1960 verspricht der damalige Premierminister Japans Ikeda Hayato, das nationale Einkommen innerhalb der nächsten Dekade zu verdoppeln . Die darauf folgende rasante industrielle Entwicklung in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts führt dazu, dass dieses Versprechen vollständig eingehalten wird – die japanische Wirtschaft erlebt einen eindrucksvollen Aufschwung, der eine enorme Steigerung des allgemeinen Wohlstands und Lebensstandards bewirkt und das Land in die Position einer wirtschaftlichen und politischen Großmacht im asiatisch-pazifischen Raum befördert. Der hohe Preis, den die japanische Gesellschaft für diese in der Tat beeindruckenden Leistungen ihrer Wirtschafts- und Industrialisierungspolitik bezahlen muss, macht sich erst mit den ersten schweren Fällen von umweltverschmutzungsbedingten Erkrankungen bemerkbar . Sie sind die ersten spürbaren Folgen der entfesselten Industrialisierung.
Die Probleme des Umweltschutzes und des verantwortungsvollen Umgangs mit den natürlichen Ressourcen werden in den darauf folgenden Jahren zu zentralen Themen in allen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bereichen. Sie ziehen einen aufwendigen institutionellen Wandelprozess nach sich, der sich in die Schaffung neuer administrativer Institutionen zur Konzipierung, Implementierung und Kontrolle von adäquaten Umweltschutzregelungen, beeinflussen die sozialen Wertkonstellationen und führen sogar neuartige Lebensstils herbei. Das reibungslose Zusammenspiel der politisch – administrativen und der zivilgesellschaftlichen Ebenen ist konstitutiv für die Effizienz solcher Maßnahmen und begünstigt gleichzeitig die Entstehung und Verwirklichung neuartiger Konzepte zur Sicherstellung der ökonomischen Wohlfahrt, aber auch der ökologischen Unversehrtheit als Träger von Lebensqualität für die Mitglieder einer Gesellschaft. Eines dieser Konzepte beschäftigt sich mit den Inhalten, Zielsetzungen und möglichen Vorteile des Konzepts der nachhaltigen Entwicklung.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
I.1 Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung
I.2 Zielsetzung
II. Hintergründe der japanischen Umweltproblematik
III. Entwicklungszüge der japanischen Umweltpolitik
IV. Komponenten der nachhaltigen Entwicklung mit Hinblick auf Japan
IV.1 Japans Rolle bei der Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung im asiatisch – pazifischen Raum
IV.2 Nachhaltigkeit im innenpolitischen Kontext
V. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Weg Japans zu einer nachhaltigen Entwicklung, indem sie die historische Entwicklung der japanischen Umweltpolitik, deren Wechselwirkungen mit ökonomischen und sozialen Akteuren sowie die Rolle Japans als internationaler Akteur analysiert.
- Historischer Kontext der japanischen Industrialisierung und Umweltproblematik
- Entwicklungsetappen der japanischen Umweltpolitik
- Wechselwirkungen zwischen Umweltschutz, wirtschaftlicher Prosperität und gesellschaftlichem Druck
- Japans außenpolitische Rolle bei der Förderung nachhaltiger Entwicklung
- Umsetzung nachhaltiger Konzepte auf lokaler und gesellschaftlicher Ebene
Auszug aus dem Buch
I. 1 Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung
Bei dem Konzept der nachhaltigen Entwicklung dreht sich die zentrale Frage um die Art der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung, die angestrebt werden soll, unter Berücksichtigung der zu integrierenden ökonomischen und umweltpolitischen Maßnahmen. Hierbei geht es um die Erreichung einer Balance zwischen wirtschaftlichem Wachstum und Erhaltung oder gar Verbesserung der Umwelt, in der wir leben. Obwohl dieses Konzept schon seit geraumer Zeit im wissenschaftlichen Raum kursiert, ist es erst seit dem Erscheinen des Brundtland – Berichts im Jahr 1987 zu einer weiter reichenden Prominenz gelangt.
In ihm findet man das, was als eine offizielle Definition vom Konzept der nachhaltigen Entwicklung bezeichnet werden kann, die auch in zahlreichen weiteren Publikationen der UN auftaucht. Die nachhaltige Entwicklung zielt darauf ab, dass die Bedürfnisse der heutigen Generation erfüllt werden müssen, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen, ihren eigenen Bedürfnisse gerecht zu werden, zu gefährden. Dies bedeutet, dass die wirtschaftlichen Aktivitäten, die heute ausgeführt werden und die Wohlfahrt der jetzigen Generation gewährleisten sollen die Umwelt und die zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen nicht zu einem solchen Ausmaß aufbrauchen dürfen, dass künftige Generationen nicht in der Lage sind, ihren eigenen Lebensstandard wiederum sicher zu stellen. Ein derartiger Ansatz impliziert die Notwendigkeit der Implementierung von aufeinander abgestimmten umweltbezogenen und ökonomischen Maßnahmen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den rasanten wirtschaftlichen Aufstieg Japans nach 1960 und die daraus resultierenden schwerwiegenden Umweltprobleme, die einen institutionellen Wandel hin zu einem neuen Verständnis nachhaltiger Entwicklung erzwangen.
II. Hintergründe der japanischen Umweltproblematik: Dieses Kapitel analysiert die industrielle Basis Japans nach dem Zweiten Weltkrieg, die durch Schwerindustrie und eine hohe Industriekonzentration bei gleichzeitigem Fehlen eines rechtlichen Umweltschutzrahmens die Umweltkrise massiv verschärfte.
III. Entwicklungszüge der japanischen Umweltpolitik: Die Arbeit beschreibt hier die chronologische Entwicklung der japanischen Umweltpolitik, unterteilt in fünf Stufen, angefangen bei der Ignoranz über die symbolische Umweltpolitik bis hin zu aktiveren Ansätzen der Gefahrenabwehr.
IV. Komponenten der nachhaltigen Entwicklung mit Hinblick auf Japan: Dieses Kapitel untersucht Japans internationale Rolle bei der Förderung nachhaltiger Entwicklung durch Entwicklungshilfe sowie die Implementierung nachhaltiger Konzepte im innenpolitischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext.
V. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit resümiert den Prozess des japanischen umweltpolitischen Wandels und stellt fest, dass Japan trotz technokratischer Schwächen auf einem erfolgreichen Weg zu einer nachhaltigeren Gesellschaft ist.
Schlüsselwörter
Japans Umweltpolitik, nachhaltige Entwicklung, industrielle Entwicklung, Umweltverschmutzung, Umweltschutzgesetze, Zivilgesellschaft, ODA, internationale Zusammenarbeit, Wirtschaftsaufstieg, Umweltmanagement, ökologische Effizienz, umweltfreundliche Technologien, institutioneller Wandel, Sozialer Druck, Umweltbewusstsein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Entwicklung und Umsetzung des Konzepts der nachhaltigen Entwicklung in Japan vor dem Hintergrund seiner rasanten Industrialisierungsgeschichte und der daraus resultierenden Umweltbelastungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Genese der japanischen Umweltproblematik, die institutionelle Reaktion der Politik, der Wandel von der "End-of-Pipe"-Technik zur nachhaltigen Entwicklung sowie die Rolle von Nichtregierungsorganisationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Transformationsprozess zu erklären, den Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Japan durchlaufen haben, um trotz wirtschaftlicher Ambitionen einen adäquaten Umweltschutz zu etablieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung offizieller Berichte des japanischen Umweltministeriums sowie internationaler Statistiken basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Aufarbeitung der Umweltprobleme (Industrialisierung), die Analyse der umweltpolitischen Instrumente der japanischen Regierung sowie die Untersuchung von Japans internationalem Engagement (ODA) und innenpolitischen Initiativen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Kernbegriff "nachhaltige Entwicklung" sind dies "Umweltpolitik", "Japan", "Industrialisierung", "NGOs", "ODA" sowie "Umweltkatastrophen".
Was versteht man unter dem in der Arbeit erwähnten "Schrumpfungskonzept"?
Das Schrumpfungskonzept bezeichnet Maßnahmen des japanischen Staates und der MITI, um nach der Ölkrise 1973 Überkapazitäten in traditionellen Industriezweigen, insbesondere der Grundstoffindustrie, gezielt abzubauen.
Wie bewertet der Autor die Kritik westlicher Autoren an Japans Umweltansatz?
Der Autor stellt fest, dass westliche Kritik, die japanische Strategie sei zu utilitaristisch und auf "End-of-Pipe"-Technologien fokussiert, zwar faktisch nachvollziehbar ist, Japan jedoch durch Anpassungsfähigkeit und technologische Innovationen erhebliche Fortschritte erzielt hat.
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- Slavomir Zidarov (Autor), 2008, Japans Umweltpolitik, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162358