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Entwicklung oder Desillusionierung? "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun als Frauentyp der Weimarer Republik

Title: Entwicklung oder Desillusionierung? "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun als Frauentyp der Weimarer Republik

Seminar Paper , 2003 , 18 Pages

Autor:in: Manuela Wolf (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun“ – als ich das Buch zum ersten Mal in der Hand hielt, sagten mir weder der Titel noch die Autorin etwas. Ich fragte mich, was eine Autorin wohl dazu bewegt haben könnte, einer ihrer Figuren das Prädikat „kunstseiden“ aufzudrücken, das Assoziationen zu ‚minderer Qualität’, ‚schönem Schein’ und Oberflächlichkeit weckt und dieses Attribut ihrer Protagonistin sogar in den Titel aufzunehmen. Ich war nicht sonderlich gespannt auf die Geschichte, die sich dahinter verbergen mochte und musste schließlich feststellen, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte, ehe es ausgelesen war und mich seitdem auch nicht mehr losließ. Irmgard Keun fesselte mich durch ihren unkonventionellen und gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, ließ mich die Höhen und Tiefen der Protagonistin unmittelbar mitfühlen, obwohl – oder vielleicht gerade weil – mir ihre Handlungen oft nicht nachvollziehbar, teilweise absurd erschienen. Um die Figur der Doris, ihren Lebensentwurf, ihre Möglichkeiten und ihren Werdegang verstehen zu können, musste ich mich zwangsläufig mit der Zeit auseinandersetzen, in der der Roman entstanden war und ebenso mit der Strömung, in die er einzuordnen war. Doch durch seine Unkonventionalität in allen nur denkbaren Bereichen öffnete Irmgard Keun mir quasi die Hintertür zu einer Zeit, wie sie von jungen, nach Unabhängigkeit strebenden Frauen erlebt und gelebt wurde: Sie gibt dem Leser die Chance eines im besten Sinne naiven, jugendlichen, lebenshungrigen Blicks auf eine Zukunft, die vermeintlich voller Möglichkeiten steckt, wenn man sich nur für niemandes Zwecke einspannen lässt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakterisierung des Romans

2.1. Allgemeine Kennzeichen

2.2. Einordnung des Romans in die Epoche der Neuen Sachlichkeit

3. Das kunstseidene Mädchen als Frauentyp der Weimarer Republik

3.1. Charakterisierung und Typbeschreibung der Protagonistin

3.2. Figurenkonstellation des Romans

3.3. Entwicklung oder Desillusionierung der Protagonistin?

4. Abschließende Betrachtung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht Irmgard Keuns Roman „Das kunstseidene Mädchen“ hinsichtlich seiner Darstellung weiblicher Lebensentwürfe während der Weimarer Republik und der Einordnung der Protagonistin Doris als zeitgenössischer Frauentyp.

  • Analyse des Schreibstils im Kontext der Neuen Sachlichkeit
  • Charakterisierung der Protagonistin Doris und ihrer sozialen Identität
  • Untersuchung der Figurenkonstellation und ihrer Funktion im Roman
  • Diskussion der Ambivalenz zwischen persönlicher Entwicklung und Desillusionierung
  • Reflexion des „Flapper“-Typs als Sinnbild der „Neuen Frau“ in der Weimarer Republik

Auszug aus dem Buch

3.1. Charakterisierung und Typbeschreibung der Protagonistin

„Aber ich erkannte, daß etwas Besonderes in mir ist, […]“19, so stellt sich das ‚kunstseidene Mädchen’ Doris dem Leser selbst vor. Doch schon auf den ersten Seiten wird klar, dass es Doris selbst nicht so sehr um ihre inneren Werte geht, sondern doch eher um das Besondere an ihr, nämlich ihr gutes Aussehen und ihre Wirkung auf Männer. Doris schreibt ihr Tagebuch, das eigentlich „wie Film“ sein soll und inszeniert sich selbst darin bis ins kleinste Detail. Perfekte Bilder sind ihr wichtig, auch wenn sie eigentlich nur in ihrer Vorstellung existieren, sie schaut wie durch eine Kameralinse auf sich selbst und verweilt gern bei besonders eindrucksvollen Szenen:

„Und jetzt sitze ich in meinem Zimmer im Nachthemd, das mir über meine anerkannte Schulter gerutscht ist, und alles ist erstklassig an mir – nur mein linkes Bein ist dicker als mein rechtes. Aber kaum. Es ist sehr kalt, aber im Nachthemd ist schöner – sonst würde ich den Mantel anziehn.“20

Auch den Ton zu ihrem ‚Film’ beschreibt Doris näher: „Und dann spreche ich fast ohne Dialekt, was viel ausmacht und mir eine Note gibt, […]“21. Ganz offensichtlich weiß sie um ihre Wirkung auf Männer: „[…] und bei jedem Komma, was fehlt, schmeiß ich ihm einen sinnlichen Blick“22, und setzt diese auch ganz gezielt ein, ohne jedoch über den momentanen Vorteil hinaus die Konsequenzen beeinflussen zu wollen: „Und den Krach seh ich kommen, denn ich hab keine Lust zu mehr.“23 Erst nachdem sie den Leser über ihre Wirkung auf andere, ihre Einstellungen und Ansichten aufgeklärt hat, erhält er ganz nebenbei grundlegende Informationen in nicht nachvollziehbarer Reihenfolge „Ich heiße somit Doris und bin getauft und christlich und geboren“24 und erfährt die Erzählzeit des Romans „Wir leben im Jahre 1931“25. Im Folgenden geht es jedoch zunächst weiter um die Beschreibung ihres Äußeren und ihrer ‚Statussymbole’, wie den „erstklassige[n]r rosa Teint“, „einen dunkelgrünen Mantel […] – streng auf Taille und mit Fuchsbesatz“26. Dabei klärt sie den Leser in witzig ironischer Weise über ihre Einstellung Männern gegenüber auf:

Kapitelzusammenfassungen

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik ein, begründet das Interesse an der Protagonistin Doris und stellt die zentrale Fragestellung nach deren Entwicklung oder Desillusionierung vor.

2. Charakterisierung des Romans: Dieses Kapitel verortet den Roman als Zeitroman und analysiert seine Zuordnung zur literarischen Strömung der Neuen Sachlichkeit anhand stilistischer Merkmale.

3. Das kunstseidene Mädchen als Frauentyp der Weimarer Republik: Hier erfolgt eine detaillierte Typbeschreibung der Protagonistin, die Untersuchung der Figurenkonstellation sowie eine Analyse, ob die Protagonistin eine Entwicklung vollzieht oder scheitert.

4. Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Irmgard Keun eine vielschichtige Frauenexistenz abbildet und den „Flapper“-Typ als Beginn einer neuen Entwicklung interpretiert.

Schlüsselwörter

Irmgard Keun, Das kunstseidene Mädchen, Weimarer Republik, Neue Sachlichkeit, Protagonistin, Frauenbild, Identität, Geschlechterrollen, Zeitroman, Soziale Entwicklung, Desillusionierung, Flapper, Großstadtleben, Emanzipation, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Irmgard Keuns Roman „Das kunstseidene Mädchen“ als ein für die Weimarer Republik charakteristisches literarisches Werk, das das Leben einer jungen Frau in den frühen 1930er Jahren beleuchtet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Zentrum stehen die Identitätsproblematik der Protagonistin, die Einflüsse des Zeitgeistes, die Rolle der Neuen Sachlichkeit in der Literatur sowie die Darstellung der Frau in einer krisengeprägten Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Hauptziel ist es zu klären, ob die Protagonistin Doris eine echte persönliche Entwicklung durchläuft oder ob ihr Werdegang als reine Desillusionierung zu werten ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman sowohl textimmanent untersucht als auch zeitgeschichtlich und epochenspezifisch kontextualisiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Charakterisierung der Protagonistin, den Beziehungen zu Nebenfiguren, der Einordnung in die Neue Sachlichkeit und der Entwicklung des sozialen Status der Hauptfigur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Neue Sachlichkeit“, „Frauentyp“, „Weimarer Republik“, „Identität“ und „Soziale Berg- und Talfahrt“ definiert.

Warum verwendet Irmgard Keun den Begriff „kunstseiden“ im Titel?

Der Begriff dient als Metapher für den Wunsch der Protagonistin, oberflächlichen Glanz zu erreichen, und verweist gleichzeitig auf das Massenprodukt, das im Gegensatz zur echten, „teuren“ Seide steht.

Wie beeinflusst die Figur Hulla das Selbstbild von Doris?

Hulla dient Doris als abschreckende, aber auch mögliche Alternative ihres eigenen Schicksals, was bei Doris im Verlauf der Geschichte zu einer tiefgreifenden Reflexion über ihren eigenen sozialen Abstieg führt.

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Details

Title
Entwicklung oder Desillusionierung? "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun als Frauentyp der Weimarer Republik
College
University of Potsdam  (Neuere deutsche Literatur/ 19. und 20. Jh.)
Author
Manuela Wolf (Author)
Publication Year
2003
Pages
18
Catalog Number
V16281
ISBN (eBook)
9783638211765
ISBN (Book)
9783638781589
Language
German
Tags
Entwicklung Desillusionierung Mädchen Irmgard Keun Frauentyp Weimarer Republik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Manuela Wolf (Author), 2003, Entwicklung oder Desillusionierung? "Das kunstseidene Mädchen" von Irmgard Keun als Frauentyp der Weimarer Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16281
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