Zu Beginn meiner Arbeit „Die Versuchungen Jesu. Mt 4,1-11 und Lk 4,1-13“ gebe ich einige Hintergrundinformationen zum vermutlichen Ursprung der Versuchungsgeschichte und zu ihrer Einordnung in die Evangelien des Matthäus und des Lukas. Anschließend handle ich nacheinander die Verse der Versuchungsgeschichte ab, ehe ich auf ihre Besonderheiten eingehe. Hierzu gehört neben den Querverweisen vor allem die unterschiedliche Reihenfolge der Versuchungen bei den beiden Evangelisten und die Bedeutung der Gottessohnschaft Jesu. Im 6. Kapitel beschäftige ich mich abschließend damit, warum die Versuchungen Jesu niedergeschrieben worden sind, wie sie sich auslegen lassen und welche Wirkung sie in der alten Kirche und in der Neuzeit hervorgerufen haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einleitende Hintergrundinformationen
2.1 Ursprung der Versuchungsgeschichte
2.2 Einordnung in die Evangelien
2.2.1 Das Matthäusevangelium
2.2.2 Das Lukasevangelium
3. Die Versuchungsgeschichte in Mt 4,1-11
3.1 Prolog (Mt 4,1f.)
3.2 Die 1. Versuchung (Mt 4,3f.)
3.3 Die 2. Versuchung (Mt 4,5-7)
3.4 Die 3. Versuchung (Mt 4,8-10)
3.5 Epilog (Mt 4,11)
4. Die Versuchungsgeschichte in Lk 4,1-13
4.1 Prolog (Lk 4,1f.)
4.2 Die 1. Versuchung (Lk 4,3f.)
4.3 Die 2. Versuchung (Lk 4,5-8)
4.4 Die 3. Versuchung (Lk 4,9-12)
4.5 Epilog (Lk 4,13)
5. Besonderheiten der Versuchungsgeschichte
5.1 Querverweise innerhalb der Bibel
5.2 Reihenfolge der Versuchungen
5.3 Die Gottessohnschaft Jesu
6. Bedeutung der Versuchungsgeschichte
6.1 Absichten der Verfasser
6.2 Auslegungsmöglichkeiten
6.3 Wirkungsgeschichte
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Versuchungsgeschichten Jesu nach den Evangelien von Matthäus (Mt 4,1-11) und Lukas (Lk 4,1-13), um deren theologischen Gehalt, die unterschiedliche Gewichtung durch die Evangelisten sowie die Bedeutung der Gottessohnschaft Jesu vor seinem öffentlichen Wirken zu analysieren.
- Vergleichende Analyse der Versuchungstexte bei Matthäus und Lukas
- Untersuchung der Rolle der Gottessohnschaft und des Gehorsams Jesu
- Interpretation der unterschiedlichen Reihenfolge der Versuchungen
- Einordnung der Texte in den Kontext des Alten Testaments und des Exodus
- Reflektion über die Wirkungsgeschichte der Versuchungsgeschichten
Auszug aus dem Buch
3.4 Die 3. Versuchung (Mt 4,8-10)
8 Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht 9 und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. 10 Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
Wie schon die zweite Versuchung so beginnt nun auch die dritte und letzte Versuchung mit einem Ortswechsel, wobei es auf einen nicht näher bestimmten Berg geht. Von diesem Berg aus zeigt der Teufel Jesus „alle Reiche der Welt“ (Mt 4,8) „wie Gott, der Abraham und Mose das Land Kanaan […] zeigte, weil er es Israel verleihen konnte und wollte.“13 Anschließend versucht der Teufel Jesus, der diesmal nicht als Sohn Gottes angesprochen wird, durch „die Forderung der Anbetung seiner Person mit Gott zu entzweien […] [und; D.P.] aus dem Messias Gottes einen Messias des Satans“14 zu machen.
Doch wie schon die beiden Male zuvor, so erweist sich Jesus auch hier als gehorsam allein gegenüber Gott, was er erneut mit einem Schriftzitat untermauert. Bei dem zitierten Vers aus Dtn 6,13 handelt es sich um eine Mahnung, die auf die vom Volk Israel missachteten Gebote Gottes in Ex 23,20-33; 34,11-14 zurückzuführen ist. Die Israeliten hatten vor ihrer Landnahme den Auftrag bekommen, keinen fremden Göttern zu dienen, doch sie unterlagen dem Gottesgebot. Jesus hingegen, der „die Herrschaft über eine heidnische und götzendienerische Welt erhalten [soll; D.P.], die in der Macht des Fürsten der Finsternis ist“15, erweist sich wiederholt als treu und gehorsam gegenüber Gott. Für ihn gibt es weder einen Götzendienst noch eine Satansverehrung und so verzichtet er auf die Macht, die der Teufel ihm prophezeit hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über das Ziel der Arbeit, die behandelten Evangelientexte und den methodischen Aufbau der Untersuchung.
2. Einleitende Hintergrundinformationen: Dieses Kapitel erörtert den vermutlichen Ursprung der Geschichte in der Logienquelle und vergleicht die Einordnung in das Matthäus- und Lukasevangelium.
3. Die Versuchungsgeschichte in Mt 4,1-11: Das Kapitel analysiert detailliert den Prolog, die drei einzelnen Versuchungen und den Epilog im Matthäusevangelium.
4. Die Versuchungsgeschichte in Lk 4,1-13: Hier erfolgt eine systematische Untersuchung der lukanischen Fassung der Versuchungsgeschichte, wobei besonders auf die Struktur und Abweichungen zu Matthäus geachtet wird.
5. Besonderheiten der Versuchungsgeschichte: Dieser Abschnitt beleuchtet Querverweise zur Bibel, die abweichende Reihenfolge der Versuchungen und die Thematik der Gottessohnschaft Jesu.
6. Bedeutung der Versuchungsgeschichte: Das Kapitel reflektiert die Absichten der Verfasser, verschiedene Auslegungsmöglichkeiten sowie die Wirkungsgeschichte in Kirche und Neuzeit.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Matthäus und Lukas trotz gleicher Quelle unterschiedliche Akzente setzen, um ihre jeweiligen theologischen Schwerpunkte zu unterstreichen.
Schlüsselwörter
Versuchung Jesu, Matthäusevangelium, Lukasevangelium, Gottessohnschaft, Teufel, Wüste, Gehorsam, Schriftzitat, Deuteronomium, Exodus, Monotheismus, Christologie, Messias, Heilsgeschichte, Wirkungsgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Versuchungsgeschichten Jesu in Mt 4,1-11 und Lk 4,1-13, analysiert deren Aufbau, Bedeutung und die theologischen Absichten der Evangelisten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören der Gehorsam Jesu gegenüber Gott, die Bedeutung der Gottessohnschaft, die Symbolik der Wüste sowie der Vergleich zwischen Jesus und dem Volk Israel.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Matthäus und Lukas die Versuchungsgeschichte nutzen, um Jesus als gottestreuen Sohn Gottes darzustellen und welche unterschiedlichen theologischen Akzente sie dabei setzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine historisch-theologische Exegese angewandt, die sich auf die Analyse der Texte, ihrer Quellen sowie auf einen Vergleich der unterschiedlichen Fassungen bei Matthäus und Lukas stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Exegese der einzelnen Versuchungsabschnitte bei Matthäus und Lukas sowie eine übergreifende Analyse zu Querverweisen, Reihenfolge der Versuchungen und Bedeutung der Gottessohnschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Versuchung, Gottessohnschaft, Gehorsam, Matthäus, Lukas, Deuteronomium, Wüste, Messias und Monotheismus.
Warum ist die Reihenfolge der Versuchungen bei Matthäus und Lukas unterschiedlich?
Die Arbeit legt dar, dass die unterschiedliche Reihenfolge bei Lukas insbesondere dazu dient, den Weg Jesu nach Jerusalem und dessen Bedeutung für die Leidensgeschichte zu betonen.
Welche Bedeutung kommt der Gottessohnschaft Jesu in den Texten zu?
Die Gottessohnschaft wird als Basis für Jesu Handeln verstanden. Durch das Ablehnen der Versuchungen beweist Jesus seinen Gehorsam als wahrer Sohn Gottes und Monotheist.
- Citation du texte
- Daniela Poloczek (Auteur), 2008, Die Versuchungen Jesu, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163364