Die neue Unterrichtskutur, die veränderte Lehrerrolle und das selbstregulierte Lernen


Hausarbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Neue Unterrichtskultur
1.1 Kernelemente der neuen Unterrichtskultur
1.2 Selbstgesteuertes Lernen fördern und die damit einhergehende Veränderung der Rolle der Lehrenden

2. Exemplarische Möglichkeiten, die neue Unterrichtskultur aufzubauen
2.1 Prozesssteuerung durch Feedback-Kultur
2.2 Lernsteuerung durch Metakognition
2.3 Innovative Methodenkultur im Unterricht

3. Ausgewählte Unterrichtsmethoden selbstgesteuerten Lernens für die Schule
3.1 Wochenplanarbeit
3.2 Freiarbeit
3.3 Wahldifferenzierter Unterricht
3.4 Projektunterricht

Literaturangaben

Einleitung

Wir sind alle mehr oder weniger alle Lehrer[1], denn Lehren ist ein Bestandteil unseres Alltagslebens: wir unterrichten unsere Geschwister, unsere Kinder und (Ehe-)partner oder Arbeitskollegen. Von ausgebildeten Lehrkräften wird erwartet, dass sie die Tätigkeit des Lehrens besser beherrschen als der durchschnittliche Bürger. Lehrer sind jedoch keine von Rollenerwartungen und Situationszwängen gelenkten Figuren, auch wenn die Institution Schule bei ihnen bestimmte Verhaltensmuster begünstigt, die für die Erziehung und das Lehren erforderlich sind.

In der Lehrerrolle sind Konflikte impliziert, da der Lehrer zum einen seine Schüler auf der Grundlage des Erziehungsauftrages und in Rahmen einer demokratischen Unterrichtskultur erziehen und gleichzeitig ihnen Verständnis entgegenbringen und ihnen mit seiner Hilfe zur Seite stehen möchte. Auf der anderen Seite lässt sich das nicht immer vereinbaren, da er in seiner Rolle eine Menge von heterogenen Anforderungen wie beispielsweise die Komplexität des Unterrichtsprozesses, Disziplin halten, einen Beitrag zur nachhaltigen Kompetenzentwicklung aller Schüler leisten, Leistungen beurteilen, oder bestimmte Bedürfnisse von Schülern hemmen muss. Unter Berücksichtigung einer veränderten Unterrichtskultur kann die Lehrerrolle dahingegen so verändert werden, dass der Lehrer aus der Situation heraus das richtige Verhalten finden wird und somit im Unterricht innovierend wirken würde.

Das Thema dieser Arbeit soll die verschiedenen handlungsorientierten Lernverfahren sein, um einerseits eine lebendige Unterrichtskultur um Schulunterricht zu schaffen und zu gewährleisten und um andererseits die Gestaltung der Lernens mit Hilfe unterschiedlicher Methoden so zu konstruieren. Um einen besseren Überblick über diese Arbeit zu geben, wird zu Beginn kurz der Aufbau dieser Arbeit erörtert und die Zusammenhänge geschildert. In den folgenden Kapiteln (2 und 3) wird grundsätzlich erklärt, was ein Lernarrangement ist, wie sich der Paradigmenwechsel des Lernens und Lehrens auf die Pädagogik auswirkt und was didaktische Modelle sind. Anschließend beschäftigt sich das gesamte vierte Kapitel mit der Erstellung von Lernarrangements, wobei alle Informationen in diesem Kapitel sowohl für konventionellen Face-to-Face Unterricht, Blended Learning Arrangements und auch für reine Online-Anwendungen gelten. Im fünften und sechsten Kapitel werden Modelle und Konzepte vorgestellt, die sich speziell auf reine Online-Anwendungen und hybride Lernarrangements beziehen. Diese beiden Kapitel sind jeweils Ergänzungen in ihrem Bereich, heben aber keinesfalls die dargelegten Informationen im Kapitel drei auf.

1. Die Neue Unterrichtskultur

Zu Beginn dieses Absatzes soll zunächst geklärt werden, was genau mit neu und Unterrichtskultur gemeint ist. Das Adjektiv neu bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die traditionellen Vorstellungen von Unterricht heute nicht mehr als adäquat oder hinreichend erscheinen. Laut Jürgen Oelkers benötigt man `„[…] keine neue Schulkultur, sondern zuallererst Kultur in der Schule“` (Arnold/ Schüßler 1998, S. 4). Gibt es einen Unterschied zwischen Schul- und Unterrichtskultur?

Die Unterrichtskultur kann als Teil der Schulkultur betrachtet werden, die durch die Gesamtheit des Lernangebots und Lernmöglichkeiten sowie durch die Strukturen der Lernarrangements und Lernorganisation gekennzeichnet ist. Nach Gudjons ist mit dem Begriff Unterrichtskultur „[…] die Gesamtheit aller Vorgänge [gemeint], die mit dem Lehren und Lernen in der Schule zusammenhängen.“ (Gudjons 2006, S. 15)

Welche Gründe sind dafür ausschlaggebend, dass methodisch-didaktische Konzepte des Lernens in der neueren didaktischen Literatur gerade zu diesem Zeitpunkt für so relevant gehalten werden? Die neue Unterrichtskultur ist laut Gudjons das „[…] Ergebnis von 30 Jahren Forschung der neueren Lernwissenschaften (Kognitionspsychologie, Konstruktivismus, auch [die] aktuelle Hirnforschung).“ Grundlage der neuen Unterrichtskultur ist also nicht der […] bildungspolitische Reformeifer oder [die] Panik nach PISA[2] oder die üblichen Modewellen, sondern eine außerordentliche solide wissenschaftliche Forschung.“ (Ebd.)

Seit den letzten Jahren kann ein Wandel der Gesellschaft von einer Informations- hin zu einer Wissensgesellschaft beobachtet werden. Die neue „[…] Wissensgesellschaft verspricht laut Wiesner und Wolter eine Brücke zwischen den gesellschaftlichen Strukturvorstellungen und einem pädagogischen Anliegen, der Vermittlung von Wissen, zu schlagen.“ Und weiter ermöglicht „[…] das Konzept der Wissensgesellschaft die Transformation oder den Wandel gesellschaftlicher Strukturen mit entsprechenden Veränderungen innerhalb des Bildungssystems zu verbinden.“ (Wiesner/ Wolter 2005, S. 31 f.) Durch neue Entwicklungen und dem rapiden Fortschritt im Bereich der Datenverarbeitung, -speicherung und -vermittlung können dadurch neue Chancen hinsichtlich der Lehr- und Lernarbeit gesehen werden. Das Internet hat beispielsweise Arbeitsweisen, Informations- und Datenaustausch und nicht zuletzt auch das Lernen der letzten Jahre geprägt und verändert.

Die „neuen Medien“ haben Veränderungen in der Gesellschaft bewirkt. Diese Veränderungen ließen und lassen natürlich auch der Umgang mit Lernen und Lehren nicht unbeeinflusst. Durch Veränderungen in den Medien hat sich auch der Lerner, auf den Unterricht zugeschnitten sein muss, verändert. Die Pädagogik sieht sich einer anderen Art des Lerners gegenüber, der andere Bedürfnisse, Medienerfahrungen und sogar andere Charaktereigenschaften zum Lernen in den Lernprozess mit einbringt. Deshalb ist es wichtig die Notwendigkeit zum Um- und Weiterdenken zu erkennen. Mit den neuen Medien, ändern sich der Lernende, mit dem Lernenden verändern sich die Ansprüche, mit den Ansprüchen ändert sich die Lernumgebungen, mit den Lernumgebungen ändern sich die Möglichkeiten und mit den Möglichkeiten ändert sich die Materialaufbereitung – all diese Faktoren beeinflussen den gesamten Lernprozess, seine Lernumgebung und nicht zuletzt auch die Lehrkraft. Gerade die Rolle des Lehrenden ist ein zentraler Punkt im sich gerade vollziehenden Paradigmenwechsel, auf diesen in diesem Kapitel noch genauer eingegangen wird. (Vgl. Konrad/ Traub 2009, S. 17 f.)

1.1 Kernelemente der neuen Unterrichtskultur

„Alle Erkenntnis wird vom Individuum selbst konstruiert. Dabei ist „Lernen“ Prozess und Ergebnis der aktiven Auseinandersetzung des erkennenden und handelnden Subjektes mit seiner äußeren Welt.“ (Gudjons 2005, S. 16) Lernprozesse werden im Unterricht angeleitet und unterstützt. Ein effektives Lerngeschehen führt zu Einsichten, Fertigkeiten, Fähigkeiten, neuen Erfahrungen, Bestätigung und gefestigter innerer Haltung. „Die didaktische Konsequenz daraus lautet, diesen aktiven Prozess des Lernens bei den Schülern so intensiv wie möglich zu unterstützen.“ (Ebd.) Somit kann festhalten werden, dass die von den Lernern ausgehende aktive Mitgestaltung und -wirkung am Unterrichtsgeschehen ein wesentliches Merkmal der neuen Unterrichtskultur kennzeichnet.

Darauf aufbauend lässt sich ein weiteres bedeutsames Element ableiten: der Paradigmenwechsel von Seiten der Institution Schule und infolgedessen von Seiten der praktizierenden Lehrenden. Die klassische Pädagogik baut auf dem Grundsatz des Lehrens auf und die Lehrperson, die anhand von Methoden ihre Schüler unterrichtet, steht im Zentrum. Die Aufgabe des Schülers war lange Zeit, das zu machen was der Lehrer sagt und die Tatsachen und Informationen wie sie präsentiert werden nur auf- bzw. anzunehmen ohne selbst einen großen Beitrag zur Informationsgewinnung zu leisten. Das Verständnis der neuen Unterrichtskultur versucht mit der „neuen“ Pädagogik, sich aus diesem Kreislauf der Banalität zu lösen. Dazu sollte in erster Linie die Rolle des Lehrers überdacht werden. Durch den Paradigmenwechsel kann der Schüler und das Lernen selbst in den Mittelpunkt gerückt werden. Demzufolge muss die Selbststeuerung, Eigenständigkeit, Engagement und Autonomie der Lerner unterstützt und gefördert werden. Welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt, um die neue Lernkultur im Unterricht aufzubauen, wird im folgenden Kapitel beispielhaft dargelegt.

Die Voraussetzung einer solchen Veränderung ist, dass der Schüler eine Möglichkeit bekommt seine Selbstständigkeit auch zu erfahren. In der Didaktik werden diese Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit den Lerninhalten als Lernumgebungen bezeichnet (vgl. Ebd., S. 17). Der Lernende kann sich eigen- und selbstständig in diesen Lernrahmen bewegen und übernimmt nicht fertig vorstrukturiertes Wissen, sondern stellt Fragen und versucht eigenverantwortlich Sachverhalte zu erforschen.

Dabei ist es Aufgabe des Lehrers, ein Ensemble zu arrangieren in dem sich der Lernende möglichst frei, eigenständig und zielgerichtet bewegen kann. Die Lehrperson stellt Informationen und Medien bereit und steht seinen Schülern beratend zur Seite. Wie beispielsweise einige Lernumgebungen aussehen können und wie die veränderte Rolle des Lehrenden wird im folgenden Kapitel 1.2 näher behandelt.

Es kann festgehalten werden, dass das selbstständige, -organisierte und –verantwortete Lernen der Schüler, der Aufbau lernmethodischer Kompetenzen und handlungsorientierte Unterrichtselemente wichtige Kernelemente der neuen Unterrichtskultur sind.

1.2 Selbstgesteuertes Lernen fördern und die damit einhergehende Veränderung der Rolle der Lehrenden

Zusammengefasst lässt sich aus dem oben genannten Elementen der neuen Unterrichtskultur ein großer Unterschied in der Unterrichtsgestaltung erkennen. Früher hat der Lehrer den gesamten Unterricht gestaltet und bestimmt, „[…] selten ist den Beteiligten bewußt, daß sie zu einem großen Teil die bestehende Lernkultur selbst erzeugen.“ Und weiter heißt es bei Arnold/ Schüßler, dass die Lehrenden „[…] aus Gründen der bequemen Gewohnheit [der] aktivierenden, auf Selbsttätigkeit gerichteten Methode eher ablehnend gegenüberstehen.“ (Arnold/ Schüßler 1998, S. 5) Es liegt also in der Verantwortung der Lehrperson, den Rahmen für eine Auseinandersetzung mit dem Lernstoff zu kreieren. Der Lehrende in der neuen Unterrichts- oder Lernkultur plant und gestaltet Lernumgebungen für die Schüler und steht ihnen als Begleiter und Ratgeber unterstützend zur Seite (vgl. Gudjons 2005, S. 17). Damit gibt er seiner Schülerschaft viel mehr Möglichkeiten für Beteiligung, Engagement und Selbständigkeit (vgl. Absatz 1.1). Nicht zu vergessen sind für ein erfolgreiches und gutes Lernarrangement Zielfestlegungen und Überlegungen wichtig, die gemeinsam gleich zu Beginn vor einer neuen Unterrichtsreihe oder -phase aufgestellt werden. Dabei sollte der Lehrende nicht außer Acht lassen, wohin er letztendlich seine Schüler führen möchte.

Laut Gudjons sollten die Lernumgebungen bzw. –arrangements „ stark “ sein, damit sind authentische Thematiken, Aufgaben und Problemstellungen gemeint, multiple Kontexte, kooperative Arbeitsformen und die Förderung der intrinsischen Motivation[3] sowie die Beachtung der Interessen der Schülerschaft gemeint (vgl. ebd.). Bei den Inhalten sind der Stoffumfang und die Gewichtung der Themen unter anderem entscheidend. Themengebiete, die von großem Interesse sind, werden möglicherweise lieber und intensiver gelernt als lebensferne. Interessante bzw. wichtigere Themen können und sollten sogar ausführlicher behandelt werden und deshalb auch mehr Zeit in Anspruch nehmen dürfen. Darüber hinaus ist auch das Vorwissen der Zielgruppe bei der Aufbereitung des Unterrichts zu beachten.

[...]


[1] Im Folgenden werde ich aus Gründen der Lesbarkeit vorranging auf die männliche Schreibweise zurückgreifen und möchte damit, wenn es nicht ausdrücklich angezeigt ist, das weibliche Geschlecht mit einbezogen wissen.

[2] Programme for International Student Assessment (PISA-Studie 2000). Der Bericht der internationalen Schulleistungsuntersuchung behandelt die Ergebnisse aus 26 PISA-Teilnehmerländern. (http://www.mpib-berlin.mpg.de/pisa/)

[3] Der Wunsch oder die Absicht, eine bestimmt Lernhandlung durchzuführen, weil die Handlung selbst als interessant, spannend oder wie auch immer zufrieden stellend erscheint. (Deci & Ryan, 1985; Koch, 1956; McReynolds, 1971)

(www.psychologie.uni-frankfurt.de/.../ Motivation spsychologie.../ Intrinsische _ Motivation _1.doc)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die neue Unterrichtskutur, die veränderte Lehrerrolle und das selbstregulierte Lernen
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft und Berufspädagogik )
Note
1.0
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V162993
ISBN (eBook)
9783640770694
ISBN (Buch)
9783640771127
Dateigröße
539 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik - Berufspädagogik - Evaluation
Arbeit zitieren
Laura Häckel (Autor), 2010, Die neue Unterrichtskutur, die veränderte Lehrerrolle und das selbstregulierte Lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162993

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die neue Unterrichtskutur, die veränderte Lehrerrolle und das selbstregulierte Lernen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden