Die Elternberatung als eine Methodik der Sozialen Arbeit

Professionelle Elternberatung vs. Super Nanny


Seminararbeit, 2010
21 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Elternberatung allgemein
2.1 Die Elternberatung als ein Arbeitsfeld der Beratung
2.2 Die Formen der Elternberatung
2.3 Wann erfolgt eine Elternberatung?
2.4 Was geschieht bei einer Elternberatung?
2.4.1 Wichtig für den Beratungsprozess
2.4.2 Der Beratungsprozess

3 Fallbeispiel Super Nanny
3.1 Der Fall
3.2 Handeln in einer professionellen Elternberatung
3.3 Handeln der Super Nanny
3.4 Vergleich und Fazit

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

6 Anlagenverzeichnis

1 Einleitung

Es gibt Zeiten, in denen das Verhältnis zwischen Kindern und ihren Eltern schwierig ist. Häufig kommt dies beispielsweise während des 'Trotzalters', bei der Einschulung, in der Pubertät, bei der Trennung oder Scheidung der Eltern und bei Krankheit vor. Das in diesen Phasen auftretende Verhalten der Kinder kann für Eltern schmerzlich und konfliktreich sein. Ebenfalls das Auftreten abweichender Verhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen führen im alltäglichen Familienleben zu Konfliktsituationen – manches verursacht durch einen eventuellen unterschiedlichen Erziehungsstil. In solchen Situationen ist es wichtig, dass die Eltern Hilfe in Anspruch nehmen können. In der hier vorliegenden Arbeit wird beschrieben, wie solch eine Hilfe in Form einer Elternberatung erfolgen kann. Neben dem eigentlichen Prozess der Beratung, in dem einiges zu beachten ist, wird aufzeigt, was man unter dieser Methodik verstehen kann, welche Formen es gibt, wann eine Elternberatung erfolgt. Am Ende der Arbeit wird ein Vergleich zwischen einer professionellen Beratung in einer Eltern- beratungsstelle und der Handlungsweise der Super Nanny im Fall Familie Aytan aus Gundelfingen gezogen.

2 Elternberatung allgemein

2.1 Die Elternberatung als ein Arbeitsfeld der Beratung

Beratung ist eine weitverbreitete und vielfältige Hilfeform, eine der zentralen profes- sionellen Handlungsorientierungen und eine der wichtigsten Methoden sozialer, sozialpädagogischer und psychosozialer Arbeit. Einerseits versteht sich Beratung als eigenständige Methode, praktiziert in Beratungsstellen und -sprechstunden oder in aufsuchenden Angeboten. Beratung ist hier der Oberbegriff für die Form der Inter- aktion zwischen HelferInnen und KlientInnen. Gleichzeitig zieht sich Beratung als „Querschnittsmethode“ durch nahezu alle anderen Hilfeformen wie Betreuung, Pflege, Einzelfallhilfe, Gruppen- und Gemeinwesenarbeit, Bildungsmaßnahmen, Er- ziehung, etc.. So kann beispielsweise in einem eher unspezifischen Unterstützungs- angebot wie der Betreuung von Einzelnen oder Familien neben Alltagsbegleitung und praktischer Hilfe Beratung eine der wichtigsten Kommunikationsformen zwischen HelferIn und KlientIn sein.

Unter einer Beratung versteht man demnach eine Interaktion zwischen zumindest zwei Beteiligten, bei der die beratende(n) Person(en) die Ratsuchende(n) – mit Ein- satz von kommunikativen Mitteln – dabei unterstützen, in Bezug auf eine Frage oder auf ein Problem mehr Wissen, Orientierung oder Lösungskompetenz zu gewinnen1.

Wie bereits ersichtlich wurde, ist die alltägliche Arbeit in der Beratungspraxis ein breitgefächertes Aufgabenfeld – unterteilt in mehrere Arbeitsfelder. Eines davon ist die Elternberatung. Dieses Arbeitsfeld ist ein Angebot für Eltern, die Hilfe, Unter- stützung oder auch Orientierungshilfe benötigen. Eine solche Beratung ist für das Elternpaar zum einen unterstützend, klärend, helfend und/oder konstruktiv; zum anderen aber auch informativ und stärkend.

Hierbei ist festzuhalten, dass neue Ergebnisse der Entwicklungspsychopathologie belegen, dass der familiäre Hintergrund als ein kausaler Faktor zentrale Bedeutung bei der Entstehung psychischer Störungen im Kindes- und Jugendalter besitzt. In der Elternberatung soll eine Einstellungs- und Verhaltensänderung bei den Eltern er- reicht und damit die familiäre Interaktion modifiziert werden2. Somit bezieht sich der Begriff Elternberatung auf alle Interventionen, die sich direkt auf das Elternverhalten, Erziehungseinstellungen und Ähnlichem beziehen. Hierdurch soll in indirekter Form das familiäre Zusammenleben bestimmt werden.

Welche Formen solch einer Elternberatung bestehen, in welchen Fällen Eltern diese in Anspruch nehmen bzw. auch selbst zu einem Gespräch aufgesucht werden und wie eine Beratung erfolgt, wird in den folgenden Abschnitten ersichtlich.

2.2 Die Formen der Elternberatung

Die Beratung, als eine Methodik der Sozialarbeit, verläuft überwiegend in Form von professioneller Arbeit bzw. Handlungsweise. Jedoch muss eine Elternberatung nicht zwingend in einer professionellen Beratungspraxis bzw. Beratungsstelle stattfinden, sondern kann auch direkt in einer Institution mit dem dortigen Fachpersonal erfolgen. Hierzu zählen beispielsweise Elterngespräche mit dem Lehrpersonal einer Schule oder dem/der ErzieherIn einer Kindertageseinrichtung. Hierbei wendet sich entweder das Fachpersonal bei bestehenden Problemsituationen an die Eltern oder umgekehrt. Schlechte Schulleistungen, als Beispiel einer Problemsituation, sind hierbei eine mögliche Ursache für ein Gespräch zwischen LehrerInnen und Eltern.

Im Weiteren jedoch wird nur auf die Arbeit in einer professionellen Beratungspraxis eingegangen.

2.3 Wann erfolgt eine Elternberatung?

Eine Antwort auf diese Fragestellung bietet der § 28 SGB VIII 'Erziehungsberatung' (s. Anlage 1). Demnach sollen Erziehungsberatungsstellen und andere Beratungs- dienste und -einrichtungen die Eltern bei der Klärung und Bewältigung individueller und familienbezogener Probleme unterstützen. Zudem sollen diese Beratungsstellen den Eltern bei der Lösung von Erziehungsfragen, sowie bei Trennung und Schei- dung, Hilfe gewähren. Im Rahmen einer Elternberatung geht es demnach immer um die individuelle Hilfe für die jeweilige Familie.

Eltern wenden sich beispielsweise an eine Elternberatungsstelle, wenn sie mit der Erziehung ihres Kindes überfordert sind, ein Kontaktverlust zu ihren Kindern sichtbar wird, ihre Kinder typischen Schulproblemen wie Mobbing, schlechten Schul- leistungen oder häufigen Fehlzeiten ausgesetzt sind, ihr Kind offensichtlich an Drogenproblemen leidet, oder wenn sie selbst unter persönlichen Problemen wie Partnerwechsel, Trennung, Scheidung, Drogenkonsum, Arbeitslosigkeit oder Ähn- lichem leiden.

2.4 Was geschieht bei einer Elternberatung?

Wie eingangs erwähnt ist es wichtig Einiges zu beachten, damit Erfolge aus einem Beratungsprozess hervorgehen können - zudem müssen bestimmte Gegebenheiten vorhanden sein.

Aber wann kann man sagen, dass eine Elternberatung erfolgreich war? Beispiels- weise dann, wenn der gesamte Familienalltag gelassener gemeistert werden kann; ein neues Eltern-Kind-Verhältnis entsteht; Rechte, Bedürfnisse und Grenzen aller Be- teiligten wahrgenommen und berücksichtigt werden, Eltern ihren Kompetenzen als Erzieher vertrauen, die Kommunikation in der Familie verbessert wird; und vor allem wenn Offenheit, Klarheit und Humor den Familienalltag erleichtern.

Die beiden Folgeabschnitte (Punkt 2.4.1/Punkt 2.4.2) geben Klarheit darüber, was vor und während eines Beratungsprozesses zu beachten ist, und wie ein solcher ideell ablaufen könnte.

2.4.1 Wichtig für den Beratungsprozess

Das konkrete Vorgehen einer Elternberatung ist in der Regel sehr spezifisch. Jedoch wird es sich je nach individueller Problematik der Eltern bzw. des Elternteiles und deren/dessen personalen und sozialen Voraussetzungen und nach Persönlichkeit und Qualifikation des Beraters unterscheiden. Dennoch lassen sich generelle Aus- sagen zu beraterischen Handelns treffen. Diese beziehen sich auf Voraussetzungen erfolgreicher Beratungsprozesse, auf allgemeine Verlaufsmerkmale, sowie auf grund- legende Methoden und Handlungskonzepte von Elternberatern3.

Die Durchführung einer Beratung ist an einige Voraussetzungen geknüpft, welche eine wesentliche Rolle spielen und ohne die der Beratungsprozess nicht gelingen kann. Diese Voraussetzungen betreffen sowohl Berater als auch Klienten.

Neben Fachlichkeit, fachlicher Unabhängigkeit und dergleichen sind die wichtigsten Bedingungen Vertrauensschutz und Freiwilligkeit.

Eltern suchen Beratungsstellen in der Regel in Krisensituationen auf, welche von ihnen als belastend und oft auch als aussichtslos erlebt werden. Will man in der Be- ratung zu einer gemeinsamen Lösung gelangen, muss der Berater die jeweilige Problemsituation verstehen und der Klient sich zugleich diesem gegenüber öffnen. Dies kann nur auf der Basis von Vertrauen geschehen. Daher unterliegen Mitarbeiter von Beratungsstellen auch der Schweigepflicht bzw. Diskretion. Dies wurde umfang- reich im § 203 StGB (s. Anlage 2) gesetzlich verankert. Demnach dürfen Probleme und Aussagen der Klienten nur mit deren Einwilligung offenbart werden.

Einen weiteren wichtigen Stellenwert vor Beginn des Beratungsprozesses nimmt die Freiwilligkeit ein. Eine erfolgreiche Beratung erfordert immer eine aktive Beteiligung des Klienten. Letztlich sind es eben auch die Eltern, die ihre Probleme bewältigen müssen. Der Berater ist auf die Offenheit der Eltern angewiesen, da in der familiären Gesamtsituation nur dann etwas verändert werden kann, wenn genau thematisiert wird. Ein entsprechendes Engagement seitens der Eltern kann daher nur erwartet werden, wenn diese freiwillig eine Beratungsstelle aufsuchen – was jedoch nicht un- bedingt dem Regelfall entspricht. Eine sehr treffende Aussage hierzu verfasste Franz Stimmer: „...die unterstellte Freiwilligkeit allerdings doch meist relativiert in dem Sinne, dass Zwangsberatungen zwar ausgeschlossen sind, dass der Zwang der Er- eignisse, als Leidens- oder Handlungsdruck, die freie Entscheidung der Rat suchenden doch begrenzt, aber eben auch den Wunsch nach Veränderung...“4 Ebenfalls wichtig ist, dass die Eltern ein eigenes Anliegen im Beratungsprozess ver- folgen, um daraus profitieren zu können. Dieses liegt selbstverständlich nur dann vor, wenn sie nicht durch Dritte zu diesem Schritt bewegt wurden. Hierbei nimmt erneut die Freiwilligkeit einen wichtigen Stellenwert ein, wodurch sich der Kreislauf schließen lässt.

Es ist wichtig, dass der Elternberater selbst einige bestimmte Grundcharakter- eigenschaften mitbringt, um Eltern angemessen beraten zu können. Welche Eigenschaften bringt ein 'guter' Berater mit, und was sollte man bzw. was sollten die Eltern über ihn wissen?

Der/Die BeraterIn ist eine Person, die sich involvieren kann, aber auch in der Lage ist sich zurückzuziehen. Er zeigt Neugier gegenüber dem Familiensystem, aber auch Interesse an dem einzelnen Menschen. Ein Berater will nicht das Familiensystem verändern, sondern verstehen, wie das System funktioniert und welchen Logiken es folgt. Dieses Verständnis hilft bei der Findung positiver Wertungen. Der Berater achtet nicht zwingend auf Worte, sondern eher auf das Verhalten der Klienten. Er geht nicht in die Vergangenheit, sondern hilft Geschichten aus der Vergangenheit neu zu erzählen. Der Berater geht davon aus, dass jeder Mensch - auch schwache Menschen wie beispielsweise Kinder - in der Lage ist eine für ihn größtmögliche Verantwortung zu übernehmen. Er lässt sich nicht zu Schuldzuweisungen einladen, da diese zu keinen Veränderungen im System führen, sondern es eher beibehalten. Der Berater fragt sich immer erneut, was das System am Leben erhält, wie die Familien ihr Leben organisieren, was für Prinzipien und Grundideen die Menschen bewegen. Der Berater verbündet sich weder mit den Eltern noch mit anderen Personen. Der Berater hält Ausschau nach den Aspekten im Verhalten der Klienten. Der Berater ist bestrebt, die Klienten kompetent zu machen.

Das oberste Gebot jedoch ist immer das aktive Zuhören. Ein arabisches Sprichwort besagt: „Gott hat uns zwei Ohren gegeben, aber nur einen Mund, damit wir doppelt so viel zuhören wie sprechen“ 5

[...]


1 Vgl. Engel, Frank/Nestmann, Frank/Sickendick, Ursel (2008), S. 13

2 Vgl. Petermann, Franz/Petermann, Ulrike (2006), S. 347

3 Vgl. Strasser, Josef (2006), S. 69

4 Stimmer, Prof. Dr. Franz (Hrsg.) (2000), S. 79

5 Ansorg, Anja (2008), S. 91

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Elternberatung als eine Methodik der Sozialen Arbeit
Untertitel
Professionelle Elternberatung vs. Super Nanny
Hochschule
Hochschule Mittweida (FH)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V162593
ISBN (eBook)
9783640770335
ISBN (Buch)
9783640770434
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elternberatung, Methodik, Sozialen, Arbeit, Professionelle, Super, Nanny
Arbeit zitieren
Claudia Mueller (Autor), 2010, Die Elternberatung als eine Methodik der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162593

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Elternberatung als eine Methodik der Sozialen Arbeit


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden