Das deutsche Bildungssystem im Vergleich der Bundesländer und im internationalen Vergleich


Referat (Ausarbeitung), 2010

27 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Einführung

Bildungszugang und seine Entwicklung

Lernumfeld und Organisation von Schulen

Bildungsausgaben
Internationaler Vergleich
Vergleich der Bundesländer

Bildungsmonitor

PISA – Studie

Standpunkt der Verfasser

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anhangsverzeichnis

Abb. 1 - Bildungsbeteiligung 15- 19-Jähriger

Abb. 2 - Bildungsbeteiligung 20- 29-Jähriger

Abb. 3 - Insgesamt vorgesehene Unterrichtszeit

Abb. 4 - Unterrichtszeit pro Fach als Prozentsatz der Pflichtunterrichtszeit bei 9-11 Jährigen

Abb. 5 - Unterrichtszeit pro Fach als Prozentsatz der Pflichtunterrichtszeit bei 12-14-Jährigen

Abb. 6 - Durchschnittliche Klassengröße nach Bildungsbereich

Abb. 7 - Bildungsausgaben 2007 nach Bildungsbereichen (in %)

Abb. 8 - Jährliche Ausgaben von Bildungseinrichtungen pro Schüler/ Studierenden für alle Leistungsbereiche (2007)

Abb. 9 - Ausgaben für öffentliche Schulen je Schüler/-in im Haushaltsjahr 2007 nach Schularten und Ländern in Euro

Abb. 10 - Ausgaben für öffentliche Schulen je Schüler/-in im Haushaltsjahr 2007, ausgewählte allgemein bildende Schularten nach Ländern in Euro

Abb. 11 - Die Rangliste der Länder im Bildungsmonitor

Abb. 12 - MINT-Bestandsranking, sortiert nach Ingenieurspromotionen

Abb. 13 - Gesamtausgaben und Ausgaben je Schüler im Jahr 2020 im Vergleich zu 2007

Abb. 14 - Pisa-Teilnehmerländer und Volkswirtschaften

Einführung

Aufgrund der föderativen Struktur in Deutschland gehören wichtige Aufgaben für Bildung vorrangig dem Zuständigkeitsbereich der einzelnen Bundesländer an. Jedes der 16 Bundesländer hat eine eigene Gesetzgebung für das Schul- und Hochschulsystem. Daraus ergibt sich, dass die Bildungspolitik in Deutschland sehr differenziert ist und es zu mehr oder minder ausgeprägten Unterschieden in einzelnen Bildungsbereichen kommt. Dies verdeutlichen besonders die stark variierenden Schulsysteme, was auch im internationalen Vergleich der Länder zu erkennen ist.

In folgender Arbeit geht es um den Vergleich von Bildungssystemen auf internationaler Ebene und auf Ebene der Bundesländer in Deutschland. Unsere Motivation zu diesem Thema bestand darin, Stärken, Schwächen und Nachholbedarf aufzudecken und Vorschläge zu möglichen Verbesserungen zu geben. Grundlage dafür waren vorrangig Ergebnisse verschiedener anerkannter Studien. Wir haben uns dabei auf einige wenige Kernpunkte beschränkt, an denen man die Unterschiede am deutlichsten sieht, da der Umfangreichtum der Ergebnisse in ihrer Diversifikation enorm ist. Insbesondere das Lernumfeld und die Organisation der Schulen, sowie die Bildungsausgaben haben unser Augenmerk auf sich gezogen. Der Vergleich des Umfelds, dem die Schüler ausgesetzt sind, zeigt unter welchen Bedingungen sie Bildung erfahren. Die Art und der Umfang der Finanzierung, den die verschiedenen Länder und Bundesländer auf ihr Bildungssystem anwenden, lassen einen Vergleich sehr gut zu. Denn die Summe der Ausgaben zeigt, welchen Stellenwert Bildung in einer Volkswirtschaft genießt.

Nach Erörterung der Fakten folgt eine kurze Schlussbetrachtung, in der die Verfasser ihren Standpunkt zur Thematik darlegen.

Bildungszugang und seine Entwicklung

1. Der Zugang zu formaler Bildung vergrößert sich von Jahr zu Jahr.

In fast allen OECD-Ländern haben mind. 90% der jungen Menschen Zugang zu formaler Bildung für mind. 12 Jahre. Belgien, Frankreich, Norwegen und Deutschland sind dabei führend mit mind. 14 Jahren formaler Bildung. In der Türkei und Brasilien hingegen beträgt die Dauer nur 7-9 Jahre. Der Zeitraum in dem formale Bildung gewährleistet wird verlängert sich in fast allen Ländern, allerdings sind einige Länder bereits soweit fortgeschritten, dass bereits der Sättigungspunkt erreicht wurde. Dazu zählen Norwegen, Island und Belgien.[1]

2. In fast allen OECD- Ländern ist die Bildungsbeteiligung im Sekundarbereich II mit über 85% hoch.

Immer mehr junge Menschen verbleiben über die Pflichtschulzeit hinaus im Bildungssystem, da die Chancen auf ein besseres Beschäftigungsverhältnis deutlich zunehmen. Aufgrund dessen muss das Angebot ausgeweitet werden, da ein vielfältigeres Klientel versorgt werden muss.[2]

Zwischen 1995 und 2008 ist in den OECD-Ländern die Zahl der 15-19-Jährigen, die sich in Ausbildung befinden um 8% (von 74% auf 82%) gestiegen, was einen deutlichen Zuwachs der Bedeutung von Bildung darstellt. Führend mit mehr als 90% Beteiligung sind Belgien, Polen und Slowenien, aber auch in Belgien, Kanada und Frankreich ist die Bildungsbeteiligung sehr hoch.[3] (Abbildung 1) Zu dieser oberen Gruppe gehört auch Deutschland. Allerdings sind auch Griechenland, die Tschechische Republik und Ungarn mit zu nennen, denn diese Länder haben eine große Steigerung um mehr als 20% zu verzeichnen. Lediglich in Luxemburg und Israel liegt die Bildungsbeteiligung in diesem Bereich noch unter 85%.

3. Die Bildungsbeteiligung nimmt vor allem im Alter von 16 – 19 Jahren stark ab.

Es gibt große länderspezifische Unterschiede im Alter, in dem die Schulpflicht endet. Sie reicht von 14 Jahren z.B. in Korea, Türkei und Slowenien bis zu 18 Jahren in Belgien, Deutschland und Kanada. Das offizielle Alter, in dem die Schulpflicht endet, entspricht aber nicht immer der Altersstufe, auf der die Bildungsbeteiligung über 90% der Bevölkerung beträgt. Dies ist zum Beispiel in Belgien, Deutschland, und der Türkei der Fall, möglicherweise verursacht durch eine lange Schulpflicht (18 Jahre).[4]

Allgemein gibt es keinen engen Zusammenhang zwischen dem Ende der Schulpflicht und der Abnahme der Bildungsbeteiligung. So erfolgt in den meisten OECD- Ländern der stärkste Rückgang zum Ende des Sekundarbereichs II (ab dem Alter von 16 Jahren). Im Durchschnitt sinkt die Bildungsbeteiligung um 66% von 92% bei den 16-Jährigen auf 26% bei den 19-Jährigen.

Die Bildungsbeteiligung junger Erwachsener hat vor allem im Tertiärbereich enorm an Bedeutung gewonnen und zeigt eine steigende Gesamttendenz auf.

Im OECD – Durchschnitt nahmen 25% der 20- 29-Jährigen an Bildungsmaßnahmen teil. In Australien, Dänemark, Polen und Schweden war der Anteil mit über 30% noch höher. Durchschnittlich sind die Teilnahmequoten zwischen 1995 und 2008 um 6,5% gestiegen. Eine besonders große Steigerung um mehr als 12% hatten Finnland, Island, Korea, Griechenland und Neuseeland zu verzeichnen (siehe Abbildung 2).[5]

Lernumfeld und Organisation von Schulen

Das ausreichende Vorhandensein von Klassenzimmern und die damit verbundenen sozialen Auswirkungen haben großen Einfluss auf den Lerneffekt der Schüler.

Die ausreichende Bereitstellung von Klassenzimmern ist wichtig, da der formale Unterricht im Klassenzimmer einen zentralen Aspekt der Schulbildung darstellt und sich das ausreichende Vorhandensein von Klassenzimmern auf die Unterrichtszeit auswirken kann und damit eng mit dem Effekt des Lernens verknüpft ist.

4. Die Anzahl der vorgesehenen Unterrichtsstunden schwankt stark von Land zu Land sowie teilweise von Region zu Region.

Im OECD- Durchschnitt beträgt die vorgesehene Unterrichtszeit 6.777 Stunden im Jahr, allerdings gibt es große Schwankungen zwischen einzelnen Ländern.[6] (Abbildung 3) So sind es in Polen z.B. nur 4.715 Stunden, während in Italien mehr als 8.000 Stunden jährlich vorgesehen sind. Deutschland liegt hier im OECD- Durchschnitt. In manchen Ländern gibt es große regionale Unterschiede, da oftmals lokale Bildungsbehörden oder Schulen selbst über Zahl und Aufteilung der Unterrichtsstunden entscheiden. Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass in den Länder, die eine höhere Stundenanzahl haben und damit ein höheres Arbeitspensum, die Schulpflicht meist kürzer ist.

Die Anzahl der Pflichtstunden nimmt mit zunehmendem Alter ebenfalls durchgängig zu.

Diese betragen im OECD- Durchschnitt 6.582 Stunden im Jahr, in einem Teil der Länder (u.a. Deutschland, Island, Norwegen, der Tschechischen Republik und Brasilien) entspricht die insgesamt vorgesehene Unterrichtszeit den Pflichtstunden. In Australien, Frankreich und Irland ist ersteres zwar für 7-11- Jährige der Fall, für ältere Gruppen trifft dies aber nicht zu.

5. Die Aufteilung der Pflichtunterrichtszeit auf verschiedene Bereiche wechselt zwischen den verschiedenen Altersgruppen.

Bei den 9-11-Jährigen nehmen durchschnittlich fast 50% die Grundlagenfächer Lesen/Schreiben (23%), Mathematik (16%) und Naturwissenschaften (9%) ein . Dabei nehmen Lesen und Schreiben im Durchschnitt mit 23% den größten Teil ein, was aber stark zwischen einzelnen Ländern variiert. Zwei Extreme hierfür sind Island, wo dieser Bereich nur 16% einnimmt, und Frankreich sowie den Niederlanden mit 30% Anteil. Im Durchschnitt sind 8% des Pflichtunterricht den modernen Fremdsprachen gewidmet, aber auch hier gibt beträchtliche Unterschiede zwischen Ländern: in England, Mexiko und den Niederlanden sind es nur 3%, während in Deutschland, Italien und Slowenien über 10% und in Luxemburg sogar 25% die modernen Fremdsprachen ausmachen. Die bereits genannten Fächer machen zusammen mit Kunst (12%) und Sport (9%) in allen OECD- Ländern den Großteil des Lehrplans dieser Altersgruppe aus.[7] (Abbildung 4)

Bei den 12-14 – Jährigen beanspruchen die Grundlagenfächer durchschnittlich 10% weniger Zeit, dabei verlieren Lesen und Schreiben sowie Mathematik an Bedeutung, die Naturwissenschaften dagegen erfahren größere Aufmerksamkeit. Ebenso an Bedeutung gewinnen die modernen Sprachen mit einem durchschnittlich Zuwachs von 5% sowie Sozialkunde. Dabei bleibt natürlich weniger Zeit für Kunst und Sport (je 8%), trotzdem machen diese 7 Fächer immer noch den größten Teil des Pflichtlehrplans aus, nur mit einer anderen Gewichtung. In dieser Altersgruppe gibt es weniger starke länderspezifische Unterschiede, den Großteil der Unterschiede machen aber weiterhin in Lesen/Schreiben aus mit einer Spannweite von 11% in England, Japan und Portugal bis zu 28% in Irland.[8] (Abbildung 5) Die Länder setzen also unterschiedliche Schwerpunkte hinsichtlich der zu unterrichtenden Fächer als auch des Zeitpunkts, an dem diese Fächer zu unterrichten sind.

6. In Bezug auf die Klassengröße sind besonders große länderspezifische Unterschiede festzustellen

Das Schüler-Lehrer-Verhältnis sowie die Klassengröße zählen zu den umstrittensten Themen in der Bildungspolitik, da sie wichtige Aspekte enthalten die großen Einfluss auf die Bildung haben .

So heißt es oft, dass kleinere Klassen vorteilhafter sind, da es den Lehrern ermöglicht wird, stärker auf die individuellen Bedürfnisse der Schüler einzugehen und es zu weniger Störungen kommt. Außerdem beeinflusst die Klassengröße auch die Schulwahl der Eltern, sodass sie ein wichtiges Kriterium zur Beurteilung der Qualität eines Schulsystems darstellt. Allerdings lässt sich kein linearer Zusammenhang zwischen der Klassengröße und der Leistung der Schüler herstellen.

Im Primarbereich beträgt die Klassengröße im OECD- Durchschnitt rund 22 Schüler pro Klasse, allerdings gibt es hier deutliche Unterschiede zwischen Ländern, wie die Grafik aufzeigt. Die Spannweite reicht von 30 Schülern pro Klasse in Chile und Korea bis zu unter 20 Schüler pro Klasse u.a. in Dänemark, Finnland, Italien, Polen, Luxemburg, Mexiko und Slowenien. Deutschland liegt dabei im Durchschnitt.[9] (Abbildung 6)

Die Klasse vergrößern sich im Sekundarbereich I um durchschnittlich 2 Schüler auf 24 Schüler pro Klassen, aber auch hier gibt es wieder große Diskrepanzen zwischen Ländern von mehr als 35 Schüler in Korea bis höchstens 20 in Dänemark , Island, Luxemburg. Nichts desto trotz ist eine Verringerung der Differenz der Klassengrößen zwischen 2000 und 2008 festzustellen.[10]

7. Je höher der Bildungsbereich, umso mehr nimmt das zahlenmäßige Schüler- Lehrkräfte- Verhältnis ab, während die Klassengröße zunimmt.

Im Primarbereich liegt der OECD- Durchschnitt bei 16 Schüler pro Lehrkraft, doch auch hier gibt es starke Länderunterschiede von 24 Schülern pro Lehrer in Chile, Korea, Mexiko und in der Türkei bis 11 Schüler pro Lehrer in Italien, Ungarn und Polen.

Dagegen nimmt im Sekundarbereich mit durchschnittlich 14 Schüler pro Lehrer das Verhältnis ab, allerdings variiert es stark und reicht von 30 Schüler pro Lehrer in Mexiko bis weniger als 11 Schüler pro Lehrer in Belgien, Island, Luxemburg, Spanien und Österreich. Deutschland liegt dabei im Durchschnitt mit 15 Schüler pro Lehrer.[11]

Bildungsausgaben

Internationaler Vergleich

8. Deutschland gibt einen geringen Anteil des Bruttoinlandsproduktes für Bildung aus.

Welcher Wert der Bildung in der Gesellschaft beigemessen wird, kann man mit Hilfe der Bildungsausgaben verdeutlichen. Nach Berechnungen der OECD sind Investitionen in Bildung für die öffentlichen Haushalte sowohl mittel-, als auch langfristig ein Gewinn. In Deutschland wurden im Jahr 2007 204,1Mrd EUR für Bildung, Forschung und Wissenschaft ausgegeben, was gemessen am BIP 8,4% waren. Davon entfielen 147,8Mrd EUR auf den Bildungsbereich.[12] (Abbildung 7)

Deutschland erreichte im Hinblick auf die Ausgaben für Bildung im Verhältnis zum BIP weder im Primär-, Sekundar-, und postsekundären Bereich, noch im Tertiärbereich den Schnitt der OECD-Länder (6,2%), was unterstreicht, dass die Bundesrepublik einen geringeren Anteil des BIP für Bildung aufwendete.[13] Insgesamt gab Deutschland 4,7% des BIP für Bildung aus und lag damit im unteren Mittelfeld der OECD- Staaten. Geringere Werte wiesen nur die Tschechische Republik (4,6%), Italien (4,5%), und die Slowakische Republik (4,0%) auf. Im Gegensatz dazu gaben die Vereinigten Staaten an der Spitze sogar 7,6% des BIP für Bildung aus.

9. Der Finanzierungsanteil der öffentlichen Haushalte Deutschlands ist im Vergleich der OECD-Staaten zu niedrig.

Der überwiegende Teil der Ausgaben der OECD-Länder für Bildungseinrichtungen besteht aus öffentlichen Mitteln. „Im Durchschnitt aller OECD-Länder stammten 2007 83% aller Mittel für Bildungseinrichtungen direkt aus öffentlichen Quellen.“[14] Die übrigen 17% bestanden aus privaten Mitteln. „Der Anteil der privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen variiert jedoch je nach Land und Bildungsbereich.“[15] In 9 OECD-, sowie Partnerländern lag der Anteil der privaten Mittel über dem OECD-Durchschnitt. An der Spitze der privaten Ausgaben für Bildungseinrichtungen lagen dabei Länder wie Australien (30,5%), Chile (42,3%), Japan (33,3%), Korea (42,4%), das Vereinigte Königreich (30,5%) sowie die Vereinigten Staaten (33,9%). Dort überstieg der Anteil sogar 30%.[16] Deutschland lag mit 14,6% im privaten Bereich der Ausgaben leicht unter dem OECD-Durchschnitt. Leicht über den Durchschnittswerten befand sich dagegen mit 85,4% der Finanzierungsanteil im öffentlichen Bereich. Das war im Vergleich zu wesentlichen OECD-Staaten dennoch relativ niedrig. Gründe dafür könnten vor allem im Elementar-, Primar-, Sekundar-, und Postsekundarbereich liegen, wo Deutschland den OECD-Durchschnittswert für den Anteil der privaten Mittel deutlich überstieg. Ursache dafür sind die Beiträge der Unternehmen zur dualen Berufsausbildung. Außerdem tragen auch Gebühren sowie die Eltern-und Trägerfinanzierung im Kindergartenbereich dazu bei.[17] Das Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland entspricht, besonders durch diese veralteten Strukturen im Sekundarbereich II, nicht mehr den internationalen Standards.

10. Deutschland spart besonders an Ausgaben für Bildung bei den Schülern im Primär- und Sekundarbereich, sodass Bildungsausgaben für Hochschulabsolventen im Tertiärbereich fast doppelt so hoch sind.

Zwischen den einzelnen Bildungsbereichen gibt es deutliche Unterschiede bei der Verteilung der Ausgaben. In Abbildung 8 wird die Differenzierung zwischen den einzelnen Ausgabenbereichen dargestellt. Es wurden im Durchschnitt jährlich 6.756 US-Dollar pro Schüler im Primärbereich, 8.153 US-Dollar im Sekundärbereich und 16.625 US-Dollar pro Studierenden im Tertiärbereich ausgegeben. Die durchschnittlichen Ausgaben der Bildungseinrichtungen pro Schüler / Studierenden in einem typischen OECD- Land betrugen 6.741 US-Dollar im Primär, 8.267 US-Dollar im Sekundarbereich und 12.907 US-Dollar im Tertiärbereich.[18] Die Bildungsausgaben pro Studierenden im Tertiärbereich waren beinahe doppelt so hoch, als dir der Schüler im Primärbereich.[19]

Abbildung 8 verdeutlicht zudem, dass Deutschland in Bezug auf die Ausgaben im Primärbereich mit 5.548 US-Dollar pro Schüler weit unter dem Durchschnitt der weiteren Industrieländer abschnitt. Auch im Sekundarbereich befanden sich die deutschen Ausgaben mit insgesamt 7.841 US-Dollar unter dem OECD-Durchschnitt von 8.267 US-Dollar. Zu unterscheiden ist dabei zwischen dem Sekundarbereich I und II. Im Sekundarbereich I schnitt Deutschland mit über 700 US-Dollar unterhalb des OECD-Durchschnitts ab, während im Sekundarbereich II die Ausgaben von 9.557 US-Dollar pro Schüler über dem Durchschnittswert lagen. “Dies ist in erster Linie auf die hohen Ausgaben der Betriebe im Rahmen des dualen Systems zurückzuführen.“[20] Im Tertiärbereich schnitt Deutschland zwar leicht über dem Durchschnitt ab, jedoch ist dies kein Maßstab im Vergleich zu anderen bedeutenden Industrieländern. Die Werte des gesamten OECD-Länderschnitts schwankten stark: „[I]m Primärbereich von höchstens 2.111 US-Dollar pro Schüler in Mexiko und dem Partnerland Brasilien bis zu 13.985 US-Dollar pro Schüler in Luxemburg im Sekundarbereich, von 1.750 US-Dollar im Partnerland Brasilien bis zu 17.928 US-Dollar in Luxemburg.“[21] Im Tertiärbereich reichten die Ausgaben pro Studierenden von 5.434 US-Dollar (Russische Föderation) bis zu mehr als 20.000 US-Dollar in Ländern wie Kanada, Schweiz oder den Vereinigten Staaten.[22]

Vergleich der Bundesländer

Genauso wie im internationalen Vergleich, gibt es auch auf Bundesländerebene in Deutschland starke Unterschiede bei der Höhe der Ausgaben für die einzelnen Bildungsbereiche.

Abbildung 9 zeigt die Gesamtausgaben für allgemeinbildende und berufliche Schulen in den einzelnen Bundesländern. Im Jahr 2007 wurden durchschnittlich 5.000 EUR für die Ausbildung eines Schülers an einer öffentlichen Schule ausgegeben, wobei Personalausgaben, Ausgaben für laufenden Sachaufwand und Investitionen dazu zählen.[23] Thüringen und Hamburg lagen 2007 mit 6.000 EUR weit über den durchschnittlichen Ausgaben an Schulen.

Betrachtet man konkret die Ausgaben für allgemeinbildende Schularten nach Ländern (Abbildung 10), erkennt man, dass diese stark variierten. Dabei fällt unmittelbar auf, dass besonders an Grundschulen mit insgesamt 4.200 EUR je Schüler/-in am wenigsten Ausgaben entstanden sind. Im Gegensatz dazu stehen die Gymnasien mit 5600 EUR und die Förderschulen mit 13.100 EUR pro Schüler an oberer Stelle. Dabei sind Investitionen im Elementarbereich ein wesentlicher Ansatz, um ein solides Fundament für den Prozess des lebenslangen Lernens zu schaffen und einen gerechten Zugang zu späteren Lernangeboten in den Schulen zu gewährleisten.[24]

„Deutschland hat sich, mit der Absicht die Ausgaben auf 10% des BIP bis zum Jahre 2015 zu erhöhen, ein hohes Ziel gesteckt.“[25] Um das gesteckte 10-Prozent-Ziel zu erreichen, sollte der Fiskus Gelder langfristig und effizient einsetzten. „Investiert die öffentliche Hand beispielsweise jährlich knapp 10Mrd EUR in eine bessere frühkindliche Förderung, das heißt in zusätzliche Kita-Plätze, besser qualifiziertes Personal sowie in zusätzliche Ganztagsschulen und Extra-Kapazitäten an den Hochschulen, so nimmt nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln langfristig das Wirtschaftswachstum um jährlich 0,1 Prozentpunkte zu.“[26], denn gezielt eingesetzte Ausgaben bringen Wachstum. Das Institut für Wirtschaft in Köln erstellt den Bildungsmonitor. Dieser misst, in welchen Bereichen des Bildungssystems Handlungsbedarf besteht, um die Bedingungen für das Wirtschaftswachstum zu verbessern.

[...]


[1] Vgl. OECD (2010), S. 334.

[2] Vgl. ebd., S. 336.

[3] Vgl. ebd., S. 337.

[4] Vgl. ebd., S. 340.

[5] Vgl. OECD (2010), S. 415.

[6] Vgl. ebd., S. 417.

[7] Vgl. OECD (2010), S. 422.

[8] Vgl. ebd., S. 423.

[9] OECD (2010), S. 429.

[10] Vgl. OECD (2010), S. 431

[11] Vgl. ebd., S. 432.

[12] Vgl. KmK (2010), S. 30.

[13] FiBS (2006), S. 34 f.

[14] KmK (2010), S. 254.

[15] ebd., S.254.

[16] Vgl. ebd., S. 254.

[17] Vgl. OECD (2010), S. 257

[18] Vgl. ebd., S. 216

[19] Vgl. ebd., S. 213

[20] Statistisches Bundesamt (2009), S. 68.

[21] OECD (2010), S. 216.

[22] Vgl. OECD (2010), S. 216.

[23] Vgl. Statistisches Bundesamt (2010), S. 6.

[24] Vgl. OECD (2010), S. 254.

[25] IWD (2010).

[26] IWD (2009).

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Das deutsche Bildungssystem im Vergleich der Bundesländer und im internationalen Vergleich
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V163124
ISBN (eBook)
9783640957958
ISBN (Buch)
9783640958306
Dateigröße
3773 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
deutsch, Bildungssystem, Vergleich, international, Bundesländer
Arbeit zitieren
Sarah Wittig (Autor), 2010, Das deutsche Bildungssystem im Vergleich der Bundesländer und im internationalen Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163124

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