Das Gottesbild im Koran

Eine Annäherung


Seminararbeit, 2010
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

INHALT

1. Einleitung

2. Der Koran
2.1 Der Aufbau des Korans
2.2 Inhalte der Offenbarungen
2.3 Die Bedeutung des Korans für gläubige Muslime

3. Das Gottesbild im Koran
3.1 Gottesnamen
3.2 Bildliche Darstellung Gottes
3.3 Eigenschaften Gottes
3.3.1 Gott als einziger Gott
3.3.2 Gott als Schöpfer
3.3.3 Gott als Richter

4. Die Rolle der Prädestination
4.1 Der Widerspruch der Prädestination des Menschen im Koran
4.2 Die Theodizeefrage

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. EINLEITUNG

Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in das im Koran (arab. al-Qurān )1 dargelegte Gottesbild geben. Dieser Einblick erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, es soll, wie der Titel der Hausarbeit schon sagt, eine Annäherung sein. Dabei sollen die wichtigsten Attribute Gottes herausgestellt und anhand von Suren belegt werden. Außerdem soll herausgearbeitet werden, in wie weit die Eigenschaften Gottes Einfluss auf das Leben der gläubigen Muslime haben.

Der Hauptteil dieser Hausarbeit ist in drei Teile geteilt: Zunächst wird im ersten Teil kurz eine Einführung in den Koran selbst, seinen Aufbau und Inhalt sowie seine Bedeutung für gläubige Muslime gegeben.

Im zweiten Teil soll zuerst auf Bezeichnungen für Gott im Koran und die ihm darin zugeschriebenen Attribute eingegangen werden. Ein kurzer Einblick in die bildliche Darstellung Gottes im Koran folgt danach. Im Anschluss soll anhand von Suren und Versen herausgearbeitet werden wie Gott im Koran dargestellt wird und welche seiner Eigenschaften für den Islam besonders elementar sind.

Im dritten Teil soll schließlich der umstrittene Aspekt der Prädestination behandelt werden, also die Frage, in wie weit der gläubige Muslim -nach Koran - tatsächlich von Gott beeinflusst wird oder bis zu welchem Grad er selbstständig handelt und die Verantwortung für sein Handeln somit selbst tragen muss. Auch dazu werden Verse des Koran untersucht werden. Sämtliche verwendete Versübersetzungen sind der Koranübersetzung von Adel Khoury (2007) entnommen.

Zum Schluss soll es ein Fazit mit einer kurzen Zusammenfassung des Geschriebenen geben.

2. DER KORAN

2.1 DER AUFBAU DES KORANS

Der Koran ist in 114 Suren (arab. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) gegliedert, welche wiederum in unterschiedlich lange Verse (arab. [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]) eingeteilt sind.2

„Die Eröffnende“ (arab. al - Fātiḥa ) ist die erste Sure des Korans. Die Suren sind im Großen und Ganzen der Länge nach angeordnet, jedoch spielten bei der Anordnung auch noch Faktoren wie Entstehungszeitraum (z.B. sind die Suren 57-66 medinensischen Ursprungs), Thema, die Einleitung der Suren durch die „geheimnisvollen Buchstaben“ oder eine ähnliche Einleitung usw. eine Rolle. Demnach stimmt die Ordnung nach der Länge nicht ganz, ist jedoch ein relativ verlässlicher Maßstab.3

Alle Suren haben Namen, welche jedoch nicht Teil der Offenbarung durch den Propheten waren, sondern im Nachhinein als Erinnerungshilfe für die Koranrezitation hinzugefügt wurden. Diese Namen können ein wichtiges Thema einer Sure (die meisten Suren haben durch ihre Zusammenfügung mehr als ein Thema), ein wichtiges Wort, der Name einer in der Sure vorkommenden Person oder irgendein in der Sure vorhandenes Wort sein. Es gibt auch Gruppennamen, zum Beispiel für Suren, die mit denselben Buchstaben oder Wörtern ) beginnen ṭawāsīn, solche, anfangen. So heißen Suren, die mit den Buchstaben ṭā sīn beginnen ṭawāsīn, solche, die zum Beispiel mit der Aufforderung „sprich!“ (arab. qul ) anfangen, werden al-qalāqil genannt.

Alle Suren, bis auf die Sure neun4, werden durch die Basmala erföffnet. Diese ist eine Eulogie die im Deutschen etwa mit dem Wortlaut „im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Erbarmers“ übersetzt werden kann (arab. bi-ismi-llahi ar-raḥmān ar-raḥīm ). Generell wird sie nicht als eigener Vers gezählt, es gibt jedoch auch Muslime, die sie als ersten Vers jeder Sure zählen. In der gängigen Zählung fällt sie jedoch heraus und wird lediglich als Trennung der Suren bzw. der Einführung der jeweiligen folgenden Sure betrachtet.

Es gibt 29 Suren, welche durch Buchstaben eingeleitet werden, die von westlichen Islamwissenschaftlern „geheimnisvolle Buchstaben“ genannten werden. Es handelt sich hierbei um einen oder mehrere Buchstaben zu Beginn einer Sure, welche getrennt gelesen werden. Bis heute ist noch keine konkrete Lösung für dieses Phänomen gefunden worden, obwohl sich viele Wissenschaftler dieser Sache im Laufe der Zeit angenommen haben.

Nach Nöldecke/Schwally liegt eine chronologische Einteilung der Koransuren in vier Entstehungsperioden vor, die so weitgehend akzeptiert wird: Drei mekkanische Perioden (610-622) und die medinensische Periode (622-632). Die ersten beinhalten die Offenbarungen des Propheten, die er noch in Mekka kundgetan hat, letztere die aus Medina. Die mekkanische Periode ist aufgrund von stilistischen Eigenschaften der Suren noch in drei Abschnitte eingeteilt worden: Der Stil der Suren der ersten mekkanischen Periode (610-615) ist eher poetisch und leidenschaftlich bzw. eindringlich. In der zweiten mekkanischen Periode (615- 620) ändert sich dies ein bisschen, „die Suren werden länger, der Stil, obwohl immer noch mit Tendenzen zu poetischer Ausdrucksweise, ist weniger leidenschaftlich, mehr prosaisch, die Botschaft konzentriert sich um die Zeichen Gottes in der Schöpfung sowie sein Eingreifen in die Geschichte der Menschen (…), seine Eigenschaften (…) werden eindringlich beschrieben.“ (Khoury 2007:49)

In der dritten mekkanischen Periode (620-622), während der hauptsächlich Predigten in den Suren enthalten sind, zeichnen sich jene durch ihre Länge sowie ihren Stil mit immer weniger eindringlichen und damit „trockeneren“ Ausführungen aus.

2.2 INHALTE DER OFFENBARUNGEN

Die göttlichen Botschaften, die später im Koran zusammengefasst wurden, wurden vom Propheten Muhammad in der Zeit von 610 bis zu seinem Tod im Jahr 632 verkündet. Der Inhalt des Korans wurde demnach nicht direkt als ganzes, sondern nach und nach offenbart. Mit diesen Offenbarungen äußerte sich Muhammad zu unterschiedlichen Themen.5

Zum Einen beziehen sich die Predigten auf die Religion des Islam, die zu ihr gehörigen religiösen Pflichten und die Frömmigkeit der Muslime vor Gott. Auch die Haltung Muhammads gegenüber den Polytheisten und die Verurteilung ihrer Glaubenshaltung stehen an vielen Stellen im Mittelpunkt. Außerdem wird das richtige Verhalten innerhalb der Gemeinde beschrieben. So gibt es Anmerkungen zu Konfliktlösungen, wozu auch die „Lösung praktischer Fälle und (die) Beantwortung grundsätzlicher Fragen“ (Khoury 2007:Seite) gehört. Auch Gesetze bzw. rechtliche Bestimmungen bezüglich der Politik, der Wirtschaft sowie Gesellschaft, der Familie und der Behandlung von Nichtmuslimen sind darin festgehalten. Zudem gibt es auch Schilderungen über eigentlich biblische Personen wie Jesus, Moses oder Adam.

2.3 DIE BEDEUTUNG DES KORANS FÜR GLÄUBIGE MUSLIME

Der Koran ist für gläubige Muslime „das heilige Buch, in dem die Offenbarungen niedergeschrieben sind, die Gott durch den Propheten Muhammad den Menschen kundgetan hat“ (Khoury 2007:37). Er hat in Glaubensfragen absolute Autorität und bietet den Menschen Rechtleitung im Glauben, aber auch Ermahnung, wenn sie vom rechten Glauben abkommen sollten. Wie auch die Gewohnheit des Propheten (arab. sunna ), in den Ḥadīṯen festgehalten, bietet der Koran den Gläubigen ein Vorbild des richtigen Handelns, er ist eine „absolut verbindliche Richtschnur“ (Khoury 2007:55). Er bietet Antworten für Fragen jeder Situation und dient in Konfliktsituationen als gerechtes Urteilsmittel. Dem Koran als Gottes Wort steht der gläubige Muslim daher mit großer Ehrfurcht gegenüber, was zugleich eine ergebene Unterwerfung unter den Willen Gottes bedeutet.6 Dies ist eine Widerspiegelung dessen, was schon die Religionsbezeichnung „Islām“ bedeutet: die völlige Hingabe an Gott.7

Dementsprechend spielt der Koran im täglichen Leben eine große Rolle: während aller Predigten und Gebete nimmt die Koranrezitation einen wichtigen Anteil ein, besonders auch bei der Verrichtung der fünf täglichen Gebete (arab. ṣalāt ). So wird u.a. al - Fātiḥa im Rahmen dieser Gebete stets rezitiert. Diese Koranrezitationen dienen als Kommunikationsmittel zwischen Gott und den Gläubigen und sind seit jeher - trotz der Verschriftlichung des Korans - ein dominantes Merkmal im Alltag eines gläubigen Muslims.

Weitere religiöse Pflichten wie das Fasten (arab. ṣiyām ) und die Pilgerfahrt (arab. ḥaǧǧ ) sind im Koran festgehalten:

O ihr, die ihr es glaubt, vorgeschrieben ist euch, zu fasten, so wie es denen vorgeschrieben worden ist, die vor euch lebten, auf dass ihr gottesfürchtig werdet. “ (Sure 2, 183)

„ Und vollzieht die Wallfahrt und den Pilgerbesuch für Gott ( … ) “ (Sure 2, 196)

Auch die während der Wallfahrtsriten gesprochenen Formeln wurden der koranischen Sprache entnommen. Schon als Kind wird der Koran auswendig gelernt. Auch radikal- islamistische Bewegungen benutzen die Koranrezitation zur Verdeutlichung ihrer Ziele.

Neben religiösen Handlungen wie der rituelle Waschung (arab. ġ usl ) oder Beerdigungszeremonien, bei denen der Koran rezitiert wird, findet mehrmals am Tag Koranrezitation wie selbstverständlich statt: Bei der Eröffnung von Feierlichkeiten, Besprechungen oder zu Beginn von Radio- und Fernsehübertragungen. Auch die Basmala wird zu bestimmten Anlässen von den Muslimen aufgesagt8, so zum Beispiel beim Betreten eines Hauses, vor einer Prüfung, vorm Essen usw.9

Der Koran selbst gilt für einen gläubigen Muslim als Gottes Wort als „unnachahmlich und unübertrefflich“ (Khoury 2007:54). Auch die arabische Sprache des Koran wird als die erhabenste und schönste Sprache überhaupt empfunden, da sie göttlichen Ursprungs ist und ihre sprachliche Kraft unübertrefflich ist.10

Generell ist es üblich, in einem muslimischen Haushalt einen Koran zu besitzen, welcher an der höchstmöglichen Position eines Regals steht, was ihm eine besondere Ehre verleiht.11 Wie Gott selbst im Koran dargestellt wird soll im folgenden Kapitel bearbeitet werden.

[...]


1 Die Umschrift arabischer Wörter wird im Folgenden entsprechend der DMG angewendet, wenn es keine entsprechenden deutschen Wörter gibt. Bei einer vorhandenen gängigen deutschen Bezeichnung wird die Umschrift des arabischen Wortes in Klammern hinter dem Wort angegeben.

2 Vgl. Khoury 2007:37-52

3 Wäre die Länge ein genauer Maßstab zur Ordnung der Suren, so müsste z.B. die zweite Sure mit dem Namen „die Kuh“ (arab. al-Baqara ) die erste Sure des Korans sein, da sie die längste ist.

4 in Sure neun „Die Umkehr“ (arab. al-Tauba ) geht es mehr um den Zorn Gottes bezogen auf die Ungläubigen, Polytheisten und Gegner des Islam, weniger um seine Barmherzigkeit. (vgl. Khoury 2007:45)

5 Vgl. Khoury 2007

6 Vgl. Khoury 2007:37 und Khoury 2007:53-55

7 Vgl. Paret 19722 :72

8 Nach einer ḥadīṯ-Überlieferung ist eine Handlung sogar unvollkommen, wenn zu Beginn ihrer Ausführung nicht die Basmala rezitiert wird (Vgl EQ: Everyday Life, 92)

9 Vgl. EQ: Everyday Life

10 Vgl. Khoury 2007:54

11 Vgl. EQ: Everyday Life

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Das Gottesbild im Koran
Untertitel
Eine Annäherung
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Islamische Leittexte und Riten
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
23
Katalognummer
V163380
ISBN (eBook)
9783640777365
ISBN (Buch)
9783640776986
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Koran, Islam, Gottesbild, Prädestination, Gottesdarstellung
Arbeit zitieren
Maren Rüsch (Autor), 2010, Das Gottesbild im Koran, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163380

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