Die "Schule der Solidarität", die im Laufe ihrer Geschichte in dem Internationalen Institut für Journalistik Berlin (IIJB) aufgeht, ist bisher von der Forschung vernachlässigt und in keinem monographischen Rahmen behandelt worden, findet in der Literatur lediglich rudimentäre Erwähnung. Mit der vorliegenden Arbeit wird diese Forschungslücke geschlossen.
Die "Schule der Solidarität" wird in ihrer Entwicklung von 1963 bis 1989 dargestellt, ihre Strukturen und Funktionen in dieser Zeit werden beleuchtet. Der zeitliche Untersuchungsrahmen wird im Wesentlichen durch das Gründungsjahr 1963 einerseits und die Wendezeit 1989/90 andererseits bestimmt, in der sich das IIJB als eingetragener Verein eine neue Rechtsform gab. In der vorliegenden Arbeit werden folgende Fragen beantwortet:
1. Aus welchen Motiven und zu welchem Zweck wurde die Schule gegründet? Welche Entwicklung ging ihr voraus?
2. Welche rechtliche Stellung hatte das Institut? Welche Strukturen und Instruktionswege gab es innerhalb des VDJ und der Schule selbst? Inwieweit änderten sich diese mit der weiteren Entwicklung der Schule?
3. Was wurde an der Schule fachlich bzw. inhaltlich gelehrt und wie sah der Unterricht konkret aus? Welche Lehrpläne und Kurstypen existierten? Inwieweit veränderten sich die Ausbildungsformen im Laufe der Zeit?
4. Aus welchen Ländern kamen die Studentinnen und Studenten und welche Voraussetzungen brachten sie für die Ausbildung mit?
5. Welche Entwicklungen nahmen die Absolventen der Schule? Betrieb das Institut Kontaktpflege? Wie gestalteten sich eventuelle Nachkontakte?
6. Inwieweit und zu welchem Zweck wurden Maßnahmen zur politisch-ideologischen Erziehung der Kursteilnehmer ergriffen?
7. Bestanden Kooperationen der Schule mit nationalen und internationalen Einrichtungen, Institutionen, Verbänden etc.? Wie waren diese konkret ausgestaltet?
8. Kam der Schule durch ihre vielfältigen Verbindungen in die Länder des afrikanischen, arabischen, asiatischen und lateinamerikanischen Raumes eine besondere Bedeutung für das DDR-Regime zu? Inwieweit diente die Schule dem DDR-Regime dabei, außenpolitische Ziele zu unterstützen? Welche Rolle spielte dabei der formal selbständige Status der nicht staatlichen, vielmehr durch den VDJ unterhaltenen Schule?
9. Mit welchen Mitteln finanzierte sich die "Schule der Solidarität"? Inwieweit gab es staatliche Unterstützung? War die Schule in die Solidaritätsarbeit der DDR eingebunden? Welche Rolle spielte sie hier?
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Der Verband der Journalisten der DDR
C. Das Internationale Institut für Journalistik Berlin 1963 bis 1989
I. Ausbildungshilfe im Vorfeld der Gründung der „Schule der Solidarität“
II. Die Institutionalisierung der Ausbildungshilfe durch die Gründung der „Schule der Solidarität“ im Oktober 1963
a) Gründung der „Schule der Solidarität“
b) Der erste Lehrgang an der „Schule der Solidarität“
c) Inhaltliche Zielstellung, Satzung und Arbeitsweise der „Schule der Solidarität“
III. Die formelle Umwandlung der „Schule der Solidarität“ in das Internationale Institut für Journalistik Berlin
a) Umwandlung in das Internationale Institut für Journalistik Berlin
b) Erweiterung und Umstrukturierung des Internationalen Instituts für Journalistik Berlin
1. Abteilung Ausbildung im Inland: „Schule der Solidarität“
2. Abteilung Ausbildung im Ausland
3. Die Abteilungen Dokumentation und Information sowie Verwaltung und Finanzen
4. Die Struktur des IIJB innerhalb des VDJ
c) Der Ausbau der „Schule der Solidarität“
IV. Das IIJB in der Wendezeit
V. Ausbildungsformen und -inhalte am IIJB
VI. Lehrgangsteilnehmer
a) Bildungsvoraussetzungen der Lehrgangsteilnehmer
b) Einladungspolitik und Herkunftsländer der Studenten
c) Die Betreuung und Versorgung der Studenten in der DDR
d) Die Kontaktpflege der „Schule der Solidarität“ mit ihren Absolventen
VII. Die Finanzierung des IIJB
VIII. Das IIJB und die Zusammenarbeit mit internationalen Vereinigungen
IX. Das IIJB und die Zusammenarbeit mit nationalen Medieninstitutionen
X. Das IIJB und die Beziehungen zu ausländischen Ausbildungseinrichtungen
a) Bildungseinrichtungen im sozialistischen Ausland und in den Entwicklungsländern
b) Das Internationale Institut für Journalismus in West-Berlin
XI. Die Funktionen des IIJB
a) Die „Schule der Solidarität“ als Manifestation der Solidaritätsarbeit
b) Das IIJB als Form der Entwicklungszusammenarbeit und Fortsetzung außenpolitischer Ziele
D. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Geschichte, Entwicklung und Funktion der „Schule der Solidarität“ (später Internationales Institut für Journalistik Berlin, IIJB) als Ausbildungsstätte für Journalisten aus Entwicklungsländern zwischen 1963 und 1990, um deren Rolle als Instrument der DDR-Außenpolitik und Entwicklungszusammenarbeit zu analysieren.
- Historische Entwicklung der Journalistenausbildung durch den Verband der Journalisten der DDR (VDJ).
- Strukturwandel und organisatorische Institutionalisierung der Ausbildungsstätte.
- Finanzierung und Rolle von Solidaritätsaktionen als politische Instrumente.
- Politisch-ideologische Beeinflussung der Kursteilnehmer während der Ausbildung.
- Vergleich der Ausbildungsbedingungen zwischen der SdS und westlichen Institutionen.
Auszug aus dem Buch
Die Institutionalisierung der Ausbildungshilfe durch die Gründung der „Schule der Solidarität“ im Oktober 1963
Aus den vorstehenden Gründen entschloss sich der VDJ dazu, die dezentrale Ausbildung in einzelnen Redaktionen in eine zentrale Ausbildungsform umzuwandeln und die Ausbildungshilfe für Afrika zu institutionalisieren. Die Journalistenschule mit den Namen „Schule der Solidarität“ wurde 1963 gegründet.
Zum Hauptverantwortlichen für die Erarbeitung einer inhaltlichen Zielsetzung der Schule wurde Walter Kernbach, einer der drei Sekretäre des ZV des VDJ, benannt. Auf die Erfahrungen der Ausbildung in einzelnen Redaktionen aufbauend entwickelte dieser zunächst einen Entwurf für eine Schule zur Ausbildung ausländischer Journalisten. Nach den Erinnerungen Treffkorns wurden in diesem jedoch nur vage Aussagen über die Ausbildungsinhalte gemacht. Eng angelehnt an Lehrinhalte der Fakultät für Journalistik der KMU Leipzig bzw. der vom VDJ für den eigenen journalistischen Nachwuchs unterhaltenen Fachschule für Journalistik sollte den afrikanischen Studenten an der Schule die Arbeit des Pressewesens, vor allem die einer Zeitungsredaktion vermittelt werden. Afrikabezogene inhaltliche Fragen wurden mit der Afrika-Abteilung beim Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR (MfAA), dem Afro-asiatischen Solidaritätskomitee der DDR und dem Institut für Afrikanistik der KMU Leipzig abgestimmt. Jeder ausländische Student sollte unter anderem theoretische und praktische Kenntnisse in Pressefotografie erhalten und an einem mehrwöchigen Praktikum in einer Zeitungsredaktion teilnehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die strategische Bedeutung der Massenmedien im Kalten Krieg und führt die Gründung der „Schule der Solidarität“ als journalistische Ausbildungsstätte für Kader aus Entwicklungsländern ein.
B. Der Verband der Journalisten der DDR: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung, Organisation und politische Struktur des VDJ als Trägerorganisation.
C. Das Internationale Institut für Journalistik Berlin 1963 bis 1989: Hier wird die diachrone Entwicklung der Institution von der Gründung über Umstrukturierungen bis hin zur Wendezeit und der Umwandlung in einen eingetragenen Verein dargestellt.
D. Fazit: Das Fazit resümiert die Schule als erfolgreich genutztes Instrument der Außenpolitik zur Vermittlung sozialistischer Weltanschauung und Ausbildung von Multiplikatoren.
Schlüsselwörter
DDR, Journalismus, Schule der Solidarität, IIJB, VDJ, Ausbildungshilfe, Entwicklungsländer, SED, Propaganda, Außenpolitik, Solidarität, Journalistenverband, Mediensystem, Kader, Internationalismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehung, Struktur und politische Funktion der „Schule der Solidarität“ in Berlin, einer Ausbildungsstätte des DDR-Journalistenverbandes für Medienkader aus Entwicklungsländern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Im Zentrum stehen die journalistische Ausbildung, die Finanzierung durch Solidaritätsfonds sowie die politische Indoktrination als Instrument der DDR-Außenpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die bisherige Forschungslücke zur Ausbildungspraxis des IIJB zu schließen und aufzuzeigen, wie das Institut zur Durchsetzung außenpolitischer Ziele der DDR genutzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine zeithistorische Analyse, die primär auf der Auswertung von VDJ-Akten aus dem Bundesarchiv (SAPMO) sowie ergänzender Dokumente und Manuskripte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Institutsgeschichte, die interne Struktur, die Finanzierungsmodelle und die konkreten Lehrinhalte inklusive der politischen Erziehungsmaßnahmen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind journalistische Ausbildungshilfe, Solidaritätsarbeit, VDJ, Systemgegensatz im Kalten Krieg und Kader-Export.
Welche Rolle spielte die politische Indoktrination an der Schule?
Die fachliche Ausbildung war eng mit marxistisch-leninistischen Inhalten verzahnt, um Studenten zu überzeugten Vertretern des sozialistischen Gesellschaftssystems für ihre Heimatländer zu machen.
Gab es Kooperationen mit anderen Institutionen?
Ja, das IIJB kooperierte eng mit dem ADN, den staatlichen Rundfunk- und Fernsehkomitees sowie mit anderen Journalistenschulen im sozialistischen Ausland wie in Prag, Budapest und Sofia.
- Citar trabajo
- Marc Castillon (Autor), 2010, Das Internationale Institut für Journalistik Berlin - „Schule der Solidarität“ 1963-1989/90, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163168