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Mirabai - Stereotypisierung und Idealisierung einer Heiligen aus dem indischen Mittelalter

Title: Mirabai - Stereotypisierung und Idealisierung einer Heiligen aus dem indischen Mittelalter

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 22 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Ramona Lenz (Author)

Theology - Comparative Religion Studies
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Summary Excerpt Details

Die Lebensgeschichte Mira Bais, eine hinduistische Heilige aus dem 16. Jahrhundert, erfreut sich in der Hindugesellschaft auch heute noch großer Beliebtheit, wie eine Vielzahl weitverbreiteter populärer Nacherzählungen ihres Lebens zeigt. In der folgenden Arbeit möchte ich mich deshalb nicht nur mit der historischen Mira beschäftigen, sondern auch nach ihrer Bedeutung für die Religionsausübung und die Geschlechterverhältnisse in der Hindugesellschaft heute fragen.
Zunächst werde ich das Leben Mira Bais nacherzählen und anschließend auf ihre Rolle in der mittelalterlichen bhakti Bewegung eingehen. Da es nur wenige gesicherte Kenntnisse über Miras Leben gibt, muß das meiste als Legende betrachtet werden. Ob Miras Leben sich aber nun tatsächlich so oder anders zugetragen hat, spielt meines Erachtens eine untergeordnete Rolle bei der Frage nach ihrer Bedeutung für die Hindugesellschaft heute. Hierbei ist es vielmehr interessant zu beleuchten, welche Version von Miras Leben aus welchen Gründen von wem bevorzugt wird. Insbesondere was die Einstellung zu den Geschlechterverhältnissen heute anbelangt, ist dies meiner Ansicht nach sehr aussagekräftig.
Bevor ich die Bedeutung Miras für die Geschlechterverhältnisse in der Hindugesellschaft heute betrachte, werde ich kurz die Rolle der Frau in Nordindien zur Zeit Miras darstellen. Anschließend werde ich das Dilemma von dharma und bhakti beschreiben, das in Miras Leben zum Ausdruck kommt und auch heute insbesondere für Frauen einen Konflikt darstellt. In diesem Zusammenhang werde ich zwei Positionen in Bezug auf Miras Umgang mit dharma und bhakti gegenüberstellen.
Um den Bogen zur heutigen Zeit zu spannen, werde ich abschließend Ergebnisse eine Feldstudie über Rajputinnen wiedergeben, die eine sehr ambivalente Einstellung zu Mira Bai ausdrücken. Insgesamt möchte ich mit der Arbeit die Vielschichtigkeit und Widersprüchlichkeit verdeutlichen, die insbesondere in Bezug auf Fragen geschlechtsspezifischer religiöser Praxis in der Lebensgeschichte Miras angelegt ist und in ihrer vielfältigen Rezeption heute zum Ausdruck kommt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. DAS LEBEN MIRA BAIS (CA. 1498-1546)

3. MIRA BAI UND DIE BHAKTI BEWEGUNG

3.1 BEGRIFFSKLÄRUNG

3.2 HISTORISCHE ENTWICKLUNG

3.3 DIE NIRGUNI/SAGUNI-SPALTUNG IN NORDINDIEN

3.4 MIRAS ROLLE IN DER BHAKTI BEWEGUNG

4. BHAKTI ALS SUBVERSIVE RELIGIÖSE PRAXIS VON FRAUEN?

4.1 MIRA UND DIE ROLLE DER FRAU ZU IHRER ZEIT

4.2 BHAKTI VERSUS DHARMA?

4.3 MIRA IN DEN AUGEN VON RAJPUTINNEN HEUTE

5. SCHLUSS

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die historische Lebensgeschichte der indischen Heiligen Mira Bai und analysiert deren Bedeutung für die heutige Religionsausübung sowie die Geschlechterverhältnisse in der Hindugesellschaft. Das primäre Ziel ist es, die Vielschichtigkeit der Rezeption Miras aufzuzeigen und den Spannungsfeld zwischen individueller bhakti-Hingabe und dem traditionellen dharma-Pflichtgefüge zu beleuchten.

  • Lebenslauf und Legendenbildung um die Heilige Mira Bai.
  • Einordnung der bhakti-Bewegung und deren historische Entwicklung.
  • Untersuchung der nirguni- und saguni-Strömungen im indischen Mittelalter.
  • Analyse des Konflikts zwischen sozialer Pflichterfüllung und religiöser Praxis.
  • Empirische Betrachtung der Rezeption von Mira Bai durch heutige Rajputinnen.

Auszug aus dem Buch

3.1 Begriffsklärung

Etymologisch stammt das Wort bhakti von dem Sanskrit Wort bhaj ab, was soviel heißt wie: teilhaben an, sich eins wissen mit, sich hingezogen fühlen zu, dienen, lieben. Der Begriff bezeichnet ein inniges persönliches Verhältnis des Menschen zu Gott. Dazu gehört einerseits einE bhakta, ein Mensch, der sich hingegeben hat, und andererseits bhagavan, die persönliche Gottheit. Die Beziehung zwischen den beiden kann sehr unterschiedlich aussehen. Sie kann dem Verhältnis eines Dieners zu seinem Herrn entsprechen, eines Menschen zu einem anderen ihm nahestehenden Menschen, von Eltern zu ihrem Kind oder umgekehrt oder auch der ehelichen Liebe zwischen Frau und Mann. Es kann sogar eine haßerfüllte und darum intime Beziehung sein, die zu Gott führt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Autorin legt das Forschungsinteresse dar, das über die historische Biografie hinaus die heutige Bedeutung Miras für religiöse und soziale Strukturen untersucht.

2. DAS LEBEN MIRA BAIS (CA. 1498-1546): Dieses Kapitel zeichnet die Biografie der Rajputen-Prinzessin nach, wobei der Fokus auf ihrer kompromisslosen Hingabe an Krishna liegt, die sie in Konflikt mit ihrer Familie und gesellschaftlichen Erwartungen brachte.

3. MIRA BAI UND DIE BHAKTI BEWEGUNG: Hier wird Mira in den breiteren Kontext der religiösen bhakti-Reformbewegungen gesetzt und die theologische Spaltung zwischen nirguni- und saguni-Traditionen erläutert.

4. BHAKTI ALS SUBVERSIVE RELIGIÖSE PRAXIS VON FRAUEN?: Dieses Kapitel analysiert das Spannungsfeld zwischen dharma (sozialer Pflicht) und bhakti (religiöser Hingabe) und stellt Feldstudien zur heutigen Wahrnehmung durch Rajputinnen vor.

5. SCHLUSS: Die Autorin resümiert, dass Mira Bai heute als ambivalente Projektionsfläche dient, die sowohl für konservative als auch für subversive Deutungen der Geschlechterrollen herangezogen wird.

Schlüsselwörter

Mira Bai, Bhakti, Dharma, Rajputinnen, Religion, Hinduismus, Krishna, Geschlechterverhältnisse, Religionsgeschichte, Spiritualität, Indien, Frauenrolle, Tradition, Heiligenverehrung, Saguni

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Lebensgeschichte und der religiösen Bedeutung der indischen Heiligen Mira Bai und analysiert, wie diese Figur in der heutigen Hindugesellschaft wahrgenommen und interpretiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die historische bhakti-Bewegung, das Spannungsfeld zwischen sozialer Pflicht (dharma) und individueller religiöser Hingabe (bhakti) sowie die soziologische Rolle von Frauen im mittelalterlichen und modernen Indien.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es, die Widersprüchlichkeit der Mira-Rezeption aufzuzeigen, insbesondere in Bezug auf die geschlechtsspezifische religiöse Praxis und die Frage, ob Miras Leben als Vorbild für eine soziale Rebellion oder als Idealbild einer hinduistischen Ehefrau interpretiert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit kombiniert eine historische Analyse biographischer und religiöser Texte mit der Auswertung ethnographischer Feldforschungsergebnisse, insbesondere von Lindsey Harlan über Rajputinnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Lebens Miras, die Einbettung in die bhakti-Bewegung (nirguni/saguni-Spaltung) sowie eine detaillierte Analyse der Konflikte zwischen traditionellen Verhaltenskodizes und spiritueller Hingabe.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Mira Bai, bhakti, dharma, Rajputinnen, Geschlechterverhältnisse, Hinduismus und religiöse Praxis.

Wie gehen Rajputinnen heute mit dem Vorbild Mira Bai um?

Rajputinnen bewundern Miras Hingabe an Gott, kritisieren jedoch gleichzeitig die Vernachlässigung ihrer ehelichen Pflichten. Mira wird daher eher als transzendentales Ideal und weniger als direktes Vorbild für sozialen Wandel gesehen.

Inwiefern unterscheidet sich das Bild Miras im "Bhaktamal" von dem in neueren Comic-Versionen?

Während die Darstellung im Bhaktamal das Leben als bhakta als moralischen Bruch betonen kann, versuchen moderne Comic-Versionen, Mira als pflichtbewusste Ehefrau zu stilisieren, um ethische Konfusionen zu vermeiden und ihr Verhalten mit dem dharma in Einklang zu bringen.

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Details

Title
Mirabai - Stereotypisierung und Idealisierung einer Heiligen aus dem indischen Mittelalter
College
University of Frankfurt (Main)  (Vergleichende Religionswissenschaft und Religionsgeschichte)
Course
Die Kraft der Frauen in den Hindu-Religionen
Grade
sehr gut
Author
Ramona Lenz (Author)
Publication Year
2001
Pages
22
Catalog Number
V16272
ISBN (eBook)
9783638211680
ISBN (Book)
9783640325221
Language
German
Tags
Mirabai Stereotypisierung Idealisierung Heiligen Mittelalter Kraft Frauen Hindu-Religionen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ramona Lenz (Author), 2001, Mirabai - Stereotypisierung und Idealisierung einer Heiligen aus dem indischen Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16272
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