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Analyse und Kritik der medizin-ethischen Diskussion zur Präimplantationsdiagnostik

Eine Übersichtsarbeit zum Diskussionsstand bis 2003

Title: Analyse und Kritik der medizin-ethischen Diskussion zur Präimplantationsdiagnostik

Doctoral Thesis / Dissertation , 2003 , 159 Pages , Grade: summa cum laude

Autor:in: Daniel Strech (Author)

Medicine - General
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Summary Excerpt Details

Die medizinethische Diskussion zur Präimplantationsdiagnostik ist maßgeblich bestimmt durch zwei sich gegenüberstehende Argumentationstypen. Die Befürworter bedienen sich vornehmlich eines pragmatisch-nutzenorientierten Argumentationstyps. Hierbei werden die Interessen und Bedenken möglicher Patienten aus einer subjektiven und situativen Perspektive heraus nach Pro- und Kontraargumenten gegeneinander abgewogen. Auf der anderen Seite folgen die Kritiker der Präimplantationsdiagnostik einem gesellschaftspolitisch-folgenorientierten Argumentationstyp. Sie weisen neben dem möglichen Schaden für die Patienten auf das Negativpotential dieser Technik hin. Dabei werden in den abwägenden Bewertungsprozess neben den technikspezifischen Aspekten weitere heterogene Diskussionsfelder integriert.
Die vorliegende Arbeit gibt zunächst einen Überblick über die naturwissenschaftlichen, klinischen und rechtlichen Aspekte zur Präimplantationsdiagnostik. Anschließend wird der beschriebene Diskurs in seinen spezifischen Argumentationssträngen analysiert. Die ebenfalls beteiligten Diskussionsfelder zum humangenetischen Krankheitsbegriff, zur Patientenautonomie, zum Embryonenstatus und zur Eugenik-Debatte werden in Beziehung gesetzt zur Thematik der Präimplantationsdiagnostik.
Ich stelle fest, dass die unterschiedlichen Ansätze der beiden wichtigsten Argumentationstypen eine grundlegende Asymmetrie bedingen. Aufgrund der hochgradigen Komplexität des Bewertungsprozesses ist der gesellschaftspolitische Argumentationstyp anders als der pragmatische mit einem latenten Vermittlungsproblem belastet. Trotz inhaltlicher Relevanz der gesellschaftspolitischen Argumente könnte sich dieses strukturelle Ungleichgewicht zugunsten der pragmatischen Argumente in der politischen Entscheidungsfindung niederschlagen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil 1: Naturwissenschaftliche und medizinische Aspekte der Präimplantationsdiagnostik

1.1 Verfahrenstechnik

1.1.1 Präimplantationsdiagnostik (PGD)

1.1.2 Präkonzeptionsdiagnostik

1.2 Fehlerquellen

1.3 Erfolgsraten

1.4 Totipotenz in der Embryonalperiode

1.5 Gesundheitliche Belastungen

1.5.1 Risiken für das Kind

1.5.2 Risiken für die Frau

1.6 Finanzielle Aspekte

1.7 Indikationen und Anwendungsmöglichkeiten

1.7.1 Strukturelle Chromosomenaberrationen

1.7.2 Numerische Chromosomenaberrationen oder Aneuploidien

1.7.3 Spät manifestierende Krankheiten

1.7.4 Begleitbefunde

1.7.5 Multifaktorielle Krankheiten und DNA-Chips

1.7.6 Geschlechtsgebundene Erbgänge

1.8 Wer wendet die PGD gegenwärtig an?

Teil 2: Rechtliche Aspekte der Präimplantationsdiagnostik

Teil 3: Überblick über die medizinethische Diskussion zur Präimplantationsdiagnostik

3.1 Stellungnahmen und Argumente

3.1.1 Der pragmatische Argumentationstyp

3.1.2 Der gesellschaftspolitische Argumentationstyp

3.1.2.1 Gründe für die Zwangsläufigkeit

3.1.2.2 Begünstigende Faktoren

3.1.2.3 Negativ-Urteile

3.1.3 Der kategorische Argumentationstyp

3.2 Die Sonderrolle des Embryonenstatus

Teil 4: Begriffsanalysen und Diskussionsfelder

4.1. Der Krankheitsbegriff in der Humangenetik

4.2 Autonomie als Begriff und Paradigma

4.3 Künstlich vs. Natürlich, die Technikbilder

4.4 Person und Menschenwürde im Kontext des Embryonenstatus

4.4.1 Die Leitideen in der Statusdiskussion

4.4.2 Ethische Aspekte des Personwerdens

4.4.3 Moralische Relevanz von Interessen und Bedürfnissen

4.4.4 Der normative Gehalt des Menschenwürdebegriffs

4.5 Struktur und Inhalt der Schiefen-Ebene Argumente

4.5.1 Der mögliche Schaden für Personen mit einer Behinderung

4.5.2 Der mögliche psychosoziale Druck auf die zukünftigen Eltern

4.5.3 Der mögliche Einfluss auf die Eltern-Kind-Beziehung und auf die Integrität des Menschenbildes

4.6 Das Eugenik-Argument

4.7 Selektion in der genetischen Frühdiagnostik

Teil 5: Bewertung der Argumentationstypen

5.1 Die gegenseitige Ergänzung von pragmatischen und gesellschaftspolitischen Argumentationstypen

5.2 Der Status kategorischer Argumentationstypen

Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit analysiert und kritisiert die medizinethische Diskussion zur Präimplantationsdiagnostik (PGD). Dabei untersucht sie insbesondere, wie Argumente in pragmatische, gesellschaftspolitische und kategorische Typen eingeteilt werden können, um die Komplexität der Debatte zwischen genetischer Selektion, Patientenautonomie und gesellschaftlichen Normen besser zu verstehen.

  • Analyse medizinethischer Argumentationstypen (pragmatisch, gesellschaftspolitisch, kategorisch)
  • Untersuchung der PGD im Kontext von Humangenetik, Reproduktionsmedizin und Recht
  • Erforschung von Begriffen wie Krankheitsbegriff, Autonomie, Person und Menschenwürde
  • Diskussion der "Schiefen Ebene" und potenzieller eugenischer Tendenzen
  • Kritik an der aktuellen Diskussionskultur und Aufzeigen von Vermittlungsproblemen

Auszug aus dem Buch

Die Sonderrolle des Embryonenstatus

Die Diskussion zum Embryonenstatus kann nicht eindeutig einem der drei oben beschriebenen Argumentationstypen zugeordnet werden. Eine Zuordnung wäre von den unterschiedlichen Schutzzuschreibungen abhängig zu machen. Soll der Schutz des Embryos auf einem der Gattung Mensch zugesprochenem Würdeprinzip beruhen, würde dieser Ansatz eher dem kategorischen Typ entsprechen. Wenn man bei der befruchteten Eizelle von einem menschlichen Individuum ausgeht, dem der volle Rechtsschutz eines Art. 1 Abs.1 GG zugesprochen werden muss, würde man pragmatisch gegen die PGD argumentieren, weil in diesem Falle die entsprechenden Rechte aktuell verletzt werden.

Die Lübecker Ethik-Kommission zweifelt in ihrer bereits vorgestellten Stellungnahme an, ob das ESchG in Bezug auf den vorliegenden Fall ethisch weiterhin zu vertreten ist. Sie verweist auf die mögliche Widersprüchlichkeit des ESchG in Relation zur Zulässigkeit des Schwangerschaftsabbruchs nach § 218 StGB. So wird in der Diskussion i.d.R. von Seiten der PGD-Befürworter die Schutzwürdigkeit des frühen Embryos in-vitro geringer angesetzt als die des Feten bei PND. Hieraus wird die geringere moralische Verwerflichkeit der Tötung des frühen Embryos geschlussfolgert und der Widerspruch zur gegenwärtig rechtlich legitimierten Abtreibung beschrieben.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik der Präimplantationsdiagnostik (PGD), Erläuterung des "Lübecker Falls" und Darstellung der medizinethischen Grundproblematik.

Teil 1: Naturwissenschaftliche und medizinische Aspekte der Präimplantationsdiagnostik: Überblick über die Verfahrenstechnik der PGD, Fehlerraten, gesundheitliche Belastungen sowie Indikationen und Anwendungsmöglichkeiten.

Teil 2: Rechtliche Aspekte der Präimplantationsdiagnostik: Untersuchung der Vereinbarkeit der PGD mit dem Embryonenschutzgesetz (ESchG) und Diskussion von Widersprüchen zum Strafgesetzbuch.

Teil 3: Überblick über die medizinethische Diskussion zur Präimplantationsdiagnostik: Gliederung und Analyse der medizinethischen Debatte in pragmatische, gesellschaftspolitische und kategorische Argumentationstypen.

Teil 4: Begriffsanalysen und Diskussionsfelder: Tiefgehende Analyse zentraler Begriffe wie Krankheitsbegriff, Autonomie, Menschenwürde und Eugenik sowie Diskussion der "Schiefen Ebene".

Teil 5: Bewertung der Argumentationstypen: Reflexion über die gegenseitige Ergänzung der Argumentationstypen und Bewertung der kategorischen Argumentation.

Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der medizinischen, rechtlichen und ethischen Vertretbarkeit der PGD.

Schlüsselwörter

Präimplantationsdiagnostik, PGD, Medizinethik, Humangenetik, Reproduktionsmedizin, Embryonenschutz, Eugenik, Autonomie, Patientenautonomie, Schiefe Ebene, Embryonenstatus, Selektion, Pränataldiagnostik, Menschenwürde, Krankheitsbegriff

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Kritik der medizinethischen Debatte um die Präimplantationsdiagnostik (PGD), wobei insbesondere verschiedene Argumentationstypen beleuchtet werden.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die rechtliche Zulässigkeit, die naturwissenschaftlichen Grundlagen, der moralische Status von Embryonen sowie Fragen der sozialen Gerechtigkeit und Diskriminierung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die Komplexität der medizinethischen Diskussion aufzuzeigen und die Strukturen der verschiedenen Argumentationstypen (pragmatisch, gesellschaftspolitisch, kategorisch) herauszuarbeiten.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Der Autor nutzt eine systematische Analyse medizinethischer Literatur und Stellungnahmen, um die verschiedenen Argumentationsstränge zu beschreiben und kritisch zu hinterfragen.

Was steht im Mittelpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Untersuchung medizinischer und rechtlicher Grundlagen sowie die Begriffsanalysen (Krankheit, Autonomie, Technikbilder) und die ethische Bewertung durch die verschiedenen Argumentationstypen.

Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter?

Wichtige Schlagworte sind PGD, Eugenik, Autonomie, Schiefe Ebene, Embryonenstatus und Menschenwürde.

Warum wird der "Lübecker Fall" in der Arbeit angeführt?

Der "Lübecker Fall" dient als konkrete Kasuistik, um die pragmatische Argumentation für die PGD, insbesondere die Abwägung psychischer Belastungen gegenüber der PND, zu veranschaulichen.

Wie unterscheidet der Autor zwischen klassischer und neuer Eugenik?

Der Autor unterscheidet sie primär durch die Handlungsweise: Während die klassische Eugenik staatlich gelenkt und aktiv war, vollzieht sich die "neue Eugenik" ("Eugenik von unten") passiv und durch individuelle, auf persönlichen Präferenzen basierende Entscheidungen der Eltern.

Warum wird das Konzept der "Schiefen Ebene" so intensiv diskutiert?

Das Konzept ist zentral, da viele Kritiker der PGD befürchten, dass eine anfängliche Zulassung für schwere Erbkrankheiten unweigerlich zu einer Ausweitung auf weniger schwere Indikationen und schließlich zu einer allgemeinen "Designer-Baby"-Mentalität führt.

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Details

Title
Analyse und Kritik der medizin-ethischen Diskussion zur Präimplantationsdiagnostik
Subtitle
Eine Übersichtsarbeit zum Diskussionsstand bis 2003
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"
Grade
summa cum laude
Author
Daniel Strech (Author)
Publication Year
2003
Pages
159
Catalog Number
V162410
ISBN (eBook)
9783640767380
ISBN (Book)
9783640767427
Language
German
Tags
Kritik Diskussion Präimplantationsdiagnostik Eine Diskussionsstand Ethik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Daniel Strech (Author), 2003, Analyse und Kritik der medizin-ethischen Diskussion zur Präimplantationsdiagnostik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162410
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