem Olympiagelände. Der Denkmalschutz sowie der Anspruch auf Multifunktionalität verhinderten jedoch einen Umbau des historischen Stadions. Auch nach der umfassenden Sanierung in den 2000er-Jahren blieb der Wunsch nach einer eigenen Arena bestehen.
2017 konkretisierte Hertha unter dem Motto „Steil, nah, laut“ die Pläne für ein eigenes Stadion mit rund 55.000 Plätzen. Hauptgründe waren die unzureichende Atmosphäre im weitläufigen Olympiastadion, die geringe Auslastung (ca. 64 %) sowie die hohen Mietkosten. In einer Standortanalyse wurden über 50 Optionen geprüft. Trotz attraktiver Alternativen wie dem Brandenburg Park blieb das Olympiagelände die bevorzugte Lösung – vorausgesetzt, der Berliner Senat unterstützt das Vorhaben.
Zahlreiche Initiativen, darunter eine Fanpetition mit über 17.000 Unterschriften (2019), konnten jedoch keine abschließende Standortentscheidung herbeiführen. Der Olympiapark überzeugt zwar infrastrukturell, aber Denkmal- und Umweltschutz sowie wirtschaftliche Interessen Berlins stehen einer Umsetzung entgegen.
Inhaltsverzeichnis
- Gender-Hinweis
- Abbildungsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 1.1. Problemstellung und Relevanz.
- 1.2. Zielsetzung und Forschungsfragen.
- 1.3. Methodik und Aufbau der Arbeit
- 2. Theoretische Grundlagen.
- 2.1. Sport- und Stadtpolitik: Begriffe und theoretische Grundlagen.
- 2.1.1. Sportpolitik
- 2.1.2. Stadtpolitik
- 2.2. Entwicklung von Stadien und Funktionen moderner Arenen
- 2.3. Bedeutung von Fußballstadien für Stadt, Vereine und Fans
- 2.3.1. Bedeutung von Fußballstadien für die Stadt.
- 2.3.2. Bedeutung von Fußballstadien für Vereine
- 2.3.3. Bedeutung von Fußballstadien für die Fans
- 2.4. Politische Entscheidungsprozesse bei Großprojekten
- 2.1. Sport- und Stadtpolitik: Begriffe und theoretische Grundlagen.
- 3. Sportpolitische Herausforderungen
- 3.1. Bedeutung eines eigenen Stadions für Hertha BSC
- 3.2. Die Rolle von Hertha BSC im politischen Prozess
- 3.3. Die Rolle der Initiative „Blau-Weißes Stadion!"
- 3.4. Verhandlungsprozesse zwischen Verein und Politik.
- 3.5. Vergleich mit Stadionneubauten anderer Vereine.
- 3.5.1. SC Freiburg
- 3.5.2. FC Bayern München.
- 3.5.3. VfB Stuttgart
- 3.5.4. Eintracht Frankfurt
- 4. Stadtpolitische Herausforderungen
- 4.1. Standortwahl und infrastrukturelle Auswirkungen.
- 4.2. Denkmalschutz im Olympiapark.
- 4.3. Finanzierung und öffentliche Mittel
- 4.4. Akteurslandschaft und Interessenskonflikte.
- 4.4.1. Die Rolle des Berliner Senats
- 4.4.2. Die Rolle des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf.
- 4.4.3. Einfluss von lokalen Akteuren
- 4.4.4. Übersicht der beteiligten Akteure im Konflikt.
- 5. Fazit
- 5.1. Beantwortung der Forschungsfragen.
- 5.2. Handlungsempfehlungen und Lösungsansätze für Politik und Verein.
- 5.3. Ausblick auf die weitere Entwicklung.
- 6. Literaturverzeichnis
- 6.1. Dokumente
- 6.2. Internetquellen.
- 6.3. Literaturquellen
Zielsetzung & Themenfelder
Diese Arbeit untersucht systematisch die stadt- und sportpolitischen Herausforderungen im Kontext des geplanten Stadionneubaus von Hertha BSC. Sie beleuchtet die komplexen Interessenlagen und Strategien verschiedener Akteure sowie die planerischen, rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen von urbanen Großprojekten.
- Analyse der sportpolitischen Interessen von Hertha BSC im Einklang mit Berlins stadtpolitischen Anforderungen.
- Identifikation und Untersuchung der Rollen und Interessen zentraler Akteure im Konflikt um den Stadionneubau.
- Erarbeitung zukünftiger Strategien zur nachhaltigen Vereinigung der Interessen von Verein, Stadtpolitik und Zivilgesellschaft.
- Beleuchtung der Bedeutung und Entwicklung moderner Fußballstadien im urbanen Kontext.
- Untersuchung von Finanzierungsmodellen und der Rolle öffentlicher Mittel bei Stadionprojekten.
- Betrachtung von Denkmalschutz und infrastrukturellen Auswirkungen bei der Standortwahl im Olympiapark.
Auszug aus dem Buch
Problemstellung und Relevanz
Die Architektur von Fußballstadien beeinflusst maßgeblich Zuschauerzahlen, Atmosphäre und wirtschaftliche Entwicklung von Profivereinen. Empirische Studien belegen, dass monofunktionale Fußballarenen (speziell für Fußball konzipierte Stadien) signifikant höhere Zuschauerzahlen generieren als multifunktionale Stadien. Maennig (2013: 45) wies nach, dass reine Fußballstadien durchschnittlich 2.800 Zuschauer mehr pro Saison (Zuwachs von 10,7 %) anziehen. Neben kurzfristigen Neuheitseffekten entfaltet der sogenannte „Arena-Effekt“ auch langfristig eine positive Wirkung: durchschnittlich 47.600 zusätzliche Zuschauer pro Saison und signifikante Mehreinnahmen. Vereinsverantwortliche betonen qualitative Vorteile von monofunktionalen Arenen, wie eine bessere Akustik, die Nähe zum Spielfeld und eine intensivere Atmosphäre.
Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich auch der Berliner Fußballverein Hertha BSC seit Jahren mit der Frage einer eigenen monofunktionalen Fußballarena. Bereits im Rahmen der Bewerbung für die Olympischen Spiele 2000 wurde über die Zukunft des damals maroden Olympiastadions diskutiert. Dabei standen drei Varianten im Fokus: ein kompletter Neubau, ein Umbau unter Erhalt der denkmalgeschützten Fassade oder die Stilllegung des Stadions zugunsten eines Neubaus auf dem Maifeld. Hertha BSC sprach sich bereits damals für ein reines Fußballstadion auf dem Olympiagelände aus (Jahn 2011: 343). Argumente wie Denkmalschutz und Multifunktionalität stehen einem Umbau des Olympiastadions Berlin entgegen. Trotz der umfassenden Modernisierung des Olympiastadions in den frühen 2000er-Jahren blieb die Diskussion um eine spezifische Fußballarena aktuell (Odenthal 2021).
Im Jahr 2017 konkretisierte Hertha BSC den Wunsch, unter dem Motto „Steil, nah, laut – Hertha Fußballarena“, bis zum 133. Vereinsgeburtstag im Jahr 2025 ein reines Fußballstadion mit rund 55.000 Plätzen im Olympiapark zu errichten. Die Gründe sind vielfältig: eine zu geringe Auslastung im viel zu großen Olympiastadion (rund 64 %), die große Distanz zum Spielfeld, die jährliche Miete in Millionenhöhe. Eine neue Arena soll neben einer besseren Auslastung auch eine intensivere, emotionalere Atmosphäre und neue Vermarktungsmöglichkeiten für den Verein bieten (Hertha BSC 2017; Grimm 2019).
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema des geplanten Stadionneubaus von Hertha BSC ein, erläutert die Problemstellung und Relevanz des Themas, formuliert die Zielsetzung und Forschungsfragen und beschreibt die Methodik sowie den Aufbau der Arbeit.
Kapitel 2: Theoretische Grundlagen: Hier werden die theoretischen Fundamente der Sport- und Stadtpolitik dargelegt, die Entwicklung und Funktionen moderner Stadien beleuchtet sowie die Bedeutung von Fußballstadien für Stadt, Vereine und Fans und politische Entscheidungsprozesse bei Großprojekten erörtert.
Kapitel 3: Sportpolitische Herausforderungen: Dieses Kapitel analysiert die spezifischen sportpolitischen Herausforderungen für Hertha BSC, einschließlich der Bedeutung eines eigenen Stadions, der Rolle des Vereins im politischen Prozess, der Faninitiative „Blau-Weißes Stadion!“, der Verhandlungsprozesse mit der Politik und vergleicht das Projekt mit Stadionneubauten anderer Vereine.
Kapitel 4: Stadtpolitische Herausforderungen: Es werden die stadtpolitischen Herausforderungen untersucht, wie die Standortwahl und ihre infrastrukturellen Auswirkungen, der Denkmalschutz im Olympiapark, die Finanzierung und die Rolle öffentlicher Mittel sowie die Akteurslandschaft und Interessenskonflikte der beteiligten Parteien.
Kapitel 5: Fazit: Das abschließende Kapitel beantwortet die Forschungsfragen, leitet Handlungsempfehlungen und Lösungsansätze für Politik und Verein ab und gibt einen Ausblick auf die weitere Entwicklung des Stadionprojekts.
Schlüsselwörter
Hertha BSC, Stadionneubau, Berlin, Sportpolitik, Stadtpolitik, Olympiapark, Denkmalschutz, Finanzierung, Großprojekte, Stakeholder, Konfliktmanagement, Bürgerbeteiligung, Infrastruktur, Nachhaltigkeit, Stadionentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die komplexen stadt- und sportpolitischen Herausforderungen im Kontext des geplanten Stadionneubaus von Hertha BSC in Berlin, beleuchtet die Interessen verschiedener Akteure und analysiert planerische, rechtliche sowie ökonomische Rahmenbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themenfelder sind die Sport- und Stadtpolitik in Berlin, die Entwicklung und Bedeutung moderner Fußballstadien, Finanzierungsmodelle für Großprojekte, Denkmalschutzfragen im Olympiapark, die Rolle unterschiedlicher Stakeholder sowie die damit verbundenen Konflikte und Verhandlungsprozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die stadt- und sportpolitischen Herausforderungen beim Stadionneubau von Hertha BSC systematisch zu untersuchen. Die Forschungsfragen konzentrieren sich darauf, wie sportpolitische Interessen mit stadtpolitischen Anforderungen vereinbar sind, welche Akteure den Planungsprozess beeinflussen und wie zukünftige Strategien die Interessen aller Beteiligten nachhaltig vereinen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem qualitativen Forschungsansatz, der eine dokumentarische Analyse politischer und medialer Quellen (z.B. Sitzungsprotokolle, Medienberichte, Sekundärliteratur) nutzt. Die Auswertung erfolgt mittels qualitativer Inhaltsanalyse, um zentrale Argumentationslinien, Konfliktpunkte und Machtverhältnisse herauszustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil der Arbeit thematisiert theoretische Grundlagen der Sport- und Stadtpolitik, die Bedeutung und Entwicklung von Stadien, sportpolitische Herausforderungen für Hertha BSC, einschließlich der Rolle des Vereins und von Faninitiativen, sowie stadtpolitische Herausforderungen wie Standortwahl, Denkmalschutz und Finanzierung, inklusive der Akteurslandschaft und Interessenskonflikte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Schlüsselwörter wie Hertha BSC, Stadionneubau, Berlin, Sportpolitik, Stadtpolitik, Olympiapark, Denkmalschutz, Finanzierung, Großprojekte, Stakeholder, Konfliktmanagement, Bürgerbeteiligung, Infrastruktur, Nachhaltigkeit und Stadionentwicklung charakterisiert.
Warum ist der Olympiapark ein bevorzugter, aber auch problematischer Standort für das neue Stadion?
Der Olympiapark ist für Hertha BSC aufgrund seiner bestehenden Infrastruktur und Verkehrsanbindung der bevorzugte Standort. Er ist jedoch problematisch wegen strenger Denkmalschutzauflagen, ökologischer Bedenken, möglicher Lärm- und Verkehrsbelastungen für Anwohner sowie der Notwendigkeit, die wirtschaftliche Nutzung des bestehenden Olympiastadions sicherzustellen.
Welche Rolle spielt die Faninitiative „Blau-Weißes Stadion!“ in diesem Prozess?
Die Faninitiative „Blau-Weißes Stadion!“ setzt sich aktiv für den Neubau eines eigenen Stadions im Olympiapark ein. Sie fördert den Dialog zwischen Verein, Politik und Fans durch Petitionen und Gesprächsrunden, betont die emotionale Bedeutung eines eigenen Stadions und fordert eine rein private Finanzierung, um öffentliche Mittel zu schonen.
Wie wird die Finanzierung des geplanten Stadions von Hertha BSC angestrebt?
Hertha BSC strebt eine vollständig private Finanzierung durch Eigenmittel, langfristige Anleihen mit Eigenkapitalcharakter und Hypothekendarlehen an. Auch der Verkauf von Fan-Anleihen ist eine Option. Der Verein distanziert sich ausdrücklich von öffentlichen Mitteln und plant eine Pachtlösung für das Grundstück im Olympiapark.
Welche Kompromisslösungen werden diskutiert, um die Interessen der Beteiligten zu vereinen?
Kompromisslösungen beinhalten die Reduktion der Stadionkapazität, die Wahl eines Standorts mit geringeren Eingriffen in Denkmalschutz und Umwelt (z.B. das Reiterstadion an der Jesse-Owens-Allee), eine gestalterische Integration des Neubaus in das denkmalgeschützte Umfeld und die Mitgestaltung eines Nachnutzungskonzepts für das Olympiastadion durch Hertha BSC.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2025, Das neue Stadion von Hertha BSC und die Berliner Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1623456