Das Motiv der Taufe Christi als Bildinhalt der Parusie

Zum Apsismosaik von SS. Cosma e Damiano in Rom


Seminararbeit, 2010

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Das endzeitliche Thema der Parusie
1.1 Die Bedeutung der Parusie und ihr Einsatz im Christentum
1.2 Die frühchristliche Ikonografie der Parusie

2 Die Taufe Christi
2.1 Das Sakrament und seine Bedeutung für die frühchristliche Zeit
2.2 Das Motiv der Taufe Christi in frühchristlichen Werken

3 Die Besonderheit im Apsismosaik von SS. Cosma e Damiano in Rom
3.1 Die kompositorische Eingliederung der Parusie in das Bildprogramm
3.2 Die Taufe Christi als Verweis auf das endzeitliche Ergebnis

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildungsnachweis

Abbildungen

Einleitung

Die Bildprogramme in Kirchenapsiden sollen die Kirchengemeinde und Besucher an wichtige Momente der Bibel erinnern und dadurch den Glauben der Christen verstärken. Dabei werden die einzelnen Elemente der Komposition zu wichtigen Anhaltspunkten im Erinnern an die biblischen Stellen und dem Vertiefen der inhaltlichen Zusammenhänge, um auch die Bedeutung der Kernpunkte des Glaubens besonders hervorzuheben und zu verstehen.[1]

Das Apsismosaik (Abb. 1) der Kirche SS. Cosma e Damiano in Rom (526-30) weist in der Komposition und Gestaltung ein Motiv auf, welches zunächst in der gesamten Apsis nicht von Bedeutung erscheint: den Fluss Jordan. Obwohl er im Mosaik, welches die 2. Ankunft Christi darstellt, vorläufig keine inhaltliche Aussage hat, kommt die Frage auf, weshalb der Jordan überhaupt als Element aufgenommen und warum er auch noch explizit mit einer Inschrift hervorgehoben wurde, und dies auch noch in einem endzeitlichen Geschehen, das sich auf die Taufe in den entsprechenden biblischen Textpassagen überhaupt nicht bezieht.

Meine Fragestellung lautet: Welche Bedeutung hat die Taufe Christi in der Parusie Christi und vor allem ist dies kompositorisch in Verbindung mit endzeitlichen Motiven in frühchristlichen Werken bis 500 n. Chr. ersichtlich?

Ich möchte im Folgenden zeigen, dass die Taufe Christi, welche im Fluss Jordan angedeutet wird, besonders im Parusie -Geschehen eine bedeutende Stellung einnimmt.

In der einschlägigen Forschungsliteratur über die frühchristliche Darstellungsweise der Parusie oder der Taufe Christi kommt der Zusammenhang zwischen den beiden Motiven immer etwas zu kurz und wird meist nur am Rande erwähnt[2], weshalb ich versuchen werde, die wichtigsten Verbindungen und biblischen Textbezüge aufzugreifen und miteinander in Beziehung zu setzen.

Deshalb möchte ich folgendermaßen vorgehen. Im ersten Kapitel werde ich die Parusie Christi etwas genauer beleuchten und vor allem auf die verschiedenen Bildmotive bis 500 n. Chr. eingehen. Im zweiten Kapitel liegt mein Schwerpunkt auf der Taufe Christi, deren Ikonografie besonders für das dritte Kapitel entscheidend sein wird. Im letzten Kapitel möchte ich zeigen, inwieweit die Taufe Christi ein Wesensmerkmal der in SS. Cosma e Damiano ausgewiesenen Parusie ist und möchte dies als eine Besonderheit auszeichnen.

1 Das endzeitliche Thema der Parusie

1.1 Die Bedeutung der Parusie und ihr Einsatz im Christentum

Der Begriff der Parusie (παρουσία) taucht erstmals bei den antiken Philosophen Platon und Aristoteles auf. Dort bezeichnet er in der Aristotelischen Formenlehre der Metaphysik die „Anwesenheit der Form in der Materie[3] “. Bei Platons Ideenlehre wird dies noch in erweiterter Form als „Gegenwart oder Anwesenheit oder Erscheinung der Idee in den immer entstehenden und vergehenden Dingen“[4] angesehen. Beide Ansichten jedenfalls beziehen sich auf eine Existenz in der Gegenwart, welche sich aus einem vorigen Zustand heraus entwickelt und diesen ergänzt. Was hier in einer philosophischen Gedankenwelt erzeugt wurde, wird daraufhin bei den frühen Kirchenvätern aufgegriffen und im theologischen Sinne eingesetzt.[5] So ist im Neuen Testament an zwei wichtigen Stellen von der „Anwesenheit“ die Rede. Zum Einen bezieht sie sich auf die „Fleischwerdung des Wortes“ und zum Anderen auf die „Wiederkunft Christi“. Diese beiden Momente sind die sogenannte erste und zweite Ankunft Christi.[6]

Ein Zeugnis aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. bei Justin, dem Märtyrer, weist diese zweimalige „Anwesenheit[7] “ auf:

„Denn eine zweimalige Anwesenheit (παρουσία) Christi verkündigten die Propheten im Voraus, die Eine, welche schon geschehen ist, als eines ungeehrten leidenden Menschen, und die zweite, wenn verkündigt ist, dass er in Glorie aus dem Himmel mit seinem Heere von Engeln herabkommen wird, wann er auch die Leiber aller gewesenen Menschen wiedererwecken wird “.[8]

Die erste Parusie, in welcher der λόγος in Menschengestalt verkörpert wird, ist die Geburt Christi. Viel populärer allerdings als Parusie gedeutet, und nur darauf werde ich im Folgenden eingehen, ist der secundus adventus, die 2. Ankunft Christi.

Über die Wiederkunft Christi wird in allen Teilen des Neuen Testaments berichtet: „in den 4 Evangelien (Lk 21,27; Mt 24/25; Mk 13; Joh 21/22) und in der Apostelgeschichte, in den Briefen (Paulus/Thess im 1. & 2. Brief) und in der Apokalypse des Johannes.“[9]

So ist allgemein zu sagen, dass der „Parusie“-Gedanke als Erlösung der Menschheit und der Welt Ziel und Zweck der Christen ist. Auf diese endzeitliche Erscheinung Gottes hin richtet sich der feste Glaube aller, um in das Paradies zu gelangen.

1.2 Die frühchristliche Ikonografie der Parusie

Die Bilder in frühchristlicher Zeit wurden nicht wie heute analytisch geschaffen und interpretiert, sondern synthetisch[10]. Das bedeutet, dass die Einordnung der Illustrationen in die entsprechenden biblischen Textquellen nicht immer genau fest zu legen ist und dass deshalb immer mehrere Aspekte der Bildmotive berücksichtigt werden müssen.[11]

Dies hat zur Folge, dass es keine eindeutige Interpretationsmöglichkeit gibt, sondern mehrere, welche sich allerdings auf ähnliche und häufig vertauschte Textstellen beziehen. Besonders für die Ikonografie der Parusie ist dies ein wichtiger Punkt, da die „Apokalypseinterpretationen“[12] einen der Kernpunkte im synthetischen Mechanismus bilden.

Die verschiedenen Bildmotive, welche auf den secundus adventus hinweisen, lassen sich auf nur wenige reduzieren. Bereits in den biblischen Textstellen ist die Rede von dem Kommen des Herrn „in den Wolken“ (Apk. 1,7; 14,14; oder Mt 26,64 und Mk 14,62 u.a.). Bei Lk 17,30 wird dies konkreter, wenn er schreibt: „ Genauso wird´s auch an dem Tag gehen, an dem der Menschensohn offenbar wird.“ Das Wort „offenbar werden“, aus dem griech. αποκάλυψεται (apokalyptetai), bedeutet „ent-decken“, „enthüllen“. Das „Enthüllen“ bezieht sich dabei auf das „Herabsteigen vom Himmel“ (1 Thess 4,16) von den Wolken.[13]

Zu den Wolken kommen noch die verschiedenen Apokalypse-Symbole aus Apk 4 und 5, demnach die 4 himmlischen Wesen, der Thron, der Rotulus mit den 7 Siegeln, die 24 Ältesten u.a., Apk 20,11-15 (das Jüngste Gericht) und das Gemmenkreuz (nach Mt 24,30) hinzu.

Als früheste bekannte Parusie -Darstellung kann das heute nur noch nach einem Titulus zeichnerisch rekonstruierbare Apsisbild nach Paulinus von Nola in Fundi (Abb. 2 und etwas anders interpretiert Abb. 3) angesehen werden, denn „wir wissen durch diesen Titulus nämlich, dass bereits am Beginn des 5 Jh. eine allegorische Darstellung des Weltgerichtes Thema einer Apsisdarstellung sein konnte.“[14] In diesem Apsisbild ist Christus als Lamm auf dem Paradiesberg dargestellt, welches sich den Schafen links zu- und den Böcken rechts abwendet. Das Scheiden der Schafe von den Böcken ist biblisch in Mt 25,31/3 belegt, allerdings die Erscheinung Christi als Lamm zum Endgericht nicht.[15] Dies zeigt, wie oben beschrieben, dass es in frühchristlicher Zeit nicht immer zeitlich übereinstimmende Textstellen sein müssen, da die Elemente „vielschichtig und synthetisch“[16] verarbeitet werden.

Das Apsismosaik von S. Pudenziana in Rom (Abb. 4) weist auch ein endzeitliches Kreuz neben den 4 apokalyptischen Wesen im Hintergrund und Christus als Weltenrichter im Zentrum auf,[17] doch ist das Mosaik als Parusie -Darstellung noch allgemein umstritten, weshalb ich darauf nicht näher eingehen werde.

Beeindruckender dagegen sind der Mosaikschmuck im Mausoleum der Galla Placidia (Abb. 5) und das Apsismosaik in S. Apollinare in Classe (Abb. 6), beides in Ravenna. In diesen Mosaiken ist das endzeitliche Kreuz das Wesen der Erscheinung. Es deutet nach Mt 24, 30 als „Zeichen des Menschensohns am Himmel“ das Erscheinen Christi, also die Parusie an. Im Mausoleum ist das Kreuz in einem Sternenmeer mit den 4 apokalyptischen Wesen eingebettet. In S. Apollinare in Classe ist das Kreuz ebenfalls von einer Sternenschar umgeben, allerdings von einem Clipeus umrahmt, das, welches den Himmel und die Paradieslandschaft verbindet.[18]

Wie wir bisher gesehen haben, taucht die Taufe Christi und der Jordan bis 500 n. Chr. in keinerlei Parusie-Darstellung auf. Im Folgenden werden wir untersuchen, ob die Parusie eventuell in Tauf-Darstellungen auftritt. Zunächst wenden wir uns allerdings der Bedeutung der Taufe Christi im Christentum zu.

2 Die Taufe Christi

2.1 Das Sakrament und seine Bedeutung für die frühchristliche Zeit

Die Taufe ist ein wichtiges Sakrament im Leben eines gläubigen Christen, da mit dem Vorgang dieses Geschehens der offizielle Eintritt in die Kirche erfolgt. Es ist somit der erste und wichtige Tag eines Gläubigen, „denn sie ist Anfang und Grundlegung christlicher Existenz“[19], da er dadurch sein Leben Jesus Christus und folglich Gott widmet.

Die Taufe ist auch eine Bedingung, um in den Kreis der gläubigen Christen aufgenommen zu werden, da durch die Taufe eine „Reinigung“ κάϑαρσις (auch „Wiedergeburt“ παλιγγενεσία[20] ) erfolgt, eine Reinigung von den Sünden (vor allem von der Erbsünde im Paradies[21] ), die durch den Einsatz Satans initiiert wurden. Weil Christus durch seinen Leidensweg alle Sünden der Menschheit auf sich genommen hat, gestorben und auferstanden ist, ist es möglich durch Nachahmung (μίμησις), also Taufe, eine ähnliche Wiedergeburt zu erfahren.[22] Dadurch ist das Ziel der Christen prädestiniert, letztlich im endzeitlichen Geschehen unbefleckt zu sein und im Positiven gerichtet werden zu können, also in den Himmel aufgenommen zu werden, denn „wenn jemand nicht durch Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“[23]

Das Geschehen der Taufe Christi im Jordan wird an verschiedenen biblischen Textstellen beschrieben: „Mt 3,13-17; Mk 1,9-11; Lk 3,21 f; ferner Joh 1,26-36; Röm 6,3 ff; 1 Kor 10,1-4; Joh 3,5“.[24]

Die Taufe Christi selbst erfolgt im Jordan durch Johannes den Täufer, der sich anfangs zwar dagegen wehrt, weil er sich Jesus gegenüber viel zu gering (ein)schätzt, aber schließlich doch einwilligt. Als Jesus daraufhin aus dem Wasser steigt, öffnet sich der Himmel und die Taube als Geist Gottes schwebt auf sein Haupt herab. Die Worte Gottes aus dem Himmel folgen: „ Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“[25] Damit wird die Gültigkeit des Gottessohnes auf Erden bestätigt und der Vorgang der Taufe als bedeutsame Reinigung der Sünden etabliert.

Die Vorstellung, dass durch die Taufe Christi im Jordan die „teuflischen Mächte“ in den Untiefen des Wassers gebändigt und „besiegt“ wurden, ist ein weiterer Aspekt des Sakraments, welcher sich besonders im griechischen Frühchristentum etabliert hat.[26]

In der frühchristlichen Zeit und im Mittelalter bis ins 14 Jh. hinein „ist die Taufe durch das dreimalige Untertauchen[27] des Täuflings – vielfach in Flüssen – vollzogen worden.“[28] Dieser Vorgang wird auch Immersion (lat. Immersio) genannt und bedeutet Eintauchen, Einbetten.[29] Die Immersion zeigt sich dementsprechend häufig in Darstellungen der Taufe Christi, wie wir im Folgenden sehen werden.

2.2 Das Motiv der Taufe Christi in frühchristlichen Werken

In der frühchristlichen Zeit gibt es nur wenige Darstellungen der Taufe Christi, meist in der „Katakombenmalerei und Sarkophagplastik“[30] zu finden, die als sicher belegt werden können.[31] Aus diesen heraus resultieren nach Josef Strzygowski „folgende Grundzüge“ der Taufdarstellungen: Der nackte Christus ist als „Knabe“ frontal mit herabhängenden Armen und mit dem „Kopf etwas nach links gegen Johannes gewendet“ dargestellt. Der bärtige Johannes der Täufer ist meist links von Christus eingefügt und trägt ein Fellkleid oder eine Art griechisches Unterkleid. Sein linker Fuß steht etwas vor und seine rechte Hand ist fast immer über dem Kopf Christi, manchmal an „dessen Stirn“ vorzufinden. Das Wasser des Jordan fließt aus einem Felsblock, das sich „über oder hinter Christus“ erstreckt. Die Taube befindet sich meistens neben dem Felsblock der Wasserquelle oder wird überhaupt nicht dargestellt. Vereinzelt kommt zusätzlich der Prophet Jesaja hinzu, „auf den Gegenstand seiner Prophetie zurückblickend.“[32]

Die früheste als sicher bezeugte Abbildung der Taufe Christi stammt aus dem Eingang der Callistus-Katakomben, aus der Krypta der Lucina, wohl Anfang des 3. Jh. entstanden.[33] (Abb. 7) Diese nicht mehr ganz erhaltene Wandmalerei zeigt Johannes, der hier seltenerweise rechts von Christus und im antiken philosophischen Aufzug dargestellt ist, wie er vermutlich den bereits durch die Immersion getauften nackten Christus aus dem Jordan hilft, ans Ufer zu gelangen. Die Taube schwebt von links oben heran.[34] Hier ist zwar der Vorgang der Taufe selbst noch nicht aufgegriffen worden, allerdings durch den Anflug der Taube angedeutet.

Klarer wird die Ikonografie in der Sarkophagplastik. Die in Arles zu findende Schmalseite eines Sarkophags (Abb. 8) weist die obige Beschreibung von Strzygowski des i.d.R. festen Typus` auf. Trotz fehlender Taube fällt hier besonders die rechte Figur auf, welche eine Rolle vor dem Körper hält. Hierbei handelt es sich wieder um den Propheten Jesaja, der durch die Schriftrolle auf seine Prophetie aufmerksam macht.

Dieser Umstand ist besonders interessant, da auch hier, wenn zwar nicht sofort ersichtlich, ein Verweis auf die Parusie vorzufinden ist. Das Kapitel 40,3 im Buch Jesajas, „Es ruft eine Stimme: In der Wüste bereitet dem HERRN den Weg, macht in der Steppe eine ebne Bahn unserm Gott!“ ist eine Art „Vorläufer“[35] der Worte, die in den Matthäus und Lukas-Evangelien direkt vor dem Geschehen der Taufe verkündet werden, wie in Lk 3,3: „Und er (Johannes) kam in alle Länder am Jordan und verkündigte die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden, wie im Buch der Reden des Propheten Jesaja geschrieben steht (Jesaja 40, 3-5)“.[36] Da Jesaja der erste Prophet im Alten Testament ist, der von einem „zukünftigen Messias“ spricht, welcher die Welt gerecht richten wird[37], ist Jesaja auch hier durch seine Gestalt in den Taufe-Abbildungen ein Hinweis auf die Parusie.

Die gleiche Komposition befindet sich auch auf dem Sarkophag in Ancona (Abb. 9), ähnliche Funde u.a. sind in Madrid (Abb. 10) und in Arles (Abb.11) zu sehen.[38]

In den ravennatischen Mosaiken um 500, welche die Taufe Christi erstmals auch in Apsiden aufnehmen, ändert sich die Darstellung nur gering, wird dafür allerdings deutlicher herausgebildet, indem vor allem die Taube senkrecht über das Haupt Christi schwebt.[39] Die Kuppelzentren in Ravenna im Baptisterium der Orthodoxen (Abb. 12) und im Baptisterium der Arianer (Abb. 13) weisen dem Fluss Jordan eine größere Bedeutung zu als die vorigen Abbildungen, da er hier, zwar noch immer als Nebenmotiv geltend, als Personifikation im antiken Muster dargestellt ist.[40] Es zeigt sich, dass der Jordan als Auszeichnung der Taufe Christi immer bedeutender wird und als wesentliches Element später nicht mehr verschwindet.[41] Explizit im Kuppelmosaik im Baptisterium der Arianer ist auffällig, dass im umgebenden Kreisbogen, die einzelnen Apostel trennend, Palmen stehen, welche als Paradiessymbolik[42] dienen, auf das ich im Kapitel 3.2 noch näher eingehen werde.

Es gibt noch viele ähnliche Tauf-Darstellungen in frühchristlicher Zeit, doch sollen diese für die Darlegung der wichtigen Elemente der Taufe Christi genügen.

3 Die Besonderheit im Apsismosaik von SS. Cosma e Damiano in Rom

3.1 Die kompositorische Eingliederung der Parusie in das Bildprogramm

Die allgemeinen und knappen Ausführungen zur Parusie und Taufe waren wichtig, um im Folgenden die Besonderheit der Darstellung im Apsismosaik (Abb. 1) der Kirche SS. Cosma e Damiano in Rom, 526-30, zu verstehen. Uns begegnet hier in erster Linie eine Darstellung des secundus adventus Christi. In Anlehnung an die traditio legis[43] steht Christus in einem goldenen Gewand gekleidet in der Mitte des Mosaiks auf rötlich-blauen Wolkenstreifen, welche als vermeintliche Morgenröte sogar den Zeitpunkt der Ankunft anzeigen sollen.[44] Oberhalb, aus einem Halbkreis mit Wolkenstreifen hervorgehend, war ursprünglich die Hand Gottes in einem Lorbeerkranz dargestellt, doch ist sie leider bei größeren Umbauarbeiten im 12. Jh.[45] verloren gegangen. Umgeben ist Christus von Petrus und Paulus, die jeweils die Ärzte-Heilige Cosmas und Damian auf Christus verweisen. Diese bringen ihm mit velierten Händen Kränze dar. Etwas abgerückt von den beiden Titelheiligen und Fürsprechern befinden sich rechts der hl. Theodor und links der Stifter des Mosaiks Papst Felix IV. Dieser präsentiert ein Kirchenmodell, das als Geschenk an Christus vermutlich auf den Umbau des profanen ehemaligen „Templum Pacis“ in eine Kirche um 526-30 hinweisen soll.[46] Umrandet werden die beiden Dreiergruppen und Christus von je einer Palme, auf deren linker Baumkrone ein Phönix als Symbol von Tod und Auferstehung sitzt. Unterhalb der Paradieseslandschaft befindet sich ein häufig verwendetes Motiv des Lämmerfrieses mit dem mittigen Hauptlamm auf dem Paradiesberg und den vier Paradiesflüssen. Unterhalb dieses Frieses wurde die Inschrift[47] angebracht, welche den Stifter, die Titelheilige und das kostbare Mosaik anpreisen:[48]

Das wichtigste Motiv, was den Anreiz für diese Arbeit gegeben hat, ist völlig unscheinbar und schnell zu übersehen. Doch wird es durch eine feine goldene Inschrift verdeutlicht: JORDANES, der Jordan. Dieser ist im Mosaik durch eine hellblaue waagerechte Fläche mit weißen Linien und parallel zum Paradiesboden ausgezeichnet.

Die Erscheinung Christi im goldenen Gewand auf Wolken herabkommend ist ein Hinweis darauf, dass in diesem Mosaik die Parusie, demnach die 2. Ankunft Christi dargestellt ist. Verdeutlicht wird dieser Eindruck durch die gestalterischen Mittel, denn durch die starke Konturierung der einzelnen Elemente wird eine Illusion der Unnahbarkeit Christi vermittelt, die zugleich durch die plastische Ausarbeitung der feinen und akzentuierten Tesserae eine Konkretheit erreicht, die um 500 n. Chr. außer Konkurrenz steht.[49] Der beeindruckend leuchtend blaue Hintergrund bewirkt zusätzlich eine unendliche Raumtiefe, die die Parusie -Gegebenheit als real und unnatürlich zugleich erscheinen lässt, sodass der Gedanke an das endzeitliche Geschehen auftaucht, allerdings als dramatisches apokalyptisches Moment sogleich verschwindet, um dem Betrachter das Wunderbare und Großartige dieses zukünftigen Ereignisses vor Augen zu führen.

[...]


[1] Über die Verbindung von Apsisprogrammen und Betrachter schreibt ausführlich Gamber, Klaus: Liturgie und Kirchenbau. Studien zur Geschichte der Meßfeier und des Gotteshauses in der Frühzeit. Regensburg 1976. S. 10 ff.

[2] Als Beispiel dazu dient Ihm, Christa: Die Programme der christlichen Apsismalerei vom 4. Jh. bis zur Mitte des 8. Jh. Wiesbaden 1960. S. 36 ff.

[3] Zitiert nach Teichmüller, Gustav: Geschichte des Begriffs der Parusie. In: Aristotelische Forschungen. Bd. III. Halle 1873. S. 6.

[4] Zitiert nach Gustav Teichmüller: Geschichte der Parusie, S. 9.

[5] Eine ausführliche Erläuterung der Zusammenhänge von παρουσία und anderen wichtigen Begriffen wie ἐντελέχεια und ἐνέργεια bei den antiken Philosophen bietet Gustav Teichmüller im ersten Kapitel dieses Bandes.

[6] Gemäß Ebd., S. 26ff.

[7] Eine gute Auflistung und Zusammenfassung der ersten Kirchenväter bietet das Buch von Carroll, John T.: The return of Jesus in Early Christianity. Massachusetts 2000. Der Verweis auf den Märtyrer Justin zur doppelten Parusie ist auf S. 156 belegt.

[8] Zitiert nach Gustav Teichmüller: Geschichte der Parusie, S. 67f. Gemäß einer deutschen Übersetzung aus dem Griechischen der Justini apolog. I 52. (Patrolog. Ser. Graec. Tom. VI. Migne p 404.)

[9] Die Textstellen stammen aus Schroeder, Hans-Werner: Von der Wiederkunft Christi heute. Verheißung und Erfüllung. Stuttgart 1991. S. 27 ff.

[10] Die synthetische Methode ist hier zu verstehen als eine Zusammenstellung oder Verbindung verschiedener Elemente. Im Gegensatz dazu bezeichnet das analytische Verfahren die Bestimmung der Einzelelemente aus einem Ganzen oder neu Entstandenen.

[11] Die Meinung des synthetischen Verfahrens äußert Josef Engemann in Übereinstimmung mit Yves Christe in Engemann, Josef : Auf die Parusie Christi hinweisende Darstellungen in der frühchristlichen Kunst. In: Jahrbuch für Antike und Christentum. Jahrgang 19. Aschendorff 1976. S. 139.

[12] Zitiert nach Josef Engemann: Auf die Parusie Christi hinweisende Darstellungen in der frühchristlichen Kunst. S. 140.

[13] Diese Erklärung befindet sich bei Hans-Werner Schroeder: Von der Wiederkunft Christi heute, S. 81.

[14] Zitiert nach Josef Engemann: Auf die Parusie Christi hinweisende Darstellungen in der frühchristlichen Kunst, S. 141.

[15] Entnommen aus Ebd., S. 142.

[16] Zitiert nach Ebd., S. 143.

[17] Gemäß Ebd., S. 145 ff.

[18] Gemäß Josef Engemann: Auf die Parusie Christi hinweisende Darstellungen in der frühchristlichen Kuns t, S. 152 ff.

[19] Zitiert nach Daniélou, Jean: Liturgie und Bibel. Die Symbolik der Sakramente bei den Kirchenvätern. München 1963. S. 27.

[20] Zitiert aus Jean Daniélou : Liturgie und Bibel, S. 48 f.

[21] Gemäß Ebd., S. 40.

[22] Gemäß Ebd., S. 51 f.

[23] Zitiert nach Joh 3, 5.

[24] Die Textstellen sind bestätigt bei Schiller, Gertrud: Ikonographie der christlichen Kunst. Bd. I, Inkarnation-Kindheit-Taufe-Versuchung-Verklärung-Wirken und Wunder Christi. Gütersloh 1966. S. 137.

[25] Zitiert nach Mt 3,17.

[26] Teilzitiert aus Jean Daniélou: Liturgie und Bibel, S. 48.

[27] Das dreimalige Untertauchen bezieht sich auf den Tod Christi, als er „3 Tage und 3 Nächte im Grabe lag“. Zitiert nach Jean Daniélou: Liturgie und Bibel, S. 53.

[28] Zitiert nach Gertrud Schiller: Ikonographie der frühchristlichen Kunst. Bd. I, S. 141.

[29] Dieser Begriff taucht auf bei Schiller, Gertrud: Iconography of Christian Art. Vol. I. Christ´s Incarnation-Childhood-Baptism-Temptation-Transfiguration-Works and Miracles. London 1971. S.132.

[30] Zitiert nach dem Kapitel „Zwischen Taufe und Verklärung“ bei Felmy, Karl Christian: Das Buch der Christus-Ikonen. Freiburg 2004. S. 88.

[31] Diese Auffassung ergibt sich nach eingehender Analyse bei Strzygowski, Josef : Iconographie der Taufe Christi. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der christlichen Kunst. München 1885. S. 7.

[32] Die Teilzitate und die Beschreibung erfolgt gemäß der detaillierten Zusammenfassung bei Josef Strzygowski: Iconographie der Taufe Christi, S. 7.

[33] Gemäß Schiller, Gertrud: Iconography of Christian Art. Vol. I. Christ´s Incarnation-Childhood-Baptism-Temptation-Transfiguration-Works and Miracles. London 1971. S. 132. Die Lucina-Krypta wird auch bei Josef Strzygowski: Iconographie der Taufe Christi beschrieben, hier auf S. 3. Ebenfalls als erste Abbildung angenommen, aber wenig beachtet, wird sie bei Ristow, Günter: Die Taufe Christi. Recklinghausen 1965. S. 12.

[34] Gemäß der Beschreibung von Gertrud Schiller: Iconography of Christian Art. Vol. I., S. 132.

[35] Gemäß und zitiert nach Josef Strzygowski: Iconographie der Taufe Christ i, S. 5.

[36] Die Bibelverweise stammen in unmittelbarer Abfolge und Übereinstimmung bei Josef Strzygowski: Iconographie der Taufe Christi, S. 5 f.

[37] Die Information zu Jesaja ist unter dem selbigen Stichwort entnommen aus: Das aktuelle wissen.de Lexikon. (24 Bde.) Bd. 11. Gütersloh/München 2004. S. 25.

[38] Die Darstellungshinweise stammen aus Josef Strzygowski: Iconographie der Taufe Christi, S. 5 ff.

[39] Die erste Abbildung der senkrecht über Christi Haupt schwebenden Taube befindet sich in der SS. Pietro e Marcellino-Katakombe in Rom. Ausführlich dazu in Günter Ristow: Die Taufe Christi, S. 15 f.

[40] Die Abbildungsbeispiele stammen aus Josef Strzygowski: Iconographie der Taufe Christi, S. 9 ff.

[41] Erst ab dem 9. Jahrhundert kommen neue ikonografisch bedeutende Motive hinzu, wie begleitende Engel u.a., welche allerdings zur Ausführung der frühchristlichen Kunst thematisch nicht in Betracht gezogen werden können.

[42] Der Verweis der Palmen auf das Paradies befindet sich in Gertrud Schiller: Iconography of Christian Art. Vol. I., S. 133f. Der Thron mit dem Gemmenkreuz am Ende der Prozession ist leider nicht ursprünglich, sondern später entstanden, weshalb dieser hier leider nicht auf das endzeitliche Geschehen bezogen werden kann.

[43] Die traditio legis ist ein gestalterisches Thema und Motiv, das Christus mit Petrus und Paulus zeigt, wie er die rechte Hand hebt und mit links an Petrus die Buchrolle überreicht. Ist übersetzt also eine „Übergabe des Gesetzes“ an Petrus. Quelle: Berger, Klaus : Der traditionsgeschichtliche Ursprung der „traditio legis“. In: Vigiliae Christianae. Vol. 27, No.2 (Jun., 1973), S. 104-122.

[44] Diese Meinung hat Poeschke, Joachim : Vis superbae formae. Zur Theophanie im Apsismosaik von SS. Cosma e Damiano in Rom. In: Beständig im Wandel: Innovationen, Verwandlungen, Konkretisierungen. Hrsg. Von Christian Hecht. Berlin 2009. S. 38.

[45] Über die Restaurationsarbeiten schreibt eingehend Tucci, Luigi: The revival of antiquity in medieval Rome. The restoration of the basilica of SS. Cosma e Damiano in 12. Century. In: Memoirs of the American Academy in Rome. 49.2004(2005). S. 99-126.

[46] Entnommen aus Brandenburg, Hugo: Ancient churches of Rome. From the fourth to the seventh century. The Dawn of Christian Architecture in the West. Regensburg 2004. S. 222 ff.

[47] “AULA D(e)I CLARIS RADIAT SPECIOSA METALLIS

IN QUA PLUS FIDEI LUX PRETIOSA MICAT

MARTYRIBUS MEDICIS POPULO SPES CERTA SALUTIS

VENIT ET EX SACRO CREVIT HONORE LOCUS

OPTULIT HOC D(omi)NO FELIX ANTISTITE DIGNUM

MUNUS UT AETHERIA VIVAT IN ARCE POLI”.

Die Inschrift ist zitiert nach Osborne, John: The Jerusalem Temple treasure and the church of Santi Cosma e Damiano in Rome. In: Papers of the British School at Rome. Jahrgang 76. 2008. S. 173-181, 355.

[48] Gemäß der Beschreibung in Poeschke, Joachim: Mosaiken in Italien. 300-1300. München 2009. S. 94 ff.

[49] Gemäß Joachim Poeschke: Vis superbae formae. Zur Theophanie im Apsismosaik von SS. Cosma e Damiano in Rom, S. 40 ff.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Das Motiv der Taufe Christi als Bildinhalt der Parusie
Untertitel
Zum Apsismosaik von SS. Cosma e Damiano in Rom
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Europäische Kunstgeschichte)
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V163247
ISBN (eBook)
9783640775026
ISBN (Buch)
9783640774876
Dateigröße
5226 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Motiv, Taufe, Christi, Bildinhalt, Parusie, Apsismosaik, Cosma, Damiano
Arbeit zitieren
Nicole Hilbig (Autor), 2010, Das Motiv der Taufe Christi als Bildinhalt der Parusie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163247

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