NFL Europe - Analyse des Scheiterns und einer möglichen Neustrukturierung


Diplomarbeit, 2009

87 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abstract (deutsch)

Abstract (englisch)

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichni

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Einführung und Ziel der Arbeit
1.2. Methodik

2. National Football League
2.1. Geschichte
2.2. Organisationsstruktur
2.3. Struktur der Major Leagues

3. NFL Europe
3.1. World League of American Football
3.2. NFL Europe / NFL Europa
3.3. Zielgruppensegmentierung
3.4. Positionierung im deutschen Markt

4. Das Magische Dreieck
4.1. Dependenz zwischen Sport - Medien - Wirtschaft
4.2. Sportainment
4.3. TV-Verträge
4.4. Ligaerweiterung um feste Standorte

5. Analytische Betrachtung der Ligastruktur
5.1. Vereinskultur vs. Franchise-Clubs
5.2. Ligaerweiterung um variable Standorte

6. Die NFL Europe als Konkurrenzliga zur NFL
6.1. Prinzipal-Agenten-Problematik zwischen den Ligen
6.2. Make-or-Buy Entscheidung als Unternehmenszieldifferenzen

7. Marktausstieg: Divestment Strategie

8. Neue Strategien für ein zukünftiges Europaengagement
8.1. NFL International Games
8.2. Joint Venture mit Arena Football League
8.3. Integration in die NFL
8.4. Neugründung als eigenständige Europaliga mit US-Paten

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis:

Tabelle a: Preisvergleiche

Tabelle b: Werbeakzeptanz im Profisport

Tabelle c: TV Sportrechte in USA und Europa 1999/2000

Tabelle d: TV-Verträge in US-Dollars

Tabelle e: Zuschauerbilanz im Vergleich unter den NFLE Teams

Tabelle f: Zuschauerbilanz im Vergleich mit anderen Ligen

Abbildungsverzeichnis:

Abb. 1 Werdegang eines Spielers

Abb. 2 Magisches Dreieck

Abb. 3 Interesse an Sportarten nach Geschlecht und Alter

Abb. 4 Einschaltinteresse bei Sportsendungen im deutschen

Fernsehen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract (deutsch)

In dieser Arbeit wird die Schließung der NFL Europe League analysiert. Zu Beginn erhält der Leser auch eine kleine Einführung in die Geschichte und die Arbeit der National Football League.

Die Probleme wurden zwar erkannt, aber die Ligaführung war nicht in der Lage gegen sie anzukommen. Es kamen in vier der sechs Stadien zu wenig Zuschauer, es konnte kein finanziell lukrativer Fernsehvertrag mit einem deutschen Sender geschlossen werden und Sponsoren zogen sich zurück, da die Liga zu kurz und zu klein war, um sie größer zu vermarkten. Kurz um, sie erwirtschaftete jedes Jahr ein großes Defizit. Es wurde einiges unternommen um die Situation zu verbessern. Den Zuschauern wurde ein großes Rahmenprogramm im und um die Stadien geboten, Fernsehverträge mit Pay- TV-Sendern geschlossen und auch die Ligaexpansion heiß diskutiert, um sie sportlich attraktiver zu gestalten, zum einen für die Fans, zum anderen für Fernsehsender und Sponsoren.

Der zweite Teil der Arbeit behandelt eine mögliche Neustrukturierung des Europaengagements der NFL. Es wird die aktuelle Internationalisierungsstrategie mit NFL-Spielen außerhalb der USA betrachtet, dann ein Joint Venture mit der US-Hallenliga geprüft, eine Integration in die NFL selbst dargestellt und zum Schluss Bedingungen festgelegt, unter denen die Europaliga eigenständig in Kooperation mit der NFL den Spielbetrieb wieder aufnehmen könnte. Diese Neustrukturierung ist zwar aufgrund der aktuellen Weltfinanz- und wirtschaftskrise sehr unwahrscheinlich, aber dennoch möglich.

Abschließend sei noch erwähnt, dass die NFL trotz des Rückzuges aus Europa weiterhin darauf bedacht ist, American Football und die Liga über die Grenzen der Vereinigten Staten hinaus zu vermarkten.

Abstract (English)

The analysis of the closing down of the NFL Europe League is the topic of this thesis. At first, the reader gets an introduction about the history and the work of the National Football League.

The Problems were known as insufficient attendance in four of the six stadiums and a League that wasn’t able to find a German TV partner to close a profitable TV contract. At the same time many sponsors cancelled their involvement because the League was to small and the season to short for a bigger commercialization. Fact is, the NFL Europe made a big deficit every year. Those responsible had a lot of ideas to enhance the situation. They organised a big event in the stadium for the whole family. They signed TV contracts with Pay-TV partners and discussed the expansion of the League to become more attractive for fans, sponsors and TV channels.

The second part of this thesis is about the possibility of restructing the European engagement of the NFL. It starts with a look over the current strategy of internationalisation, which includes NFL games outside of the United States. After that a possible Joint Venture with the US-indoor League will be proved, also an integration as a division into the NFL and at the end terms for a independent Europe League within a co-operation of the NFL will be post. Because of the world financial and economic crisis the possibility of restructing is very small, but still possible.

Finally there is left to say, that after the retreat from the European market the NFL is still interested to commercialize American Football and the League over the borders of the United States.

1. Einleitung

Kapitel eins verschafft einen Eindruck von der vorliegenden Arbeit, es beschreibt Ziele und Methodik.

1.1 Einführung und Ziel der Arbeit

Die Arbeit ist in zwei Teile gegliedert. Teil eins befasst sich mit der Schließung der Liga und Teil zwei mit den Zukunftsaussichten der NFL und des American Footballs in Europa allgemein. Ziel ist es, die Gründe für die Ligaschließung der NFL Europe herauszufinden, zu analysieren, ggf. auch Lösungsmöglichkeiten zu erstellen und Konzepte zu entwickeln, wie die NFL zukünftig auf dem alten Kontinent operieren könnte.

Um die Identität der europäischen Fans mit der NFL und gleichzeitig der Europaliga zu steigern, wurde sie ab der Saison 2007 in NFL Europa umbenannt. Der Einfachheit halber wird sie in dieser Arbeit auch weiterhin NFL Europe genannt. Da fünf der sechs Clubs in Deutschland ansässig sind, liegt der Hauptfokus dieser Arbeit ebenfalls auf Deutschland.

In der Wirtschaft werden oftmals kleine oder schwächere Unternehmen von den großen Marktführern aufgekauft[1]. Die andere Variante ist, das zwei kleine Unternehmen miteinander fusionieren um größer zu werden. Beides gibt es auch im Sport. So übernahm die NFL gleich mehrere Konkurrenten[2] und auch für eine Fusion gibt es im deutschen Fußball ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit, nämlich den FC Ingolstadt 04. Dieser entstand 2004 aus der Fusion der beiden Vereine MTV Ingolstadt und ESV Ingolstadt[3]. Auf dieser betriebswirtschaftlichen Tatsache beruht auch die Ligaschließung der NFLE. Die finanzielle Unrentabilität für die Investoren gab den Ausschlag. Um der Arbeit nicht vorzugreifen, hier nur ein kleines Beispiel: Die Teams lebten oftmals von Hotelzimmer zu Hotelzimmer um größere Reisen zu vermeiden. Bei ca. 80 Mann ist dies nicht wirklich ein billiges Unterfangen[4]. Dies ist nur ein kleines Beispiel, denn die Folgenden in den nächsten Kapiteln sind für die Schließung wesentlich erheblicher.

Die betriebswirtschaftlichen Tools, welche bei der Analyse behilflich waren, stellt zum einen das Magische Dreieck dar, welches die Zusammenhänge zwischen Sport, den Medien und der Wirtschaft verdeutlichen soll, zum anderen eine Gegenüberstellung der beiden Ligasysteme aus Europa (Mehrklassenliga) und Nordamerika (Franchisesystem) zur kritisch Betrachtung. Abschließend finden Einblicke in die Prinzipal-Agenten-Problematik zwischen den Ligen und den Zieldifferenzen statt. Die Ziele der beiden Ligen beruhen auf so unterschiedlichen Grundlagen, dass es nur sehr schwer ist, beide zu erfüllen. Als Fazit des ersten Teils der Arbeit wird die Ligaschließung als strategisches Instrument betrachtet. Bei den Zukunftsaussichten in Teil zwei handelt es sich vorwiegend um Kooperationen mit anderen Ligen. Sei es eine bereits bestehende Konkurrenz oder eine, welche erst noch gegründet werden müsste, nämlich die Auslagerung der NFL Europe selbst.

1.2 Methodik

Bei der Herangehensweise an das Thema gilt es zuerst einmal den Status Quo zu bestimmen. Tatsache ist, NFL Commissioner Roger Goodell sprach am 29. Juni 2007 das aus, wovor sich viele Fans schon länger fürchteten. Die NFL Europe, bzw. NFL Europa wie sie zu diesem Zeitpunkt offiziell hieß, sollte nicht länger existieren.

Einige Wochen zuvor hatte Uwe Bergheim, Managing Director der NFL Europe, die Clubeigner der NFL Teams während eines Meetings vor die Wahl gestellt, die europäische Tochter einzustellen oder durch Expansion aggressiver um Marktanteile und Zuschauer zu kämpfen. Sein Vorschlag: „Wir brauchen mehr Standorte, eine längere Saison und Ausscheidungsspiele um den Titel, damit wir für Medien und Sponsoren interessanter werden.“[5] Immer wieder tauchten Zahlen über die Höhe der Verluste auf, die aber nie zu 100 % bestätigt wurden. Uwe Bergheim beziffert den jährlichen Verlust auf $ 30 Millionen[6].

Die Liga, welche vornehmlich als Ausbildungsstation für junge Talente, die den Sprung in die NFL nicht direkt schafften, angesehen wurde, erfüllte ihre Funktion nicht mehr. Die NFL selbst hatte, seit Einführung der Europaliga, um vier Standorte expandiert. Alle Teams verfügen nun über Practice Squads (Übungsteams, hierzulande den zweiten Mannschaften gleichzusetzen, die allerdings an keinem geregelten Spielbetrieb teilnehmen) und die NFL hat ihre Kooperation mit der Collegeliga erhöht, um junge Spieler noch besser vorzubereiten[7].

Also zog die New Yorker Geschäftsstelle der NFL Bilanz: $ 500 Millionen Verlust in 15 Jahren NFL Europe, der deutsche TV-Markt konnte nicht erobert werden und die Zuschauerzahlen in den Stadien entsprachen ebenfalls nicht den Vorstellungen der Ligaführung[8]. Infolge dieser negativen Bilanz, beschlossen die Club-Eigentümer die Schließung der Liga.

All das sind Fakten, die es gilt, im Einzelnen zu analysieren: Woran lag es beispielsweise, dass die einzelnen Clubs so viel Verluste einfuhren? Warum konnte im deutschen TV-Markt nicht Fuß gefasst werden? Und wieso hatten sie solch große Probleme Sponsoren und Zuschauer zu gewinnen? Zu guter letzt gilt es die Arbeit der NFL selbst zu hinterfragen. Wie hätte anders agiert werden können und welche Zukunftsaussichten hat die NFL nun in Europa? Alle Antworten zu diesen Fragen sind in den folgenden Kapiteln zu finden.

2. National Football League

Nachdem in Kapitel eins die Arbeit etwas genauer vorgestellt wurde, betrachtet Kapitel zwei die National Football League selbst. Ein kurzer Einblicke in Geschichte und Aufbau der Liga, sowie in die Struktur der Major Leagues an sich, sollen das Verständnis während der weiteren Kapitel verbessern. Hierbei wäre noch zu erwähnen, dass sich der geschichtliche Ablauf tatsächlich nur auf die für diese Arbeit relevanten Vorfälle beschränkt.

2.1 Geschichte

Als sich 1869 die Mannschaften der Princeton University und der Rutgers University zum aller ersten Footballspiel gegenüberstanden[9], dachte niemand daran, dass hieraus die beliebteste Sportart Amerikas werden sollte. Bis zur ersten Profiliga gingen allerdings noch gut fünf Jahrzehnte ins Land. War es anfangs noch ein Mix aus Fußball und Rugby, entwickelten sich über die Jahre Strukturen und Regeln. 1920 sollte es dann soweit sein, die National Football League (NFL), die erste Profiliga, war gegründet[10]. Sie ist heute die mächtigste Sportliga weltweit.

Auf dem Weg zu ihrer heutigen Vormachtstellung passierte sie wesentliche Meilensteine, denn auch die NFL brauchte einige Zeit um sich zu etablieren und zu entwickeln. Erste Konkurrenz bekam sie 1946, als mehrere reiche Geschäftsleute, die bisher vergeblich ein Team in der NFL kaufen oder neu gründen wollten, die All American Football Conference (AAFC) ins Leben riefen[11]. Mit ihr kam der Profifootball erstmals auch an die Westküste der Vereinigten Staaten. Da in den darauffolgenden vier Jahren sowohl die NFL als auch die AAFC rote Zahlen schrieben, nutze die NFL ihre Machtposition, übernahm den Konkurrenten und integrierte die wirtschaftlich stärksten Teams. Somit hatte die Liga ihre erste größere Konkurrenzsituation bestanden, es sollte allerdings nicht die Einzige bleiben. Die konservative Haltung der Club- Eigentümer, welche weiterhin gegen Expansionen und unnötige wirtschaftliche Risiken waren, führte zur Gründung der American Football League (AFL)[12], welche schließlich der größte Konkurrent der NFL wurde. Sie nahm ihren Spielbetrieb 1960 auf. Der neue Konkurrenzdruck führte zu weitreichenden Veränderungen innerhalb der NFL. Um möglichst viele Marktanteile für sich zu gewinnen, gründeten beide Ligen in ganz Amerika ein Team nach dem anderen, immer mit Bedacht darauf, vor dem Konkurrenten eine große Stadt und ihre Region zu besetzen. Im Grunde liegt der Beginn der heute wirtschaftlich so mächtigen Liga in diesem Konkurrenzkampf. Nicht nur Spielergehälter explodierten, sondern es wurde um jeden Spieler, Fernsehvertrag oder Sponsorenpartner hart gekämpft. Die AFL vernachlässigte bei dieser Fokussierung jedoch das Wesentliche. Gespielt wurde nämlich entweder in maroden Stadien, kleinen High School- oder oft genug leeren Stadien. Es fehlte also an genügend Zuschauern, leistungsstarken Arenen und der hierzu gehörenden Infrastruktur. Sportlich konnte die AFL allerdings mithalten, so veranstalteten die Ligen 1967 zum ersten Mal ein gemeinsames Endspiel zwischen ihren Meistern. Dieses spielt gilt als die Geburtsstunde des Super Bowls[13]. Er ist heute weltweit als größtes Einzelsportereignis etabliert und genießt in Amerika eine Art Feiertagsstatus.

Aus Angst, die jungreichen Club-Eigentümer der AFL würden noch mehr Geld in die Liga stecken, unternahmen die alten Bosse der NFL-Teams immer wieder Versuche, den Konkurrenten zu übernehmen, wie es bereits mit der AAFC geschah. Auch auf Seiten der AFL erkannte man den ruinösen Krieg beider Ligen. Nach langen und zähen Verhandlungen einigten sich schließlich beide Führungsgremien auf eine Fusion der Ligen, die Geburtsstunde der großen NFL[14]. Zur Vorbereitung auf die gemeinsame Zeit spielten sie von 1966 bis 1969 noch getrennt, um TV Verträge abzuändern und um clubinterne Strategien anzupassen[15]. Dies war vor allem bei den Teams nötig, die einen Konkurrenten in unmittelbarer Nachbarschaft hatten. Ab der Saison 1970 vereinigten sich dann alle Clubs unter dem Dach der NFL. Die 10 ehemaligen Teams der AFL wurden zusammen mit drei NFL Teams in die American Football Conference (AFC) eingeteilt und die restlichen NFL Teams spielten in der National Football Conference (NFC). Die Sieger der jeweiligen Conference qualifizierten sich für den Super Bowl. So erhielt man den Endspielcharakter.

In den folgenden Jahren änderten verstärkt Innovationen, sowohl Regelwerk als auch die Vermarktungsmöglichkeiten. So schloss die NFL für die Spielzeiten 1970 bis 1973 einen Fernsehvertrag über 185 Millionen Dollar ab[16]. Der Vorherige erbrachte gerademal 4,65 Millionen Dollar. Die neue Summe gründete einerseits aus dem Zusammenschluss der beiden Ligen und andererseits aus der Implementierung des Monday Night Games, einem Spiel am Montagabend zur besten Sendezeit.

In den 80er Jahren folgte ein ständiges up and down, welches die Branche immer wieder veränderte. So schadete 1982 ein erster Spielerstreik[17] dem Image der Liga merklich. 1984 fand während der Vorbereitung auf die neue Saison zum ersten Mal ein Spiel in Europa statt. Die Chicago Bears und die Dallas Cowboys trafen im Londoner Wembleystadion aufeinander. 1986 wurde die Arena Football League (AFL) gegründet. Eine Hallenliga, welche allerdings mit stark veränderten Regeln spielt und somit nie eine echte Konkurrenz zur NFL darstellte und bis heute Bestand hat. 1987 folgte der zweiten Spielerstreik, bei dem die Club-Eigentümer allerdings beschlossen, mit Ersatzspielern den Spielbetrieb am Laufen zu halten, was jedoch scheiterte. Die Spielergewerkschaft NFLPA brachte ihre stark verbesserten Gehaltsvorstellungen durch. Zu Hilfe kam den Spielern auch die Gründung einer weiteren Konkurrenzliga, der United States Football League (USFL), 1983[18]. Diese konnte sich letztlich zwar ähnlich wie ihre Vorgänger nicht etablieren, winkte aber mit so hohen Gehältern, dass die NFL sich gezwungen sah, ihre Gehälter ebenfalls anzuheben. Um diesen negativen Mechanismen endgültig entgegen zu wirken, verankerte die NFL im Tarifvertrag mit der NFLPA 1993 einen Salary Cap[19]. Damit waren die Spielergehälter an die Einnahmen der Liga gebunden und konnten so nicht mehr sprunghaft ansteigen. Als Gegenleistung räumte man den Spielern einfachere Clubwechselmöglichkeiten ein.

Während immer wieder Versuche unternommen wurden eine zweite Liga neben der NFL zu etablieren, wird der College Football[20] nicht als Konkurrenz gesehen. Die NFL unterstützt diesen sogar bestmöglichst. Schließlich bildet er das Fundament des American Footballs, da hier die jungen Nachwuchstalente ausgebildet werden. Die College Teams finden erstklassige Bedingungen vor und spielen oftmals in größeren und besser gefüllte Stadien, 100.000 Zuschauer sind keine Seltenheit. Jedes Jahr suchen sich die Proficlubs die Besten bei der so genannten Draft[21] unter den College Spielern aus.

2.2 Organisationsstruktur

Der Weg eines Spielers ist direkt vorbestimmt. Vom College gelangt er über die Draft zu einem AFC oder NFC Club und ist damit in der NFL. Sollte ein Spieler es nicht zu den Profis schaffen, so hatte er früher noch die Möglichkeit als Free Agent (vereinsloser Spieler) über die NFL Europe zu seinem Ziel zu gelangen. Heute bleiben solch einem Spieler nur noch die Arena Football League und die Canadian Football League (CFL), wobei nur sehr wenige Spieler so den Weg in die NFL schaffen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Werdegang eines Spielers

In Abb. 1 ist ebenfalls der Aufbau der Ligastruktur der NFL gut zu erkennen. Aus den beiden Conferences NFC und AFC kommen die Super Bowl Teilnehmer, sowie die Spieler, welche für den Pro Bowl (das All-Star-Game) nominiert werden.

Die NFL stellt das Gerüst der Liga dar, in dem die Franchisenehmer (Clubs) arbeiten. Zwar hat die Liga einen Geschäftsführer (Commissioner Roger Goodell), wird aber von den Club-Eigentümern überwacht[22]. Sie beraten über Regeländerungen, Salary Caps, etc. Nur für einen der drei Eckpunkte der NFL tragen die Clubs selbst Verantwortung, nämlich die Stadioneinnahmen, bestehend aus Ticketing, Catering und Stadionwerbung. Die beiden anderen Punkte, Streikfreiheit und TV-Verträge, erarbeitet die NFL selbst. Auch die Werbung für die Liga, z. B. in Form von Werbespots, werden von der NFL produziert[23]. Als Gegenbeispiel, die Deutsche Fußball Liga (DFL) betreibt keine Werbung direkt bei den Fans. Den Tarifvertrag mit der NFLPA verhandelt ebenfalls die Liga, erst bei Spielerstreiks greifen auch die Clubverantwortlichen mit ein.

Als weiteres wirtschaftliches Standbein unterhält die NFL auch einen eigenen Fernsehsender, NFL Network. Dieser sendet Reportagen rund um die Liga und deren Teams, berichtet von allen Spielen (die meisten Live) der NFL, Pre- und Regular Season und in der Vergangenheit auch die der NFL Europe. Zusätzlich zum Sportangebot strahlt NFL Network auch Footballfilme aus, welche in den eigenen Studios von NFL Films mitproduziert werden. Zudem erstellt er Berichterstattungen für andere Fernsehanstalten, z. B. für Nachrichtensendungen[24].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[25],[26],[27],[28],[29],[30],[31],[32],[33]

2.3 Struktur der Major Leagues

Der Aufbau einer Major League, wie es sie hauptsächlich in den Vereinigten Staaten gibt, ist gänzlich anders als der, der in Europa bekannten Mehrklassenliga. Eine Major League ist immer in mehrere Gruppen aufgeteilt. Aus diesen Gruppen qualifizieren sich die Teams für die Play-Off-Runde, in der der Champion per KO-System ermittelt wird. Einen Auf- und Abstieg, wie er in den europäischen Ligen der Fall ist, gibt es nicht. Sollte einem Club die Lizenz entzogen werden, so spielt die Liga in der darauffolgenden Saison mit einem Team weniger. Allerdings kann auch jeder Zeit ein neuer Club gegründet werden und eine Lizenz bei der Ligaverwaltung beantragen. Sollte diese erteilt werden, ist es dem neu gegründeten Club möglich, direkt in der höchsten Spielklasse zu beginnen. Eine zweite Liga gibt es nicht. Unter den Major Leagues befinden sich lediglich noch die College- und High School Ligen, in denen hauptsächlich Schüler und Studenten auf die Profiliga vorbereitet werden. Sollte einem Spieler der Sprung in die US-Profiliga nicht gelingen, so bleibt ihm in der Regel nur ein Engagement im Ausland als Notlösung. Jedoch befinden sich die Ligen in Kanada, Mexiko, Japan oder Europa nicht annähernd auf dem Niveau einer US Major League.

Um sich nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen, starten und enden die verschiedenen Major Leagues zu unterschiedlichen Zeiten. So beginnt eine NFL Saison immer Anfang September und endet Ende Januar; die Major League Baseball (MLB) beginnt Ende März und hat ihr Finale Ende September. In der National Hockey League (NHL) findet das erste Saisonspiel im Januar statt und das Endspiel im Juni. Die National Basketball Association (NBA) hat ihren Spielbetrieb von Ende Oktober bis Mitte Juni. Auf diese Weise kann jede Liga für sich gute Fernsehverträge abschließen, Saisonhighlights besser vermarkten und die Stadionauslastung möglichst hoch halten.

Alle Clubs einer Major League sind Franchisenehmer. Neue Teams bewerben sich um eine Lizenz bei der Ligaführung, wo zum einen die Wirtschaftlichkeit des Clubs und zum anderen ein möglicher Nutzen für die Liga geprüft wird. Die Clubs haben Eigentümer (Club Owner), ihnen gehört das Team, ausgenommen die Green Bay Packers (NFL), welche noch heute als Verein geführt werden[34]. Da fast alle Aushängeschilder ihrer Städte sind, hat der Verlust zum einen ein wirtschaftliches Defizit zur Folge, zum anderen auch eine starke Imageschädigung. Gerade diese beiden Punkte werden von vielen Eigentümern ausgenutzt, um öffentliche Gelder, neue Stadien oder ähnliche subventionelle Unterstützung zu bekommen. Sollten die Bedingungen nicht erfüllt werden, steht in der Regel schon eine andere Stadt hinter ihnen, die den Club mit Kusshand aufnehmen würde[35]. Gerade in den 90er Jahren, in denen die NFL wirtschaftlich stark wuchs, zogen viele Teams in andere Städte um.

Da es im Major League System keine zweite Liga gibt, haben die Colleges und High Schools einen ganz besonderen Status[36]. An einer High School, wo z. B. Football ein eigenständiges Fach ist, lernen die jungen Spieler mit dem Druck umzugehen, der auf dem College auf sie wartet. Diese beiden Stationen bilden die Ausbildungsstätten für die späteren Profis, im Gegensatz zu Deutschland, wo die sportliche Ausbildung durch örtliche Vereine übernommen wird.

[...]


[1] T. Klaffke: Die geographische Verteilung der Teamstandorte in professionellen Sportligen, Berlin, 2003, S. 141-144

[2] Vgl. dazu Kapitel 2.1 dieser Arbeit

[3] o. V.: Der FC Ingolstadt 04 e. V., http://www.fcingolstadt.de/index.php?id=12 (Stand: 07.03.2009)

[4] L. Anderson: The Proving Ground - a season on the fringe in NFL Europe, New York, 2001, S. 44

[5] T. Lipinski: Die Ziele der Liga, HUDDLE Nr. 8, Berlin, 2007, S. 3

[6] Vgl. dazu Fußnote 5

[7] D. Hoch: Einrichtung ohne Sinn? - Diesjährige Spekulationen um NFL Europa nahmen in den USA ihren Ausgang, HUDDLE Nr. 26, Berlin, 2007, S. 19

[8] M. Schüler: Das Fallbeil schlägt zu - Die NFL schließt die NFL Europa, HUDDLE Nr. 27, Berlin, 2007, S. 11-14

[9] G. Meier: That’s American Football, Stuttgart, 2000, S. 10

[10] D. Hoch, H. Korber: Die Geschichte der NFL - Von den kleinen Anfängen bis zum Aufstieg zur größten Profiliga der Welt, Berlin, 2006, S. 11

[11] D. Hoch, H. Korber: Die Geschichte der NFL - Von den kleinen Anfängen bis zum Aufstieg zur größten Profiliga der Welt, Berlin, 2006, S. 43-48

[12] D. Hoch, H. Korber: Die Geschichte der NFL - Von den kleinen Anfängen bis zum Aufstieg zur größten Profiliga der Welt, Berlin, 2006, S. 60-66

[13] G. Meier: That’s American Football, Stuttgart, 2000, S. 30f

[14] D. Hoch, H. Korber: Die Geschichte der NFL - Von den kleinen Anfängen bis zum Aufstieg zur größten Profiliga der Welt, Berlin, 2006, S. 72f

[15] Vgl. dazu Fußnote 14

[16] D. Hoch, H. Korber: Die Geschichte der NFL - Von den kleinen Anfängen bis zum Aufstieg zur größten Profiliga der Welt, Berlin, 2006, S. 90

[17] G. Meier: That’s American Football, Stuttgart, 2000, S. 37f

[18] D. Hoch, H. Korber: Die Geschichte der NFL - Von den kleinen Anfängen bis zum Aufstieg zur größten Profiliga der Welt, Berlin, 2006, S. 125

[19] D. Hoch, H. Korber: Die Geschichte der NFL - Von den kleinen Anfängen bis zum Aufstieg zur größten Profiliga der Welt, Berlin, 2006, S. 154f

[20] G. Meier: That’s American Football, Stuttgart, 2000, S. 10-17

[21] Draft = Rekrutierungspool aus Talentspielern vom College

[22] R. Eisen: Total Access - a journey to the center of the NFL universe, New York, 2007, S. 136-140

[23] M. Oriard: Brand NFL - Making and Selling America’s Favorite Sport, Chapel Hill (USA), 2007, S. 149-153

[24] o. V.: About NFL Network, http://www.nfl.com/nflnetwork/aboutnflnetwork (Stand: 03.03.2009)

[25] Gesamtwert = Wert aller 32 NFL Teams zusammen Stand 09.10.2008

[26] o. V.: Forbes - NFL Team Valuations,http://www.forbes.com/lists/2008/30/sportsmoney_nfl08 _NFL-Team-Valuations_Value.html (Stand: 02.03.2009)

[27] Jahresumsatz = Umsätze aller 32 NFL Teams aus der Saison 2007

[28] Vgl. dazu Fußnote 26

[29] M. Oriard: Brand NFL - Making and Selling America’s Favorite Sport, Chapel Hill (USA), 2007, S. 169

[30] 30 Sekunden Werbespot während des 43. Super Bowls (Saison 2008) auf NBC

[31] o. V.: Zahl der Woche, Sport Bild Nr. 5, Hamburg, 2009, S. 70

[32] Zuschauerschnitt der Saison 2007

[33] o. V.: 2007 NFL Attendance Figures, http://branddunk.com/2008/01/26/2007-nfl-attendance- figures/ (Stand: 03.03.2009)

[34] G. Meier: That’s American Football, Stuttgart, 2000, S. 47

[35] D. Hoch, H. Korber: Die Geschichte der NFL - Von den kleinen Anfängen bis zum Aufstieg zur größten Profiliga der Welt, Berlin, 2006, S. 152f

[36] G. Meier: That’s American Football, Stuttgart, 2000, S. 45

Ende der Leseprobe aus 87 Seiten

Details

Titel
NFL Europe - Analyse des Scheiterns und einer möglichen Neustrukturierung
Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
87
Katalognummer
V162376
ISBN (eBook)
9783640765829
ISBN (Buch)
9783640766192
Dateigröße
766 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
NFL Europe, American Football, Sportmanagement, Ligaauflösung, Neustrukturierung, Brender
Arbeit zitieren
Donat Brender (Autor), 2009, NFL Europe - Analyse des Scheiterns und einer möglichen Neustrukturierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162376

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