Politische Erziehung in der DDR

Der Wehrunterricht in der DDR


Hausarbeit, 2008

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der Wehrerziehung in der DDR
2.1. Historische Einordnung
2.2. Gründe für die Einführung des Wehrunterrichts

3. Wehrunterricht in der DDR
3.1. Die wehrpolitisch-propagandistische Ausbildung
3.2. Die vormilitärische Ausbildung

4. Folgen der Einführung des Wehrunterrichts

5. Fazit

Quellen

„ Der dort drüben steht mit der Waffe, könnte mein Bruder sein.

Doch was ist ein Bruder? Kain erschlug Abel.

Märchen erz ä hlen von feindlichen Brüdern, doch auch das beweist nichts! “

Neue Soldatenlieder im Gespräch: 1. Strophe aus „Mein Bruder, mein Feind“, 1978

1. Einleitung

Die ausgewählte Strophe aus einem Soldatenlied der DDR zeigt den Zwiespalt an der innerdeutschen Grenze zu Zeiten der Teilung von BRD und DDR. Beide Staaten physisch lediglich durch eine Mauer getrennt, wurden viel mehr noch durch ihre Ideologien getrennt - gleichwohl es sich um Brüder oder Schwestern handelte, da sie einem Volk entsprangen.

Das Seminar „Die Bildung des Bürgers. Politische Bildung im 20. Jahrhundert“ stellte unterschiedliche Erziehungskonzepte zu den sich ständig verändernden Staats- und Gesellschaftsformen vor. Wie auch das eingangs gewählte Zitat darstellt, ist dabei vor allem die Zugehörigkeit zur jeweiligen Staatsform entscheidend dafür, welchem Erziehungskonzept man ausgesetzt wurde. Ohne dies bereits zu werten, lässt sich aus den Erfahrungen der heutigen Generation bereits festhalten, dass das einstige Deutschland durch die Teilung unterschiedlichen politischen Vorstellungen von Erziehung und den zu erfüllenden Aufgaben im Staat gegenüberstand. Die Erziehung in der DDR wurde im Seminar anhand dreier Seminar aufgezeigt, so waren dies die Pionierorganisationen, die Jugendweihe und schließlich der Wehrkundeunterricht. Eben dieser Wehrunterricht sollte einen maßgeblichen Beitrag zur Entwicklung junger, sozialistischer Staatsbürger leisten und wurde somit von der politischen Führung forciert.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse und Darstellung des Wehrunterrichts in der DDR. Die zentrale Frage innerhalb der Ausarbeitung ist, wie es Politik zu schaffen versucht einstige „Brüder“ soweit von einander zu distanzieren. Beginnend mit einer historischen Einbettung wird zunehmend der Fokus,über die Gründe der Einführung hinaus, auf die Inhalte des Unterrichtsfaches gelenkt. Mit einer Darstellung der wehrpolitisch- propagandistischen und vormilitärischen Ausbildung werden die Inhalte der beiden Bestandteile des Wehrkundeunterrichts aufgezeigt. Die Folgen der Einführung beschreiben die Situation der ostdeutschen Bevölkerung in den Jahren der sozialistischen Erziehung. Im Fazit wird abschließend eine zusammenfassende Bewertung der vorangegangenen Teile vorgenommen.

2. Grundlagen der Wehrerziehung in der DDR

2.1. Historische Einordnung

Bereits unmittelbar nach der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) am 07. Oktober 1949 begann eine erste vormilitärische Ausbildung durch die Wehrsportgemeinschaften der FDJ in den Jahren 1950/51. Als eine Reaktion auf die Unterzeichnung des Vertragsüber die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) am 27. Mai 1952 wurden zahlreiche Institutionen erschaffen. So gründeten sich in dieser Zeit die Gesellschaft für Sport und Technik, das Deutsche Rote Kreuz und Betriebskampfgruppen. Auch die Delegation von vormilitärischen Aufgaben an die Freie Deutsche Jugend (FDJ) gehörte zu der - als notwendig erachteten - vormilitärischen Ausbildung der Bevölkerung.1

Mit der Gründung der Bundeswehr und der Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland (BRD) in die NATO sah sich das SED-Regime 1955 genötigt die eigene Verteidigungsfähigkeit zu erhöhen. Daher erging darauf der Beschluss, dass alle 14- bis 18- Jährigen zur vormilitärischen Ausbildung herangezogen werden sowie eine höhere Bereitstellung von finanziellen Mitteln erfolgen soll. Somit war auch die Grundlage geschaffen eine eigene Armee zur Sicherung der Nation inner- und außerhalb der Grenzen aufzustellen und ein Militärbündnis mit dem Ostblock einzugehen. So wurde bereits am 14. Mai 1955 der Vertragüber Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigem Beistand unterzeichnet und am 18. Juni 1956 gründete sich die Nationale Volksarmee (NVA) zunächst als Freiwilligenarmee. Die allgemeine Wehrpflicht wurde unmittelbar nach dem Mauerbau von Berlin im Januar 1962 eingeführt. Im gleichen Jahr wurden Kommissionen für sozialistische Wehrerziehung eingerichtet, welche die Umsetzung der ideologischen Arbeit an der Bevölkerung durch Steuerung der betreffenden Organisationen auf Kreis-/ Bezirksebene gewährleisten sollte.2 Der Auftrag der Wehrerziehung lässt sich mit zwei Punkten zusammenfassen, die aber in ihrer Kürze jedoch nicht in Ansätzen ihre Tragweite erkennen lassen: Zum einen war es der Auftrag der Wehrerziehung in der DDR langfristig die Stabilität der Gesellschaft durch „aktive Disziplin“ im marxistisch-leninistischen Sinne und zum anderen den Nachwuchs der NVA zu sichern.3

Es lässt sich feststellen, dass die DDR ihre Aufrüstung von langer Hand geplant und die Legitimation hierfür in der BRD und NATO gesucht und gefunden hat. Ebenso gelang es der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) den „Klassenfeind“ im Westen ihrer Bevölkerung als Bedrohung zu verkaufen. Durch die vormilitärische Ausbildung, welche bereits im frühen Kindesalter durch beispielsweise Heimatkundeunterricht begann, wurde somit gezielt auf die Meinungsbildung der unreifen Individuen eingewirkt. Man beschrieb dabei das Ideal der sozialistischen Soldatenpersönlichkeit, um die Bereitschaft zu erhöhen sein Land gegen den Klassenfeind zu verteidigen.4 Man erkennt dies besonders in den damaligen Lehrbüchern, welche einen affirmativen und nicht reflexiven Charakter besaßen und somit konträr dem heutigen Verständnis von politischer Bildung gegenüberstehen.5

Versucht man nun im nächsten Schritt zunächst die geschaffenen Institutionen der Wehrerziehung kurz aufzuzeigen, stellt sich zugleich die Größe des Erziehungsapparates in der DDR. Entlang der Kindheits- und Jugendphasen eines Menschen dar, beginnt die institutionelle Wehrerziehung mit dem Eintritt in die Pionierorganisation „Junge Pioniere“ bereits in der ersten Klasse, in der vierten Klasse schloss sich die „freiwillige“ Teilnahme bei den „Thälmannpionieren“ an. Nahtlos trat man ab der achten Klasse der „Freien Deutschen Jugend“ bei. Diesen zunächst außerschulischen Verpflichtungen folgte der Wehrkundeunterricht in der Schule, auf welchem im Verlauf dieser Arbeit der Schwerpunkt liegen wird. Jedoch bildete dies nicht den Abschluss des Erziehungsplans der DDR. So wurden in den Erweiterten Oberschulen ebenso wehrpolitische Unterrichtungen und die vormilitärische Ausbildung vorangetrieben.6 Schließlich bildete die Gesellschaft für Sport und Technik eine Möglichkeit die jungen Erwachsenen durch kostenfreie oder kostengünstige Lehrgänge sowohl in ihrer gesellschaftlichen Haltung als auch in ihrer Bereitschaft den Wehrdienst anzutreten im Sinne der Obrigkeit gefördert werden. Die Einflussnahme des Staates auf die Bürger lässt sich zu keinem Zeitpunkt als beendet bezeichnen, da auch die Berufsausbildung sozialistische Wehrerziehung auf dem Ausbildungsplan festschrieb.7 Selbst das Hochschulstudium war geprägt von der Auflage „sozialistische Haltungen undüberzeugungen“ zu fördern und diese in einer Grundlagenausbildung entsprechend zu vermittelt.8

Wie dadurch aufgezeigt werden konnte und sich auch im weiteren Verlauf zeigen wird, hat die SED bei der Konzeption ihrer Wehrerziehung keine Sozialisationsinstanz ausgelassen. Doch wie gestaltete sich die Entwicklung bis hin zum Wehrunterricht und was waren die wesentlichsten Gründe für die Einführung eines solchen Unterrichtsfachs? Der nächste Abschnitt stellt die Gründe dar, bevor im darauffolgenden Abschnitt die Inhalte beschrieben werden.

2.2. Gründe für die Einführung des Wehrunterrichts

Wie bei der Gründung der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) und dem sozialistischen Arbeitsdienst 1952 orientierte sich die DDR an dem sowjetischen Vorbild. Das marxistisch- leninistische Weltbild des Ostblocks trug maßgeblich zur Herausbildung des verhassten Feindbildes, dem eines Imperialisten bei. So dass nicht nur die Militarisierung des Staates eine logische Folge war, sondern auch die Bevölkerung der DDR ideologisch erzogen werden musste. Eine Umfrage im Auftrag des Zentralrates der FDJ im Jahre 1973 zeigte, dass lediglich rund Zweidrittel (68%) aller 1155 befragten Jugendlichen stolz ist Staatsbü]rger der DDR zu sein und die uneingeschränkte Identifikation mit der DDR als Heimatland beantworteten ebenso nur 64% aller Facharbeiter, 75% der Lehrlinge und 71% der Studenten mit vollkommenen Einverständnis zur Aussage.9 Ungern gesehen war auch das Ergebnis, dass 38% der Facharbeiter, 45% der Lehrlinge und 37% der Lehrlinge eine Wiedervereinigung beider deutscher Staaten für wahrscheinlich hielten und mehr als die Hälfte der Befragten insgesamt es sich sogar wünschen würden. So wurde 1973 der defizitäre Patriotismusgedanke der Staatsbürger sehr ernst genommen und trotz der friedlichen Koexistenz eine „Auseinandersetzung mit dem Imperialismus“ verlangt, denn „an der ideologische Front herrscht keine Waffenruhe“.10 Das Gegenteil war der Fall, so betonte der DDR-Verteidigungsminister Theodor Hoffmann, dass „…der Kampfauftrag der NVA nicht an der Elbe und Werra endet, sondern unsere Armee ebenso wie die sozialistischen Bruderarmeen als Instrumente des Sozialismus zur militärischen Zerschlagung des Imperialismus auf dessen eigenem Territorium handeln würde.“11

Das Zentralinstitut für Jugendforschung unter Walter Friedrich forderte auf Grund der Untersuchungsergebnisse den Gegensatz zwischen der BRD und DDR durch politischideologische Arbeit stärker herauszuarbeiten. Weitere Berichte, wie beispielsweise jener des Zentralrates der FDJ im Jahre 1974 arbeiteten ebenso ein mangelndes Freund-Feind-Bild der jungen sozialistischen Staatsbürger heraus und der Druck auf das SED-Regime stieg sich nicht in der „sozialistischen Welt“ zu blamieren. Weiterhin erreichte zu Beginn und Mitte der 1970er Jahre ein Ausläufer der 68er-Bewegung die DDR. Die entsprechenden Sitten und Gepflogenheiten dieser Zeit bezeichnete die SED-Führung als individualistisch, kleinbürgerlich und asozial, was der sozialistischen Auffassung vom Verhalten Jugendlicher widersprach und somit unterbunden werden musste.12

[...]


1 Vgl. Koch, S. 7

2 Vgl. Koch, S. 8 und Bröckermann, S. 14

3 Vgl. Sachse, S. 239ff

4 Vgl. Rogg, S. 17

5 Vgl. Detjen, S. 205f

6 Vgl. Bildungswesen der Deutschen Demokratischen Republik, S. 83f

7 Vgl. Bildungswesen der Deutschen Demokratischen Republik, S. 102

8 Vgl. Bildungswesen der Deutschen Demokratischen Republik, S. 168

9 Vgl. Koch, S. 23f

10 Vgl. Koch, S. 26

11 Vgl. Henrich, S.44

12 Vgl. Koch, S. 29f

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Politische Erziehung in der DDR
Untertitel
Der Wehrunterricht in der DDR
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
16
Katalognummer
V162425
ISBN (eBook)
9783640773831
ISBN (Buch)
9783640774005
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehung in der DDR, DDR, Wehrunterricht
Arbeit zitieren
B.A. David Wolf (Autor), 2008, Politische Erziehung in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162425

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