Edmund Husserl (1859-1938)


Seminararbeit, 2000

12 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

INHALT

1. Leben, Werk und Wirkung

2. Die transzendentale Phänomenologie als zukunftsweisende Erneuerung der Urstiftung der Philosophie in der Krise der europäischen Wissenschaften
2.1. Die Urstiftung
2.2. Evidenz durch subjektiv-relative Vollzüge
2.3. Das intentionalen Bewußtseins und die Transzendenz der Okkasionalität
2.4. Die Konstituitonsanalyse
2.5. Die phänomenologische Forderung nach Letztverantwortung

3. Die Aufgabe der Philosophie

4. Literatur

1. Leben, Werk und Wirkung

Edmund Husserl wird am 8. April 1859 als zweiter Sohn einer jüdischen Familie in Proßnitz/Mähren geboren. Nach dem Besuch des k.u.k. Gymnasiums in Olmütz studiert er von 1876 bis 1878 in Leipzig Astronomie, Mathematik und Philosophie. Dort hört er auch Vorlesungen des Philosophen Wilhelm Wundt, der in Leipzig das erste Institut für experimentelle Psychologie gegründet hatte. Von 1878 bis 1881 studiert Husserl Mathematik und Philosophie in Berlin. 1882 promoviert er in Wien und wird anschließend Assistent des Mathematikers Carl Weierstraß in Berlin. Von 1884 bis 1886 studiert Husserl Philosophie in Wien. 1887 habilitiert er sich bei Carl Stumpf in Halle, wo er die nächsten vierzehn Jahre als Privatdozent bleibt. 1901 erhält er einen Ruf nach Göttingen, wo er 1906 zum ordentlichen Professor ernannt wird. Von 1916 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1928 hat er den Lehrstuhl für Philosophie in Freiburg i. Br. inne. Heidegger, der dort von 1919 bis 1923 sein Assistent war, wird 1928 sein Nachfolger. Nach seiner Emeritierung unternimmt Husserl Reisen nach Amsterdam, Straßburg, Paris, Frankfurt, Berlin. 1933 beginnen die Demütigungen der Nationalsozialisten und Husserl tritt als Senator der Deutschen Akademie zurück. Einen Ruf nach Los Angeles lehnt er ab. 1937 verbieten die Nationalsozialisten dem fast Achtzigjährigen das Betreten seiner Universität Freiburg. Husserl setzt auf der Rückseite des Verbotsschreibens seine philosophischen Aufzeichnungen fort. Am 27. April 1938 stirbt er in Freiburg i.Br.

Die Gesamtentwicklung von Husserls Denken läßt sich entlang seiner Werke in verschiedene Phasen unterteilen. In seiner Habilitationsschrift Über den Begriff der Zahl von 1887, die er 1891 unter dem Titel Philosophie der Arithmetik veröffentlicht, neigt Husserl noch dem gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Philosophie bestimmenden Psychologismus zu. Man hielt auch die objektiv gültigen Regeln oder Inhalte des Denkens von Mathematik und Logik für psychische Fakten, die in konkret subjektiven Vollzügen bewußt würden und wies ihre Erklärung der Psychologie zu.

Vor allem die kritische Rezension seiner Habilitationsschrift durch Gottlob Frege hat Husserls radikale Wende zu einer Psychologismuskritik bedingt. In seiner Zeit als Privatdozent in Halle entsteht der erste Text, der Husserl zum Klassiker macht, die Logischen Untersuchungen von 1900/01. In dem 1000seitige Werk formuliert Husserl seine Psychologismuskritik, die Neubegründung der reinen Logik, den Entwurf einer neuen Erkenntnistheorie, gar einer neuen Philosophie, der Phänomenologie.

Die zweite Phase seines Denkens läßt sich als die Wissenschafts- und Philosophiekritik der Göttinger Phänomenologie beschreiben. Ihre legendäre Devise lautet: „Zu den Sachen selbst!“, womit sie zu strenger Selbstdisziplin und methodischer Genauigkeit aufruft. 1911 veröffentlicht Husserl in der Zeitschrift Logos den weithin beachteten programmatischen Aufsatz Philosophie als strenge Wissenschaft.

In der dritten Phase seines Denkens unternimmt Husserl den Versuch der kritischen Grundlegung einer Transzendentalen Phänomenologie. Das erste Werk, welches sein Umdenken hin zur Transzendentalphilosophie bezeugt sind seine 1913 veröffentlichten Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie. Zu den berühmt gewordenen programmatischen Werken Husserls zählen auch die aus seinen Pariser Vorträgen entstanden Cartesianischen Meditationen von 1931.

Husserls Spätphase ist gekennzeichnet von der Kritik des europäischen Wissenschafts- und Zivilisationsprozesses durch eine transzendentale Analyse der Lebenswelt. In seinem letzten großen Werk Die Krise der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Philosophie von 1936 präsentiert Husserl die transzendentale Phänomenologie als die einzige Instanz, die eine zutreffende Diagnose der gegenwärtigen Krise stellen kann. Ihre Aufgabe sieht er darin, zu zeigen, wie auch die objektivistisch gedachte An-sich-Welt menschlichen Leistungen entspringt.

Husserl beeinflußte die deutsche Philosohpie in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts und das französische Denken seit den vierziger Jahren maßgeblich. Grundwerke der Philosophie von Scheler, Heidegger, Sartre und Merleau-Ponty sind als phänomenologische Untersuchungen zu betrachten. Aber auch die nicht phänomenologische Philosophie sowie eine Reihe anderer Wissenschaften wie vor allem die Psychologie wurden von Husserls Werk beeinflußt. Auf Wissenschaftstheorie, Wissenschaftskritik, Anthropologie und Geschichtsphilosophie des 20. Jahrhunderts wirkte sich insbesondere die Krisis -Arbeit des späten Husserl nachhaltig aus. Auch das philosophische Denken außerhalb des deutsch-französischen Sprachraums wie zum Beispiel der nicht-orthodoxe Marxismus Jugoslawiens, der Tschechoslowakei und Polens, die Philosophie Lateinamerikas, Japans und Italiens und das neuere anglo-amerikanische Denken wurden von Husserl beeinflußt.[1]

[...]


[1] vgl. Held, Klaus 1981

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Edmund Husserl (1859-1938)
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Vergleichende Religionswissenschaft und Religionsgeschichte)
Veranstaltung
Einführung in die Religionsphilosophie
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2000
Seiten
12
Katalognummer
V16273
ISBN (eBook)
9783638211697
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Edmund, Husserl, Einführung, Religionsphilosophie
Arbeit zitieren
Ramona Lenz (Autor), 2000, Edmund Husserl (1859-1938), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16273

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