Um den Themenbereich der Phantasiegeschichten im Deutschunterricht und deren
Notwendigkeit zu verstehen, ist es zunächst nötig das Phänomen der Phantasie zu begreifen.
Seit den 70er Jahren ist der Begriff „Phantasie“ eher durch „Kreativität“ ersetzt worden. Man
versteht darunter „die Einbildungskraft; die Fähigkeit sich etwas nicht sinnlich gegebenes und
auch nicht erinnerungsmäßig Vergegenwärtigtes anschaulich vorzustellen“1. „Dies kann das
Ergebnis einer neuen Kombination früherer Wahrnehmungen sein, oder eine völlig neuartige
Schöpfung, kann in der Wirklichkeit existieren können oder auch nicht. Schöpferisches
Denken ist die Produktion von originellen Einfällen, die zum Erkennen und zur Lösung von
Problemen führt“2.
Phantasie kann man jedoch niemandem beibringen – lehren - denn Phantasie ist nicht etwas,
was man erlernen könnte. Phantasie hat jeder Mensch! Man denke nur an spielende Kinder:
Der Sandkuchen ist tatsächlich ein Kuchen, der Stein ist jetzt ein Auto und dann ein Mensch
und dann doch wieder nur ein gewöhnlicher Stein. Die Regeln eines Kinderspiels können
sekündlich wechseln und gelten doch immer. Im Laufe der Zeit wird den Kindern die
Phantasie mehr und mehr genommen, durch Regeln, Maßregelungen und Konventionen.3
„Realitäten des Alltags“ drohen das Denken und Handeln unserer Kinder heute in
zunehmendem Maße zu bestimmen. Doch Kinder sollten nicht zu früh aus dem Reich der
Phantasie verbannt werden, damit sie auch später immer mal wieder „einen Blick über den
Zaun sogenannter Realitäten werfen“ und sich zu kreativ denkenden und arbeitenden
Persönlichkeiten entwickeln können.4
Aufgabe der Lehrerin oder des Lehrers ist es dann im Deutschunterricht den Kindern zunächst
unter Anleitung ein Gefühl für ihre eigenen gestalterischen Fähigkeiten zu geben und ihnen
erforderliche Anstöße zum freien Erfinden von Helden, Gegenständen, Ereignissen und
Zusammenhängen zu geben.
1 „Goldmann-Lexikon“; Goldmann Verlag; 1998
2 www.wissen.de; Stichwort „Kreativität“
3 Vgl.: http://www.kreative-texte.de/Seite_fur_LehrerInnen/seite_fur_lehrerinnen.html
4 Vgl.: „Verstehen und Gestalten A5“; Arbeitsbuch für Gymnasien, Hrsg.: Gerhard Schoebe; Oldenbourg-Verlag
1995, S.199
Inhaltsverzeichnis
1. Was ist Phantasie
2. Möglichkeiten für den Lehrer/ die Lehrerin
2.1 I. Arbeiten an Modeltexten
2.2 II. Was sind Phantasiegeschichten und worauf kommt es an?
2.3 III. Anregungen zum freien
2.3.1 a) begrenzt freies Schreiben
2.3.2 b) eingeschränkt freies Schreiben
2.3.3 c) freies Schreiben
3. Gruppenarbeit oder Individualität
4. Veröffentlichen der Arbeiten
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung und Förderung von Phantasiegeschichten im Deutschunterricht der Sekundarstufe I. Das primäre Ziel besteht darin, Lehrkräften methodische Ansätze und praktische Anregungen zu vermitteln, wie Schüler dazu motiviert werden können, ihre Kreativität beim Schreiben freier Texte zu entfalten, ohne sie durch zu starre Vorgaben einzuengen.
- Grundlagen des Phantasiebegriffs und dessen Bedeutung für Kinder
- Methodische Differenzierung zwischen begrenztem, eingeschränktem und freiem Schreiben
- Die Rolle der Lehrkraft als Impulsgeber bei der Schreibförderung
- Integration von Gruppenarbeit versus Individualität im Schreibprozess
- Bedeutung der Veröffentlichung und konstruktiven Kritik von Schülertexten
Auszug aus dem Buch
1.) Was ist Phantasie?
Um den Themenbereich der Phantasiegeschichten im Deutschunterricht und deren Notwendigkeit zu verstehen, ist es zunächst nötig das Phänomen der Phantasie zu begreifen. Seit den 70er Jahren ist der Begriff „Phantasie“ eher durch „Kreativität“ ersetzt worden. Man versteht darunter „die Einbildungskraft; die Fähigkeit sich etwas nicht sinnlich gegebenes und auch nicht erinnerungsmäßig Vergegenwärtigtes anschaulich vorzustellen“. „Dies kann das Ergebnis einer neuen Kombination früherer Wahrnehmungen sein, oder eine völlig neuartige Schöpfung, kann in der Wirklichkeit existieren können oder auch nicht. Schöpferisches Denken ist die Produktion von originellen Einfällen, die zum Erkennen und zur Lösung von Problemen führt“.
Phantasie kann man jedoch niemandem beibringen – lehren - denn Phantasie ist nicht etwas, was man erlernen könnte. Phantasie hat jeder Mensch! Man denke nur an spielende Kinder: Der Sandkuchen ist tatsächlich ein Kuchen, der Stein ist jetzt ein Auto und dann ein Mensch und dann doch wieder nur ein gewöhnlicher Stein. Die Regeln eines Kinderspiels können sekündlich wechseln und gelten doch immer. Im Laufe der Zeit wird den Kindern die Phantasie mehr und mehr genommen, durch Regeln, Maßregelungen und Konventionen. „Realitäten des Alltags“ drohen das Denken und Handeln unserer Kinder heute in zunehmendem Maße zu bestimmen. Doch Kinder sollten nicht zu früh aus dem Reich der Phantasie verbannt werden, damit sie auch später immer mal wieder „einen Blick über den Zaun sogenannter Realitäten werfen“ und sich zu kreativ denkenden und arbeitenden Persönlichkeiten entwickeln können.
Aufgabe der Lehrerin oder des Lehrers ist es dann im Deutschunterricht den Kindern zunächst unter Anleitung ein Gefühl für ihre eigenen gestalterischen Fähigkeiten zu geben und ihnen erforderliche Anstöße zum freien Erfinden von Helden, Gegenständen, Ereignissen und Zusammenhängen zu geben.
Zusammenfassung der Kapitel
Was ist Phantasie: Dieses Kapitel definiert das Phänomen Phantasie als kreative Einbildungskraft und betont die Notwendigkeit, Kindern ihre natürliche Phantasie trotz zunehmender Alltagsrealitäten zu bewahren.
Möglichkeiten für den Lehrer/ die Lehrerin: Hier werden didaktische Strategien diskutiert, um den Übergang von der Realität zur Phantasie im Unterricht gezielt zu gestalten und Kinder altersgerecht zum Schreiben zu motivieren.
Arbeiten an Modeltexten: Dieses Kapitel erläutert den Einsatz von Vergleichstexten, um Schülern grundlegende Merkmale einer gelungenen Phantasiegeschichte anschaulich zu verdeutlichen.
Was sind Phantasiegeschichten und worauf kommt es an?: Hier werden formale Anforderungen an Phantasiegeschichten, wie Aufbau und innere Wahrscheinlichkeit, sowie verschiedene Genres wie Märchen oder Abenteuergeschichten definiert.
Anregungen zum freien: Dieses Kapitel strukturiert methodische Ansätze wie das begrenzt freie, eingeschränkt freie und vollkommen freie Schreiben, um Schreibimpulse zu geben, ohne die Kreativität einzuschränken.
Gruppenarbeit oder Individualität: Der Vergleich beleuchtet Vor- und Nachteile kollektiver versus individueller Schreibprozesse und gibt praktische Tipps für die Unterstützung schwächerer Schüler.
Veröffentlichen der Arbeiten: Das abschließende Kapitel zeigt auf, wie durch die Veröffentlichung der Texte der Ansporn zur Überarbeitung gesteigert und die soziale Kompetenz der Schüler gefördert wird.
Schlüsselwörter
Phantasie, Kreativität, Deutschunterricht, Phantasiegeschichte, Aufsatzerziehung, Schreiben, Schreibförderung, Didaktik, Sekundarstufe, Schreibimpulse, Gruppenarbeit, Individualität, Schülertexte, Textproduktion, Vorstellungskraft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Umsetzung und Förderung von Phantasiegeschichten im Deutschunterricht der Sekundarstufe I.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretische Einordnung der Phantasie, methodische Impulse für Lehrkräfte sowie die Abwägung zwischen verschiedenen Schreibformen und Arbeitsweisen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Lehrkräften praktische Handlungsanweisungen zu geben, wie sie die Kreativität von Schülern beim Schreiben fördern können, ohne diese durch starre Anforderungen einzuschränken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit didaktischer Fachliteratur sowie auf konkrete unterrichtspraktische Beispiele und Methoden für den Schreibunterricht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Stufen der Schreibanregung, die Nutzung von Modelltexten, die Differenzierung zwischen Gruppen- und Einzelarbeit sowie den Prozess der Textveröffentlichung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die zentralen Schlüsselwörter sind Phantasie, Kreativität, Aufsatzerziehung, Schreibimpulse und didaktische Förderung.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen den verschiedenen Formen des freien Schreibens?
Die Autorin differenziert anhand der Vorgabedichte: Beim "begrenzt freien Schreiben" dient ein Erzählkern als Basis, beim "eingeschränkten Schreiben" gibt es Vorgaben zu Figuren oder Orten, während beim "freien Schreiben" maximale gestalterische Freiheit besteht.
Welche Rolle spielt die Veröffentlichung der Texte für den Lernerfolg?
Die Veröffentlichung dient als Motivationsfaktor, regt zur inhaltlichen Überarbeitung der Texte an und fördert die soziale Interaktion durch konstruktive Kritik im Klassenverbund.
- Quote paper
- Julia Kurz (Author), 2003, Phantasiegeschichten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16332