Die folgenden Ausführungen stellen einen konzeptionellen Vergleich von drei Aufsätzen zum Organisationslernen dar. Die jeweiligen Aufsätze sind im Literaturverzeichnis aufgelistet. Die Autoren verfolgen dabei in ihren Argumentationsstrukturen teilweise sehr differenzierte Grundannahmen – sei es das grundlegende Verständnis was eine Organisation ist oder die Partizipation des Individuums im Lernprozess. Worin genau diese bestehen, wird im Folgenden analysiert.
Um die Konzeption der jeweiligen Autoren nachvollziehen zu können, werden die nachfolgenden Absätze einzelne Verständnisbereiche bearbeiten und nach Gemeinsamkeiten und Unterschiede hin untersuchen. Dabei wird zunächst auf Kennzeichen einer Organisation an sich und darauf aufbauend das organisationale Lernverständnis eingegangen. Daran schließt sich eine kurze Betrachtung der Kennzeichen des Individuums anhand der beschriebenen Forschungsansätze an. Die Herausarbeitung der Schnittstellen zwischen individuellem und organisationalem Lernverständnis beendet die Ausführungen.
Aufsätze von:
Gherardi, S. & Nicolini, D. (2001): The Sociological Foundations of Organizational Learning. In: Dierkes, M./ Berthoin Antal, A./ Child, J./ Nonaka, I. (Ed.): Handbook of Organizational Learning & Knowledge. Oxford, S. 35-60.
Friedman, V.J. (2001): The Individual as Agent of Organizational Learning. In: Dierkes, M./ Berthoin Antal, A./ Child, J./ Nonaka, I. (Ed.): Handbook of Organizational Learning & Knowledge. Oxford, S. 398-414.
Miner, A.S.; Ciuchta, M.P. & Gong Y. (2008) Organizational Routines and Organizational Learning. In: Becker, M.: Handbook of Organizational Routines. Cheltenham, S. 152-186.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Organisationsverständnis
3. Organisationales Lernverständnis
4. Kennzeichen des Individuums
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen konzeptionellen Vergleich dreier ausgewählter Aufsätze zum Thema Organisationslernen durchzuführen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den theoretischen Grundannahmen sowie in der Rolle des Individuums zu identifizieren.
- Vergleichende Analyse von Organisationsverständnissen
- Konzepte des organisationalen Lernens
- Rolle des Individuums im Lernprozess
- Interaktion zwischen Individuum und Organisation
- Mechanismen der Wissensspeicherung und Institutionalisierung
Auszug aus dem Buch
3. Organisationales Lernverständnis
Gherardi et al. (2001) definieren OL als metaphorische Konzeption (ebd., S.46). Sie bestimmen Individuen und Systeme als Lernträger für OL, die durch veränderte Umweltbedingungen und Informationen Informationsverarbeitungsprozesse in Gang setzen und somit Lernprozesse initiieren (ebd., S.46-47). Lernen ist kein isolierter Vorgang, sondern muss Arbeits- und Organisationsprozesse und soziale Kontexte berücksichtigen ("learning in-organizing"). Das kontextabhängige Lernen kann sich durch Wegfall etablierter Erfahrungen reflexiv verändern (ebd., S.51-52). Der Lernprozess findet nicht ausschließlich oder prinzipiell in den Köpfen der Mitarbeiter statt, sondern muss als eine Art der individuellen Teilnahme an sozialen Aktivitäten begriffen werden. Lernen, Arbeit und Organisation finden immer in oder durch Aktionen statt – mit dem Ziel einer "competent participation in a practice" (ebd., S.47). Als Lernergebnisse können sowohl die Wissenserweiterung der Organisation als auch ihrer Mitglieder konstatiert werden (ebd., S.53).
Friedman (2001) widerspricht den o.g. Autoren und sagt, dass OL keineswegs eine metaphorische Konstruktion sei (ebd., S.400). Wie Gherardi et al. (2001) umfasst OL auch hier die Organisation sowie die beteiligten Individuen (vgl. Friedman 2001, S.398-400). Diese Konstellation erhöht die Komplexität des OL. Als Lernträger fungiert jedoch explizit das Individuum (ebd., S.398). Kern des OL ist, dass Handlungsergebnisse nicht mit Handlungserwartungen übereinstimmen, sodass Handlungstheorien überprüft werden müssen (ebd., S.402-403). Die neuen Strategien dienen als organisationales Speichermedium (ebd., S.408) – ein Speicher, der wie bei Miner et al. (2008, S.154-156) für spätere Prozesse genutzt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in den konzeptionellen Vergleich dreier Aufsätze zum Organisationslernen ein und skizziert die methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung der theoretischen Grundannahmen.
2. Organisationsverständnis: Dieses Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Definitionen von Organisationen als Systeme, Kulturen oder soziale Konstruktionen, wie sie von Gherardi, Friedman sowie Miner et al. vertreten werden.
3. Organisationales Lernverständnis: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Ansätze zum organisationalen Lernen, wobei insbesondere die Rolle von Metaphern, individuellen Lernprozessen und organisationalen Speichermedien diskutiert wird.
4. Kennzeichen des Individuums: Hier wird die Rolle des Individuums beleuchtet, wobei der Fokus auf dessen beschränkter Rationalität und der kognitiven bzw. sozial-kognitiven Lerntheorie liegt.
5. Schluss: Der Schluss stellt die wesentlichen Schnittstellen zwischen individuellem und organisationalem Lernen dar und fasst die Erkenntnisse über Interaktion und Wissensspeicherung zusammen.
Schlüsselwörter
Organisationslernen, Organisationsverständnis, Wissensmanagement, Individuum, Beschränkte Rationalität, Routinen, Organisationsgedächtnis, Lernprozesse, Soziale Interaktion, Kompetenzen, Handlungstheorie, Wissensspeicherung, Institutionalisierung, Lernträger, Systemtheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen konzeptionellen Vergleich dreier wissenschaftlicher Aufsätze, die sich mit verschiedenen theoretischen Perspektiven zum Organisationslernen auseinandersetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Organisationen, die Definition des organisationalen Lernens, die Rolle des Individuums innerhalb einer Organisation sowie die Schnittstellen zwischen individuellem Handeln und organisationaler Wissensspeicherung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die teilweise unterschiedlichen Grundannahmen der Autoren zu analysieren und Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in ihren Argumentationsstrukturen herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse (konzeptioneller Vergleich) von Fachaufsätzen, um theoretische Ansätze zur Organisation und zum Lernen gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Kennzeichnung von Organisationen, dem Verständnis des organisationalen Lernens, der Rolle des Individuums und den Schnittstellen zwischen organisationalen Strukturen und individuellem Wissen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Organisationslernen, Wissensmanagement, Routinen, beschränkte Rationalität und soziale Interaktion charakterisiert.
Welche Rolle spielt das "Single-loop" und "Double-loop" Lernen nach Friedman?
Friedman unterscheidet zwischen technischem Lernen (Single-loop), bei dem Abläufe optimiert werden, und nicht-technischem Lernen (Double-loop), welches die Reflexion und Korrektur grundlegender Handlungstheorien und Organisationswerte erfordert.
Was versteht man unter der Bedeutung von "Routinen" bei Miner et al.?
Routinen werden als organisationale Wissensspeicher verstanden, die das Entscheidungsverhalten beeinflussen, Komplexität verringern und als Grundlage für zukünftige Lernprozesse (capabilities) dienen.
- Citar trabajo
- B.A. Michael Pluge (Autor), 2010, Konzeptioneller Vergleich von drei Aufsätzen zum Organisationslernen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163094