Die Gestaltung und Modellierung von Geschäftsprozessen gewinnt seit den 90er-Jahren nicht nur durch den zunehmenden Einsatz von Workflow-Management-Systemen eine immer stärkere Bedeutung, sie ist vielmehr eine Regelaufgabe im betrieblichen Informationsmanagement – zunehmend auch in kleineren und mittleren Unternehmen.
Seit diesem Zeitpunkt wurde auch der Schwerpunkt von der Aufbauorganisation hin zur Ablauforganisation verlagert, so dass man sich mittlerweile vermehrt mit der Gestaltung von Prozessen auseinandersetzt, welche unter Beteiligung mehrerer Abteilungen durchgeführt werden.
In den vergangenen Jahren haben sich in der Praxis verschiedene Methoden und Werkzeuge zur Modellierung von Geschäftsprozessen entwickelt und etabliert. Diese Seminararbeit setzt inhaltlich bei der grafischen Dokumentation von Prozessen in der Phase der Nachbereitung einer Prozessanalyse ein und verfolgt das Ziel, den Teilnehmern zukünftiger Lehrveranstaltungen einen Überblick über ausgewählte Modellierungsmethoden sowie deren Verwendung anhand eines Beispielprozesses zu vermitteln. Dabei sollen kurze
Erläuterungen zu den verschiedenen Methoden und deren konzeptionellen Inhalten dem Leser ermöglichen, die grafischen Darstellungen nachzuvollziehen und deren Zweckmäßigkeit zu
verstehen. Vor allem soll aber mittels der Darstellungen ein Vergleich über die Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Potentiale der verschiedenen Methoden durch Modellierung eines einzigen Geschäftsprozesses erreicht werden. Für umfangreiche Ergänzungen zum Thema wird an einigen Stellen im Text auch auf einschlägige Literatur verwiesen.
Im ersten Teil der Seminararbeit wird der Geschäftsprozess „Schriftliche Kundenanfrage bearbeiten“ eines anonymisierten IT-Beratungsunternehmens verbal erläutert. In den
nachfolgenden Kapiteln konzentriert sich die Arbeit auf kurze Erläuterungen und die Modellierung mit verschiedenen Methoden als wirksames Instrument der Geschäftsprozessgestaltung. Aufgrund des sehr umfangreichen Themengebietes „Prozessmanagement“ werden Inhalte aus Teilgebieten wie zum Beispiel der Soll-Konzeption im Rahmen der Prozesskonzeption, der Prozessoptimierung und der Prozessautomatisierung in dieser Arbeit vernachlässigt, obgleich die Modellierung eines Geschäftsprozesses auch in diesen Phasen eine tragende Rolle spielt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Prozessbeschreibung
3 Flussdiagramm
4 ARIS-Haus
4.1 Organisationssicht
4.2 Funktionssicht
4.3 Datensicht
4.4 Leistungssicht
4.5 Steuerungssicht
4.5.1 Wertschöpfungskettendiagramm
4.5.2 Erweiterte Ereignisgesteuerte Prozesskette
5 Business Process Model and Notation
6 Blueprint
7 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, den Geschäftsprozess "Schriftliche Kundenanfrage bearbeiten" eines IT-Beratungsunternehmens als Lehrbeispiel zu nutzen, um verschiedene Methoden der Prozessmodellierung praxisnah zu veranschaulichen und miteinander vergleichbar zu machen. Die Forschungsfrage fokussiert sich dabei darauf, wie unterschiedliche Modellierungssprachen und -ansätze genutzt werden können, um Prozessabläufe effizient zu dokumentieren und deren Zweckmäßigkeit sowie Potenziale zu verdeutlichen.
- Grundlagen der Geschäftsprozessmodellierung und Prozessdarstellung
- Einsatz des ARIS-Konzepts (ARIS-Haus) mit seinen fünf Sichten
- Anwendung der Business Process Model and Notation (BPMN) zur Prozessmodellierung
- Einsatz der Blueprint-Methode zur Darstellung aus Kundensicht
- Vergleichende Analyse verschiedener Modellierungsmethoden anhand eines einheitlichen Praxisbeispiels
Auszug aus dem Buch
4.1 Organisationssicht
Die Regeln zur Gliederung einer Unternehmung von Menschen in überschaubare Einheiten werden als Organisation bezeichnet. Die Organisationssicht soll dabei mit Hilfe von Organigrammen die Struktur und Beziehungen von Organisationseinheiten und Bearbeitern im Unternehmen spezifizieren. Zentrale Aufgabe der Organisationssicht ist somit die Modellierung der Aufbauorganisation. In Darstellung 4 wird das Organigramm des für diese Seminararbeit ausgewählten IT-Beratungsunternehmens auf der Typebene modelliert, das heißt es wird der generelle Aufbau der Organisation auf Grundlage der in der generalisierten Typebene festgelegten Hierarchie dargestellt. Es wurde dabei absichtlich auf die Abbildung der Ausprägungsebene mit Stellen sowie der Personen und Personentypen verzichtet, da diese für den Beispielprozess anonymisiert werden mussten. Aus diesem Grund wird hier zusätzlich noch auf Abschnitt 3.3.3 in „Prozessmodellierung mit ARIS – Eine beispielorientierte Einführung für Studium und Praxis“ von Seidlmeier verwiesen, in welchem die Beziehungen zwischen Aufgabenträgern und Aufgaben beispielhaft erläutert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung erläutert die wachsende Bedeutung der Geschäftsprozessmodellierung im betrieblichen Informationsmanagement und definiert das Ziel der Arbeit, verschiedene Modellierungsmethoden anhand eines einheitlichen Praxisbeispiels zu vergleichen.
2 Prozessbeschreibung: Das Kapitel beschreibt den ausgewählten Kernprozess "Schriftliche Kundenanfrage bearbeiten" verbal und legt den Fokus auf die Ist-Situation innerhalb eines IT-Beratungsunternehmens.
3 Flussdiagramm: Hier wird die einfache grafische Darstellung von Prozessschritten mittels Flussdiagrammen erläutert, inklusive einer tabellarischen Aufarbeitung der Prozessschritte als "Kochrezept".
4 ARIS-Haus: Dieses umfangreiche Kapitel widmet sich der Architektur integrierter Informationssysteme und analysiert den Prozess detailliert in den fünf Sichten Organisations-, Funktions-, Daten-, Leistungs- und Steuerungssicht.
5 Business Process Model and Notation: Das Kapitel behandelt den aktuellen Standard BPMN 2.0, seine Notationselemente sowie die Möglichkeiten, komplexe Prozesse mittels Pools und Lanes übersichtlich darzustellen.
6 Blueprint: Diese Methode wird zur Visualisierung von Dienstleistungsprozessen aus Kundensicht verwendet, wobei die Trennung von Aktivitäten durch Interaktions- und Sichtbarkeitslinien im Vordergrund steht.
7 Fazit: Die abschließende Zusammenfassung betont, dass die Wahl der richtigen Modellierungsmethode individuell erfolgen muss und eine Vereinheitlichung durch Konventionen für die Praxis essenziell ist.
Schlüsselwörter
Geschäftsprozessmodellierung, Prozessmanagement, ARIS-Haus, BPMN, Blueprint, Prozessbeschreibung, Aufbauorganisation, Flussdiagramm, Dienstleistungsprozess, Modellierungsmethoden, Prozessdarstellung, Dokumentation, Prozessorientierung, IT-Beratung, Organisationssicht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der grafischen Dokumentation und Modellierung von Geschäftsprozessen im Kontext eines IT-Beratungsunternehmens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Prozessorganisation, die Anwendung verschiedener Modellierungsmethoden wie ARIS, BPMN und Service Blueprint sowie der methodische Vergleich dieser Ansätze.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Teilnehmern künftiger Lehrveranstaltungen einen Überblick über ausgewählte Modellierungsmethoden zu vermitteln und diese anhand eines Beispielprozesses vergleichbar zu machen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden gängige Modellierungsmethoden wie das ARIS-Konzept (inklusive eEPK), Flussdiagramme, BPMN 2.0 und die Blueprint-Methode zur Prozessanalyse und -darstellung angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung und Modellierung des Prozesses "Schriftliche Kundenanfrage bearbeiten" unter Einsatz der genannten Methoden und Sichten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Geschäftsprozessmodellierung, Prozessmanagement, ARIS, BPMN, Service Blueprint und Prozessanalyse definieren.
Warum wurde der Beispielprozess auf den Eingang per Post reduziert?
Die Reduktion auf den Input "Kundenanfrage per Post" dient dazu, die Komplexität des Beispielprozesses für die Seminararbeit handhabbar zu gestalten und den Fokus auf die Anwendung der Modellierungsmethoden zu legen.
Welche Rolle spielt das ARIS-Haus in der Arbeit?
Das ARIS-Haus dient als umfassender Bezugsrahmen, um den Prozess in fünf verschiedenen Sichten (Organisation, Funktion, Daten, Leistung, Steuerung) detailliert zu analysieren und abzubilden.
Warum wird die BPMN-Methode als Standard diskutiert?
BPMN 2.0 wird als Standard hervorgehoben, da sie sowohl eine Notation für fachliche Prozesse als auch formale Definitionen für die technische Ausführbarkeit bietet.
Welchen Vorteil bietet die Blueprint-Methode gegenüber anderen Ansätzen?
Der Blueprint ermöglicht eine klare Trennung zwischen kundeninteraktiven, sichtbaren und internen (Back-Office) Aktivitäten, was insbesondere bei der Optimierung von Dienstleistungen hilfreich ist.
- Quote paper
- Daniel Johanning (Author), 2010, Darstellung des Prozesses „Schriftliche Kundenanfrage bearbeiten“ eines IT-Beratungsunternehmens mit verschiedenen Methoden als Lehrbeispiel, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162965