In dieser Hausarbeit beschäftige ich mich mit den Erzählungen ‚Am Ufer’ und ‚Das Mal’ aus dem Roman ‚Spirale. Roman einer schlaflosen Nacht’ von Hans Erich Nossack.
In der 1956 veröffentlichten ‚Spirale’ sind die Erzählungen jedoch nicht in der Reihenfolge enthalten, in welcher sie entstanden sind. Da diese in anderer Abfolge im Zeitraum von 1950 -1952 entstanden sind und auch als einzelne Erzählungen veröffentlich wurden, können sie losgelöst voneinander betrachtet werden.
Untersucht werden sollen in dieser Hausarbeit die Merkmale und Besonderheiten sowie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Erzählungen ‚Am Ufer’ und ‚Das Mal’. Ausgewählt habe ich diese beiden Erzählungen, da sie am Anfang und am Ende der ‚Spirale’ stehen und somit als Ausgangs- und Endpunkt gesehen werden können.
Teil I der Hausarbeit beschäftigt sich mit der formalen Analyse der Erzählungen. Grundlage für die Analyse ist dabei das Werk „Einführung in die Erzähltextanalyse“ von Matias Martinez und Michael Scheffel, an welchem ich mich für die Untersuchung der Texte orientiert habe.
Dabei habe ich es als sinnvoll empfunden, beide Erzählungen parallel zu untersuchen, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten direkt gegenüber stellen zu können.
In Teil II folgt die Interpretation von ‚Am Ufer’ einer kurzen Darstellung des Inhalts. Genauso bin ich in Teil III mit der Erzählung ‚Das Mal’ verfahren.
Diese Trennung erscheint mir notwendig, um die Eigenständigkeit der Erzählungen zu würdigen und deren Besonderheiten gerecht zu werden.
Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Erzählungen werden in Teil IV behandelt. Dabei kommt es teilweise zu Wiederholungen und Überscheidungen, die aufgrund der Komplexität der Werke jedoch schlecht zu vermeiden gewesen wären und teilweise sogar erwünscht sind, um einzelne Phänomene deutlich zu machen.
Da ich in dieser Ausarbeitung viele Zitate verwende, gebe ich zur Vereinfachung nach jedem Zitat die Seitenzahl aus ‚Spirale. Roman einer schlaflosen Nacht’ in Klammern an.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Teil I: Analyse: ‚Am Ufer’ und ‚Das Mal’
I. 1. Darstellung der Erzählung
I. 1.1. Zeit
I. 1.1.1. Ordnung
I. 1.1.2. Dauer
I. 1.2. Modus
I. 1.2.1. Distanz
I. 1.2.2. Fokalisierung
I. 1.3. Stimme
I. 2. Darstellung der Handlung
I. 2.1. Ereignis –Geschehen - Geschichte
I. 2.2. Motivierung
I. 2.3. Erzählte Welt
Teil II: Interpretation ‚Am Ufer’
II. 1. Inhalt
II. 2. Sprechen und Schweigen
II. 3. Familienkonstellation
II. 4. Die Grenze
Teil III: Interpretation ‚Das Mal’
III. 1. Inhalt
III. 2. Sprechen und Schweigen
III. 3. Das Nichts
III. 4. Die Grenze
Teil IV: Vergleich der Erzählungen
IV. 1. Personen/Erzähler
IV. 2. Offenheit
IV. 3. Monologische Struktur
IV. 4. Grenzsituation
IV. 5. Das Scheitern
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit analysiert und vergleicht die Erzählungen ‚Am Ufer’ und ‚Das Mal’ aus Hans Erich Nossacks Roman ‚Spirale’ hinsichtlich ihrer narrativen Strukturen, Motivik und thematischen Gemeinsamkeiten.
- Formale Erzählanalyse (Zeit, Modus, Stimme, Handlung)
- Interpretation der zentralen Motive Sprechen und Schweigen
- Untersuchung der Grenzerfahrung als existenzielle Problematik
- Analyse des Scheiterns und der Außenseiter-Thematik
- Vergleich der Erzählkonzeptionen und ihrer Wirkung auf den Leser
Auszug aus dem Buch
I. 1.1.2. Dauer
Die Darstellung des Geschehens braucht eine gewisse Zeitspanne, was in verschiedenen Grundformen der Erzählgeschwindigkeit geschieht. In Anlehnung an Martinez/Scheffel sind hier folgende Formen von Bedeutung: zeitdeckendes Erzählen (Szene), zeitdehnendes Erzählen (Dehnung), zeitraffendes bzw. summarisches Erzählen (Raffung) und der Zeitsprung (Ellipse).
In ‚Am Ufer’ finden sich verschiedene Erzählgeschwindigkeiten. Szenen sind dort zu finden, wo sich die Gäste im Wirtshaus unterhalten, und in dem langen Dialog zwischen dem Jungen und Nellie. (Vgl. S. 20) Hier stimmt die Dauer der Erzählten Zeit mit der Erzählzeit überein. Eine Dehnung in der Erzählzeit findet sich dort, wo die Vorgänge im Inneren des Jungen dargestellt werden. „[…] Aber es war mir angenehmer, nur einfach mit ihr dazustehen und nichts zu tun. Ich hätte noch lange so dastehen mögen.“ (S. 15)
Summarisches Erzählen findet sich in den Analepsen, wo in einer Rückblende das Geschehen zusammengefasst wird. Der Wechsel von Raffung und Szene bildet einen narrativen Grundrhythmus, welcher sich in den meisten Erzählungen findet.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der beiden Erzählungen aus dem Roman ‚Spirale’ und Erläuterung der gewählten Analysemethode zur Untersuchung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden.
Teil I: Analyse: ‚Am Ufer’ und ‚Das Mal’: Formale Untersuchung der Erzähltexte mittels Kategorien wie Zeitstruktur, Modus, Stimme, Ereigniskette und erzählte Welt.
Teil II: Interpretation ‚Am Ufer’: Inhaltsdarstellung und detaillierte Analyse der Themen Sprechen, Schweigen, Familienkonstellation sowie der symbolischen Bedeutung der Grenze.
Teil III: Interpretation ‚Das Mal’: Analyse der Polarexpeditions-Geschichte mit Fokus auf die Sprachskepsis, das Motiv des Nichts und die existenzielle Grenzerfahrung der Protagonisten.
Teil IV: Vergleich der Erzählungen: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Erzählerfigur, der inhaltlichen Offenheit, der monologischen Struktur und der Dynamik des Scheiterns.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung der zentralen Motive wie Grenzüberschreitung und Identitätsspaltung unter Einbeziehung des wissenschaftlichen Diskurses zu Nossacks Werk.
Schlüsselwörter
Hans Erich Nossack, Spirale, Erzähltextanalyse, Grenzerfahrung, Grenzüberschreitung, Scheitern, Monologische Struktur, Schweigen, Sprachskepsis, Außenseiter, Identitätsspaltung, Existenzialismus, Erzähltheorie, Polarexpedition, Narratologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die zwei Erzählungen ‚Am Ufer’ und ‚Das Mal’ von Hans Erich Nossack hinsichtlich ihrer narrativen Form und thematischen Inhalte.
Welche zentralen Themen werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Grenzüberschreitung, das Motiv des Schweigens, die Identitätsspaltung sowie die existenzielle Erfahrung des Scheiterns.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung des Aufbruchs und des Scheiterns bei Nossack strukturiert herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Verfasserin orientiert sich primär an der "Einführung in die Erzähltextanalyse" von Martinez und Scheffel.
Welche inhaltlichen Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Es werden neben formalen Aspekten (Zeit, Modus) vor allem die inhaltlichen Motive wie das familiäre Umfeld in ‚Am Ufer’ und die Polarexpedition in ‚Das Mal’ interpretiert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie ‚Nichts’, ‚Grenze’, ‚Sprachskepsis’, ‚Monolog’ und ‚spiralförmige Bewegung’ sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Wie unterscheidet sich die Grenzerfahrung in den beiden Texten?
In ‚Am Ufer’ ist die Grenze physikalisch (der Fluss), in ‚Das Mal’ ist sie eher eine innerliche, existenzielle Grenze, die durch die Begegnung mit dem Toten markiert wird.
Warum spielt die Tarnung in beiden Erzählungen eine Rolle?
Nach dem Scheitern der Grenzüberschreitung müssen die Protagonisten eine Tarnung oder Doppelexistenz annehmen, um sich in der Gesellschaft weiterhin zu bewegen.
- Quote paper
- Juliane Loll (Author), 2006, Hans Erich Nossack. Analyse und Vergleich der Erzählungen "Am Ufer" und "Das Mal", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162958