Kampf der Kulturen

Kann die Rechtspädagogik im Konflikt zwischen der westlichen Welt und dem Islam vermitteln?


Essay, 2010

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung:

Einleitung

Der Anfang eines Problems oder die Rückkehr der Barbaren

Rechtspädagogik oder eine friedenstiftende Wissenschaft

Das Zweistufenmodell oder Jeder wird selig werden

Erste Stufe oder der Rechtspositivismus

Zweite Stufe oder das Naturrecht

Vernunft oder von Kant und die Freiheit

Empathie oder „die Würde des Menschen ist unantastbar?!“

Dynamik oder das Problem mit dem Iran

Die Weltgesellschaft oder der Versuch einer demokratischen Lösung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Menschen leben in einer Zeit des ständigen Wandels. Die Globalisierung der Arbeits- und der Kapitalmärkte prägen uns genauso, wie die nicht abzuschätzenden Nebenfolgen eines immerwährenden technischen Fortschritts und dessen Auswirkungen für die Umwelt. Auflösungserscheinungen der traditionellen Formen der Familie und eine sinkende Zahl der Bevölkerung in den meisten Staaten Europas stehen in der direkten Kongruenz zur Bevölkerungsexplosion in den Schwellenländern und in der dritten Welt. Unsicherheit wird bei den Menschen geschürt, welche es jedem Einzelnen heutzutage erschwert, zu durchschauen, wohin die Zeit uns führt. Orientierungslosigkeit und Angst macht sich bei den bisher so wohl genährten Industrieländlern breit. Angst vor einer Radikalisierung ethischer und kultureller Differenzen und die damit einhergehende Gefahr einer wachsenden religiösen Fundamentalisierung. Durch die Angriffe auf New York, Madrid und London ist ihnen klargeworden, dass der internationale Terrorismus und die grenzüberschreitende Kriminalität nicht etwas ist, was nur irgendwo anders auf der Welt passiert, sondern direkt vor ihrer Haustür stattfindet. Und so ist offensichtlich alles in Bewegung und nichts scheint heute mehr von Dauer und Verlässlichkeit.

In meinem Essay möchte ich zeigen, wie die Rechtspädagogik einen Ausweg aus dieser Orientierungslosigkeit bietet, wie sie eine ordnende Funktion übernimmt und zu einer Lösung im Sinne der Menschenrechte führt. Dabei sollen mir das rechtspädagogische Zweistufenmodell und die dazugehörigen Prinzipien der Vernunft, Empathie und Dynamik einen roten Pfaden bieten, die wir von der Keimzelle unserer Gesellschaft bis zur „großen Weltpolitik“ anwenden können, um damit einen fast unausweichlich scheinenden Kampf der Kulturen doch noch abzuwenden und um einer friedlichen Zukunft zusteuern zu können.

Der Anfang eines Problems oder die Rückkehr der Barbaren

Es scheint angesichts zahlreicher Rückfälle in ein barbarisches Verhalten schwierig zu sein, den Menschen klarzumachen, dass das Recht, sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene, die Funktion zur Verbreitung und Ordnung des Friedens übernehmen muss. Wenn Nachrichten täglich darüber berichten, wie sich ganze Völker in Kriegen zerfleischen und dabei das Völkerrecht absichtlich missachten. Wenn demokratisch gewählte Präsidenten ihrem Volk, ja der ganzen Welt ins Gesicht lügen, in dem sie ihrem Intimfeind Massenvernichtungswaffen andichten und dadurch nur einen Schleier über ihre, vor Gier glänzenden Augen legen. Zum Beispiel sehe ich da das Problem des 11. Septembers 2001. Die ganze Welt war geschockt von den barbarischen Taten der Terroristen, die vier Flugzeuge entführten und wie riesige Kanonenkugeln als todbringende Waffen einsetzten. Auch aus islamischen Staaten, wie dem Iran, kamen ernstgemeinte Kondolenzbekundungen. Doch an Stelle, dass er das diplomatische Handreichen für eine Annäherung nutzte, schien der damalige amerikanische Präsident und sein Regierungsstab um Donald Rumsfeld und Dick Cheney ihre imperialen Ansprüche lieber weiter fortführen zu wollen. Nach dem Machiavellieschen Motto „Der Zweck heiligt die Mittel“ stellten sie an Stelle von Recht und Moral lieber Gewalt und List und nutzten das abscheuliche Verbrechen für ihre wirtschaftlichen und ideologischen Pläne. Mit seiner Rede an die Nation am 29. Januar 2002 erfand der damalige amerikanische Präsident „die Achse des Bösen“ und setzte sogleich zwei islamische Staaten an vorderster Stelle. Dem Iran und Irak wurde von der Washingtoner Regierung vorgeworfen den internationalen Terrorismus zu unterstützen und heimlich nach Massenvernichtungswaffen zu streben. Mit dieser Maßnahme, einer Liste für Schurkenstaaten, verschärften die Vereinigten Staaten den internationalen Ton und entzogen dabei auch gleich den eigenen Diplomaten die wichtigste Grundlage zur Ergreifung der Drahtzieher der Attentate vom 11. September 2001. Denn eines steht fest. Moslems dürfen islamische Glaubensbrüder nicht an Ungläubige ausliefern, welche zudem schon im Krieg mit einem anderen islamischen Staat stehen. Und auch die Eile, mit der die USA in den Irak einmarschierten und den internationalen Waffeninspektoren so nur wenig Zeit gaben, machte die Menschen in aller Welt misstrauisch. Viele motivierte Männer, die alle die ersten sein wollten, welche die Massenvernichtungswaffen in die live übertragenden Fernsehkameras zeigen wollten, wurde schon nach ihrem ersten Einsatz klar, das an ihrem Auftrag etwas faul sein musste. Sie gingen mit der Erkenntnis aus diesem Desaster, dass das Land seine moralische Instanz verloren hatte. Schon im Jahr 2003 zeigten dann die weltweiten Massenproteste gegen den Irakkrieg, die Friedenssehnsucht, welche in fast jedem Menschen vorherrscht. Das Problem ist, dass der Frieden nicht nur durch bloßes Handreichen errungen werden kann. Im selben Atemzug wie man den Frieden nennt, muss man auch den Begriff des Rechts in den Kontext ziehen. Um Recht zu schaffen und damit den Frieden zu sichern, bedarf es einer neuen Wissenschaft. Der Rechtspädagogik. Aber was genau ist eigentlich Rechtspädagogik?

Rechtspädagogik oder eine friedenstiftende Wissenschaft

Als „Wissenschaft darüber, wie dem Menschen die Prinzipien und die davon abzuleitenden Regelungen des Zusammenlebens am effektivsten vermittelt und er motiviert werden kann, diese freiwillig einzuhalten,“(S.140 BzB) definierte Sigrun von Hasseln die Grundzüge ihrer Rechtspädagogik. Diese rechtsphilosophische Disziplin hat ihr Ziel in der Friedensschaffung und Friedenssicherung in einer Mehrkulturengesellschaft. In ihr wird versucht ein ethisch und moralisch hinterfragendes Rechtsbewusstseins zu vermitteln, welches auf der Basis einer anzustrebenden ganzheitlichen Werte- und Gesellschaftsordnung im Rahmen der internationalen Menschenrechte beruht. Die Rechtspädagogik kann uns dabei helfen, Grundpfeiler für eine auf Freiwilligkeit angewiesene offene, demokratische und interkulturelle Hightech-Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts zu finden. Dazu gehören insbesondere das Recht auf Freiheit und Mündigkeit. Aber auch die Pflicht Verantwortung zu übernehmen und Toleranz gegenüber des Anderen einzuüben und ihn zu achten.

Um diese Ziele nach Möglichkeit schon sehr früh zu erreichen, sollten grundlegende Prinzipien des Zusammenlebens einer Zivilgesellschaft im demokratischen, europäischen Rechtsstaat und die dazu gehörigen Rechtskenntnisse begreifbar und vor allem erfahrbar gemacht werden. In der Rechtspädagogik begreift man dabei, das Recht als das zentrale Element einer aus Vielzahl von Individuen, Gemeinschaften und Kulturen zusammengewürfelten Gesellschaft. Dabei baut die Rechtspädagogik auf die Prinzipien der Vernunft, der Empathie und der Dynamik und lässt den Menschen erfahren, dass in erster Linie er selbst dafür verantwortlich ist, in welcher Situation er sich befindet und daher auch die Konsequenzen für sein Handeln tragen muss. Die Rechtspädagogik fördert und fordert die Menschen, damit sie eine selbstbewusste, eigenständige und moralisch sowie sozial gefestigte Persönlichkeit ausprägen. Mit dem notwendigen Einfühlungsvermögen und der erforderlichen Mitleidsfähigkeit versetzt, sind sie dann in der Lage, den auf sie heute einwirkenden unterschiedlichsten Gefährdungen zu widerstehen. „Es geht darum, das Zusammenleben in einer kulturellen Interessenvielfalt sowie sozialen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen geprägten Weltgesellschaft auf einen neuen gemeinsamen Nenner zu stellen, auf dessen Basis alle Bewohner kulturübergreifend in einer hoffnungserfüllten und lebensbejahenden Weise ohne Not in friedlicher Nachbarschaft miteinander leben können.“(S.12 RPF) So scheint es eines der wichtigsten Aufgaben zum Frieden hin zu sein, die Menschen in aller Welt davon zu überzeugen, dass das Recht als solches grundlegende und international anerkannte moralische Normen enthält, welche mit denen ihrer Kultur oder Religion übereinstimmen. Das Recht muss immer eine Brücke zur globalen Verständigung zwischen verschiedenen Kulturen bilden.

Uns allen wird nur ein friedliches Zusammenleben gelingen, wenn wir endlich damit anfangen, über die großen und kleinen Aufgaben dieser Welt nachzudenken. Die Menschen müssen endlich in eine Diskussion treten und dürfen sich nicht mehr nur zurücklehnen und darauf hoffen, dass internationale Fachleute auf ebenso internationalen Kongressen allgemeine Abkommen beschließen. Schon der Alltag bringt eine Vielzahl an Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammen und schon hier beginnt die Notwendigkeit einer interkulturellen Kommunikation. Zwar wird das Netz in dem die internationalen Menschenrechte gelten immer feinmaschiger und damit bietet es auch dem Einzelnen einen Schutz vor Unmenschlichkeit, Willkür und abweichenden Moralvorstellungen. Doch reicht die alleinige Berücksichtigung der Menschenrechte schon heute nicht mehr aus. Denn wollen wir ein friedliches Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen, sowohl auf engsten Raum, als auch als Teil einer weltweiten Völkerverständigung sichern, müssen wir noch den Faktor der Interkulturalität einführen. Da die Themenhintergründe nur noch global angesprochen werden können, wird es bei einer interkulturellen Rechtsethik um die Kompatibilität von Menschenrechten mit anderen Weltanschauungen und Religionen gehen. Daher können wir uns im täglichen Diskurs nicht auf den Menschenrechten als absolute moralische Werte ausruhen, sondern müssen in einen laufenden Dialog mit anderen Kulturkreisen eintreten. Dieser ist nicht wegzudenken, wenn Menschen aus unterschiedlichen Kulturen oder mit differentem religiösem Vorverständnis aufeinander treffen.

Das Zweistufenmodell oder Jeder wird selig werden

Um im Alltag erfolgreich zwischen den verschiedensten Kulturen zu kommunizieren, scheint mir das 2 Stufenmodell eine vielversprechende Methode. Es bietet die Möglichkeit auf diplomatischer Ebene die Kämpfe auszufechten, welche bis zu den Wurzeln der Menschheit zurückgehen. Das Modell erlaubt uns eine ständige Abwägung der Rechtsgüter, um einen permanenten interkulturellen Frieden zu sichern. Im Rahmen einer lebendigen Diskussion kann man so die Grenzen einer ethischen Rechtsordnung setzen. Genau dafür braucht man eine funktionierende interkulturelle Rechtsethik. Deren Bestimmung muss es sein, „...Regeln, nach denen sich unser Zusammenleben mit Menschen aus anderen Kulturkreisen bestimmen soll, mit Berücksichtigung der jeweiligen kulturell-moralischen Vorstellungen solche Inhalte zu geben, dass diese auf ein gemeinsames, Kulturen übergreifendes sittliches bzw. moralisches Ziel gerichtet sind“(S.126 REP)

„Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“ so lautete die bekannte Verordnung Friedrichs des Großen. Mit der Verkündung der Religionsfreiheit begann der Aufstieg Preußens. Tausende von qualifizierten und handwerklich ausgebildeten Menschen strömten in das Land und schufen die Basis für den wirtschaftlichen Aufschwung des vor dieser Zeit armen Staates. Das Diktum des Preußenkönigs zeigt dessen Weitsichtigkeit, verdeutlicht uns aber auch, wie die Forderung an unser heutiges System lauten sollte. Denn vor jeder Rechtsebene steht im menschlichen Miteinander eine persönliche individuelle Ebene, in der das Recht als solches, erst einmal keine Rolle spielt. Es ist ein Stadium, in dem der religiöse Glaube, ob nun Christ oder Moslem, und die persönliche Weltanschauung bestimmend sind. Diese Ebene zu schulen, bedeutet mehr über andere Kulturen, Weltanschauungen oder Religionen zu erfahren. Ob nun bei Jung oder Alt, dient die Ausprägung dieser Ebene sowohl der Weltoffenheit als auch der Toleranz. Traditionen können bei der einen oder anderen Seite zu Unbehagen führen. So galt es in unserem Kulturkreis lange als unhöflich wenn man in einem Gespräch seinen Hut aufließ, jedoch schreibt der Koran einer muslimischen Frau das Tragen eines Kopftuches vor. Ein anderes Beispiel ist die Monogamie, einer der Grundpfeiler in der europäischen Familienhistorie. Sie hat ihre Wurzeln in der christlichen Mythologie von Adam und Eva in der Bibel und wurde noch mehr durch die bürgerliche europäische Geschichte gefestigt. In der westlichen Hemisphäre schaut man deswegen auch mit Unbehagen auf die Vielehe, in manchen islamischen Staaten und spricht von der „armen unterdrückten Frau.“ Diese konträr gegenüberstehende Art der Ehe ist jedoch traditionell begründet. Denn nimmt man das Beispiel der Vielehe in Nepal, erkennt man schnell, dass die Polygamie keine Frage von Religion ist. So sind es in Nepal die Frauen, die mehrere Männer haben dürfen. Sie dienen ihnen zur Sicherung des Lebensunterhalts, weil die Frauen nie wissen können, ob ihr Mann auch aus der lebensfeindlichen Umwelt der Berge zurückkehrt. Eines steht jedoch fest. Die Individualebene darf man nie als rechtsfreien Raum sehen, denn Defizite wie die Prügelstrafe, die zwar zu mancher Tradition eines Landes gehört, aber gegen das internationale Menschenrecht verstößt, wird auch in ihr angeprangert und rechtlich bestraft. Das Ziel dieser Ebene sollte also das Einbinden der Güter anderer Kulturen sein, solang diese mit den Menschenrechten vereinbar sind und diesen nicht widersprechen.

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Kampf der Kulturen
Untertitel
Kann die Rechtspädagogik im Konflikt zwischen der westlichen Welt und dem Islam vermitteln?
Hochschule
Brandenburgische Technische Universität Cottbus
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V163296
ISBN (eBook)
9783640793181
ISBN (Buch)
9783640793655
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kampf, Kulturen, Kann, Rechtspädagogik, Konflikt, Welt, Islam
Arbeit zitieren
Toni Bäurich (Autor), 2010, Kampf der Kulturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163296

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