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Die Rolle der Erbschaftsteuer bei der sozialen Ungleichheit (Vermögensungleichheit)

Eine Analyse ihrer Rolle und Bedeutung

Title: Die Rolle der Erbschaftsteuer bei der sozialen Ungleichheit (Vermögensungleichheit)

Term Paper , 2025 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Maximilian Braun (Author)

Law - Civil / Private / Family Law / Law of Succession
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Die Arbeit widmet sich der Frage, inwieweit die Erbschaftsteuer ein geeignetes Instrument zur Abmilderung sozialer Ungleichheit in Deutschland darstellt und ob Reformvorschläge aus Literatur und Politik zu einer gerechteren Vermögensverteilung beitragen können. Grundlage ist eine Literaturauswertung, die zunächst den Begriff sozialer Gleichheit sowie die empirische Datenlage zur Vermögensungleichheit beleuchtet. Anschließend werden die Systematik und verfassungsrechtlichen Grundlagen der Erbschaftsteuer dargestellt, bevor Kritikpunkte und Reformansätze näher untersucht werden. Ziel ist es, die Wirksamkeit der Erbschaftsteuer im Kontext der sozialen Gerechtigkeit zu bewerten und mögliche Perspektiven für ihre Weiterentwicklung aufzuzeigen.

Excerpt

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Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Ungleichheit

3. Besteuerung von Erbschaften

4. Kritik und Reformvorschläge

5. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis


Abbildungsverzeichnis

 

Abbildung 1 – Gini-Koeffizient des Haushaltsvermögens

Abbildung 2 – Nettovermögen in Deutschland

Abbildung 3 – Festgesetztes geerbtes und geschenktes Vermögen

Abbildung 4 – Steuerspirale 2023

Abbildung 5 – Steuersätze

Abbildung 6 – Persönliche Freibeträge

Abbildung 7 – Versorgungsfreibeträge

1. Einleitung

 

Mehr denn je stellt sich aktuell die Frage nach einer gerechten Vermögensverteilung in Deutschland. So beurteilen laut einer Umfrage des ZDF-Politbarometers von Mitte September 2023 rund 63% der Befragten die soziale Gerechtigkeit in Deutschland als ungerecht. Nur rund 36% sahen sie hingegen als gerecht an (Statista, 2023).

 

Die Verteilung von Vermögen ist dabei ein zentraler Indikator für soziale Ungleichheit in einer Gesellschaft. In Deutschland besitzen die oberen 10 % der Bevölkerung einen Großteil des Gesamtvermögens, während ein erheblicher Anteil der Bevölkerung kaum oder gar kein Vermögen aufweist. Eine besondere Rolle spielt dabei die Erbschaft, die als Hauptquelle der Vermögensakkumulation innerhalb bestimmter Gesellschaftsgruppen gilt. Die Erbschaftsteuer soll dazu dienen, Vermögensübergange fiskalisch zu erfassen, Vermögensakkumulation abzumildern und potenziell zur Reduzierung sozialer Ungleichheit beizutragen.

Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen einer Literaturauswertung die nachfolgende Forschungsfrage untersucht werden:

 

Inwieweit ist die Erbschaftsteuer ein wirksames Mittel zur Abmilderung sozialer Ungleichheit und inwieweit können in der Literatur aufgezeigte Reformvorschläge zu einer gerechteren Vermögensverteilung führen?

 

Im Kapitel 2 wird hierzu zunächst der Begriff der sozialen Gleichheit (Kapitel 2.1) und die empirische Datenlage (Kapitel 2.2) mit dem Schwerpunkt „Vermögenungleichheit“ näher betrachtet. Sodann werden im Kapitel 3 die Systematik der Erbschafsteuer (Kapitel 3.1) und die verfassungsrechtlichen Grundlagen (Kapitel 3.2) dargestellt. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Zielrichtung der Erbschaftsteuer und die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gelegt. Im Anschluss werden Kritik und Reformvorschläge aus der Literatur und den politischen Parteien analysiert (Kapitel 4). Abschließend erfolgt im Kontext der Untersuchungsergebnisse die Beantwortung der Forschungsfrage (Kapitel 5).

 

Auf die Schenkungsteuer, die zusammen mit der Erbschaftsteuer im Erbschaft- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG) geregelt ist, wird aus Kapazitätsgründen nur am Rande eingegangen, dort wo eine Trennung nicht möglich ist.

2. Soziale Ungleichheit

 

Wie eingangs erwähnt, soll die Erbschaftsteuer im Kontext der sozialen Ungleichheit untersucht werden. Doch was bedeutet „soziale Ungleichheit“ überhaupt und wie lässt sich soziale Ungleichheit messen?

 

2.1 Begriff

 

Nach Hardil (2016, S. 249-250) bezeichnet der Begriff der „sozialen Ungleichheit“ bestimmte vorteilhafte und nachhaltige Lebensbedingungen von Menschen, die ihnen aufgrund ihrer Positionen in gesellschaftlichen Beziehungsgefügen zukommen. Dass keine begriffliche Vorentscheidung über „Gerechtigkeit“ und „Ungerechtigkeit“ getroffen werde, unterscheide dabei den sozialwissenschaftlichen vom umgangssprachlichen Begriff, wo das Wort „Ungleichheit“ meist den Beigeschmack von „Ungerechtigkeit“ habe.

 

Heidenreich (2016, S. 97) führt ergänzend dazu aus, dass „Gerechtigkeit“ ein kaum zu operationalisierender Begriff sei, weshalb auf Ebene der empirischen Forschung in der Regel der Begriff der „Ungleichheit“ zu Grunde gelegt werde. Er weist zudem darauf hin, dass die Vermögensverteilung in den meisten Fällen nur sehr schwer empirisch zu fassen sei, da Vermögen leicht zu verbergen, schwer zu bewerten und in vielen Fällen sehr volatil sei.

 

Als Maßstab für Vermögensungleichheit wird häufig der so genannte Gini-Koeffizient verwendet, welcher Ungleichheit von 0,0 (Gleichverteilung) bis 1,0 (maximale Ungleichheit) darstellt und von der Europäischen Zentralbank quartalsweise gemessen wird (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 2024).

 

2.2 Empirische Datenlage

 

Neuste Daten der Europäischen Zentralbank zeigen, dass sich der quartalsweise Gini-Koeffizient des Haushaltsvermögens in Deutschland über die Zeit seit Anfang 2011 insgesamt nur wenig verändert hat. In den letzten Jahren lag er konstant bei etwa 0,77 und erreichte 2014 einen vorläufigen Höhepunkt:

 

 

Abbildung 1 – Gini-Koeffizient des Haushaltsvermögens

 

(Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz)

 

Weiterhin zeigen die Daten, dass der Gini-Koeffizient in Deutschland jedoch höher als im Durchschnitt der Euroländer liegt. Frankreich und Italien liegen beispielsweise 0,05 bis 0,07 Gini-Punkte unter Deutschland. Dies ist unter anderem auf unterschiedliche Anteile von Hausbesitz bzw. Miethaushalten in den Ländern zurückzuführen: Während in Deutschland im Jahr 2022 mehr als die Hälfte der Bevölkerung zur Miete wohnte, war dieser Anteil in allen anderen Euroländern signifikant geringer (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 2024).

 

Bei der Betrachtung des Gesamtvermögens in Deutschland unterteilt nach Vermögensgruppen wird deutlich, dass auf die unteren 50% der Bevölkerung in der Vermögensverteilung mit rund 0,4 Billionen Euro im Jahr 2023 ein Anteil von nur rund 2,3% am Gesamtvermögen entfällt. Dies entspricht einer nominalen Verdopplung gegenüber rund 0,2 Billionen Euro im Jahr 2011, welches einem Anteil von rund 2,2% entsprach. Dahingegen entfällt auf die oberen 10% der Bevölkerung mit rund 10,5 Billionen Euro ein Anteil von rund 61,2% am Gesamtvermögen. Dies entspricht ebenfalls einer nominalen Verdopplung gegenüber den rund 5,0 Billionen Euro aus 2011, die damals allerdings einem leicht geringeren Anteil von 60% entsprachen (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 2024):

 

 

Abbildung 2 – Nettovermögen in Deutschland

 

(Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz)

 

Der Eindruck einer wachsenden Schere zwischen Arm und Reich erhärtet sich dabei insbesondere mit Blick auf das steuerlich berücksichtigte geerbte und geschenkte Vermögen, das in 2023 um 19,8% auf einen neuen Höchstwert von rund 121,5 Milliarden Euro angestiegen ist:

 

 

Abbildung 3 – Festgesetztes geerbtes und geschenktes Vermögen

 

(Statistisches Bundesamt)

 

Demgegenüber stiegen die festgesetzten Erbschaft- und Schenkungsteuern lediglich um 3,9% auf 11,8 Milliarden Euro an (Statistisches Bundesamt, 2024a).

 

Der Statistik lässt sich entnehmen, dass die ansteigenden Vermögensübertragungen insbesondere auf einem Anstieg des übertragenen Betriebsvermögens um 81,3% auf rund 29,8 Milliarden Euro beruhen, welches nahezu vollständig von der Erbschaft- und Schenkungsteuer befreit ist. Nicht in der Statistik enthalten sind dagegen Erbschaften, Vermächtnisse und Schenkungen, die innerhalb der Freibeträge liegen, da für diese in der Regel keine Steuer festgesetzt wird. Dies dürfte den Großteil der jedoch den Großteil der Vermögensübergänge ausmachen (Statistisches Bundesamt, 2024a). So entfallen auf rund 1,0 Millionen Todesfälle in 2023 (Statistisches Bundesamt, 2024b) ca. 133.000 Erbschaftsteuerbescheide (Statistisches Bundesamt, 2024c). Geht man wie Piltz (2024a, S. 7) davon aus, dass auf jeden Verstorbenen im Schnitt zwei erwerbende Personen kommen, unterliegen ca. 66.500 Fälle der Erbschaftsteuer – dies macht von 1,0 Millionen Todesfällen nur etwa 6,6% aus, d.h. 93,4% bleiben unbesteuert.

 

Auch aus fiskalischer Sicht fristet die Erbschaftsteuer trotz der immer größeren Vermögensanhäufungen und -übertragungen weiterhin eher ein Schattendasein. Im Jahr 2023 brachte sie dem Fiskus deutlich weniger ein als beispielsweise die Tabaksteuer mit einem Steueraufkommen von rund 14,7 Milliarden Euro, wie anhand der nachfolgenden Abbildung ersichtlich ist:

 

 

Abbildung 4 – Steuerspirale 2023

 

(Bundesministerium der Finanzen)

 

Eine zunehmende Vermögensungleichheit attestiert auch der neue Oxfam-Bericht von Anfang Januar 2025. Oxfam (2025) zufolge hat Deutschland die viertmeisten Milliardäre weltweit – nach den USA, China und Indien. Ihre Zahl stieg demnach im vergangenen Jahr um neun auf 130. Ihr Gesamtvermögen nahm dabei in 2024 um rund 26,8 Milliarden US-Dollar auf inzwischen rund 625,4 Milliarden US-Dollar zu. Oxfam errechnet zudem, dass deutsche Milliardärinnen und Milliardäre überdurchschnittlich von Erbschaften profitieren würden. Während Schätzungen zufolge weltweit 36% des Milliardärsvermögens aus Erbschaften stamme, seien es hierzulande sogar 71%.

 

Eine weitere Studie zur Rolle von Erbschaften für die Vermögensungleichheit betreibt aktuell das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (2025) im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung für den Projektzeitraum 01.01.2023 bis 31.12.2025. Entsprechende Studiendaten liegen damit zum Zeitpunkt der Bearbeitung dieser Hausarbeit noch nicht vor. Es dürfte jedoch von Interesse sein, zu welchem Ergebnis das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in seiner Studie kommt und ob darin auch ein Bezug zur Erbschaftsteuer hergestellt wird.

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Details

Title
Die Rolle der Erbschaftsteuer bei der sozialen Ungleichheit (Vermögensungleichheit)
Subtitle
Eine Analyse ihrer Rolle und Bedeutung
Course
Master of Public Management; Modul 2: Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen des Verwaltungshandelns;Teilmodul 2.2: Gesellschaft und Verwaltungshandeln
Grade
1,3
Author
Maximilian Braun (Author)
Publication Year
2025
Pages
21
Catalog Number
V1623489
ISBN (eBook)
9783389158579
Language
German
Tags
Erbschaftsteuer soziale Ungleichheit soziale Gerechtigkeit Vermögensungleichheit Besteuerung von Erbschaften HSPV NRW
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Maximilian Braun (Author), 2025, Die Rolle der Erbschaftsteuer bei der sozialen Ungleichheit (Vermögensungleichheit), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1623489
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