Die spezifische Kultur einer Gemeinschaft prägt ihre Sprache. So individuell wie die Kultur von Menschen ist, so verschieden ist auch ihre Sprache und ihr Umgang mit Sprache(n). Bereits bei Menschen mit demselben kulturellen Hintergrund und derselben Sprache kann es auf Grund einer Vielzahl von möglichen Interpretationen und Konnotationen zu Verständnisproblemen kommen. Bei der Auseinandersetzung mit Menschen aus einer anderen Kultur kann eine fremde Sprache eine weitere Quelle für Missverständnisse darstellen. Beispiele für derartige Situationen wird jeder kennen, der sich einmal in der Sprache einer anderen, fremden Kultur versucht hat.
In dieser Hausarbeit wird somit der Frage nachgegangen, was genau die Auslöser solcher Missverständnisse sind. Anhand zweier Texte von Jörg Roche und Bernd-Dietrich Müller wird ein Teil der dahinterstehenden Problematik dargestellt sowie Möglichkeiten aufgezeigt, dieser zu begegnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wodurch können Probleme bei interkultureller Kommunikation entstehen?
3. Der Erwerb von Bedeutung als ein Erklärungsansatz
3.1. Wie vollzieht sich Bedeutungserwerb im Muttersprachenland?
3.2. Verschiedene Bedeutungen von sprachlichen Zeichen in unterschiedlichen Kulturen
4. Bedeutungserwerb in einer fremden Sprache
4.1. Bedeutungserwerb in fremdgesellschaftlicher Praxis
4.2. Bedeutungserwerb im institutionellen Fremdsprachenunterricht
5. Modelle zum Erwerb eines möglichst adäquaten fremdkulturellen Kommunikationsverhaltens
5.1. Das Modell „Relativierung“
5.2. Das Modell „Parallelisierung“
5.3. Das Modell „Konfrontierung“
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Ursachen von Missverständnissen in der interkulturellen Kommunikation und analysiert den Prozess des Bedeutungserwerbs von sprachlichen Zeichen in der Muttersprache sowie in der Fremdsprache. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lernende durch geeignete Lernhaltungen und Modelle ein adäquateres Verständnis für fremdkulturelle Kommunikationskontexte entwickeln können, um die Grenzen traditioneller, oft defizitärer Fremdsprachenvermittlung zu überwinden.
- Analyse der kulturellen Prägung von Sprache und Kommunikation
- Untersuchung des kognitiven Prozesses der Begriffsbildung und Bedeutungsaneignung
- Kritische Beleuchtung des institutionellen Fremdsprachenunterrichts
- Vorstellung von Modellen für interkulturelles Kommunikationsverhalten
Auszug aus dem Buch
3.2. Verschiedene Bedeutungen von sprachlichen Zeichen in unterschiedlichen Kulturen
Worte sind sprachliche Zeichen, die zwei Seiten haben, die es zu beachten gibt. Auf der einen Seite liegt die Funktion des Zeichens darin, für etwas anderes zu stehen, als es selbst ist. Demnach fungiert das Wort „Stein“ als Bezeichnung für das Objekt, also den real greifbaren Stein, der z.B. am Straßenrand liegt und so den Bezug vom Menschen zum Objekt herstellt. Auf der anderen Seite hat das Zeichen dadurch Bedeutung, dass es das Verhalten der Menschen gegenüber dem Objekt (z.B. gegenüber dem Stein) anzeigt (vgl. ebd, S.114f).
Im Vergleich zweier Gesellschaften mit verschiedenen Kulturen ist „weniger Unterschied bei den Objekten selbst festzustellen, als in den jeweils anderen konventionellen Bezügen auf sie.“ (ebd, S.115) Das heißt, dass nicht angenommen werden darf, dass man, nur weil man die andere, die fremdsprachliche Bezeichnung für ein Objekt weiß, daraus auch gleich den Bezug ableiten, also auf das Verhalten der Menschen gegenüber dem Objekt schließen kann. Die jeweilige kulturelle Bedeutung ist aus dem Inhalt des sprachlichen Zeichens, also aus dem Bezug der Gesellschaft darauf zu erschließen, nicht aus der Ausdrucksform (dem fremdsprachlichen Wort selbst) (vgl. Müller 1981, S.114f.). „Unterschiedliche ökonomische, sozio-politische, ökologische, ideologische Verhältnisse in verschiedenen Kulturen bedingen einen spezifischen Bezug der Menschen zu den gegebenen Objekten,...“ (ebd, S.115).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung illustriert anhand eines persönlichen Beispiels aus Chile die Problematik interkultureller Missverständnisse durch unterschiedliche kulturelle Erwartungen an Begriffe.
2. Wodurch können Probleme bei interkultureller Kommunikation entstehen?: Dieses Kapitel erläutert, wie kulturelle Prägung, Intentionen und nicht-sprachliche Kommunikationsmittel wie Mimik und Gestik maßgeblich zu Missverständnissen zwischen verschiedenen Kulturen beitragen.
3. Der Erwerb von Bedeutung als ein Erklärungsansatz: Hier wird der Prozess der Begriffsbildung beleuchtet, wobei die unterschiedliche Verwendung sprachlicher Zeichen und deren variierende Bedeutung über verschiedene Kulturen hinweg im Zentrum steht.
4. Bedeutungserwerb in einer fremden Sprache: Das Kapitel untersucht die Herausforderungen beim Lernen einer fremden Sprache und kritisiert den einseitigen Fokus des institutionellen Unterrichts auf reines Vokabellernen.
5. Modelle zum Erwerb eines möglichst adäquaten fremdkulturellen Kommunikationsverhaltens: Es werden drei strategische Modelle – „Relativierung“, „Parallelisierung“ und „Konfrontierung“ – vorgestellt, die Lernenden helfen sollen, ein eigenes, neues Begriffssystem für die Zielkultur zu entwickeln.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit zusammen, vom auswendig gelernten Regelwissen zu einem tieferen, reflektierten Verständnis kultureller Bedeutungssysteme überzugehen, um in der Praxis erfolgreich kommunizieren zu können.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kommunikation, Bedeutungserwerb, Fremdsprachenunterricht, Semantik, Begriffsbildung, Kulturunterschiede, Kommunikationsverhalten, Sprachdidaktik, Interlanguage, Perspektivwechsel, Lernhaltungen, kulturelle Konnotationen, Bedeutungseinheit, konventionelle Bezüge, Fremdspracherwerb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik, dass sprachliche Zeichen in verschiedenen Kulturen mit unterschiedlichen Bedeutungen belegt sind, was häufig zu interkulturellen Missverständnissen führt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die interkulturelle Sprachdidaktik, den Prozess der kognitiven Begriffsbildung beim Fremdsprachenlernen und die kritische Analyse von Lehrmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Bedeutungserwerb als zentralen Lernprozess darzustellen und Methoden aufzuzeigen, wie Lernende ein adäquateres Verständnis für fremdkulturelle Kommunikationsmuster entwickeln können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur (insb. Jörg Roche und Bernd-Dietrich Müller) und analysiert deren Thesen anhand von Praxisbeispielen und eigenen Reflexionen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Unterschiede im Bedeutungserwerb zwischen Muttersprache und Fremdsprache, die Defizite im schulischen Unterricht sowie konkrete Lernmodelle zur bewussten Auseinandersetzung mit fremdkulturellen Systemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Interkulturelle Kommunikation, Bedeutungserwerb, Begriffsbildung und interkulturelle Lernmodelle geprägt.
Wie unterscheidet sich das Modell der „Relativierung“ von der „Konfrontierung“?
Während bei der Relativierung neue Bedeutungseinheiten lediglich isoliert in ihrem Kontext verankert werden, zielt die Konfrontierung darauf ab, Bedeutungsbezüge aktiv herzustellen und durch einen Vergleich der Systeme ein tieferes Verständnis zu erlangen.
Warum hält der Autor den aktuellen Fremdsprachenunterricht für problematisch?
Der Autor kritisiert, dass der Unterricht zu sehr auf kontextfreies Vokabelpauken und grammatikalisches Wissen setzt, anstatt die kulturelle Tiefenstruktur und die damit verbundenen, oft unterschiedlichen Bedeutungssysteme zu vermitteln.
Was bedeutet das „Eisberg-Modell“ in diesem Kontext?
Das Eisberg-Modell verdeutlicht, dass nur ein kleiner Teil der kulturellen Einflüsse sichtbar ist, während die entscheidenden Werte, Normen und Denkweisen meist unter der Oberfläche verborgen bleiben und den Bedeutungserwerb erschweren.
Was ist der „kognitive Isomorphismus“?
Damit bezeichnet Müller den Aneignungsprozess, bei dem ein Lernender die Merkmale einer fremden Situation wahrnimmt und diese mit einer bereits bekannten Bedeutungseinheit aus der eigenen Muttersprache gleichsetzt.
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- M.Ed. Georg Rabe (Author), 2006, Die Rolle des Bedeutungserwerbs beim Begreifen von Sprache und Kultur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162602