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Die RAF-Prozesse Mitte der 1970er Jahre und die Weiterentwicklung der Terrorismusszene

Title: Die RAF-Prozesse Mitte der 1970er Jahre und die Weiterentwicklung der Terrorismusszene

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 20 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Stefan Andresen (Author)

History of Europe - Newer History, European Unification
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Summary Excerpt Details

Eine Terrorwelle erschütterte im Mai 1972 die Bundesrepublik Deutschland. Innerhalb von knapp zwei Wochen explodierten elf Bomben. Die RAF, also die so genannte Baader-Meinhof-Gruppe, bekannte sich zu diesen Aktionen, die als Antwort auf die amerikanische Vorgehensweise im Vietnamkrieg gelten sollten.
Nach intensiver Fahndung wurden die führenden Köpfe der RAF gefasst. Etwa fünf Jahre später fand man sie tot in ihren Zellen. Sie hatten Selbstmord begangen. Die Frage ist nun: Was war in diesen fünf Jahren passiert?

Wie ging es mit der RAF weiter? Bedeutete die Verhaftung das Ende der RAF? Wie ging man mit den Inhaftierten um, die in den vergangenen Wochen zum gefährlichsten Staatsfeind wurden? Wie sah der Prozess gegen die Terroristen aus? War nach der Verhaftung bzw. nach der Verurteilung „endlich Ruhe“ in Deutschland? Kapitulierten Baader, Meinhof und die anderen Inhaftierten, oder kämpften sie – in welcher Art auch immer – im Gefängnis weiter? Wie gingen Anhänger der RAF mit der Situation um? Gab es Aktionen zur Befreiung der Inhaftierten? Wenn ja, was waren das für Aktionen und mit welchem Zweck wurden sie durchgeführt? Und wie ging die Bundesregierung mit eventuellen Befreiungsversuchen um? Warum begingen Baader und die anderen Selbstmord?

Um diesen Katalog von Fragen zu beantworten und zu analysieren, beschreibe ich zunächst die Ereignisse im Mai 1972 bis hin zur Verhaftung der Baader-Meinhof-Gruppe. Anschließend erläutere ich die Bedingungen, unter denen die RAF-Mitglieder inhaftiert waren, und die Versuche, mit denen Baader und die anderen versuchten, sich diesen Haftbedingungen zu widersetzen. Dann werde ich mich mit dem Prozess gegen die Baader-Meinhof-Gruppe befassen. In diesem Zusammenhang werden auch die Verteidigungsstrategien der Anwälte und die Haltung des Staates zu diesem Prozess erläutert. Danach untersuche ich die Bildung der so genannten „Zweiten RAF-Generation“ und analysiere deren Aktivitäten zur Gefangenenbefreiung. Im vorletzten Kapitel geht es um die Selbstmorde der inhaftierten Köpfe der RAF im Jahre 1977. Hierbei gilt mein besonderes Augenmerk der Untersuchung, ob es sich tatsächlich um Selbstmorde handelte oder ob es Fremdeinwirkungen gab. Im letzten Kapitel werde ich die Ergebnisse zusammenfassend darstellen und untersuchen, ob und inwieweit die RAF innerhalb dieser fünf Jahre ideologische Veränderungen erlebte.

Excerpt


Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. Bombenanschläge im Mai 1972 und die Verhaftung der ersten Generation der RAF

3. Die erste Generation der RAF im Gefängnis

3.1. Haftbedingungen

3.2. Kommunikation trotz Distanz

3.3. Der Hungerstreik als Mittel des Widerstandes

4. Prozess von Stammheim

4.1. Der Staat bereitet sich auf den Prozess vor

4.2. Prozessverlauf und das Urteil

5. Die zweite Generation der RAF und ihre Aktivitäten zur Gefangenenbefreiung

5.1. Die „Gruppe 4.2.“

5.2. Der Überfall auf die deutsche Botschaft in Stockholm

5.3. Die „Haag-Mayer-Bande“

5.4. Die „Offensive 77“

6. Tod in Stammheim: Das Ende der ersten RAF-Generation

7. Zusammenfassende Beurteilung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und die Ereignisse rund um die Rote Armee Fraktion (RAF) im Zeitraum zwischen der Verhaftung der ersten Generation im Jahr 1972 und deren kollektivem Suizid im Jahr 1977. Ziel ist es, den ideologischen Wandel der Gruppierung, den Verlauf des Stammheim-Prozesses sowie die staatliche Reaktion auf diverse Befreiungsversuche zu analysieren.

  • Analyse der Haftbedingungen und des Widerstandes der inhaftierten RAF-Köpfe.
  • Untersuchung des Stammheim-Prozesses und der juristischen Auseinandersetzung zwischen Staat und Terroristen.
  • Betrachtung der Aktivitäten der sogenannten „Zweiten Generation“ und deren Befreiungsbemühungen.
  • Kritische Beleuchtung der Umstände des Todes der RAF-Häftlinge im Jahr 1977.
  • Reflektion über den ideologischen Verfall der RAF von einer politisch begründeten Gruppierung hin zu einer rein auf Gefangenenbefreiung fokussierten Organisation.

Auszug aus dem Buch

3.1. Haftbedingungen

Nach ihrer Verhaftung wurden die Mitglieder der RAF aus Sicherheitsgründen in verschiedenen Gefängnissen untergebracht: Essen, Wittlich, Rastatt, Schwalmstadt und Köln. Sie waren somit voneinander und auch von anderen Gefangenen isoliert. Ulrike Meinhof befand sich zum Beispiel vom 16. Juni 1972 bis 9. Februar 1973 in der JVA Köln-Ossendorf. Ihre Zelle hatte weiße, kahle Wände und wurde rund um die Uhr durch Neonröhren beleuchtet.

Die Gefangenen widersetzten sich jeglicher Einordnung in den Gefängnisalltag. Jan-Carl Raspe schrieb hierzu: „Als ich hier reinkam, hatte ich nur einen Gedanken im Kopf: Widerstand leisten, wo es geht.“

Die Angeklagten und ihre Anwälte bezeichneten die Haftbedingungen von Anfang an als „Isolationsfolter“. „Ihre Interaktionsmöglichkeiten blieben auf Verteidigerbesuche, Angehörigenbesuche und Gesprächsmöglichkeiten mit Anstaltsbediensteten beschränkt.“

Diese Formen der RAF-Inhaftierungen werden in der Literatur mit folgenden Begriffen definiert: „interne Isolation“ bezeichnet die Trennung der RAF-Häftlinge untereinander, „externe Isolation“ bezeichnet die Trennung von der Außenwelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit stellt die Ausgangslage der Terrorwelle von 1972 dar und formuliert die zentralen Forschungsfragen hinsichtlich der Entwicklung der RAF während der Haftzeit ihrer Führungsköpfe.

2. Bombenanschläge im Mai 1972 und die Verhaftung der ersten Generation der RAF: Dieses Kapitel dokumentiert die Anschlagsserie gegen US-Einrichtungen und Polizeibehörden sowie die darauffolgende Verhaftung der zentralen Akteure der Baader-Meinhof-Gruppe.

3. Die erste Generation der RAF im Gefängnis: Es werden die Haftbedingungen (Isolation), die Kommunikationsstrategien („Info-System“) und die Anwendung des Hungerstreiks als politisches Kampfmittel thematisiert.

4. Prozess von Stammheim: Das Kapitel befasst sich mit der staatlichen Vorbereitung, den Gesetzesänderungen zur Prozessführung und dem Verlauf des Verfahrens inklusive der juristischen Konflikte um Verhandlungsfähigkeit und Verteidigung.

5. Die zweite Generation der RAF und ihre Aktivitäten zur Gefangenenbefreiung: Hier werden die Versuche der Nachfolgegruppen analysiert, durch Geiselnahmen (Stockholm, Schleyer-Entführung) und Terroranschläge die Freilassung der inhaftierten RAF-Köpfe zu erzwingen.

6. Tod in Stammheim: Das Ende der ersten RAF-Generation: Das Kapitel untersucht die Ereignisse der Todesnacht im Oktober 1977, die Kontroverse um die Suizid-Theorie und die Zweifel an den offiziellen Ermittlungsergebnissen.

7. Zusammenfassende Beurteilung: Abschließend wird evaluiert, wie die RAF ihren ideologischen Kern durch den Fokus auf Gefangenenbefreiung verlor und welchen Stellenwert die Ereignisse für das politische System der Bundesrepublik hatten.

Schlüsselwörter

Rote Armee Fraktion, RAF, Baader-Meinhof-Gruppe, Stammheim-Prozess, Isolationsfolter, Hungerstreik, Gefangenenbefreiung, zweite Generation, Offensive 77, deutsche Botschaft Stockholm, Hanns-Martin Schleyer, politische Ideologie, Bundesregierung, Rechtsstaat, Terrorismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Zeitspanne zwischen 1972 und 1977 und untersucht, wie sich die RAF nach der Verhaftung ihrer ersten Führungsebene organisatorisch und ideologisch weiterentwickelte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten zählen die Haftbedingungen, der Stammheim-Prozess, die Aktivitäten der Nachfolgegeneration zur Freipressung der Häftlinge sowie die Umstände der Todesnacht von Stammheim.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Es soll geklärt werden, was in den fünf Jahren der Inhaftierung geschah, wie die RAF auf den Druck reagierte und ob in dieser Zeit ein ideologischer Wandel innerhalb der Organisation stattgefunden hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die zentrale historische Standardwerke wie die von Stefan Aust, Butz Peters und Pieter Bakker Schut auswertet und in einen chronologischen Kontext setzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Inhaftierung, die juristische Aufarbeitung im Prozess, die Eskalation durch die zweite RAF-Generation und eine abschließende historische Einordnung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Typische Begriffe sind: RAF, Stammheim-Prozess, Isolationsfolter, Gefangenenbefreiung, Offensive 77 und politischer Terrorismus.

Wie bewertet der Autor den ideologischen Wandel der RAF?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die RAF ihren ursprünglich politisch fundierten Kampf aufgab und zu einer ideologisch verengten Struktur wurde, deren einziges Ziel die Befreiung der inhaftierten Mitglieder war.

Welche Rolle spielte der Prozess von Stammheim für die Radikalisierung?

Durch die juristische Auseinandersetzung und die Unnachgiebigkeit der Bundesregierung gegenüber den Forderungen der Terroristen entstand ein Konflikt, den die RAF zur weiteren Radikalisierung ihrer Aktionen nutzte.

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Details

Title
Die RAF-Prozesse Mitte der 1970er Jahre und die Weiterentwicklung der Terrorismusszene
College
University of Flensburg  (Institut für Geschichte und ihre Didaktik)
Course
Die terroristische Herausforderung der 1970er Jahre und deren Rezeption
Grade
1,0
Author
Stefan Andresen (Author)
Publication Year
2002
Pages
20
Catalog Number
V16283
ISBN (eBook)
9783638211789
ISBN (Book)
9783638758451
Language
German
Tags
RAF-Prozesse Mitte Jahre Weiterentwicklung Terrorismusszene Herausforderung Jahre Rezeption
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Andresen (Author), 2002, Die RAF-Prozesse Mitte der 1970er Jahre und die Weiterentwicklung der Terrorismusszene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16283
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