Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Gender Studies

Raum und Geschlecht als dichotome Konstruktionen

Title: Raum und Geschlecht als dichotome Konstruktionen

Intermediate Examination Paper , 1999 , 40 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Ramona Lenz (Author)

Gender Studies
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Raum und Geschlecht sind zwei Faktoren, die untrennbar miteinander verbunden scheinen. Ich
werde im Folgenden zeigen, dass die Dichotomie öffentlich/privat analog zur binären Struktur des
Geschlechterverhältnisses männlich/weiblich ein hierarchisches Konstrukt ist, dem die soziale Realität
selten oder gar nicht entspricht. Es wird dabei zu erklären sein, wie dieses hegemoniale Modell trotz
vervielfältigter und fragmentierter Lebensweisen im Sinne einer Stabilisierung von Machtstrukturen
wirksam ist. Zu diesem Zweck werde ich verschiedene androzentrische Theorien aus
unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen kritisch dahingehend untersuchen, wie sie diese
Bipolarität reproduzieren. Anschließend werde ich Theorien vorstellen, die m.E. Material für ein
Denken jenseits der Dichotomien Frau/Mann, Privat/Öffentlich bereitstellen. Anhand zweier
ethnologischer Studien zeige ich dann, wie die Erkenntnis der Existenz von Lebensweisen jenseits
des binären Rahmens methodisch umgesetzt werden kann und schließe mit einem Vorschlag für
dementsprechende kulturanthropologische Forschung in der Großstadt.
Entsprechend den sich vervielfältigenden und verkomplizierenden Lebensweisen, ist auch meine
Arbeit in Teilen fragmentarisch und bisweilen vielleicht widersprüchlich. Vieles wird lediglich
angedacht und ohne die Formulierung künstlicher Zusammenhänge nebeneinandergestellt. Und wenn
dennoch sprachlich Überschriften und Überleitungen geschaffen werden, so meine ich zwar, dass sie
Sinn machen. Dennoch bzw. gerade deswegen sind sie kritisch zu betrachten.
Vor diesem Hintergrund möchte ich noch kurz auf die Begriffe Feminismus und Postmoderne
eingehen, die in der vorliegenden Arbeit, wenn auch nicht immer explizit und intendiert, eine Rolle
spielen. Wenn feministisches Arbeiten sich dadurch auszeichnet, dass androzentrische
Erklärungsmodelle als unzulässig verallgemeinernd und hegemonial kritisiert und Ansätze jenseits
dessen formuliert bzw. aufgegriffen werden, dann ist meine Arbeit als feministisch zu begreifen. Wenn
es aber das Merkmal jeglichen wissenschaftlichen Arbeitens - und insbesondere des sog.
postmodernen - ist, unzulässig verallgemeinernde und hegemoniale Erklärungsmodelle zu kritisieren
und Ansätze jenseits dessen zu formulieren bzw. aufzugreifen, dann kann meine Arbeit als in der
Vorgehensweise postmodern und in Thema und Zielrichtung feministisch betrachtet werden. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die dichotome Setzung von Mann/Frau analog zu Öffentlich/Privat

2.1 Geschlechterdifferenz als soziale und kulturelle Konstruktion

2.2 Privatheit und Öffentlichkeit als ein Konzept des 19. Jahrhunderts

3 „Materialer Raum“ und „gesellschaftliche Sphäre“

4 Kritik androzentrischer Theorien zu Öffentlichkeit und Privatheit

4.1 Kritik androzentrischer Theorien zum Haus

4.1.1 Otto Friedrich Bollnow

4.1.2 Pierre Bourdieu

4.2 Kritik androzentrischer Theorien zur Öffentlichkeit

4.2.1 Jürgen Habermas

4.2.2 Clifford Geertz

5 Theorien zum Raum jenseits der Dichotomien Privat/Öffentlich

5.1 „Andere Räume“

5.2 „Praktiken im Raum“

5.3 „Nicht-Orte“

5.4 „Physischer, sozialer und angeeigneter physischer Raum“

5.5 „Gesellschaftliche Produktion des Raumes als Bedingung spätkapitalistischer Umstrukturierung“

6 Die Faktoren Raum und Geschlecht in der ethnologischen Feldforschung

6.1 Sigrid Westphal-Hellbusch: Transvestiten (1956)

6.2 Dorle Dracklé: „Die Frau gehört ins Haus und der Mann auf die Straße“ (1998)

7 Schlussbemerkung und Ideen zu Feldforschung auf der Straße

8 Literaturverzeichnis

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht, inwiefern die dichotome Zuordnung von „öffentlich/privat“ analog zur binären Geschlechterstruktur ein hierarchisches Konstrukt darstellt, das die soziale Realität verfehlt. Ziel ist es, dieses hegemoniale Modell kritisch zu hinterfragen und theoretische Ansätze für ein Verständnis von Raum und Geschlecht jenseits dieser binären Strukturen aufzuzeigen.

  • Kritische Analyse androzentrischer Theorien zu Raum und Geschlecht
  • Untersuchung von Raumkonzepten jenseits der Privat/Öffentlich-Dichotomie
  • Theoretische Auseinandersetzung mit feministischer Forschung und Postmoderne
  • Ethnologische Fallstudien zu Grenzüberschreitungen und sozialen Identitäten
  • Entwicklung kulturanthropologischer Perspektiven für die Forschung in der Großstadt

Auszug aus dem Buch

Die dichotome Setzung von Mann/Frau analog zu Öffentlich/Privat

„Man kommt nicht als Frau zur Welt, man wird es“3 behauptet Simone de Beauvoir und betont, dass die Gestalt der Frau in der Gesellschaft weder biologisch noch psychisch oder ökonomisch determiniert ist, sondern vielmehr als ein Produkt zivilisatorischer Einflüsse gesehen werden muss.

Darauf aufbauend formuliert Judith Butler ihre Frage nach den in den Geschlechterkategorien implizierten Machtverhältnissen. Sie geht davon aus, dass es kein vorkulturelles, natürliches Geschlecht gibt, sondern dass die Geschlechterdifferenz eine soziale und kulturelle Konstruktion ist, die zur Stabilisierung der Geschlechterhierarchie und der Zwangshetero-sexualität dient.4 Um die hierarchisch strukturierte Binarität des Geschlechterverhältnisses zu sprengen, schlägt Butler „parodistische Praktiken“ vor, die die Geschlechterkategorien stören und „ihre subversive Resignifizierung und Vervielfältigung“5 hervorrufen.

In der aktuellen feministischen Anthropologie wird der radikale Konstruktivismus in Bezug auf den Körper in Frage gestellt. Die Ethnopsychoanalytikerin Maya Nadig plädiert in ihrer Untersuchung zu Geburtsritualen im interkulturellen Vergleich dafür, die Körper und das Biologische in die soziale Analyse zu reintegrieren. Damit müsse nicht zwangsläufig eine Rückkehr zum biologischen Fundamentalismus einhergehen, der die dualistische Aufteilung der Geschlechter legitimiere. Die Berücksichtigung der Tatsache, „dass Menschen ihre Bedeutungskonstruktionen auch aufgrund körperbedingter physischer und psychischer Erfahrungen machen, die lokal und sozial geformt sind“6, fördere vielmehr die Auflösung der binären Geschlechterbilder.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Darstellung der Forschungsfrage und Einbettung in den theoretischen Kontext von Feminismus und Postmoderne.

2 Die dichotome Setzung von Mann/Frau analog zu Öffentlich/Privat: Analyse der Geschlechterdifferenz als soziale Konstruktion und des historischen Begriffs der Privatheit.

3 „Materialer Raum“ und „gesellschaftliche Sphäre“: Diskussion der Trennung zwischen physischen Räumen und gesellschaftlichen Sphären in der feministischen Forschung.

4 Kritik androzentrischer Theorien zu Öffentlichkeit und Privatheit: Dekonstruktion klassischer Theorien von Bollnow, Bourdieu, Habermas und Geertz hinsichtlich ihrer männlich geprägten Perspektive.

5 Theorien zum Raum jenseits der Dichotomien Privat/Öffentlich: Vorstellung alternativer Ansätze wie Foucaults Heterotopien, de Certeaus Alltagspraktiken und Augés Nicht-Orte.

6 Die Faktoren Raum und Geschlecht in der ethnologischen Feldforschung: Anwendung der Erkenntnisse auf konkrete ethnologische Studien zu alternativen Identitäten.

7 Schlussbemerkung und Ideen zu Feldforschung auf der Straße: Zusammenführung der theoretischen Ergebnisse mit einem Ausblick für zukünftige kulturanthropologische Forschung.

8 Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen.

Schlüsselwörter

Raum, Geschlecht, Dichotomie, Feminismus, Postmoderne, Konstruktivismus, Öffentlichkeit, Privatheit, Androzentrismus, Feldforschung, Ethnologie, Machtstrukturen, Stadtplanung, Identität, Soziale Konstruktion

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die kritische Verbindung von Raum und Geschlecht und hinterfragt, warum diese Faktoren häufig in dichotomen Strukturen (wie öffentlich/privat oder männlich/weiblich) gedacht werden, obwohl dies der sozialen Realität kaum gerecht wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion von Geschlecht, die Kritik an klassischen androzentrischen Raumtheorien sowie die Untersuchung von Räumen jenseits binärer Zuordnungen in modernen Gesellschaften.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Dekonstruktion des hierarchisch binären Rahmens und die Entwicklung methodischer Ansätze, um menschliche Lebensweisen in ihrer Situiertheit zu beschreiben, ohne dabei machtstabilisierende Muster zu reproduzieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Methode der theoretischen Dekonstruktion und reflektiert diese anhand ethnologischer Studien, um neue Wege für eine kulturanthropologische Feldforschung in der Großstadt aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der kritischen Analyse klassischer Theorien (z.B. Bourdieu, Habermas) sowie der Vorstellung alternativer Konzepte (z.B. Foucaults „Andere Räume“, de Certeaus Praktiken im Raum) und deren Anwendung auf ethnologische Fallbeispiele.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Raumkonstitution, Geschlechterdifferenz, Dekonstruktion, androzentrische Voreingenommenheit und die Verflechtung von Macht, Geld und städtischer Architektur.

Wie bewertet die Autorin die Rolle von Architektur in Bezug auf Geschlecht?

Die Autorin argumentiert, dass Architektur oft ein Abbild patriarchaler Zustände ist und der männliche Körper (Maßstab des „Menschen“) als unhinterfragte Norm fungiert, was die Ausgrenzung von Frauen aus bestimmten Räumen symbolisch und physisch verstärkt.

Inwiefern spielen „Nicht-Orte“ eine besondere Rolle in der Argumentation?

„Nicht-Orte“ (nach Augé) werden nicht nur als Angsträume analysiert, sondern auch als Räume, die durch ihre Anonymität und Identitätslosigkeit Potenzial für parodistische, geschlechterkritische Praktiken bieten könnten, sofern man sie sich aktiv aneignet.

Excerpt out of 40 pages  - scroll top

Details

Title
Raum und Geschlecht als dichotome Konstruktionen
College
University of Frankfurt (Main)  (Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie)
Grade
sehr gut
Author
Ramona Lenz (Author)
Publication Year
1999
Pages
40
Catalog Number
V16278
ISBN (eBook)
9783638211734
Language
German
Tags
Raum Geschlecht Konstruktionen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ramona Lenz (Author), 1999, Raum und Geschlecht als dichotome Konstruktionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16278
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  40  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint