Der vorliegende Kommentar soll die Besonderheiten des Haderbuches für Ober-Ingelheim von 1387 bis 1391 dokumentieren und näher beschreiben.
Im Rahmen einer universitären Exkursion wurde vom 26.11.2007 bis zum 28.11.2007 das o.g. Haderbuch (OI 1387-1391) von mir in Augenschein genommen und bildlich erfasst . Der Kommentar stützt sich im Wesentlichen auf die Grundaufnahme, die das Ergebnis der Untersuchungen und der Arbeit mit den Primärquellen vor Ort darstellt. Darüber hinaus wurden einzelne Sachverhalte und Problemfälle im entsprechenden Hauptseminar „Die Ingelheimer Haderbücher“ erörtert, nachgeprüft und besprochen.
Für das Haderbuch OI 1387 – 1391 bot sich die Anfertigung eines Kommentars an, zumal diverse Besonderheiten festzustellen sind, die für die weitere Vertiefung der Arbeit mit den Haderbüchern bedeutsam sein können. Umso wichtiger scheint es, zumal die Haderbücher bis dato nicht ediert wurden und sie sich noch im Prozess der wissenschaftlichen Erforschung befinden.
Grundlegende Daten und Informationen werden, um den Rahmen dieses Kommentars nicht zu sprengen, nicht erwähnt und sind der detaillierten Grundaufnahme zu entnehmen.
Um mögliche Konfusion zu Vermeiden sei vorab schon erwähnt, dass es sich bei dem untersuchten Haderbuch definitiv um ein Haderbuch aus Oberingelheim handelt. Die handschriftliche Aufschrift auf dem Aktendeckel, welche das Haderbuch als „Niederingelheim“ betitelt, ist nicht zutreffend. Anhand der Sitzungstage lässt sich zweifelsfrei rekonstruieren, dass bis auf vereinzelte Ausnahmen dienstags, donnerstags und samstags getagt wurde. Demzufolge muss es sich eindeutig um ein Haderbuch aus Ober-Ingelheim handeln.
Die Grundaufnahme ist dieser Arbeit beigefügt.
1.Einleitung
2. Besonderheiten
2.1. Erhaltungszustand des Haderbuches
2.2. Rekonstruktion der Lagenstärke der ersten Lage
2.3. Zeitliche Verwerfungen
2.4. Regelmäßigkeit der Gerichtstage
2.5. Eingeschobene kleine Zettel
2.6. Weitere Besonderheiten
3. Resümee
4. Bibliographie
Der Kommentar
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Besonderheiten
2.1. Erhaltungszustand des Haderbuches
2.2. Rekonstruktion der Lagenstärke der ersten Lage
2.3. Zeitliche Verwerfungen
2.4. Regelmäßigkeit der Gerichtstage
2.5. Eingeschobene kleine Zettel
2.6. Weitere Besonderheiten
3. Resümee
4. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die spezifischen Besonderheiten des Haderbuches für Ober-Ingelheim aus den Jahren 1387 bis 1391 wissenschaftlich zu dokumentieren und zu analysieren, um so einen Beitrag zur Erforschung der bislang nicht edierten Quellen zu leisten.
- Erhaltungszustand und physische Beschaffenheit des Haderbuches
- Rekonstruktion der Lagenstruktur und Datierungsfragen
- Analyse zeitlicher Unstimmigkeiten in den Protokolleinträgen
- Untersuchung der Regelmäßigkeit der Gerichtssitzungen
- Dokumentation von Beilagen und unbeschriebenen Flächen
Auszug aus dem Buch
2.3. Zeitliche Verwerfungen
Bei den zeitlichen Verwerfungen müssen grundsätzlich zwei Arten der chronologischen Unstimmigkeiten unterschieden werden.
Zum einen haben wir es im vorliegenden Haderbuch mit geringfügigen zeitlichen Unvereinbarkeiten mit der Datierung zu tun, die in der Regel auf eine vom Schreiber fehlerhafte Angabe des Datums zurückzuführen ist.
Ein Exempel stellt der letzte Eintrag auf der Rückseite von f.3 dar. Die Angabe des Datums „Actum sabbato in die conceptionis beatae Mariae virginis“ kann nicht korrekt sein. Der Festtag „Conceptio Marie“ verweist auf einen 8. Dezember. Für das Jahr 1387 ist der 8. Dezember allerdings ein Sonntag und somit nicht mehr vereinbar mit der Aussage, dass an einem Samstag getagt wurde. Unter Umständen wurde tatsächlich aus einem unbekannten Grund am Sonntag, den 8. Dezember 1387 getagt. Diese Annahme würde aber voraussetzen, dass absolut unüblicherweise an einem Sonntag getagt wurde und man darüber hinaus dem Schreiber den Fehler unterstellt, Sonntag zu meinen und Samstag zu schreiben, was orthographisch keinerlei Ähnlichkeiten aufweist und die Gefahr sich zu verschreiben eher minimiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Zweck des Kommentars zur Dokumentation des Ober-Ingelheimer Haderbuches und den Kontext seiner Entstehung im Rahmen einer universitären Exkursion.
2. Besonderheiten: Dieses Kapitel widmet sich der detaillierten Untersuchung äußerer Merkmale, Datierungsproblematiken, der Lagenrekonstruktion sowie den Besonderheiten in der Protokollführung.
3. Resümee: Die Zusammenfassung bestätigt die Identität des Haderbuches als Ober-Ingelheimer Quelle, resümiert den guten Erhaltungszustand trotz einiger Mängel und betont die hohe Regelmäßigkeit der Gerichtstätigkeit.
4. Bibliographie: Das Verzeichnis listet die verwendeten Quellen und Arbeitspapiere für die wissenschaftliche Bearbeitung auf.
Schlüsselwörter
Ober-Ingelheim, Haderbuch, Rechtsgeschichte, Gerichtsprotokolle, Paläographie, Handschriftenkunde, Datierung, Sigfried von Amöneburg, Mittelalter, Gerichtstage, Archivwesen, Quellenforschung, Lagenrekonstruktion, Wasserzeichen, Urkundswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der detaillierten Kommentierung und Analyse des Haderbuches aus Ober-Ingelheim für den Zeitraum von 1387 bis 1391, um dessen Besonderheiten wissenschaftlich zu erschließen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Im Fokus stehen der Erhaltungszustand des Manuskripts, die Rekonstruktion der Lagenstärke, die kritische Prüfung von Datierungsfehlern sowie die Ermittlung der Regelmäßigkeit der Gerichtssitzungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Eigenheiten des nicht edierten Haderbuches zu dokumentieren, um eine fundierte Grundlage für die weitere wissenschaftliche Erforschung der Ingelheimer Haderbücher zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine direkte Grundaufnahme der Primärquellen vor Ort sowie auf die Auswertung und Erörterung von Problemfällen im Rahmen eines Hauptseminars.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Untersuchungen zur physischen Beschaffenheit, chronologische Korrekturen einzelner Datierungseinträge, statistische Auswertungen der Sitzungsdichte und die Beschreibung von eingeschobenen Zetteln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Ober-Ingelheim, Haderbuch, Rechtsgeschichte, Quellenforschung, Gerichtsprotokolle und Paläographie.
Warum ist die Zuordnung zu Ober-Ingelheim trotz der Aktendeckel-Aufschrift sicher?
Die Rekonstruktion der Gerichtstage anhand der Daten zeigt, dass die Sitzungen üblicherweise dienstags, donnerstags und samstags stattfanden, was eine eindeutige Zuweisung zu Ober-Ingelheim erlaubt, da in Nieder-Ingelheim andere Wochentage üblich waren.
Was lässt sich über die Regelmäßigkeit der Gerichtssitzungen sagen?
Die Kalkulation über den Zeitraum von 1387 bis 1391 deutet auf eine sehr hohe Regelmäßigkeit der Gerichtstätigkeit von etwa 90 % hin, was auf eine rege Nutzung der Institution durch die Bevölkerung schließen lässt.
- Quote paper
- Luigi Tucciarone (Author), 2008, Die Ingelheimer Haderbücher, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162414