Angestoßen durch einen kurzen Text von Erwin Schrödinger, in dem er die Einheit des Bewusstseins und die Frage reflektiert, welche Funktion der Geist in Bezug auf die Materie erfüllt, werden die Begriffe Geist und Materie, Mensch und Maschine, Determinismus und Abhängigkeit einander gegenübergestellt. Es wird die These angedacht, dass physikalische Gesetze nur im Bereich der unbelebten Materie ihre universale Gültigkeit bewahren und der Geist als eine Funktion des Lebendigen damit jenseits aller Naturgesetze liegt. Für das, was wir nach physikalischen Gesetzen gebaut haben, gelten diese, für Lebendiges aber, das sich durch die Fähigkeit auszeichnet, sich eigenen Gesetzen und immer wieder neu anderen Gesetzen zu unterwerfen, scheint es unmöglich universale Gesetzmäßigkeiten zu entdecken. Ein Naturgesetz ist eine legitime Perspektive, mit der wir in mathematischen Formeln alles auf Quantitäten reduzieren - doch Qualitäten, Normativität, Geist, das, was Lebendiges ausmacht, kommen sie darin vor?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fragen stellen
3. Begriffe finden
3.1 Geist und Materie
3.2 Mensch und Maschine
3.3 Abhängigkeit und Determinismus
4. Zusammenfassung
5. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Geist, Bewusstsein und Materie vor dem Hintergrund naturwissenschaftlicher Erkenntnisse, insbesondere angestoßen durch die Überlegungen Erwin Schrödingers, um philosophisch zu reflektieren, ob der Geist als Funktion des Lebendigen jenseits deterministischer Naturgesetze existiert.
- Philosophische Reflexion über die Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis
- Untersuchung der Differenz zwischen Lebewesen und Maschine
- Analyse des Verhältnisses von Geist und Materie
- Kritische Betrachtung von Determinismus und Willensfreiheit
- Erörterung der Einzigartigkeit lebendiger Identität und Dauer
Auszug aus dem Buch
3.2 Mensch und Maschine
Was haben Mensch, Tier, Pflanze bis zum kleinsten Organismus, bis zur kleinsten Zelle einer jeden Maschine voraus? Welche Möglichkeiten haben wir eine von uns gebaute Maschine zu erklären? Wir können erklären, woraus sie besteht, alle ihre Teile aufzählen und deren Struktur. Wir können uns darum bemühen, ihre Technik (Mechanik, Hydraulik, Kybernetik, Informatik...), naturwissenschaftlichen (physikalischen, chemischen...) Grundlagen zu erläutern oder wir können es uns etwas einfacher machen und darauf verzichten, jeden einzelnen Mechanismus zu verstehen und wir beschränken uns darauf, die Funktionsweise der Maschine zu erklären: Welche Funktionen erfüllen die einzelnen Teile, welche Funktion hat die Maschine als ganze, welchem Zweck dient sie? Schon bei einer einfachen Maschine werden wir feststellen, dass das Ganze mehr ist als seine Teile. Eine zerlegte Uhr funktioniert nicht. Zusammengebaut, jedes Teil am richtigen Ort, funktioniert sie, kann und ist sie mehr als nur eine Ansammlung von Materie. Sie hat eine Struktur und mit dieser erfüllt sie eine bestimmte Funktion. Diese Struktur und Funktion hat sie aber nicht durch sich selber, sie wurden ihr aufgezwungen, eingebaut. Dadurch ist die Maschine determiniert und wird immer nach dieser Struktur funktionieren, solange sie den ihr eingebauten, den ihrer Struktur vorausgesetzten, Gesetzen gehorcht. Gehorcht sie diesen nicht mehr, ist sie kaputt. Wenn sie kaputt geht, kann sie sich nicht selber reparieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale philosophische Problematik ein, welche Rolle Geist und Bewusstsein im Verhältnis zu Naturgesetzen und Materie spielen.
2. Fragen stellen: Das Kapitel erörtert mit Rückgriff auf Henri Bergson, dass eine korrekte philosophische Problemstellung entscheidend für den Erkenntnisfortschritt ist und hinterfragt, ob das Verhältnis von Geist und Körper oft falsch gerahmt wird.
3. Begriffe finden: Dieser Teil steckt den theoretischen Rahmen ab, indem er die Begriffe Geist, Materie, Mensch und Maschine definiert und kritisch gegeneinander abgrenzt.
3.1 Geist und Materie: Es wird die These entwickelt, dass Geist und Materie keine Gegensätze sind, sondern unterschiedliche Funktionen des Lebendigen, wobei Geist als Identität stiftende Dauer verstanden wird.
3.2 Mensch und Maschine: Hier wird die fundamentale Unterscheidung zwischen der determinierten Struktur einer Maschine und der regenerativen, normativen Freiheit eines Lebewesens herausgearbeitet.
3.3 Abhängigkeit und Determinismus: Das Kapitel untersucht das Verhältnis von neuronalen Prozessen zu geistigen Abläufen und lehnt einen strikten Determinismus zugunsten einer gegenseitigen Abhängigkeit ab.
4. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass physikalische Gesetze primär für unbelebtes Sein gelten, während lebendige Systeme durch ihre Fähigkeit zur Selbstnormierung unberechenbar und somit jenseits universeller Naturgesetze bleiben.
5. Literaturangaben: Eine Auflistung der verwendeten philosophischen und wissenschaftlichen Quellen zur Fundierung der Argumentation.
Schlüsselwörter
Geist, Materie, Bewusstsein, Naturgesetz, Lebewesen, Maschine, Determinismus, Willensfreiheit, Identität, Dauer, Evolution, Funktionalismus, Philosophie, Naturwissenschaft, Selbstnormierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Untersuchung von Geist und Bewusstsein sowie deren Stellung gegenüber der materiellen Welt und den Naturgesetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von Lebewesen und Maschinen, der Natur des Geistes als Funktionsweise des Lebens sowie der Kritik an deterministischen Weltbildern.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, den Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis nachzudenken und aufzuzeigen, dass lebendige Phänomene sich nicht vollständig auf mathematisch erfassbare Quantitäten reduzieren lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine philosophische Reflexion, die aktuelle naturwissenschaftliche Debatten (z.B. von Schrödinger, Bergson und Kandel) heranzieht, um Begriffe zu klären und theoretische Argumente zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Grundbegriffen, die Gegenüberstellung von Geist und Materie, den Vergleich zwischen biologischen Organismen und technischen Konstruktionen sowie eine Analyse des Determinismus-Problems.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Geist, Materie, Bewusstsein, Lebewesen, Maschine, Determinismus, Dauer und die Freiheit des Lebendigen gegenüber starren Naturgesetzen.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen lebendigen Organismen und Maschinen?
Die Autorin argumentiert, dass Maschinen durch ihre Struktur fest determiniert sind und sich nicht selbst regenerieren können, während Lebewesen die Freiheit besitzen, eigene Normen zu etablieren und sich anzupassen.
Was ist das zentrale Argument zur Rolle von Naturgesetzen?
Es wird angeführt, dass physikalische Naturgesetze lediglich auf unbelebtes Sein und Quantitäten anwendbar sind, das Lebendige sich jedoch durch seine Qualität der Dauer und Veränderung einer universellen Vorhersagbarkeit entzieht.
- Citation du texte
- Mag. Mag. Mag. Renate Enderlin (Auteur), 2010, Reflexionen zum Begriff "Geist", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162505