Gesprächsformen und Sozialformen im Religionsunterricht


Hausarbeit, 2005

15 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gesprächsformen
2.1 Definition: Gespräch
2.2 Bedeutung des Gesprächs
2.3 Die Entwicklung des Gesprächs
2.4 Fünf verschiedene Formen des Gesprächs
2.4.1 Die Plauderei
2.4.2 Das Lehrgespräch
2.4.3 Die Fragearten
2.4.3.1 Bestimmungsfragen
2.4.3.2 Definitionsfragen ( z.B. „Wer ist Gott?“)
2.4.3.3 Feststellungsfragen (z.B. „Ist das so?“)
2.4.3.4 Suggestivfragen (z.B. „Du wirst doch nicht daran glauben, dass?“)
2.4.3.5. Entscheidungsfragen
2.4.3.6 Bekenntnisfragen ( z.B. „ Glaubst du an Gott?“)
2.4.3.7 Ergänzungsfragen (z.B. „ Jesus wurden in Haft genommen in?“)
2.4.3.8 Kettenfragen
2.4.4 Das Schülergespräch
2.4.4 Die Diskussion

3. Sozialformen
3.1 Definition Sozialformen
3.2 Definition äußere und innere Differenzierung
3.2.1. Äußere Differenzierung
3.2.2. Innere Differenzierung
3.2.2.1. Strukturformen der inneren Differenzierung
3.3. Die vier verschiedenen Sozialformen
3.3.1. Einzelarbeit (Stillarbeit/ Alleinarbeit)
3.3.2. Klassenunterricht/ Frontalunterricht
3.3.3. Gruppenunterricht
3.3.4. Partnerarbeit

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gesprächsformen und Sozialformen üben einen starken Einfluss auf den Unterricht und den Lernerfolg der Schüler aus. Je nach Gruppengröße, Wissensstand, Alter etc. werden verschiedene Gesprächs- und Sozialformen angewandt. Die Geschichte kann bis ins Mittelalter zurückverfolgt werden. Die Sozialformen und Gesprächsformen wurden in den nachfolgenden Epochen evaluiert und sind heute in allen Lebensbereichen auffindbar.

2. Gesprächsformen

2.1 Definition: Gespräch

Das Gespräch ist eine begrenzte Folge von sprachlichen Äußerungen. Es wird dialogisch ausgerichtet und weist eine thematische Orientierung auf. Außerdem sind mindestens zwei Gesprächspartner, welche in unmittelbarem Kontakt stehen, an dem Gespräch beteiligt. Auch findet mindestens ein Gesprächswechsel statt.[1]

2.2 Bedeutung des Gesprächs

Die Bedeutung des Gesprächs begründet sich aus der Bedeutung der Sprache. Dabei konstituiert die Sprache das Denken. Auch bekommt die Welt durch die Sprache eine bestimmte Form der Deutung und Gliederung. In der Theologie finden Gespräche zwischen Gott und Menschen statt. So ruft Gott den Mensch bei seinem Namen. Dieser antwortet ihm darauf.

Auch wird in der christlichen Tradition die Gottesbeziehung im Lehr- und Streitgespräch sowie im Dialog vermittelt.[2]

2.3 Die Entwicklung des Gesprächs

Das Gespräch ist im Religionsunterricht die häufigste Unterrichtsmethode. Es weist eine lange Tradition auf:

Im Mittelalter wurden an den Universitäten die Disputationen angewandt. Dabei wurde über These und Antithese solange argumentiert, bis die richtige Lösung gefunden wurde. Seit der frühen Neuzeit wird das Katechisieren benutzt. Wobei der Lehrer vorgegebene, auswendig gelernte Stoffe in Frage-Antwort-Wechselrede abfragt. Somit wurde die Aufmerksamkeit der Schüler gefördert. Im 18. und 19. Jahrhundert herrschte in den meisten Fächern die Kunstkatechese. Darauf folgte die sokratische Mäeutik. Dabei wurde der unwissende Schüler mit einer Folge von Fragen zu neuen Einsichten geführt. Eine weiterentwickelte Form davon ist die fragensentwickelnde Methode. Diese verläuft nach demselben Schema, der einzige Unterschied ist hier, dass der Schüler bereits Vorkenntnisse besitzt, an die angeknüpft wird. Die Reformpädagogik führte schließlich die Methode des freien Gesprächs ein. In dem der Lehrer und Schüler gleichberechtigt sind und die Schüler Themenwahl und Fragen selber vorgeben. Die verschiedenen Gesprächsmethoden wurden und werden, je nach Epoche, unterschiedlich bevorzugt.[3]

2.4 Fünf verschiedene Formen des Gesprächs

2.4.1 Die Plauderei

Die Plauderei ist eine offene Unterhaltung zwischen Schülern und Lehrer. Sie ist weder ausgesprochen zielstrebig noch planmäßig, sondern stärker situativ und assoziativ spontan. Das hat zur Folge, dass sie häufig mit kurzem Erzählen der Schüler verbunden ist.

Hierbei kann die Plauderei schnell und beliebig von einem Gegenstand zum anderem springen. Somit beschäftigt sie sich mit scheinbaren Belanglosigkeiten aus dem Alltag der Beteiligten (Erlebnisse und Probleme der Einzelnen). Der Lehrer hält sich dabei mehr oder weniger zurück, ermuntert aber gegebenenfalls Schüchterne zum mitreden.

Das positive an der Plauderei ist, dass der Lehrer tiefere Kenntnisse von seinen Schülern gewinnt, Kontakt zu ihnen aufnehmen kann und dass sich ein gutes soziales Klassenklima entwickeln kann.

Dies ist allerdings nur gewährleistet, wenn der Lehrer sich auch in der Rollendistanz übt und den Kindern als Person und Mitmensch ein Stück näher kommt. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass das Plaudern nicht ins nichts sagendes „Labern“ übergeht.[4]

2.4.2 Das Lehrgespräch

Das Lehrgespräch kann als gelenktes oder gebundenes Unterrichtsgespräch geführt werden. Dadurch deckt dieser in der unterrichtlichen Praxis einen breiten methodischen Handlungsraum ab. Der Kern des Lehrgesprächs macht das entwickelnde Gespräch aus, da hier keine Fixierung auf das Fragen erfolgt. Diese Gesprächsmethode ist Lehrerzentriert, d.h. diese Gesprächsform wird durch den Lehrer mehr oder weniger stark gelenkt. Durch die Fragen und Impulse gibt der Lehrer den Gesprächsverlauf an und führt damit die Klasse zu dem bestimmten Zielergebnis. Dies bedingt eine linear-sukzessive Struktur des Lehrgesprächs und eine Schüler-Lehrer-Interaktion, im der die Antworten, Fragen und Einwände der Schüler überwiegend über den Lehrer laufen. Der Lehrer kann durch diese entwickelte Gesprächsform den Schülern, mit ihren Vorerfahrungen und Vorkenntnissen, ermöglichen, einen Sach,- Sinn,- oder Problemzusammenhang fragend, entwickelnd und in Teilen auch besprechend die Thematik zu erschließen. Der Lehrer muss für diese Gesprächsform viele Kompetenzen, wie das Beherrschen der Frage- und Impulstechniken, Gesprächsfähigkeit etc., entwickeln bzw. besitzen.

Die Impulse für ein entwickeltes Gespräch können durch unterschiedliche Fragearten gegeben werden.[5]

2.4.3 Die Fragearten

Bei Fragen muss der Lehrer sich im Klaren darüber sein, welche didaktische Funktion diese erfüllen sollen.

Es kann immer sehr schnell passieren, dass man durch das nicht beachten der richtigen Fragestellung, bei den Schülern das falsche Ergebnis erzielt. Es gibt acht Unterscheidungen in Fragearten.

2.4.3.1 Bestimmungsfragen

Bestimmungsfragen sind die so genannten „W-Fragen“, die mit einem Fragewort ( Wer, Wie, Was, Warum etc. ) beginnen und eine möglichst klare Formulierung erweisen. Sie dienen als wichtigstes Instrument bei Sach- Wissens und Begründungsfragen in einem Lehrgespräch.

2.4.3.2 Definitionsfragen ( z.B. „Wer ist Gott?“)

Diese Fragen stellen eine hohe Anforderung an das kindliche Abstraktionsvermögen dar. Um einem Kind die Beantwortung der Frage zu ermöglichen, muss es durch Aufforderungen zu Beschreibungen und Umschreibungen ermutigt werden, um somit die Abstraktion zu umgehen.

2.4.3.3 Feststellungsfragen (z.B. „Ist das so?“)

Man nennt sie auch „Alternativfragen“. Diese Fragen sollen nur dann eingesetzt werden, wenn diese didaktisch gründlich vorüberlegt wurden, da sie in ihren einengendem Prüfungscharakter leicht suggestiv-repressive Tendenzen entwickeln können.

2.4.3.4 Suggestivfragen (z.B. „Du wirst doch nicht daran glauben, dass…?“)

Diese Frageart soll nach Möglichkeit gar nicht im Unterricht angewandt werden. Diese Fragearten können den Schüler pädagogisch manipulativ beeinflussen und besetzen, was sich der Religionsunterricht nicht erlauben darf.

2.4.3.5. Entscheidungsfragen

(z.B. „ ist Jesus Christus mit dem Menschen Jesus identisch?“)

Diese Fragen lassen den Schüler als Antwortmöglichkeit nur ein JA oder NEIN zu und sind deswegen auch wenig gesprächsfördernd. Religionspädagogisch sind diese Fragen eher unakzeptabel, da diese sich in einem Meinungs- und Handlungsbereich bewegen.

2.4.3.6 Bekenntnisfragen ( z.B. „ Glaubst du an Gott?“)

Auch diese Fragearten dürfen im Religionsunterricht nicht gestellt werden. Da diese durch ihre Frageart den Schülern zu nahe treten und damit den Schüler verleiten falsche oder unüberlegte Aussagen zu treffen. Religionsunterrichtlich würden dadurch Grenzen des Wirkens und Bewirkens überschritten werden.[6]

2.4.3.7 Ergänzungsfragen (z.B. „ Jesus wurden in Haft genommen in…?“)

„ Sie sind formal- sprachlich ein Unding und nehmen in ihrer naiv primitiven Entlastungsfunktion die Gefragten nicht wirklich ernst.“[7]

2.4.3.8 Kettenfragen

Diese Frageart kommt in der Unterrichtspraxis sehr häufig vor und resultiert oft aus der unexakten Formulierung der Ausgangsfrage. Dies bewirkt dann eine Aneinanderkoppelung vieler Fragen, die sich in der Kettenfolge bilden um den Schülern als Zusatz oder Hilfsfragen zu dienen, doch meist nur das Gegenteil bewirken.[8]

[...]


[1] Vgl. G. Faust-Siehl, Gesprächsformen, in: Neues Handbuch religionspädagogischer Grundbegriffe (NHrG), München 2002, Seite 474.

[2] Vgl. G. Faust-Siehl, Gesprächsformen, in: Neues Handbuch religionspädagogischer Grundbegriffe (NHrG), München 2002, Seite 474.

[3] Vgl. G. Faust-Siehl, Gesprächsformen, in: Neues Handbuch religionspädagogischer Grundbegriffe (NHrG), München 2002, Seite 475.

[4] Vgl. R. Lachmann, Gesprächsmethoden im Religionsunterricht, in: G. Adam, R. Lachmann (Hg), Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht, Göttingen 3. Aufl. 1998, Seite 122-123.

[5] Vgl. R. Lachmann, Gesprächsmethoden im Religionsunterricht, in: G. Adam, R. Lachmann (Hg), Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht, Göttingen 3. Aufl. 1998, Seite 123-126.

[6] Vgl. R. Lachmann, Gesprächsmethoden im Religionsunterricht, in: G. Adam, R. Lachmann

(Hg), Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht, Göttingen 3. Aufl. 1998,

Seite 126-128.

[7] R. Lachmann, Gesprächsmethoden im Religionsunterricht, in: G. Adam, R. Lachmann (Hg),

Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht, Göttingen 3. Aufl. 1998,

Seite 127-128.

[8] Vgl. R. Lachmann, Gesprächsmethoden im Religionsunterricht, in: G. Adam, R. Lachmann(Hg), Methodisches Kompendium für den Religionsunterricht, Göttingen 3. Aufl. 1998,Seite 126-128.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Gesprächsformen und Sozialformen im Religionsunterricht
Hochschule
Universität Osnabrück
Note
1,5
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V163176
ISBN (eBook)
9783640782284
ISBN (Buch)
9783640782543
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschprächsformen, Sozialformen, Religionsunterricht, Unterricht, Sprechen im Unterricht
Arbeit zitieren
Veronika Weigel (Autor), 2005, Gesprächsformen und Sozialformen im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163176

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