Die Rolle des Bedeutungserwerbs beim Begreifen von Sprache und Kultur


Hausarbeit, 2006

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Wodurch können Probleme bei interkultureller Kommunikation entstehen?

3. Der Erwerb von Bedeutung als ein Erklärungsansatz
3.1. Wie vollzieht sich Bedeutungserwerb im Muttersprachenland?
3.2. Verschiedene Bedeutungen von sprachlichen Zeichen in unterschiedlichen Kulturen

4. Bedeutungserwerb in einer fremden Sprache
4.1. Bedeutungserwerb in fremdgesellschaftlicher Praxis
4.2. Bedeutungserwerb im institutionellen Fremdsprachenunterricht

5. Modelle zum Erwerb eines möglichst adäquaten fremdkulturellen Kommunikationsverhaltens
5.1. Das Modell „Relativierung"
5.2. Das Modell „Parallelisierung"
5.3. Das Modell „Konfrontierung"

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Zur Einführung in die Thematik der Hausarbeit möchte ich folgendes persönliches Beispiel illustrieren: Im Alter von elf Jahren besuchte ich mit meinen Eltern meine Schwester in Chile. Sie wurde in dem südamerikanischen Land geboren und lebt seitdem, abgesehen von einem fünfjährigen Aufenthalt in Deutschland, in dessen Hauptstadt Santiago de Chile. An einem der ersten Morgen in dem mir fremden spanischsprachigen Land ging meine Schwester aus dem Haus, um, wie sie mir entgegnete, „pan" für das Frühstück zu kaufen. Da mir das Wort unbekannt war, schlug ich es im Wörterbuch nach. Das spanische Wort „pan" wurde mit dem deutschen Wort „Brot" übersetzt. Auf Grund dieser Information freute ich mich darauf, mir zum Frühstück eine dicke Scheibe dunkel gefärbtes Brot von dem Laib, das meine Schwester mitbringen würde, abzuschneiden. Ich freute mich bei dem „pan" besonders auf die knusprige Kruste und darauf, richtig beißen zu müssen, da das Essen auf dem langen Hinflug ein Kauen desselbigen kaum eingefordert hatte. Doch meine Vorfreude wurde enttäuscht, denn das, was meiner Schwester von ihrem Einkauf mitbrachte, war eher eine Mischung aus einem Brötchen und einem Fladenbrot. Das „pan" war rund wie ein keiner Teller, die Unterseite war hell, die Oberseite durch das Backen nur geringfügig dunkler gefärbt, es enthielt keine ganzen Körner, die Konsistenz war weich und es schmeckte irgendwie nach Weißbrot...

Eine Situation wie die oben beschriebene wird wohl allen Personen, die sich einmal in der Sprache einer anderen, fremden Kultur versucht haben, bekannt sein. Aber was genau war der Auslöser des Missverständnisses in der o. g. Geschichte?

Anhand zweier Texte von Jörg Roche und Bernd-Dietrich Müller möchte ich einen Teil der dahinter stehenden Problematik darstellen und Möglichkeiten aufzeigen, dieser zu begegnen.

2. Wodurch können Probleme bei interkultureller Kommunikation entstehen?

Die spezifische Kultur einer Gemeinschaft prägt ihre Sprache. So individuell wie die Kultur von Menschen ist, so verschieden ist auch ihre Sprache und ihr Umgang mit Sprache(n). Bereits bei Menschen mit demselben kulturellen Hintergrund und derselben Sprache kann es auf Grund einer Vielzahl von möglichen Interpretationen und Konnotationen zu Verständnisproblemen kommen (vgl. Roche 2001, S.16). Bei der Auseinandersetzung mit Menschen aus einer anderen Kultur kann eine fremde Sprache eine weitere Quelle für Missverständnisse darstellen.

Roche nennt mehrere Punkte des Sprachgebrauchs, die Potential für Fehlschlüsse bei interkultureller Kommunikation beinhalten. Unterschiedliche Kulturen nutzen Sprache aus unterschiedlichen Intentionen heraus. In vielen westlichen Industriegesellschaften z.B. ist Sprache vor allem Zweckgebunden. Der Mensch möchte also durch Sprache etwas erreichen, etwas bewirken. Auf der anderen Seite gibt es Gesellschaften, die Sprache weniger zweckdienlich, sondern vorwiegend auf der Beziehungsebene nutzen, also um menschliche Verbindungen zu schließen oder zu pflegen (vgl. ebd, S.17). Des Weiteren führt Roche das Kriterium der nicht-sprachlichen Mittel wie Mimik und Gestik an, die ebenfalls Einfluss auf die Kommunikation haben. So ist es für Menschen aus unseren Breitengraden eher irritierend, wenn z.B. Menschen aus Rumänien etwas verneinen, aber dabei Nicken bzw. bei einer bejahten Aussage den Kopf schütteln (vgl. ebd, S.18).

3. Der Erwerb von Bedeutung als ein Erklärungsansatz

Zurückkehrend zu dem Beispiel aus der Einleitung bleibt die Frage, wie das dort beschriebene Missverständnis zustande kam. - Da ich das Wort „pan" nicht kannte, griff ich zum Wörterbuch und fand darin die Erklärung, dass das spanische Wort „pan" mit dem deutschen Wort „Brot" zu übersetzen sei. Auf Grund dieser Gleichsetzung „pan" = „Brot" fügte ich geistig die Bedeutung, die ich im Laufe meines Lebens zu dem Wort „Brot" entwickelt hatte, auch dem neuen Wort „pan" zu. Somit erwartete ich von dem „pan", dass es aussehen, duften und schmecken würde, wie mein deutsches „Brot". Diese Erwartung war insofern falsch, als dass „pan" in der chilenischen Kultur nun mal eine andere Bedeutung hat und von den Menschen der dortigen Gesellschaft mit dieser anderen Bedeutung verbunden wird.

Die unterschiedliche Verwendung von sprachlichen Zeichen steht in Verbindung mit der Bedeutung die sie für Menschen hat. Die Bedeutung eines sprachlichen Zeichens variiert somit von Person zu Person, von Sprache zu Sprache, von Kultur zu Kultur.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Rolle des Bedeutungserwerbs beim Begreifen von Sprache und Kultur
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Sprache - Zugehörigkeit - Partizipation
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
12
Katalognummer
V162602
ISBN (eBook)
9783640763108
ISBN (Buch)
9783640763450
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Sprache und Kultur, Bedeutungserwerb, Bedeutung, Begreifen von Sprache, DaF, DaZ, Deutsch als Fremdsprache, Deutsch als Zweitsprache, Zugehörigkeit, Partizipation, interkulturelle Kommunikation, Interkulturalität, Bedeutungserwerb im Muttersprachenland, Muttersprachler, Fremdsprache, Ikon, Ikonographie, fremdgesellschaftliche Praxis, institutioneller Spracherwerb, Fremdsprachenunterricht, fremdkulturelles Kommunikationsverhalten, Modell, Relativierung, Parallelisierung, Jörg Roche, Konfrontierung, Bernd-Dietrich Müller, Interpretation, Verständnisprobleme, Konnotation, Denotation, Sprachgebrauch, sprachliche Zeichen, Gesellschaft, Muttersprachenland, Eisbergmetapher, muttersprachliches Begriffsystem, fremdsprachliches Begriffsystem, concept formation, Fremdkultur, Bedeutungsaspekte, sprachlicher Kontext, Interlanguage, Entwicklungsstufe
Arbeit zitieren
M.Ed. Georg Rabe (Autor), 2006, Die Rolle des Bedeutungserwerbs beim Begreifen von Sprache und Kultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162602

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