Analyse der Stadtgeschichte von Helmut Asmus, hinsichtlich der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburgs


Hausarbeit, 2007

20 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Vorwort
1.2 Konzeption der Stadtgeschichte
1.3 Bedeutung des Themas in der gesamten Stadtgeschichte
1.4 Über den Autor

2. Analyse der Stadtgeschichte hinsichtlich der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburgs
2.1 Strukturierung des Ereignisses
2.2 Verwendete Quellen/ Nichtverwendete Quellen
2.3 Sprachliche Mittel
2.4 Rolle Guerickes im Zusammenhang des zu analysierenden Abschnittes
2.5 Vergleich der Stadtgeschichte Helmut Asmus’ mit der „Geschichte der Stadt Magdeburg“, herausgegeben vom Rat der Stadt Magdeburg

3. Zusammenfassung

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Vorwort

Die Zerstörung Magdeburgs 1631 war zweifellos das Ereignis des Dreißigjährigen Krieges: Flugschriften und -blätter, Zeitungen und Amtskorrespondenzen, Privatbriefe, Lieder, Gedichte und nicht zuletzt Selbstzeugnisse berichten über die Erstürmung der Stadt durch die kaiserlich-ligistischen Truppen unter General Tilly. Die Gewalttaten und die nahezu vollständige Zerstörung Magdeburgs setzten ein Exempel bisher noch nie da gewesenen Grauens und wurden zum Symbol des Dreißigjährigen Krieges. Fortan sprach man nur noch vom „Magdeburgisieren“. Die Stadt brauchte über ein ganzes Jahrhundert um sich von der Zerstörung zu erholen, die angestrebte Reichsfreiheit ging für immer verloren. Eine herrschende Allegorie sah in Magdeburg eine Jungfrau, Tilly als ein sie umwerbenden Bräutigam und die Eroberung der Stadt als Hochzeit an.

Die von mir zu behandelnde Stadtgeschichte ist die von Helmut Asmus und Manfred Wille erstmals im Jahr 2000 herausgegebene Abhandlung der Magdeburger Geschichte mit dem Titel „1200 Jahre Magdeburg - Von der Kaiserpfalz zur Landeshauptstadt“. Im Gesamten ist die Stadtgeschichte in drei Bänden plus einem Ergänzungsband angelegt, wobei Band 1, an welchem nur Helmut Asmus beteiligt war mit dem Titel: „Die Jahre 805-1631“ den Kernpunkt der Analyse treffen. Hier wird auf die Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburgs eingegangen.

In meiner Analyse werde ich zunächst die Konzeption des ersten Bandes betrachten und Fragen klären, z.B. wie die Stadtgeschichte angelegt ist und darüber hinaus, welche Rolle das Thema der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburgs spielt. Abschließend werde ich in der Einleitung auf den Autor zu sprechen kommen und kurz den beruflichen Werdegang Helmut Asmus’ betrachten. Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Analyse des entsprechenden Abschnittes[1], welcher sich mit meiner gewählten Fragestellung befasst. Es wird zu klären sein, welche Quellen Asmus zu diesem Thema wählt und welche nicht. Darüber hinaus ist es wichtig zu klären, was der Autor erreichen will und wie er das Ereignis strukturiert. Selbstverständlich sind auch die gewählten sprachlichen Mittel zu berücksichtigen und Aussagen darüber zu treffen, welche Rolle Otto von Guericke in dem zu analysierenden Abschnitt zuteil kommt, denn er ist einer der maßgeblichen Zeitzeugen dieses Ereignisses. Da Asmus schon einmal eine derartige, zwar nicht in diesem Umfang gestaltete Stadtgeschichte herausgab, vergleiche ich am Ende des Hauptteils den Ausschnitt aus dem ersten Band „1200 Jahre Magdeburg“ mit der Stadtgeschichte „Geschichte der Stadt Magdeburg“ aus den 1970er Jahren.

In einer Zusammenfassung erfolgt die Auswertung und Bewertung des von mir zu analysierenden Abschnittes.

1.2 Konzeption der Stadtgeschichte

Nach den einleitenden Worten erfolgt nun die nähere Betrachtung der Stadtgeschichte, mit einem Überblick darüber, wie das Werk von Helmut Asmus „1200 Jahre Magdeburg“ angelegt ist. Hierzu betrachte ich den Band 1 mit dem Titel „Die Jahre 805-1631“, welcher erstmalig im Jahr 2000 erschienen ist und in zweiter Auflage im Jahr 2005 veröffentlicht wurde. Die ganze Reihe der Stadtgeschichte von Helmut Asmus umfasst drei Bände zusätzlich mit einem Ergänzungsband. Neben dem von mir schon erwähnten ersten Band existieren noch Band 2: „Die Jahre von 1631 bis 1848“, welcher im Jahr 2002 erschien und Band 3: „Die Jahre 1848 bis zur Gegenwart“ aus dem Jahr 2005. Der Ergänzungsband, welcher den Titel „Von der Befreiung bis zur 1200-Jahr-Feier“ trägt, wird in diesem Jahr erscheinen. Die komplette Reihe erschien im Scriptum Verlag Magdeburg.

Betrachtet man den ersten Band etwas näher, so gliedert Asmus seinen angelegten Überblick zur besseren Bewältigung der enormen Stoffmenge chronologisch in mehrere Hauptkapitel: „Kastel und Grenzmark Karls des Großen“ (S. 10-17), „Metropole der Ottonenkaiser“ (S. 18-83), „Residenz der Erzbischöfe“ (S. 84-191), „Magdeburger Recht und Stadtfreiheit“ (S. 192-291), „Bürgerstadt und Vorort der Sachsenhanse“ (S. 292-419) und „Kanzlei des Protestantismus und Brandmal des Krieges“ (S. 420-561).[2] Der Band endet mit einem sehr umfangreichen Literaturverzeichnis (S. 562-580), wobei Asmus spezifisch in Quellen und Literatur trennt. Des Weiteren wird der Text durch eine große Anzahl an Abbildungen, Rekonstruktionszeichnungen, Karten und Plänen ergänzt.

Die Hauptkapitel untergliedert Asmus wiederum in kleinere Sinneinheiten, die er zum Teil ereignisgeschichtlich einteilt, diese mit Zitaten untermauert, sowie Exkurse in zahlreichen Nebentexten einbaut.

Das Buch richtet sich, wie auf der vorderen Umschlagseite beschrieben wird an „eine breite Schicht historisch interessierter Leser“, das bedeutet auch, dass auf einen Anmerkungsapparat verzichtet wurde. Vielmehr soll es das Geschehen und die Hintergründe Magdeburgs beschreiben, von der ersten namentlichen Erwähnung bis in die Gegenwart. Dabei verfolgt Helmut Asmus die Entwicklung Magdeburgs vor dem Hintergrund der regionalen, deutschen und europäischen Geschichte. Die Relevanz des Themas wird schon im Vorwort des Autors deutlich, denn dort schreibt Asmus: „Vor allem aber fehlt seit langem eine in sich geschlossene Gesamtdarstellung“[3].

Zum Vorgehen des Autors ist festzustellen, dass er seiner Darstellung stadtgeschichtliche Monographien, Aufsätze und Studien zugrunde legt. Zu jedem Komplex liegen Quellensichtungen größeren Umfangs zugrunde, dabei belegt er nur wörtliche Zitate. Wie bereits beschrieben verzichtet Asmus darauf, benutzte Quellen und Literatur in einem Anmerkungsapparat zu kennzeichnen, da er hauptsächlich an historisch interessierte Leser wendet und nicht ausschließlich an Fachhistoriker. Auch verzichtet er auf wissenschaftliche Kontroversen und darauf, dem Band oder den Kapiteln Überblicke zur Entwicklung und zum Stand der Forschung voranzustellen. Dabei stützt sich Asmus auf langjährige gewonnene Erfahrung, sowie ergänzte und korrigierte Kenntnisse.

1.3 Bedeutung des Themas in der gesamten Stadtgeschichte

Die Einteilung der Hauptkapitel erfolgt in annähernd gleichgroße Teile, so dass, man nicht behaupten kann, dass einem Kapitel größere Bedeutung zukommt als einem anderen, auch wenn ein Kapitel 20 Seiten mehr an Inhalt hat. Jedoch ist zu erkennen, dass den neuzeitlichen Kapiteln dieses Bandes mehr Bedeutung zukommt, was schon damit zu begründen ist, dass Asmus ein Neuzeithistoriker ist und daher wahrscheinlich in diesem Teil der Geschichte kompetenter ist. So kann man auch davon ausgehen, dass der für mich relevante Teil des ersten Bandes, nämlich „Kanzlei des Protestantismus und Brandmal des Krieges“ nicht unbewusst der größte Abschnitt des Bandes ist. Mit ca. 140 Seiten Umfang liegt hier, auch was die Quellenlage betrifft, ein Schwerpunkt dieser Stadtgeschichte. Das hängt allein auch damit zusammen, dass es für das späte Mittelalter und die frühe Neuzeit eine große Anzahl an Quellen gibt im Vergleich zur Quellenlage des frühen Mittelalters.

Zugleich bildet das Kapitel „Kanzlei des Protestantismus und Brandmal des Krieges“ auch die Zäsur des ersten Bandes, denn mit dem Unterkapitel „Wallenstein, Tilly und der Untergang des alten Magdeburgs“ endet der erste Band der Stadtgeschichte Helmut Asmus’. Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburgs ist so bedeutend für den Autor, dass er die Schilderung hier enden lässt und somit den entscheidenden Einschnitt in der Darstellung sieht. Diesbezüglich kann man zu der Erkenntnis kommen, dass das gewählte Thema eine Schlüsselrolle in der Schilderung Asmus´ einnimmt.

1.4 Über den Autor

Helmut Asmus wurde 1931 geboren. Er studierte Pädagogik und Geschichte in Magdeburg und Berlin, bis er als Grundschullehrer, Geschichtslehrer und Diplomhistoriker examierte. Asmus promovierte im Jahr 1968 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Thema „Ökonomische Kämpfe der Magdeburger Arbeiter am Beginn des 20. Jahrhunderts“. 1974 habilitierte er in Berlin an der Akademie der Wissenschaften zu dem Thema „Deutscher Vormärzliberalismus“. Seit 1959 war er Assistent, Hochschuldozent bzw. ordentlicher Professor mit Lehrstuhl für deutsche Geschichte an der Pädagogischen Hochschule Magdeburg. Helmut Asmus hatte des Weiteren Gastprofessuren an der Pädagogischen Hochschule Potsdam und Güstrow, sowie an den Universitäten Danzig und Brünn inne. Er hegte Forschungen zur Stadt- und Landesgeschichte Magdeburgs bzw. Sachsen-Anhalts an, besonders aber zur Presse-, Parteien- und Studentengeschichte des 19. Jahrhunderts. Zudem ist er Mitglied wissenschaftlicher Gesellschaften und weist eine Mitarbeit an Forschungsprojekten im In- und Ausland auf.[4]

2. Analyse der Stadtgeschichte hinsichtlich der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburgs

2.1 Strukturierung des Ereignisses

Der von mir zu analysierende Teil der Stadtgeschichte ist, wie schon erwähnt, „Kanzlei des Protestantismus und Brandmal des Krieges“. Genauer betrachtet ist der für das Thema relevante Abschnitt das Unterkapitel „Wallenstein, Tilly und der Untergang Magdeburgs“, beginnend auf Seite 518. Asmus gliedert diesen Teil in folgende Unterpunkte: „Der Kipper- und Wipperaufstand“ (S. 520), „Schulreformer und Philosophenfeinde“ (S. 522), „Aus Peter Meyers Tagebuch“ (S. 530), „Die Jungfrau auf dem Krökentor“ (S. 548), „Abmahnung von Accordien“ (S. 549) und schließlich „Magdeburgs Opfergang oder die Magdeburger Hochzeit“ (S. 556).[5] Meine nähere Betrachtung beginne ich auf Seite 543. An dieser Stelle beschreibt Asmus, dass im August 1630 Wallenstein vom Kaiser entlassen wurde und dass dieser durch den bisherigen Befehlshaber der Ligatruppen Tilly ersetzt wurde. Tilly konzentrierte sich auf die Eroberung des Niedersächsischen Reichskreises.[6] Ich setze meine Analyse deshalb hier an, weil genau mit diesem Ereignis Magdeburg und andere Städte in das Visier der Bestrebungen seitens der kaiserlichen und ligistischen Armeen gerieten.

Asmus geht bei der Strukturierung des Textes chronologisch vor und handelt ereignisgeschichtlich die Geschehnisse ab. Auf Seite 543 leitet er ein, dass Wallenstein durch Tilly ersetzt wird und beschreibt, dass Falkenberg die Magdeburger Stadtbefestigung ausbauen lässt.

Zur Untermalung baut er ein erstes kurzes Zitat auf Seite 544 ein. Am 30. März 1631 erfolgte dann der Angriff auf das Magdeburger Umland, also auf das Gebiet, was sich außerhalb der alten Stadt befand. Auf der nächsten Seite fügt er zur Veranschaulichung eine Karte ein, auf welcher erkennbar ist wo sich die Truppen beider Kriegsparteien, die der Schweden und die der Kaiserlichen aufhielten. Neben einer Schilderung des Kräfteverhältnisses, sowohl der Kaiserlichen, als auch der Verteidiger Magdeburgs führt Asmus auch an, dass die Verteidigung Magdeburgs bis auf die alte Stadt zurückgedrängt wurde.

Zum besseren Verständnis illustriert Asmus die Seite 546 seiner Stadtgeschichte, wie auch in den Kapiteln zuvor, mit Bildern und Fotos. Hier meint er, dass das Vorrücken Gustav II. Adolf nur mühsam voran ging, zudem war sein Heer dem von Tilly unterlegen. Dieser forderte von den Magdeburgern, ihm die Stadt kampflos zu übergeben. Die geschilderten Ereignisse auf Seite 547 könnte man auch mit der Überschrift „Der Angriff steht bevor“ versehen.

Asmus strukturiert seine Stadtgeschichte mit zahlreichen Exkursen. Der erste meines zu analysierenden Abschnittes hinsichtlich der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburgs, erfolgt auf Seite 548. Hier unter der Rubrik verfasst „Die Jungfrau auf dem Krökentor“. Er beschreibt, dass die Magdeburger eine Jungfrau als Symbol des Widerstandes bauten, auch um die Bevölkerung zum durchhalten zu motivieren. Bei der Beschreibung der Jungfrau zitiert er Zacharias Bandhauer, welcher meinte, dass sie drei Kränze hätte. Den Einen auf dem Kopf, als Zeichen der Belagerung 1550/ 51. Den Zweiten an der Brust, als Symbol für die überstandene Belagerung durch Wallenstein 1629 und den Dritten in der Hand als Zeichen „…wer ist so keck, der das Kränzle darf holen?“[7].

Ein weiterer Exkurs erfolgt auf der nächsten Seite, „Abmahnung von Accordien“ ist sein Titel. Hier ist Guericke zentrale Figur. Nach kurzer Beschreibung seiner Aufgaben erfolgt ein Zitat Guerickes über den protestantischen Klerus in der Stadt und dessen Rolle bei der Eroberung. Guericke beschreibt, dass die Priester eine Übereinkunft mit den Kaiserlichen verboten und räumt diesen eine große Mitschuld am Untergang ein.

Die folgenden Seiten befassen sich mit dem Angriff auf die Stadt. Dazu ist ein ausführlicher Plan der Erstürmung abgebildet, sowie ein Detailplan, der von Falkenberg errichteten bzw. befestigten Festungsanlagen. Man bekommt auf diesen Seiten generell aber den Eindruck, dass viele Bilder enthalten sind, aber wenig Text. Nun beschreibt Asmus die Plünderung der Stadt, sowie eine Schilderung dessen, wie es den Einwohnern erging. Auf Seite 553 erhält man einen Einblick in die Opferzahlen.

Auf den weiteren Seiten geht Asmus der Frage den Ursachen des großen Brandes nach. Nach herrschender Meinung waren es entweder Tillys Truppen oder Anhänger der Schweden. Asmus folgert aber, dass der Brand eher durch einen Zufall oder einer Unachtsamkeit ausbrach. Des Weiteren kommt er zur Klärung der Schuldfrage, warum Magdeburg unterging. Dazu meint er, dass es zum einen der Uneinsichtigkeit der Ratsmehrheit, zum anderen der Durchhalteparolen der Pfarrer zu verdanken ist.

Auf den letzten folgenden Seiten schließt Asmus seinen ersten Band mit dem Exkurs „Magdeburgs Opfergang oder die Magdeburger Hochzeit“ ab. Hier zieht er ein Resümee und zitiert als einen Augenzeugen Feldmarschall Pappenheim. Auf Seite 557 nennt er zwei Kriegslieder, die über den Fall Magdeburgs berichten. Dem gegenüber steht in Form eines Bildes „Die Trauernde Magdeburg“. Weiter im Exkurs stellt er Jürgen Ackermann, auch wenn Asmus diesen fälschlich als Georg Ackermann betitelt, dem Geschützmeister Printz gegenüber. Beide berichten über ihre Erlebnisse während des Sturmes auf Magdeburg, wobei Ackermann auf kaiserlicher, Printz auf Seiten der Stadt kämpfte.

Auf Seite 559-561 zitiert er Friedrich Friese, der ebenfalls von seinen Erlebnissen berichtet. Dieser erlebte als Kind die Ereignisse mit. Asmus schließt seine Abhandlung, indem er noch einmal Guericke zitiert der über die Plünderungen berichtet. Ein Gedicht von Simon Dach bildet den Endpunkt.

2.2 Verwendete Quellen/ Nichtverwendete Quellen

Wenn man in die Quellenbetrachtung des von mir zu analysierenden Teils geht, so kann man zum einen sagen, dass Asmus nur sehr wenig Quellenarbeit leistet, denn er gibt insgesamt zwölf Zitate an, welche man auch im Zitatnachweis auf der Seite 583 nachvollziehen kann. Aber er wendet sich, wie er selbst schreibt, an den historisch interessierten Leser und will anschaulich darstellen und keine Quellensammlung präsentieren.

Seine erste Quellenangabe befindet sich auf der Seite 544, wo er die Lage auf den Verteidigungswällen schildert. Er erwähnt ein Zitat, welches er der Quelle „Außführlicher vnd Gründtlicher Bericht, Bl. B“ entnimmt. Diese Erkenntnis hätte er aber jedoch jedem beliebigen Bericht entnehmen können, warum wählt er gerade diesen? Auch war die Quellenangabe sehr schwer nachzuvollziehen. Erst nach langer Suche im Stadtarchiv Magdeburg konnte ich den gemeinten Bericht ermitteln, der mit vollem Titel „Außführlicher vnd Gründtlicher Bericht/ Waß sich bey vergangener Belager und Eroberung der Besten und Weitberühmten Stadt Magdeburg verlassen“ heißt. Dieser 1631 direkt nach der Zerstörung Magdeburgs abgefasste Bericht, mit unbekanntem Autor, ist in eine allgemeine Erzählung und in angehängte Briefe gegliedert. Aber es existiert weder ein Blatt B, noch konnte ich das von Asmus gebrachte Zitat finden.

Die nächste Quelle ist von Otto von Guericke. Asmus schildert auf Seite 545 was mit den Menschen passierte, die in Sudenburg und St. Michael wohnten, nachdem Falkenberg diese Gebiete räumen ließ. Hier zitiert er zeilengenau die Seite 58f aus Guerickes „Geschichte der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburg“, welche von Friedrich Wilhelm Hoffmann im Jahre 1860 herausgegeben wurde, die so genannte Magdeburger Handschrift. Diese ist eine von Guericke an einen Schreiber diktierte Schrift, welche er selbst mit Streichungen versah, sodass er quasi interpolierte[8]. Das von Hoffmann veröffentlichte Werk bildet den dritten Teil der von Guericke hinterlassenen Geschichte der Stadt Magdeburg. Hier wählt Hoffmann die zu der Zeit übliche Orthographie, nicht die zur Zeit Guerickes. Wenn wir aber schon von der Magdeburger Handschrift sprechen, dann muss man auch die Berliner Handschrift heranziehen. Die Berliner Handschrift wurde 1874 durch Karl Wittich unter dem Titel: „Magdeburg, Gustav Adolf und Tilly“ veröffentlicht. Hier ist zu sagen, dass in diesem Quellenband die Streichungen veröffentlicht wurden, welche Guericke damals in der Magdeburger Handschrift aus taktischen Gründen eigenhändig strich, weil seine Äußerungen zu kritisch und anprangernd waren. Die Berliner Handschrift oder auch Kinderlingsche Handschrift genannt ist also zweifelsohne eine Abschrift der Magdeburger Handschrift. Nach genauerer Betrachtung erfolgt aber in dem Zitat keine Interpolation und somit kann man Asmus auch keinen Vorwurf machen, Guericke nicht in Verbindung mit der Berliner Handschrift zitiert zu haben.

[...]


[1] Der zu betrachtende Abschnitt ist zu finden auf Seite 543 bis 561 in dem Buch „1200 Jahre Magdeburg - Von der Kaiserpfalz zur Landeshauptstadt“, Band 1 von Helmut Asmus.

[2] Vgl.: Asmus, Helmut: 1200 Jahre Magdeburg, Von der Kaiserpfalz zur Landeshauptstadt, Bd. 1: Die Jahre 805 bis 1631, 2. Aufl., Magdeburg 2005, S. 4f

[3] Asmus, Helmut: 1200 Jahre Magdeburg, Von der Kaiserpfalz zur Landeshauptstadt, Bd. 1: Die Jahre 805 bis 1631, 2. Aufl., Magdeburg 2005, S. 6

[4] Vgl.: Asmus, Helmut: 1200 Jahre Magdeburg, Von der Kaiserpfalz zur Landeshauptstadt, Bd. 1: Die Jahre 805 bis 1631, 2. Aufl., Magdeburg 2005, hintere Umschlagsseite

[5] Vgl.: Asmus, Helmut: 1200 Jahre Magdeburg, Von der Kaiserpfalz zur Landeshauptstadt, Bd. 1: Die Jahre 805 bis 1631, 2. Aufl., Magdeburg 2005, S. 5

[6] Vgl.: Ebenda, S. 543

[7] Asmus, Helmut: 1200 Jahre Magdeburg, Von der Kaiserpfalz zur Landeshauptstadt, Bd. 1: Die Jahre 805 bis 1631, 2. Aufl., Magdeburg 2005, S. 548

[8] Interpolation: Ist die Korrektur oder die Überarbeitung eines Werkes durch einen anderen Autor.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Analyse der Stadtgeschichte von Helmut Asmus, hinsichtlich der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburgs
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Geschichte)
Veranstaltung
Otto von Guericke und die Zerstörung Magdeburgs 1631
Note
3,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V163219
ISBN (eBook)
9783640774579
ISBN (Buch)
9783640774722
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Stadtgeschichte, Helmut, Asmus, Belagerung, Eroberung, Zerstörung, Magdeburgs
Arbeit zitieren
Udo Krause (Autor), 2007, Analyse der Stadtgeschichte von Helmut Asmus, hinsichtlich der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Magdeburgs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163219

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