Schwedisches Manifest und Gustav II Adolf von Schweden

Absichten und Intentionen im 30-jährigen Krieg


Hausarbeit, 2010
18 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Der historische Gustav II Adolf von Schweden

Beweggründe des Eingreifens Gustav Adolfs in den „Teutschen Krieg“

Das schwedische Kriegsmanifest und seine Interpretation

Weitere Fakten und Resümee

Quellen und Literatur

Vorwort

Gustav II Adolf von Schweden, der Löw von Mittnacht, griff 1630 in den 30-jährigen Krieg mit ein und war auf Grund seines mächtigen Militärs, seiner guten Strategien und seines Wirkens eine der wichtigen Persönlichkeiten die entscheidend für den Kriegsverlauf waren. Seine Absichten sind bereits gut erforscht worden. Es ist allerdings deutlich, dass es zwei Lager gibt, das der Sympathisanten und das der Gegner Gustav Adolfs und seiner Einmischung in den dreißigjährigen Krieg. Innerhalb der Quellen und Literatur der vergangenen Jahrhunderte kann man besonders drei verschiedene Gruppierungen erkennen. Jene, welche im Sinne der protestantisch-nordgermanischen Sicht für Gustav Adolf als Streiter des Glaubens und deutschen Libertät Partei ergreifen. Diejenigen, welche eine katholische, also gegen Gustav Adolf im Glaubensbereich gewendete Sicht hatten und die dritte Gruppierung ist schließlich jene, die man als Anti-Kriegs- Gruppierung sehen kann, welche prinzipiell gegen das militärische Eingreifen Gustav Adolfs spricht. Erst neuere historische Forschungen, ab etwa Beginn der 1990iger Jahre, befassen sich betont neutral mit Gustav Adolf, seinen Motiven und Wirken. Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Gustav Adolf auf mehr national- bis nationalistisch-protestantisch verklärte Art und Weise betrachtet, bis sich die kritischen Stimmen wieder mehrten. Es gab zwar auch früher kritische Stimmen, die sich besonders auf die sozio-ökonomischen Folgen der Kriege bezogen, doch besonders nach Friedrich Schillers ersten eher heldenhaft verklärenden Texten zu Gustav Adolf gewannen die Historiker und Publizisten, welche ihn als Helden darstellten, die Oberhand.

Mich hat die Frage nach den Gründen des Einmarsches von Gustav Adolf in Deutschland stark Interessiert, besonders im Hinblick auf den Begriff des „Dominium maris Baltici“. Hatte Gustav Adolf religiöse Gründe, war er der Retter des Protestantismus, was besonders im späten 18. bis Mitte des 20. Jahrhunderts behauptet wurde, oder war er ein reiner Machtpolitiker, wie schon immer kritische Stimmen behaupteten? Im Verlauf meiner Lektüre habe ich mich allerdings auch besonders mit dem Wandel des Bildes von Gustav Adolf in der Geschichtsschreibung beschäftigen müssen, um meine Gründe für meine These, dass er ein reiner Machtpolitiker war, darzulegen.

Ich habe mir als Quelle das schwedische Kriegsmanifest von Gustav Adolf vorgenommen um das, was der König selber als Gründe angab, mit denen zu vergleichen, welche Historiker später erarbeitet, herausgefiltert und besonders in der Zeit des Gustav Adolf Kultes glorifiziert und hervorgehoben haben. Das Manifest sorgte unter anderem dafür, dass sich Friedrich II der Große über das Tractat lustig machte und es als Propagandawerk abtat.[1] Es ist allerdings auch eines der wenigen Werke, welches direkt von Gustav Adolf erhalten und daher für die Forschung nach den Intentionen des Königs sehr wichtig ist. Die Frage, was genau ihn bewegte, ist nicht geklärt, denn es bleibt viel Raum für Spekulationen. Durch die Quellen und die Ansätze der verschiedenen Historiker, dieses Problem zu lösen, können wir uns der Antwort auf die Frage, was seine Beweggründe waren, nähern und einige ausschlaggebende Punkte benennen.

Ich werde im Verlauf meiner Arbeit besonders auf die beiden Hauptgründe, die Glaubens- und die machtpolitischen Aspekte zu sprechen kommen und diese ausführlich erläutern.

Der historische Gustav II Adolf von Schweden

Gustav Adolf wurde nach dem julianischem Kalender am 09.12.1594 im Stockholmer Schloss von seiner Mutter Christina von Holstein-Gottorp geboren. Sein Vater war Herzog Karl von Södermannsland. Bereits in jungen Jahren wurde er von seinem Vater so erzogen, dass er ihm dereinst auf den Thron folgen konnte, den sein Vater selbst im Krieg gegen seinen Neffen Sigismund 1604 errungen hatte. Die Erziehung baute darauf auf, dass Gustav Adolf zwar spartanisch lebte, dabei aber von den besten Gelehrten unterrichtet wurde, stest im Hinblick auf seine zukünftige Königswürde. Bereits die Geburt wurde so inszeniert, dass das Volk sehen musste, was der Herzog anstrebte, denn der Herzog sorgte dafür, dass Gustav Adolf im alten Stockholmer Schloss geboren wurde. Die Kindheit und Jugend war vor allem dadurch geprägt, dass Sigismund immer wieder versuchte, die Krone von Schweden zurück zu gewinnen und Karl IX, Gustavs Vater, mit ihm zusammen immer wieder als Usurpatoren bezeichnete. Doch durch die Bindung des Luthertums im Oktober 1595 als Bedingung für die Krone Schwedens verlor der katholische Zweig der Vasa endgültig seine Möglichkeiten, den Thron zurück zu bekommen[2]. In den folgenden Jahren gab es mehrere Krieg, darunter einen Bürgerkrieg, der mit dem Reichstag von Linköping und der dortigen Wahl Karls zu Karl IX als neuer König von Schweden, sowie dem „Blutgericht“ über die adlige Opposition endete.[3] Im Alter von 10 Jahren, im Jahre 1604, wurde Gustav Adolf von seinem Vater das erste Mal zu einer Ständeversammlung mitgenommen und bereits mit 14 Jahren hielt Gustav Adolf seine erste Rede vor den Reichsständen. Er wurde streng lutheranisch erzogen und sprach neben Deutsch und Schwedisch auch noch fließend Latein, Französisch, Italienisch und Niederländisch. Er galt als ehrgeizig, begabt aber auch temperamentvoll, besonders jähzornig und ungeduldig. Gustav Adolf wollte sein rückständiges Land reformieren und voran bringen und mobilisierte daher schon früh alle möglichen Kräfte, um dieses Ziel zu erreichen. Er gründete Universitäten und Städte und förderte neben der Industrie auch den Handel, baute die Flotte aus und zog einen großen Teil der männlichen Bevölkerung für den Krieg zusammen. Den ererbten Krieg gegen die Dänen und die Konflikte in Polen konnte er beenden. Seine neuartige Art der Propaganda und die neuen bahnbrechenden Kriegstechniken sind ein Teil seiner größten Errungenschaften, die damals zu einem verklärten Bild des Königs beitrugen.[4]

Im Dezember 1611 tritt Gustav Adolf die Nachfolge seines verstorbenen Vaters an und wird von den Reichsständen dafür für mündig erklärt . Dänemark erklärte im selben Jahr Schweden den Krieg. Seine erste Amtshandlung war, Axel Oxenstierna im Januar 1612 als Reichskanzler einzusetzen und den Krieg gegen Dänemark 1613 mit dem Frieden von Knäres zu Gunsten Schwedens zu beenden. Sein Sieg gegen Russland 1614 und der Frieden von Stolbowa 1617 sicherten ihm weitere Gebiete für Schweden. Bereits im Jahr 1614 begann er die ersten von den Reichständen an seine frühzeitige Mündigkeitserklärung geknüpften Reformen umzusetzen um, in dem er eine Justizreform einführte, welche unter anderem eine ordentliche Rechtsprechung gewährleistete. Erst am 12. Oktober 1617 wird Gustav Adolf gekrönt, beginnt gleich mit den nächsten Kriegszügen und marschiert im Gebiet um das baltische Meer ein. Im Mai 1616 kam sein unehelicher Sohn Gustav Gustavson zur Welt, dessen Mutter die Holländerin Margarethe Cabeliau war. Gustav Adolf legitimierte seinen Sohn als Graf von Wasaborg, erkannte ihn aber nicht als Thronfolger an. Die nächste Reform brachte er 1618 zuwege, eine Verwaltungsreform, die dafür Sorge trug, dass nur noch schwedische Bürger in mittlere bis höhere Ämter eintreten konnten und das auch nur, wenn sie lutheranischen Glaubens waren.[5] 1620 reist er inkognito nach Deutschland und heiratete am 20. November 1620 die Schwester des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg, Marie Eleonora. Nach mehreren Fehlgeburten und dem frühen Tod seiner erstgeborenen Tochter Christina Augusta brachte Sie 1626 Erbprinzessin Christine zur Welt.[6]. 1621 erobert Gustav Adolf Riga. Während seines Kriegszuges wurden in Schweden 1624 die Universitäten reformiert und sorgten für umfangreichen Zugang auch für Bürger zu höherer Bildung und damit entsprechender Aufstiegschancen.[7] 1626 besetzt er das polnische Lehensherzogtum Preußen und schließt 1629 Frieden mit Polen, das durch die Familie des früheren Königs von Schweden Sigismund Vasa regiert wird. Der Friede wurde vor allem durch Frankreich gefördert und durch die Zusicherung Ferdinands II., dass Polen Truppen gesendet werden konnten, erschwert. Bereits Ende des Jahres 1628 versucht Gustav Adolf in Stralsund anzulanden, gleichzeitig aber auch durch Bündnisverhandlungen mit Dänemark. Die Verhandlungen mit Dänemark scheitern zwar, aber das durch die katholische Armee unter General Wallenstein belagerte Stralsund unterschreibt die Verträge mit Gustav Adolf, wodurch er in Deutschland anlanden kann. Nach dem Restitutionsedikt im März 1629 und die Verschärfung der Lage der Protestanten hält er eine bewegende Rede 1630 vor den schwedischen Reichständen, in der er als Vater, Landesvater und religiöser Friedensstifter auftritt und landet am 06. Juni auf Usedom.

1631 schließt er den Vertrag von Bärwalde, was ihm Unterstützungszahlungen Frankreichs zusichert. Im April erstürmt er Frankfurt an der Oder, schließt im Juni ein Bündnis mit Brandenburg und im September mit Sachsen. Seine Armee dringt bis Würzburg und Mainz vor. 1632 gelingt den Schweden der Übergang an der Lech und am 17. Mai marschieren die Schweden zusammen mit dem Winterkönig Friedrich V. von der Pfalz in München ein. Vom Juli bis September stehen sich die schwedischen und kaiserlichen Heere vor Nürnberg gegenüber und am 06. November siegen die Schweden in der Schlacht bei Lützen, in der Gustav Adolf tödlich verwundet wird. Erst am 12. Juni 1633 wird Gustav Adolf in der Riddarsholmkirche in Stockholm beigesetzt.[8] -[9] -[10]

Das Leben von Gustav Adolf ist sehr gut erforscht worden, weshalb ich nun noch etwas auf sein Wesen, die Erziehung und sein familiäres Umfeld eingehe. Sein Eltern haben ihn selbst unterrichtet und holten sich später die besten Gelehrten, unter anderem den bürgerlichen Lehrer Johan Skytte, der Gustav Adolf acht Jahre unterwies und auch später eine recht große Rolle spielte. Als „Ramist“ legte Skytte sehr viel Wert auf die Intelligenz und den eigenen Ehrgeiz der Schüler und weniger auf das bloße Pauken und Auswendiglernen, was bis dahin die führende Art des Lernens war. Eine weitere markante Person in Gustav Adolfs Leben war Johannes Bureus, der als „gelehrter Gottesnarr“ bekannt war und für ihn nach dem Tod des Vaters wie ein Vater für ihn war und den er oft um Rat frug. Auch seine Mutter prägte sein Leben stark. Es ist von einer strengen und stolzen Frau die Rede, deren Einfluss auf den Sohn besonders dadurch zu Tage tritt, das sie ihm verbieten konnte das Edelfräulein Edda Brahe trotz seiner Liebe zu ihr zu ehelichen. Gustav Adolf selber hatte ein respektvolles aber eher distanziertes Verhältnis zu seiner Mutter.[11] Seine spätere Ehefrau Marie Eleonore wird als hysterische Frau beschrieben, die vor allem unter „Schwermut“ während der Abwesenheit ihres Mannes litt. Sie sah in Gustav Adolf den „Ritter ihrer Träume“, was ein gutes Verhältnis zwischen ihnen immer weiter erschwerte. Da die Ausbildung Gustav Adolfs stark auch an religiösen Merkmalen ausgerichtet war kann man auch deutlich das lutheranisch geprägte Herrscherbild in seinem Reden und Handeln wiederfinden. Luther maß dem Herrscher unentbehrliche, von Gott eingesetzte Gewalt zu, stellte sie aber auf eine Stufe mit Bauern und Handwerker sofern diese ihren Beruf als Gottesdienst ausübten. Aber Luther gestand den Fürsten an sich nur begrenzte Gewalt zu und fand gläubige/fromme Fürsten wunderlich. Er machte deutlich, dass über die Seelen und deren Heil nur Gott regiert und kein Fürst diese Seelen nie auf den rechten Weg führen kann oder für ihr Heil sorgen. Erfolge sollen ihn demnach nicht nur beflügelt haben, sondern auch Besorgnis geweckt haben, dass er die von Gott gesetzten Grenzen überschreiten würde.[12]

Beweggründe des Eingreifens Gustav Adolfs in den „teutschen Krieg“

Im allgemeinen führt man mehrere Gründe an, die Gustav Adolf bewegt haben sollen, sich in den Krieg einzumischen. Diese Gründe kann man recht gut in drei Gruppen einteilen, die protestantisch-nordgermanischen Fraktion, machtpolitische Erklärungen und als drittes und am wenigsten schwerwiegend die wirtschaftliche Gründe. Besonders die protestantisch-nordgermanische Fraktion neigte dazu, Gustav zu glorifizieren, was durch deren angeführten Gründe deutlich wird. Gustav Adolf soll nach deren Meinung vor allem zugunsten der Protestanten eingegriffen haben. Die Art, in der er die Abschiedsrede vor den Reichsständen gehalten haben soll, unterstreichen dies. Als Vater, mit seiner Tochter auf dem Arm, soll er in landesväterlich behütender Pose seine Rede gehalten haben. Schützen wolle er die Glaubensbrüder, welche durch die Katholiken in Bedrängnis geraten waren und welche Ihn um Hilfe gebeten hatten.[13] In diese Richtung weiterargumentierend führt man an, dass der König vor allem für die Glaubens- und Gewissenfreiheit kämpfte und die deutsche „Libertät“ retten wollte. Diese Position wurde vor allem in den Jahren um 1750 bis 1945 vor allem durch Preußen, welches einen Helden brauchte, und später den Nationalsozialismus vertreten. Vorher wurden die Gründe eher vorsichtig formuliert und Schiller soll die Aussage getätigt haben, dass es Gustav Adolfs größter und letzter Dienst sei für die Libertät Deutschlands zu sterben.[14]

Gründe machtpolitischer Art wurden besonders in Hinblick auf die Sorge um das europäische Gleichgewicht formuliert. Der König griff ein um die Hegemonie Österreichs zu brechen und weil seine Stellung in Europa durch die Ausbreitung des Katholizismus gefährdet sei, besonders in Hinblick auf Wallensteins Titel „dem General des Ozeanischen und Baltischen Meeres“ und der dadurch deutlichen Absicht der Schaffung eines Ostseeimperiums unter Kaiser Ferdinand II. Diese Gründe kamen zwar auch in den späteren Jahrhunderten, also zwischen 1750 und 1945 zum Tragen, doch wurden sie vor allem zu Gunsten des Helden Gustav Adolfs formuliert.

Die wirtschaftlichen Gründe sind der kleinste Teil, sollten aber auch erwähnt werden, da sie recht nahe an die machtpolitische Sicht gerückt werden können. Gustav Adolf wollte nach dieser Ansicht die Oder- und Wesermündung unter seine Kontrolle bringen, um sich Absatzmärkte für schwedisches Kupfer zu sichern. Des weiteren sah man ihn als den Mann, der die Interessen der feudalen Oberschicht durchsetzte.

Die protestantisch-nordgermanische und die machtpolitische Sicht wurde am stärksten diskutiert und polarisierten die Forschung. War Gustav Adolf ein gläubiger Mensch und wollte den Protestantismus retten, der durch das Restitutionsedikt 1629 stark gefährdet wurde? Oder war er ein machtpolitisch orientierter Herrscher, der das „Dominium maris Baltici“ unter schwedischer Oberhoheit schaffen wollte? Für die Position des Retters des Protestantismus können genauso Argumente angeführt werden, wie für die des Machtpolitikers. Ich werde nun erst einmal die Gründe für den Glaubensretter genauer erläutern.

Bereits 1627 soll Gustav Adolf zu den Reichsstände gesagt haben: „… weil der Krieg und die Gefahr seit vorigem Jahr nicht geringer, sondern merklich größer und drohender geworden sind, indem die Ostsee und der beste Teil des dänischen Reiches in die Hände der Papisten gefallen sind …[15] Durch die Bindung des lutherischen Glaubensbekenntnisses an den Königsthron in Schweden konnte die Erziehung des Königs nur protestantisch sein. Die Reichsstände hatten Gustav Adolfs Vater gegen den katholischen Zweig der Familie Vasa unterstützt und Gustav Adolf als Verteidiger des rechten Glaubens musste den protestantischen Überzeugungen gerecht werden. Man fürchtete den Einfluss der Katholiken und ihre Hörigkeit dem Papst gegenüber und führte 1617 sogar in Schweden die Todesstrafe für jene Schweden ein, die zum Katholizismus übertraten[16]. Ämter wurden nach der Veraltungsreform 1618 nur noch mit protestantischen schwedischen Bürgern besetzt. Gustav Adolf lebte spartanisch und wurde streng gläubig erzogen, was zu einer entsprechenden Überzeugung führte. Seine Königswürde konnte er nur behalten solange er protestantisch blieb, der Protestantismus im weiteren Sinne in Europa erhalten blieb und das wurde durch die Politik Kaiser Ferdinand II. gefährdet. „Aber der fromme Kaiser schuf dem frommen König den Anlass, mit gutem Gewissen als Schützer und Retter der Protestanten in Deutschland aufzutreten.“[17] Das Restitutionsedikt war ein Affront gegen die Protestanten, denn es griff die Calvinisten direkt an und machte sie zu Ketzern und forderte allgemein die bis dahin durch die Protestanten erworbenen Kirchengüter zurück. Außerdem sollte es die protestantischen Fürsten zwingen wieder dem katholischen Glauben zu folgen. Ferdinand II. hatte zu diesem Zeitpunkt eine erfolgreich und große Armee unter Wallenstein . Man mag anführen, dass diese Armee in erster Linie gegen die innerdeutschen Protestanten gerichtet war, aber man konnte genauso annehmen, dass sie sicher nicht nur zu diesem einen Zweck genutzt werden würde, sollte es weitere erfolgreiche Rekatholisierungsprojekte wie in Böhmen geben. Wenn die Freiheit seinen Glauben auszuüben, wie er ursprünglich durch den Augsburger Religionsfrieden 1555 ausgehandelt wurde, eigenmächtig ohne Rücksprache mit den Reichsständen und der Kurfürsten derart beschnitten wurde, konnte man dies nur als Gefahr sehen. In vielen Erlassen wurde immer wieder „auf die Bedrückung der evangelischen Glaubensbrüder verwiesen, zu ihrem Schutz Gottes Hilfe erbeten“.[18] Auch in einem in Abwesenheit des Königs abgehaltenen Sitzung des Reichsrats wurden immer wieder die Worte des Königs verlesen, in denen er auf die Bedrängnis der Protestanten in Deutschland aufmerksam machte und die Inquisition in Erinnerung rief. Ein weiteres Argument, das er anführen ließ war, dass er zu verhindern suchte, dass das Leid der Protestanten in Deutschland den Bürger in Schweden wiederfuhr. Gustav Adolf hat schon früh deutlich gemacht, wie weit er gehen würde. 1629 hatte er Axel Oxenstierna mitgeteilt: „ Ich bitte Euch, Euch nicht beirren zu lassen durch die Widerwärtigkeiten, die uns in diesen beschwerlichen Zeiten entgegentreten, sondern zu bedenken, daß unser Vaterlandes Freiheit und Gottes Kirche, die darauf beruht, wohl wert ist, daß man für sie alle Mühe, ja selbst den Tod erleidet…[19]

[...]


[1] Oredsson, Sverker: Geschichtsschreibung und Kult. Gustav Adolf; S37ff

[2] Findeisen, J.-P.: Gustav Adolf von Schweden, S.89-96

[3] Berner, Felix: Gustav Adolf. S.450

[4] Reichel, Maik: Schubert, Inger: Gustav Adolf, Kraft der Erinnerung; S.175

[5] Berner, Felix: Gustav Adolf. S. 101

[6] Findeisen, J.-P.: Gustav Adols von Schweden. S. 122

[7] Berner, Felix: Gustav Adolf. S 90 und S. 101

[8] Oredsson, Sverker.: Geschichtsschreibung und Kult. Gustav Adolf; S283-284

[9] Reichel, Maik.: Schubert, Inger: Gustav Adolf, Kraft der Erinnerung; S.175

[10] www.bautz.de: Band II (1990)Spalten 397-404 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz

[11] Berner, Felix: Gustav Adolf. S. 82

[12] Berner, Felix: Gustav Adolf. S 327-328

[13] Findeisen, J.-P.: Gustav Adolf von Schweden. S. 136

[14] Oredsson, Sverker.: Geschichtsschreibung und Kult. Gustav Adolf; S 40

[15] Berner, Felix: Gustav Adolf. S. 281

[16] Oredsson, Sverker.: Geschichtsschreibung und Kult. Gustav Adolf; S. 262

[17] Berner, Felix: Gustav Adolf. S. 319

[18] Findeisen, J.-P.: Gustav Adolf von Schweden; S. 149

[19] Berner, Felix: Gustav Adolf. S. 329

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Schwedisches Manifest und Gustav II Adolf von Schweden
Untertitel
Absichten und Intentionen im 30-jährigen Krieg
Hochschule
Universität Stuttgart  (Neuere )
Veranstaltung
Proseminar: Der Dreißigjährige Krieg. Einführung in die Neuere Geschichte.
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
18
Katalognummer
V163187
ISBN (eBook)
9783640774548
ISBN (Buch)
9783640774791
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schwedisches, Manifest, Gustav, Adolf, Schweden, Absichten, Intentionen, Krieg
Arbeit zitieren
Svenja Schaefer (Autor), 2010, Schwedisches Manifest und Gustav II Adolf von Schweden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163187

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