Musikpräferenzen von Musikern und Nicht-Musikern

Eine vergleichende Fragebogenstudie


Bachelorarbeit, 2010

38 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zusammenfassung

2 Einleitung
2.1 Begriffsklärung
2.2 Musikpräferenzen
2.3 Einflussfaktoren auf den Musikgeschmack
2.4 Musikgeschmack der Eltern
2.5 Festigung des Musikgeschmacks
2.6 Forschungsfragen
2.7 Methoden der Präferenzforschung

3 Methodik
3.1 Die Probanden
3.2 Der Fragebogen
3.3 Durchführung
3.4 Datenanalyse

4 Ergebnisse
4.1 Verbale Präferenzen
4.2 Einflussfaktoren auf den Musikgeschmack
4.3 Musikgeschmack der Eltern
4.4 Festigung des Musikgeschmacks

5 Diskussion
5.1 Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
5.1.1 Verbale Präferenzen von Musikern und Nicht-Musikern im Vergleich
5.1.2 Einflussfaktoren auf den Musikgeschmack von Musikern und Nicht-Musikern im Vergleich
5.1.3 Zusammenhänge zwischen dem Musikgeschmack von Musikern und Nicht-Musikern und dem Musikgeschmack ihrer Eltern
5.1.4 Zeitpunkt der Festigung des Musikgeschmacks von Musikern und Nicht-Musikern
5.2 Bedeutung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen
5.2.1 Zu verbale Präferenzen
5.2.2 Zu Einflussfaktoren auf den Musikgeschmack
5.2.3 Zum Musikgeschmack der Eltern
5.2.4 Zur Festigung des Musikgeschmacks
5.3 Zur Fehlerdiskussion der Studie
5.3.1 Zur Problematik von verbalen Präferenzen
5.3.2 Berechnung von Mittelwerten
5.4 Ausblick

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang
A: Tabellenverzeichnis
B: Abbildungsverzeichnis

1 Zusammenfassung

Mit dieser explorativen Studie soll ein Beitrag zur Musikpräferenzforschung bei Musikern im Vergleich zu Nicht-Musikern geleistet werden, da dieses Gebiet bisher noch wenig erforscht ist. Es werden folgende Fragen untersucht:

Haben Musiker und Nicht-Musiker unterschiedliche Musikpräferenzen? Bei wel­chen Musikrichtungen gibt es eine große Übereinstimmung und bei welchen deutliche Unterschiede?

Wie stark ist die Beeinflussung verschiedener Faktoren auf den Musikgesch­mack? Von welchen Faktoren lassen sich eher Musiker beeinflussen und von welchen eher Nicht-Musiker?

Gibt es Zusammenhänge zwischen den Musikpräferenzen von Musikern und Nicht-Musikern und dem Musikgeschmack ihrer Eltern?

Gibt es Unterschiede beim Zeitpunkt der Festigung des Musikgeschmacks zwischen Musikern und Nicht-Musikern?

Zur Datenerhebung wurde eine Befragung mittels Fragebogen von 30 Musikern und 30 Nicht-Musikern im Alter von 24 bis 35 Jahren durchgeführt. Es werden große und signifikante Unterschiede zwischen den Musikpräferenzen und zwis­chen den Einflussfaktoren auf den Musikgeschmack von Musikern und Nicht­Musikern festgestellt. Weiterhin zeigen sich deutliche Zusammenhänge zwis­chen den Musikpräferenzen der Musiker und den Hörgewohnheiten ihrer Eltern. Die Hörgewohnheiten der Eltern von Nicht-Musiker ließen hingegen keinen di­rekten Bezug zu den Präferenzen ihrer Kinder erkennen.

Im Vergleich zu den Arbeiten von Gembris (2005), Holbrook & Schindler (1989) und Lehmann (1994) wurde in dieser Studie die Festigung des Musikgesch­macks sowohl von Musikern wie auch von Nicht-Musikern deutlich früher fest­gestellt. Das wahrscheinlich erstaunlichste Ergebnis dieser Studie zeigt, dass sich ihrer Einschätzung nach der Musikgeschmack von Musikern deutlich früher, bei vielen schon in der frühen Kindheit, festigt als der von Nicht­Musikern.

2 Einleitung

Die Untersuchung von Musikpräferenzen gehört zu den Schwerpunktthemen der musikpsychologischen Rezeptionsforschung. Bisher wurde dieses Gebiet hauptsächlich auf die Entstehung musikalischer Vorlieben, deren Funktion und dem damit in Zusammenhang stehenden Musikkonsum von Kindern, Jugendli­chen und jungen Erwachsenen anhand empirischer Studien untersucht (vgl. Bersch-Burauel, 2004).

Bislang haben sich nur wenige Untersuchungen mit Präferenzen und Musik­geschmack speziell von Musikern beschäftigt. Dabei bezieht sich der überwie­gende Teil auf Jugendliche. In den Handbuchartikeln der Musikpsychologie wird dieses spezielle Gebiet gar nicht thematisiert. Mit dieser explorativen Studie soll nun ein Beitrag zur Musikpräferenzforschung von Musikern im Vergleich zu Nicht-Musikern geleistet werden. Bevor im Folgenden die zu untersuchenden Themen vorgestellt werden, soll zunächst eine kurze Analyse des bisherigen Gebrauchs der Begriffe „Musikpräferenz“ und „Musikgeschmack“ in der For­schung erfolgen. Danach werden allgemein die Methoden der Präferenzfor­schung kurz dargestellt, bevor auf die hier verwendete Methodik,] mit welcher die Forschungsfragen untersucht werden sollen, eingegangen wird. Danach werden die Ergebnisse der Untersuchung dargelegt und anhand der For­schungsfragen diskutiert.

2.1 Begriffsklärung

Da es keinen einheitlichen Gebrauch der Termini „Musikgeschmack“ und „Mu­sikpräferenz“ gibt, wird an dieser Stelle zunächst versucht, einen Überblick über die bisherige Verwendung dieser zwei Begriffe zu geben.

Heiner Gembris (2005) spricht von dem Begriff „Musikgeschmack“ als Synonym für musikalische Vorlieben bzw. Abneigungen. Er enthält jedoch urteilend­wertende Komponenten, wodurch er sich in der Wissenschaft nicht durchsetzen konnte. Seit den 1970er Jahren versucht man daher den Begriff „Musikgesch­mack“ in der wissenschaftlichen Diskussion zu vermeiden (vgl. Gembris, 2005). Stattdessen wird laut Kloppenburg (2005) überwiegend der Begriff „Musikpräfe­renz“ eingesetzt, welcher zwar auch hierarchisch durch Wichtigeres und Un­wichtigeres strukturiert ist und eine wertende Komponente enthält, sich aber nicht wie der Begriff „Musikgeschmack“ in erster Linie auf die „gut-schlecht­Unterscheidung“ bezieht (vgl. Kloppenburg, 2005).

Es herrscht also auch in der Verwendung des Begriffes „Musikpräferenz“ keine Einheitlichkeit vor. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass Präferenzen Werturteilskomponenten enthielten (vgl. Behne, 1986; Lehmann, 1994), andere behaupten, dass Präferenzen keinen wertenden Charakter besäßen (vgl. Schul­ten, 1990). Manche Autoren wie Ekkehard Jost (1982) sehen Präferenz als langfristige Disposition musikalischer Vorlieben an. Speziell Jost (1982) be­zeichnet eine Musikpräferenz als „positive Subjekt-Objekt-Relation“, wobei jede Art von Musik, jeder Stilbereich, Komponisten und Interpreten zum Objekt mu­sikalischer Präferenz werden können. Er schreibt, dass musikalische Präferen­zen nicht angeborene, sondern durch Erfahrung erworbene Wertorientierungen sind und „relativ beständig und relativ unabhängig von wechselnden psycho­physischen Zuständen und aktuellen situativen Bedingungen“ existierten. Den­noch können sie sich entweder durch langfristige Einflüsse oder auch durch „musikalische Schlüsselerlebnisse“ verändern (vgl. Jost, 1982).

Klaus-Ernst Behne (1993) hingegen schlägt vor, zwischen „Musikpräferenzen“ als eher situationsbezogene, aktuelle Entscheidungen und Musikgeschmack als eher langfristige Orientierung zu unterscheiden. Der umgangssprachliche Be­griff des „Musikgeschmacks“ könnte demnach für die Gesamtheit verwendet werden, „Musikpräferenz“ hingegen für das Entscheidungsverhalten in definier­ten, konkreten Situationen.

Gembris (2005) führt aus, dass sich zumindest für den angloamerikanischen Sprachraum eine gewisse Übereinstimmung darüber herausgebildet hat, den Begriff des musikalischen Geschmacks für längerfristige, stabile Vorlieben zu verwenden und mit dem Begriff der musikalischen Präferenz jeweils aktuelle, situative musikalische Vorlieben zu bezeichnen. Er stützt sich dabei auf Abeles & Chung (1996), Finnäs (1989), Behne (1993) und Russell (1997).

In diesem Sinne werden die beiden Begriffe auch in dieser Arbeit verwendet. Unter dem Begriff „Musikpräferenz“ wird im Folgenden der Grad des aktuellen subjektiven Gefallens bzw. Missfallens bezüglich eines konkreten Musikstücks, einer Stilrichtung oder eines bestimmten Komponisten oder Interpreten vers­tanden.

2.2 Musikpräferenzen

Mit Behne (1999, zitiert in Gembris, 2005) lassen sich drei Typen von Mu­sikpräferenzforschung unterscheiden: Die Forschung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, die sowohl über eigene Forschungsabteilungen verfügen als auch mit Marktforschungsinstituten zusammenarbeiten, die Forschung der privaten Rundfunksender, die sich ebenfalls der Marktforschung bedient, und Forschung, die im akademischen Bereich der Universitäten und Hochschulen betrieben wird. Inwieweit Präferenzforschung darüber hinausgeht, ist nicht be­kannt (vgl. Gembris, 2005).

Als Auswahl- oder Unterscheidungskriterien der Probanden werden fast immer Alter, Geschlecht und Bildungsstand angegeben (z.B. Gembris, 1990; Bersch- Burauel, 2004; Troue & Bruhn, 2000; Müller, 2000). Nur in wenigen Studien wird bei der Ermittlung von Musikpräferenzen hinsichtlich der musikalischen Vorbildung der Probanden unterschieden. Zwei Studien, bei denen auch dieses Kriterium berücksichtigt wird, werden hier kurz vorgestellt:

In einer Untersuchung von Lehmann (1994) soll herausgefunden werden, wel­chen Einfluss verschiedene konkrete Musikstücke auf die in einer Grundmes­sung ermittelte, habituelle Rezeptionsweise ausübt. Unter anderem hat er dafür Musikpräferenzen untersucht, wobei er die Versuchspersonen zwischen Musik­er und Nicht-Musiker unterscheidet. Die Präferenzen werden von den Proban­den formuliert und von Lehmann in vier Variablen kodiert. Je nach Anzahl der gegebenen Antworten kann so für die jeweilige Versuchsperson ein differen­ziertes Bild des Musikgeschmacks entstehen. Die Kategorien „Romantik“, „Alles“, „Rock“, „Hardrock“ und „Pop“ belegten in seiner Studie die ersten fünf Ränge. Alle Nennungen für die Kategorien „Romantik“ und „Barock“ stammen von Musikern. Weiter gab es vier von fünf Nennungen bei „Jazz“ und vier von sechs Nennungen bei „Nur E“ von Musikern. Die Nicht-Musiker hingegen nen­nen „Hardrock“, „Pop“ und verwandte Genres häufiger als Musiker. Lehmann zieht aus seiner Untersuchung den Schluss, dass die Einteilung in Musiker und Nicht-Musiker sich unmittelbar in den Präferenzen niederschlägt. Näher geht er jedoch nicht auf den Unterschied von Musikpräferenzen der beiden Gruppen ein.

Hans Günther Bastian (1997) schreibt in seinem Artikel über Jugend und klas­sische Musik unter anderem über deren musikalische Vorlieben. Dazu hat er eine einfache Häufigkeitsanalyse über die in einem Fragebogen ankreuzbaren Musikgenres durchgeführt. Wie bei Lehmann (1994) steht die Musik der Ro­mantik an der Spitze der Präferenzliste. Mit nur geringem Abstand folgen die Musik der Klassik und auf Rang drei die Barockmusik. Abneigungen liegen ein­deutig bei Schlager, Deutscher Volksmusik und Punk vor. Im Rahmen einer Umfrage von Stern/Allensbach (1980) vergleicht Bastian die Musikpräferenzen der 14 bis 20jährigen mit den Präferenzen der jugendlichen Musiker aus seiner Untersuchung. Gravierende Unterschiede zeigen sich für die Genres Rockmu­sik, Beat und Discomusik, die von den Nicht-Musikern deutlich stärker präferiert werden, und für Oper, Klassik, Musical, Jazz, geistliche Musik und Chormusik, die von Musikern deutlich stärker bevorzugt gehört werden.

Anders als bei Lehmann werden in dieser Studie zur Ermittlung von Präferen­zen Musikrichtungen vorgegeben, die auf einer Rating-Skala von den Proban­den hinsichtlich des Gefallens bewertet werden. Es soll ermittelt werden, ob Musiker, wie in Lehmanns und Bastians Untersuchungen, bestimmte Musikrich­tungen stärker präferieren als Nicht-Musiker und bei welchen Musikrichtungen die größten Unterschiede festzustellen sind. Im Unterschied zu Bastians Studie sind die Probanden keine Jugendlichen, sondern junge Erwachsene zwischen 24 und 35 Jahren.

2.3 Einflussfaktoren auf den Musikgeschmack

Musikpräferenzen sind relativ offen für Veränderungen. Sie werden von ver­schiedenen Faktoren beeinflusst, die in der systematischen Musikwissenschaft abgehandelt worden: Laut Josef Kloppenburg (2005) werden als die wichtigsten Faktoren Alter, Geschlecht, Sozialstatus, Schicht, Bildung bzw. Sozialisation und Persönlichkeitsfaktoren angesehen. Hinzu kommen der Einfluss der Me­dien und situative Bedingungen des Musikhörens. Helga de la Motte-Haber (1996) stellt die Bedeutung der Faktoren Alter, Geschlecht, Sozialstatus und Bildung sowie Persönlichkeit für Musikpräferenzen heraus. Ekkehard Jost (1982) systematisiert die Bedingungsvariablen Lebensalter, Geschlecht, Soziale Schicht und Schulbildung sowie Massenkommunikationsmedien und Umwelt. Behne (1993) bezieht die Forschungsergebnisse auf die Variablen Alter, So­zialstatus, Geschlecht, Persönlichkeit und Situative Musikpräferenzen. Heiner Gembris (2005) unterscheidet drei musikimmanente Aspekte, die in Hinblick auf Präferenzen relevant sind: „formal-strukturelle Aspekte, die sich mehr oder we­niger direkt am musikalischen Material ausmachen lassen, inhaltliche Aspekte auf der Bedeutungsebene einer Musik, sowie Vertrautheit bzw. Fremdheit.“ (Gembris, 2005, S. 302).

Meist wurde untersucht, wie sich verschiedene Faktoren auf eine bestimmte Altersgruppe auswirken. In der vorliegenden Studie hingegen soll untersucht werden, wie stark der Einfluss von Eltern, Freunden, eigenen Kindern, (Ehe)partnern, Medien, Studium, Arbeit/Kollegen und des eigene Musizierens auf den Musikgeschmack von Musikern im Vergleich zu Nicht-Musikern ist. Es wird vermutet, dass bei einigen Einflussfaktoren deutliche Unterschiede festzus­tellen sind, da eigenes Musizieren einen anderen emotionalen und rationalen Zugang zu Musik ermöglichen kann.

2.4 Musikgeschmack der Eltern

Laut Gembris (2005) ist kaum eine Tätigkeit der Jugendlichen so stark vom häuslichen Bildungshintergrund bestimmt wie das Instrumentalspiel und nichts prägt möglicherweise so stark wie jene Musik, die man selbst gespielt hat. Laut Oerter (2005) spielt bei Musikern das musikalische Interesse und die musika­lische Praxis der Eltern eine wichtige Rolle. In der vorliegenden Studie wird daher auf den Einfluss der Eltern noch näher eingegangen. Es soll untersucht werden, wie stark der Musikgeschmack der Eltern und der der Musiker und Nicht-Musiker zusammen hängen. Es wird vermutet, dass besonders im Be­reich der Klassik signifikante Unterschiede auszumachen sind. Daher liegt der Fokus bei diesem Teil der Untersuchung hauptsächlich auf der Musikrichtung der klassischen Musik.

2.5 Festigung des Musikgeschmacks

Des Weiteren soll in dieser Studie untersucht werden, wann sich der Musik­geschmack festigt und ob es dabei signifikante Unterschiede zwischen Musi­kern und Nicht-Musikern gibt. Verschiedene Autoren (vgl. Gembris, 2005; Hol­brook & Schindler, 1989; Lehmann, 1994) haben festgestellt, dass sich um das zwanzigste Lebensjahr herum ein Musikgeschmack herausbildet, der sich in den folgenden Jahren stabilisiert und weniger Veränderungen unterworfen ist. Sie ziehen den Schluss, dass die gegen Ende der Jugendzeit erworbenen Hörverhaltensweisen auch für das Erwachsenenalter prägend sind. Holbrook & Schindler (1989) erheben die Hypothese, dass Präferenzen zur Popmusik den erworbenen Geschmack während des späten Jugendalters oder des frühen Erwachsenseins wiederzuspiegeln scheinen. In einer empirischen Studie wählten sie zur Untersuchung 28 Musikbeispiele aus den Jahren 1932 bis 1986 aus, welche den Stil ihrer Zeit repräsentieren sollten. 108 amerikanische Pro­banden im Alter von 16 bis 86 Jahren, die alle Kenntnisse und Interesse an Popmusik zeigten, hörten sich die 28 Musiktitel (Ausschnitte von jeweils einer halben Minute) in zufälliger Reihenfolge an und bewerteten diese direkt nach jedem Ausschnitt auf einer 10-Punkte-Skala. Zur Analyse werden das Alter der Befragten und das Erfolgsjahr des jeweiligen Musiktitels verwendet. Es wird die Wechselwirkung zwischen dem Alter der Befragten und der Zeit des größten Erfolges des jeweiligen Stückes untersucht. Es werden Mittelwerte für jedes Alter und deren Musikpräferenzen zu den Beobachtungen errechnet und vergli­chen.

Die Ergebnisse zeigen eine starke und hoch signifikante Beziehung zwischen dem Alter der Probanden und der Präferenz für Popmusik. Es wird herausge­funden, dass die Entwicklung des Musikgeschmacks für Popmusik einem um­gekehrten U-förmigen Muster folgt, dass seine Spitze ungefähr im 24. Lebens­jahr erreicht. Holbrook und Schindler vermuten, dass es hinsichtlich der Präfe­renzen für Popmusik gegen Ende der Adoleszenz bzw. am Anfang des Er­wachsenenalters eine besonders sensible Phase gibt, in der sich die in dieser Zeit vorhandenen Präferenzen verfestigen und für den Rest des Lebens erhal­ten bleiben.

Diese sensible Phase hängt laut Gembris (2005, S. 295) mit verschiedene Fak­toren zusammen: „[...] mit den vielfältigen und intensiv gesteigerten Funktionen, die Musik vor allem bei der Identitätsausbildung ausübt, mit dem häufigen Hören von Musik und der daraus resultierenden Vertrautheit, mit der Intensität des emotionalen Erlebens und des Lebensgefühls, das mit dem Musikhören verbunden ist, mit den Assoziationen und Bedeutungen, die besonders in dieser Lebensphase mit Musik verknüpft sind“.

In Anlehnung an Holbrook und Schindler wird auch hier im Folgenden nach dem Alter, seit dem die jeweiligen aktuellen Präferenzen gehört werden, ermit­telt. Im Unterschied zu Holbrook und Schindler begrenzt sich die Untersuchung dabei nicht nur auf Popmusik. Da das eigene Instrumentalspiel und Singen den Musikgeschmack sehr stark prägt, wird vermutet, dass sich Musiker hinsichtlich des Musikgeschmacks früher festlegen als Nicht-Musiker und damit auch die Veränderungen des Musikgeschmacks vom Jugend- bis ins Erwachsenenalter bei Musikern geringer als bei Nicht-Musikern sind.

Musik nimmt in der Freizeitgestaltung einen bedeutenden Faktor ein. Das Ausschöpfen ihrer emotionalen Kompetenz richtet sich auch nach dem Vermögen ihrer Rezipienten. Das Wissen um den Zeitpunkt der allgemeinen Prägung der Musikpräferenzen könnte weitere Bildungsmöglichkeiten eröffnen.

2.6 Forschungsfragen

Folglich wird in dieser Studie versucht, Antworten auf die hier aufgeführten Fra­gen zu finden:

Haben Musiker und Nicht-Musiker unterschiedliche Musikpräferenzen? Bei wel­chen Musikrichtungen gibt es eine große Übereinstimmung und bei welchen deutliche Unterschiede?

Wie stark ist die Beeinflussung verschiedener Faktoren auf den Musikgesch­mack? Von welchen Faktoren lassen sich eher Musiker beeinflussen und von welchen eher Nicht-Musiker?

Gibt es Zusammenhänge zwischen den Musikpräferenzen von Musikern und Nicht-Musikern und dem Musikgeschmack ihrer Eltern?

Gibt es Unterschiede beim Zeitpunkt der Festigung des Musikgeschmacks zwischen Musikern und Nicht-Musikern?

2.7 Methoden der Präferenzforschung

Bevor die hier verwendete Methodik zur Untersuchung der Forschungsfragen dargestellt wird, werden an dieser Stelle zunächst die allgemeinen Methoden der Präferenzforschung dargestellt.

Obwohl zur Erfassung musikalischer Präferenzen auch qualitative Verfahren eingesetzt werden, stützt sich laut Gembris (2005) der überwiegende Teil der Präferenzforschung auf quantitative Methoden. In der Regel werden die Reak­tionen von Probanden auf vorgegebenen Stil- und Gattungsbezeichnungen oder Urteile über tatsächlich erklingende Musikbeispiele mit Hilfe von Fra­gebögen, Rating-Skalen oder semantischen Differenzialen erhoben. Es wird zwischen verbalen und klingenden Präferenzen unterschieden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Musikpräferenzen von Musikern und Nicht-Musikern
Untertitel
Eine vergleichende Fragebogenstudie
Hochschule
Universität Bremen  (Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
38
Katalognummer
V163135
ISBN (eBook)
9783640779420
ISBN (Buch)
9783640788767
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Musikpräferenz, Musikgeschmack
Arbeit zitieren
Anne Feudel (Autor:in), 2010, Musikpräferenzen von Musikern und Nicht-Musikern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163135

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